Elektroauto im Alltag ohne eigene Lademöglichkeit: Meist problemlos
Seite 2: Die Zukunft: DC only?
Um das Budget der Redaktion zu schonen, setze ich den Filter in der Lade-App nach dem Anbieter und dessen DC-Standorten. Die aktuellen Kosten: 39 Cent pro Kilowattstunde plus 17,99 Euro monatliche Grundgebühr. Ja, Sie haben es gemerkt, zurzeit ist es die EnBW und morgen vielleicht ein anderer Provider. Ich versuche, Testwagen so zu behandeln, als wären sie mein Eigentum. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich nur schnell lade, nachdem die Traktionsbatterie vorkonditioniert, also im Regelfall beheizt wurde. Inzwischen können das viele Elektroautos, