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  • vor 5 Wochen
Es ist ein politisches Erdbeben, das Sachsen-Anhalt erschüttert. Erneut erringt die AfD in einem Bundesland einen Wahlsieg und die aktuell regierende CDU kommt auf nicht einmal mehr 20 Prozent. Wie dieser politische Wandel vonstattengegangen ist, wie es in dem Bundesland jetzt weitergeht und was das für Friedrich Merz und die Koalition in Berlin bedeutet, erklärt STANDARD-Korrespondentin Birgit Baumann.

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Transkript
00:00Die AfD gewinnt erneut eine Landtagswahl und das auch ziemlich eindeutig.
00:04Rund 44 bis 45 Prozent der Wähler geben in Sachsen-Anhalt der Alternative für Deutschland ihre Stimme.
00:11Die Partei verdoppelt sich, die regierende CDU stürzt auf unter 20 Prozent ab.
00:15Wir analysieren das Ergebnis mit unserer Reporterin vor Ort und schauen uns an, welche Auswirkungen es haben wird.
00:21Ich bin Daniel Retschezeker, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast des Standards.
00:30Birgit Baumann, Standardkorrespondentin in Deutschland, zugeschaltet aus Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
00:36Birgit, was bedeutet dieses Wahlergebnis für das Bundesland?
00:40Ja, hallo aus Magdeburg. Ja, es ist ganz klar, die amtierende Koalition, das war aus CDU, SPD und FDP, ist
00:49abgewählt worden.
00:50Und es müssen sich jetzt erst einmal die Verhältnisse hier neu sozusagen zurechtsschütteln.
00:55Man weiß noch nicht ganz, wie es weitergeht. Die CDU hat einen historischen Absturz hingelegt.
01:01Und ja, gleichzeitig hat die AfD ihren größten Erfolg aller Zeiten bisher eingefahren.
01:08Birgit, wie hat denn die AfD dieses Kunststück jetzt vollbracht, hier in Sachsen-Anhalt so dermaßen zuzulegen und so stark
01:13zu werden?
01:14Da gibt es mehrere Gründe. Also zum einen hat sie einen sehr charismatischen Spitzenkandidaten.
01:20Das ist Ulrich Siegmund. Er ist 35 Jahre alt. Er ist sehr eloquent, kommt sehr gut an.
01:26Er hat sehr das Wir-Gefühl angesprochen. Ich war auch auf einigen seiner Wahlveranstaltungen.
01:31Das waren zum großen Teil Grillpartys und sogenannte Familienfeste. Er hat da inhaltlich gar nichts so viel vom Stapel gelassen,
01:40sondern hat eher dieses Wir-Gefühl angesprochen. Wir lassen uns nicht spalten. Wir sind der Osten.
01:47Jetzt sind wir dran. Wir halten alle zusammen. Das ist unglaublich gut angekommen.
01:51Viele Menschen sind sehr frustriert. Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, die wirtschaftlichen Daten sind nicht zu berauschend für Sachsen-Anhalt.
02:00Und es herrscht schon, das muss man auch sagen, ein großer Frust, wenn man nach Berlin schaut,
02:04auf die Darstellung oder auf die Darbietung der Bundesregierung.
02:09Birgit, wir nehmen Sonntagabend auf. Es ist 22.01 Uhr. Der derzeitige Hochrechnungsstand lautet,
02:16und ich lese das jetzt ganz kurz vor, weil auswendig weiß ich es natürlich auch nicht,
02:19AfD 44 Prozent, CDU 17,8, SPD 9,1, Linke 8,8, Grüne 8,7, Bündnis Sarah Wagenknecht 5,1
02:29und die FDP wird nicht vertreten sein. Die schaffen die 5-Prozent-Hürde nicht mit 2,4 Prozent.
02:35Das sind jetzt die Zahlen von ARD. ZDF hat da etwas andere. Da reißt sie sich um 0,1 Prozentpunkte
02:42plus minus ungefähr.
02:43Wie es derzeit aussieht, hat die AfD also diese absolute Mehrheit nicht erreicht.
02:47Was kommt denn jetzt? Eine Koalition mit der CDU oder was ist da der Plan?
02:52Also man muss sich die Sitzverteilung im Landtag anschauen. Aktuell hat der Landtag 83 Sitze.
02:58Das heißt, für eine absolute Mehrheit sind 42 Sitze nötig.
03:02Und ja, nach Stand jetzt hat die AfD das nicht erreicht.
03:05Das heißt, sie bräuchte einen Koalitionspartner.
03:09Ja, du fragst nach der CDU. Also es wird eher nicht in Frage kommen, denn die CDU hat vorher immer
03:15gesagt,
03:16nein, niemals, wir werden mit dieser rechtsextremen Partei nicht koalieren.
03:20Das darf man nicht vergessen.
03:21In Sachsen-Anhalt ist die AfD seit dem Jahr 2023 vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
03:30Es gibt verschiedene Spekulationen, was passieren könnte.
03:33Die gibt es schon seit einigen Wochen.
03:35Wenn es jetzt nur um zwei, drei, vier Mandate geht, so geht das Gerücht,
03:40könnte die AfD sich bemühen, einige CDU-Abgeordnete auf ihre Seite zu ziehen.
03:47Das ist aber überhaupt nicht belastbar.
03:49Wie gesagt, es gibt nur die Gerüchte im Moment.
03:52Es gibt auch das Gerücht bzw. die Annäherung vom Bündnis Sarah Wagenknecht an die AfD.
03:59Die beiden Hochrechnungsinstitute von ARD und CDF sehen inzwischen beide,
04:04dass das Bündnis Sarah Wagenknecht, also das BSW, über fünf Prozentpunkte liegt.
04:08Das heißt, sie wären vertreten mit fünf Sitzen dort.
04:12Aber ich kann mir das irgendwie nicht so ganz vorstellen.
04:14Man biedert sich zwar an, aber das ist eine Abspaltung der Linken,
04:17die jetzt mit der Rechten eine gemeinsame Sache machen soll.
04:20Was hältst du davon? Kannst du uns das erklären?
04:22Ja, du bist nicht der Einzige, der da irgendwie Zweifel hat.
04:26Ja, wir wissen ja, Sarah Wagenknecht ist also aus der Linken ausgeschieden
04:30und hat dieses Bündnis BSW gegründet.
04:33Und klar, sie ist einerseits eine ehemalige Linke,
04:36vertritt aber auch Positionen, die bei der AfD gut ankommen.
04:40So sagt sie zum Beispiel, also die Zuwanderung muss gestoppt werden.
04:44Es dürfen nicht so viele Leute mehr nach Deutschland kommen.
04:47Und Sarah Wagenknecht hat also sehr von sich Reden gemacht,
04:51im Vorfeld der Wahl und hat gesagt, sie möchte ein ganz anderes Modell.
04:56Sie möchte eigentlich grundsätzlich gar keinen AfD-Ministerpräsidenten,
05:00sondern eine Person, die sozusagen überparteilich ist
05:04und von allen im Landtag vertretenen Fraktionen getragen wird,
05:08auch natürlich von der AfD.
05:10Sie hat keinen Namen genannt und das damit begründet,
05:14dass diese Person dann möglicherweise, wie man so schön sagt, verbrannt wäre.
05:18Allerdings hat das auch noch andere Gründe.
05:21Also das wäre ja eigentlich ein Wundewutzi.
05:23Also eine solche Person gibt es eigentlich überhaupt nicht.
05:26Und Wagenknecht sagt ganz klar für den Fall,
05:29dass also die anderen dann nicht mitspielen,
05:32dann wäre ihr BSW, sofern es denn in den Landtag hineinkommt,
05:35auch bereit, im Landtag bei der Wahl des Ministerpräsidenten
05:40im entscheidenden dritten Durchgang
05:42also nicht gegen den AfD-Kandidaten zu stimmen.
05:46Im dritten Durchgang reicht bei einer Wahl dann die einfache Mehrheit
05:50und dann könnte Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt werden.
05:54Gut, also die linke Abspaltung.
05:55BSW würde sich da einem AfD-Ministerpräsidenten nicht verschließen.
06:00Da haben die anderen Parteien allerdings möglicherweise etwas dagegen.
06:04Was ist denn die Alternative zur Alternative für Deutschland?
06:08Eine Koalition an ihr vorbei,
06:10klingt ja zumindest, was das Farbspektrum betrifft,
06:13derzeit wirklich abenteuerlich.
06:14Und auch hier könnte ja das BSW wieder eine Rolle spielen.
06:17Was kann man daraus machen?
06:19Ja, das ist es wirklich.
06:20Und da lohnt sich ein Blick nach Thüringen,
06:23wo vor zwei Jahren im September 2024 gewählt worden ist.
06:26Dort war die AfD erstmals die stimmenstärkste Partei.
06:30Und es formierte sich dann eine sogenannte Anti-Höcke-Koalition,
06:34also Anti-Björn-Höcke.
06:35Und das ist die sogenannte Bromberg-Koalition.
06:38Die besteht aus der CDU, der SPD, dem BSW.
06:42Und es reicht immer noch nicht, also muss die Linke sie tolerieren.
06:46Also du siehst, es ist wirklich sehr bunt dann dort.
06:48Aber in dem Fall hat es gereicht.
06:50Da konnte man die AfD noch ausbremsen.
06:56Was ist denn, wenn sich die Absolute für die AfD doch ausgeht?
07:00Dann stellt sie ihm den Ministerpräsidenten.
07:03Der wird Ulrich Sigmund heißen.
07:05Ja, und dann, ich weiß es nicht, was dann alles passieren wird.
07:09Man kann es sich ungefähr ausrechnen.
07:12Also Sigmund hat ja schon gesagt, was er als erstes machen wird.
07:16Also seine erste Amtshandlung wird sein,
07:18dass er den Medienstaatsvertrag,
07:20das ist, wie man es früher nannte,
07:21den Rundfunkstaatsvertrag, kündigen wird.
07:24Denn er ist nicht begeistert,
07:27wie die öffentlich-rechtlichen Sender sich positionieren
07:29und sagt, das ist alles Staatsfunk.
07:31Das muss alles verschlankt werden.
07:33Und das wird also seine allererste Amtshandlung sein.
07:36Relativ leicht oder einfach umzusetzen wäre auch,
07:41dass ein Erlass ergeht.
07:44Vor den Schulen dürfen dann keine Regenbogenfahnen mehr wehen.
07:47Auch nicht vor irgendwelchen Kommunen.
07:49Da müsste dann die Deutschlandfahne wehen.
07:52Und es würde dann eine Kampagne eingesetzt werden.
07:56Derzeit gibt es schon eine Landeskampagne,
07:58die heißt Modern Denken.
08:00Das orientiert sich am Bauhaus,
08:02das ja in Dessau seinen Sitz hat,
08:04auch in Sachsen-Anhalt.
08:06Und die AfD möchte daraus gerne Deutsch denken machen.
08:10Kurze Unterbrechung, gleich geht es weiter.
08:11Wenn ihr den Standard unterstützen möchtet
08:13und damit auch diesen Podcast,
08:15dann geht das am besten weiterhin über ein Standard-Abo.
08:17Und da gibt es jetzt auch ein exklusives Angebot für euch.
08:20Das erste Monat für nur einen Euro.
08:22Damit erhaltet ihr nicht nur Zugang zu exklusiven Inhalten,
08:26ihr könnt auch dabei sein bei spannenden Diskussionen,
08:28bei Standard im Gespräch.
08:30Die nächste Ausgabe erscheint da bereits am 08.09.
08:33Alle Infos unter dst.at
08:35Slash Smart-Abo, Link in den Shownotes.
08:38Und jetzt geht es weiter.
08:39Okay, zum Inhaltlichen kommen wir noch dann im Detail.
08:43Vielleicht ganz kurz noch zur Wahlerithmetik
08:46und zur Sitzverteilung und zu einem möglichen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund.
08:50Weil hat nicht der AfD-Spitzenkandidat Siegmund eigentlich angekündigt,
08:54dass er nicht mit anderen Parteien regieren wollen würde
08:57und die absolute Mehrheit auch nur viel stabil halten würde,
09:01wenn er denn irgendwie, glaube ich, plus drei bis vier Mandate hätte.
09:04Korrigiere mich da gerne.
09:05Kann er davon jetzt noch abrücken?
09:06Macht das jetzt vielleicht doch mit dem BSW oder mit der CDU oder sonst irgendjemandem?
09:10Es ist genau richtig, wie du es schilderst.
09:13Er war da sehr klar eigentlich und hat gesagt,
09:15nur wir alleine, wir alleine können das Land retten oder es ändern.
09:20Keine Ahnung, wie immer man das dann nennen will.
09:22Und er möchte also keine Koalitionspartner.
09:25Aber er ist schon ein bisschen heute Abend davon abgerückt
09:29und hat gesagt, wir Demokraten, unter Anführungszeichen,
09:32reichen allen die Hand, die mit uns das Land verändern wollen.
09:36Natürlich möchte sich die AfD diese historische Chance nicht entgehen lassen.
09:42Sachsen-Anhalt soll ja nur ein Mosaik oder ein erster Meilenstein sein
09:47am Weg zur sozusagen Machtübernahme im Bund.
09:52Und regulär sind die nächsten Bundestagswahlen im Jahr 2029
09:56und da möchte ja Alice Weidel dann Kanzlerin werden.
09:59Und sie bräuchte sozusagen ein Bundesland, auf das sie dann schon verweisen kann.
10:06Was ist denn deine Einschätzung?
10:07Du kennst die politische Situation in Deutschland besser als wir.
10:11Ich kann da immer nur auf Österreich blicken und da gibt es ja natürlich schon Unterschiede.
10:14Sollte denn deine Einschätzung nach einer Partei das Wagnis eingehen,
10:17mit der AfD gemeinsame Sache zu machen?
10:19Ich meine, nach der Wahl ist nicht vor der Wahl
10:21und so eine Brandmauer könnte relativ schnell fallen.
10:25Aber kann man denn unter Anführungszeichen die AfD entzaubern,
10:28wie es so viele immer wieder prognostizieren oder vorhaben?
10:32Also es haben sich bis auf das BSW hier alle total eingemauert.
10:36Also da gibt es mal die Linke und die Grünen, die sowieso,
10:39also es ist undenkbar, dass die irgendwas mit der AfD machen.
10:42Das Gleiche gilt auch für die SPD.
10:45Auch die CDU unter dem Ministerpräsidenten Sven Schulze,
10:48der auch hier Spitzenkandidat war, hat immer gesagt,
10:52nein, nein, wir arbeiten mit dieser Partei nicht zusammen.
10:55Das sind Russland-Freunde, die wollen aus dem Euro aus, aus der EU.
10:59Das kommt nicht in Frage. Und man darf nicht vergessen,
11:02auch der Bundeskanzler Friedrich Merz hat diese Direktive von Berlin aus
11:06immer ausgegeben. Also wenn die da jetzt umfallen,
11:10das kommt eigentlich politischem Selbstmord gleich.
11:15Lass uns vielleicht auch noch über die anderen Parteien sprechen,
11:18allen voran natürlich über die CDU.
11:19Die hatte ja den Plan, wenn man da dem Kanzler zugehört hat,
11:22die AfD zu halbieren. Jetzt hat man sich selbst fast halbiert
11:25und die AfD hat sich fast verdoppelt.
11:27Man hat wirklich die, wahrscheinlich schmerzhafteste Niederlage
11:30in der Geschichte hingelegt. Was ist denn da schiefgegangen?
11:33Ja, das war wirklich sehr dramatisch.
11:36Und Sven Schulze, der noch amtierende Ministerpräsident war,
11:40unglaublich angefasst heute.
11:41Man hat ihm also gemerkt, wie sehr ihm das nahe geht.
11:46Also er hatte eine schwierige Position.
11:48Er ist erst seit wenigen Monaten, seit Jänner im Amt
11:52und er hat eigentlich gedacht, er kann diesen Rückstand noch aufholen,
11:56aber das hat überhaupt nicht geklappt.
11:58Er war natürlich sehr in der Defensive.
12:02Ulrich Siegmund als Herausforderer hatte es viel leichter.
12:05Der tingelte über die Dörfer und setzt sich halt in Talkshows
12:09und sagt immer nur, das Land ist furchtbar,
12:12es geht alles in den Bach rum, das und das ist schlecht.
12:14Und es ist natürlich sehr viel schwieriger gewesen,
12:17Entschuldigung, für den Ministerpräsidenten zu argumentieren.
12:22Sein Vorgänger Rainer Haseloff war so ein richtiger Landesvater.
12:27Der war auch sehr lange im Amt und der hat die AfD sozusagen
12:31vor fünf Jahren noch in Schach halten können.
12:33Aber diesen Ministerpräsidentenbonus hatte Schulze jetzt nicht.
12:37Und er hatte auch, wie man es nennt, diesen berühmten Gegenwind aus Berlin.
12:42Also die Bundesregierung ist unglaublich unbeliebt.
12:46Das meiste davon kriegt Friedrich Merz ab, der in der gleichen Partei ist wie Sven Schulze.
12:52Und auch das hat alles eine Rolle gespielt.
12:55Sprechen wir gleich über das, wenn du es schon ansprichst.
12:5875 Prozent der Gesamtwählerschaft und 47 Prozent der CDU-Wähler meinen,
13:04dass Merz, also der Bundeskanzler in Deutschland von der CDU,
13:08der Partei in Sachsen-Anhalt, also wieder der CDU, geschadet hätte.
13:12Das sind Nachwahlbefragungszahlen vom ZDF.
13:14Was ist das jetzt?
13:15Ein Blamegame in seine Richtung.
13:17Der Bund ist schuld, Berlin ist schuld.
13:19Also deine Einschätzung wert, die Niederlage jetzt verursacht.
13:22Schulze oder Merz, also Magdeburg oder Berlin.
13:25Was ist das?
13:27Ich glaube, es ist eine Mischung.
13:29Also natürlich kann man schon sehr stark nach Berlin zeigen, wie ich ja schon gesagt habe.
13:34Also die Bundesregierung ist sehr unbeliebt.
13:36Und Bundeskanzler Friedrich Merz patzt ein ums andere Mal.
13:40Er hat ja vor einiger Zeit den Verkehrsminister hinausgeworfen.
13:44Das ist alles vollkommen schiefgegangen.
13:46Der ganze Wechsel in diesem Ministerium wurde zu früh kolportiert.
13:50Also es war Chaos.
13:51Dann hat es jetzt einen sehr unglücklichen Auftritt gegeben im RTL.
13:56In einer RTL-Diskussionsveranstaltung, wo er also eine Ärztin, die ihm vorgeworfen hat,
14:01keine gute Arbeit zu leisten, wirklich regelrecht abgekanzelt hat.
14:05Das hat fast wehgetan beim Zuschauen.
14:08Also ich glaube, da spielt schon sehr viel vom Bund hinein.
14:12Aber man muss auch sagen, man kann das Land oder die Landesz-CDU und Sven Schulze,
14:19den bisherigen Ministerpräsidenten, auch nicht aus der Verantwortung lassen.
14:23Ja, sie haben die Menschen, er oder die Partei hat einfach die Menschen nicht erreicht.
14:28Nicht in dem Maße, wie es der AfD gelungen ist.
14:31Die sind wirklich in alle Dörfer gegangen, immer wieder Feste gemacht,
14:36während Sven Schulze eigentlich mehr so Unternehmerveranstaltungen gemacht hat.
14:41Er sagt natürlich, er will die Stärkung der Wirtschaft vorantreiben.
14:45Das kann man alles verstehen.
14:47Aber Sven Schulze ist auch nicht so charismatisch.
14:50Also ich denke, es war eine Mischung aus allem, was da schiefgegangen ist.
14:56War es denn wirklich so schlau, wenn wir die Verantwortung jetzt vielleicht mal nach Magdeburg transportieren,
15:01während des Wahlkampfes einen offenen, unter Anführungszeichen, Konflikt mit dem Kanzler zu suchen?
15:07Der Schauspieler Dieter Halleforden ist ja die ganze Zeit mit Sven Schulze rumgelaufen,
15:11immer wieder aufgetreten, war jetzt heute am Wahlabend auch zu sehen.
15:14Und der hat zum Beispiel während des Wahlkampfes Schmähungen in Richtung des Kanzlers ausgeteilt.
15:18Ich meine, eine zerstrittene Partei wählt ja eigentlich niemand gerne.
15:21Das kennen wir ja aus vergangenen Wahlkämpfen, auch aus Österreich beispielsweise.
15:26Ja genau, also einerseits, Sven Schulze war halt hin und her gerissen.
15:32Also einerseits wollte er sich abgrenzen und hat da natürlich auch mit Didi, wie er ja genannt wird,
15:38sehr gerne Wahlkampf gemacht.
15:40Er hat es ja auch selber versucht.
15:41Also es war jetzt nicht so ein lustiges Thema vielleicht, wie der Komiker Didi das vorgetragen hat.
15:49Es geht um die Reformen, die geplant sind.
15:52Und da möchte die Bundesregierung die Frühverrentung, die vorzeitige Verrentung mit 63 Jahren abschaffen.
15:59Und da läuft Sven Schulze Sturm dagegen und sagt, das können wir uns hier nicht leisten im Osten.
16:04Die Renten sind hier sehr viel niedriger.
16:07Ja, also er selbst hat sozusagen auch sich dem Kanzler widersetzt.
16:12Und ja gut, auf der einen Seite kann man sagen, ja, da ist aber einer was, der lässt sich nicht
16:15alles gefallen und nichts vom Bund diktieren.
16:18Aber andererseits, genau wie du sagst, eine zerstrittene Partei ist nicht wirklich attraktiv.
16:25Streifen wir noch kurz die anderen Parteien.
16:27Sowohl Linke, Grüne als auch SPD können mit ihrem Wahlergebnis, ich glaube, über die AfD freuen sie sich weniger,
16:33aber zumindest über ihren einigenden Balken können sie sich freuen.
16:36Warum?
16:37Fangen wir mit der SPD an.
16:39Vor einigen Monaten hat es noch geheißen, die wird um den Einzug, um den Wiedereinzug in den Landtag kämpfen müssen.
16:46Wer weiß, ob sie es über die 5%-Hürde schafft.
16:50Also das hat sie ganz klar geschafft. Sie ist irgendwie bei 9%.
16:54Und ja, insofern ist es natürlich überhaupt kein berauschendes Ergebnis,
16:59aber ja, sie kann unter diesen Voraussetzungen halbwegs zufrieden sein.
17:04Ähnlich ist es bei der Linken.
17:06Die hat ein bisschen verloren.
17:08Und die Spitzenkandidatin Eva von Angeren hat schon gesagt,
17:13naja, sie ist ja ganz froh, dass sie es ungefähr halten hat können,
17:17aber es ist halt fürchterlich, was da bei der AfD passiert ist.
17:21Aber gut, die Linke ist auch da, kann auch halbwegs zufrieden sein.
17:25Wirklich, ganz guter Laune ist man bei den Grünen, also jetzt grundsätzlich, wenn man mal nur auf die Partei schaut,
17:32die Grünen, war das Gleiche wie bei der SPD, lange die Frage,
17:37kommen die überhaupt über die 5%-Hürde, schaffen die es wieder in den Landtag?
17:41Und die haben zunächst versucht, mit Klimathemen zu punkten, Klimaschutzthemen,
17:46dann aber 14 Tage ungefähr vor der Wahl einen Schwenk gemacht und ganz klar zum taktischen Wählen aufgerufen.
17:53Und haben gesagt, ja, wenn ihr keine absolute Mehrheit der AfD wollt,
17:57dann müsst ihr mit der Zweitstimme Grün wählen.
17:59Und offensichtlich hat das verfangen, also die sind jetzt mit 8,5%, wenn ich das jetzt nicht richtig im Kopf
18:07habe,
18:08also eigentlich jetzt haben die viel besser abgeschnitten, als ihnen vorausgesagt worden ist.
18:15Birgit, warum eigentlich immer der Osten Deutschlands?
18:17Sachsen-Anhalt, Thüringen hast du schon angesprochen, Sachsen.
18:21Warum sind die offensichtlich so riesengroße Fans von der AfD oder früher waren sie es ja von der Linken?
18:26Ja, da könnte man jetzt ganze Bücher füllen oder sind ja auch gefüllt worden.
18:33Und ich würde einfach mal vielleicht ein paar Erklärungen anführen.
18:37Also es heißt oft, ja, also natürlich wählen viele aus Protest die AfD.
18:45Viele sind aber auch mittlerweile überzeugt davon und sagen, nein, das gefällt mir.
18:49Was diese Partei sagt, sehr gut kommt da an, dieses Wir-Gefühl und dieses sogenannte Ost-Gefühl, das die AfD
18:58bietet.
18:59Also Ulrich Sigmund, der Spitzenkandidat, ist ja auch immer mit einem alten DDR-Moped der Schwalbe herumgefahren
19:06und hat sich da feiern lassen.
19:08Er verspricht auch, wir wollen unser Land zurück.
19:11Also er sagt, wir wollen also Zustände wieder wie früher.
19:15Das ist irgendwie absurd, weil vor 20 Jahren war die Arbeitslosigkeit deutlich höher, zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, als jetzt.
19:22Aber es ist so eine Reminiszenz an alte Zeiten, wo alles noch ein bisschen kuscheliger war.
19:27Und dazu kommt noch, also man sagt natürlich auch vielen Menschen im Osten, nicht allen, eine gewisse Veränderungsmüdigkeit nach,
19:36weil sie ja wirklich nach der Wende 1989 und dann nach der Wiedervereinigung ein Jahr später
19:42sehr, sehr große Transformationen mit- und durchmachen mussten.
19:47Also sehr viele Leute haben ihre Jobs verloren.
19:50Also das zieht sich durch alle Familien.
19:52Jeder kennt irgendwie so ein Beispiel und dieses Gefühl des Hintengelassenwerdens oder des Abgehängtseins,
20:03das hat die AfD auch sehr bedient.
20:05Also nicht das Gefühl, sondern sie hat die Lösung dafür.
20:08Also wir halten jetzt wieder alle zusammen.
20:10Und das zieht sich also durchaus durch die neuen Länder, also nicht jetzt, die so neu auch nicht mehr sind,
20:17aber das ist nicht nur in Sachsen-Anhalt der Fall.
20:21Ich will jetzt nicht der sein, der irgendwie sagt, was interessiert uns das hier in Österreich, diese Wahl.
20:27Aber wenn wir ganz ehrlich sind, Sachsen-Anhalt hat 2,1 Millionen Einwohner.
20:31Das ist deutlich weniger als die Hauptstadt Berlin mit 3,7 Millionen und auch nur ein paar hunderttausend mehr als
20:36beispielsweise Hamburg.
20:38Und es ist ja auch nicht das erste Bundesland, in der die AfD erster Wirtslust vor Thüringen schon angesprochen.
20:45Also warum sollte uns das trotzdem eigentlich groß interessieren?
20:48Es ist ja jetzt nicht, sagen wir so, das größte Bundesland.
20:52Ja, du hast die 2,1 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen angesprochen.
20:57Wenn man jetzt auf die Wahlberechtigten schaut, dann sind es noch weniger, nämlich nur 1,7 Millionen, also nur unter
21:03Anführungszeichen.
21:04Ja, natürlich ist es nicht egal.
21:07Es ist schon ein starkes Zeichen, wenn in einem Bundesland in Deutschland erstmals seit 1945 rechtsextreme Kräfte wieder an die
21:18Macht gelangen könnten.
21:20Andererseits sehe ich es auch wie du.
21:22Also es ist jetzt nicht ganz Deutschland und die AfD sieht das halt als ersten Schritt am Weg zur Machtübernahme.
21:30Aber man muss sich das jetzt schon mal anschauen, wie das so weitergeht.
21:33Es kommen ja noch andere Wahlen und Sachsen-Anhalt ist sicher auch singulär.
21:40Also man kann jetzt nicht die Blaupause auf ganz Deutschland legen.
21:44Hm, du hast es vorher schon angesprochen, quasi Sachsen soll so der Staat sein.
21:49Das schreibt doch unser Chefredakteur Gerold Riedmann, der meint, was in Sachsen-Anhalt begonnen hat, endet nicht in Sachsen-Anhalt.
21:56Die AfD will also quasi auf Erfolgstour durch ganz Deutschland gehen, können wir das so nennen.
22:01Ich weiß nicht, jedenfalls wollen sie halt mehr gewinnen und natürlich dann auch irgendwann mal den Bundeskanzler stellen.
22:05Aber deine Einschätzung, wird es denn tatsächlich bei unserem Nachbarn soweit kommen?
22:09Das kann man heute noch nicht sagen.
22:13Also als nächstes haben wir jetzt mal als nächstes Schritte.
22:15Das sind zwei Wochen.
22:16Am 20. September wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
22:21In Mecklenburg-Vorpommern ist es tatsächlich auch so, dass die AfD auf Platz 1 liegt,
22:27aber nicht so weit vorne wie in Sachsen-Anhalt.
22:30Da sind es nur unter Anführungszeichen 35 Prozent.
22:33Und dort regiert Manuela Schwesig, eine Sozialdemokratin, die auch schon einige Jahre im Amt ist.
22:39Und die hat im Gegensatz zu Sven Schulze schon irgendwie so einen Landesmutter-Bonus.
22:45Und die hat jetzt auch in den Umfragen aufgeholt.
22:48Also die war viel weiter hinten, liegt jetzt aber schon bei 32 Prozent.
22:52Also da ist es nicht ganz so dramatisch.
22:54Und am gleichen Tag wählt dann auch noch Berlin.
22:57Ja, gut, auch im so bunten Berlin liegt die AfD bei 18 Prozent.
23:04Aber das ist natürlich deutlich weniger als irgendwelche 44 Prozent jetzt in Sachsen-Anhalt.
23:10Also das muss man sich erst mal anschauen, ob dieser Erfolg irgendwo jetzt mal wiederholt werden kann.
23:16Also es schaut jetzt nicht so aus, dass es gleich der Fall sein wird.
23:21Birgit Baumann war das zugeschaltet aus Magdeburg in Sachsen-Anhalt nach einem wahnsinnig langen Wahltag noch ihre letzte Aufgabe mit
23:29uns, diesen Podcast hier zu machen.
23:30Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast zu dieser unchristlichen Uhrzeit.
23:33Alles Gute.
23:34Danke, tschüss.
23:35Und wenn euch dieser Podcast gefallen hat, dann abonniert den Kanal auf der Podcast-Plattform eurer Wahl oder auch auf
23:41YouTube.
23:41Da sind wir mit Videopodcasts vertreten.
23:43Einfach Kanal abonnieren und nicht vergessen Glocke drücken.
23:46Ich bin Daniel Retschezeker.
23:47Vielen Dank fürs Dabeisein und bis zum nächsten Mal.

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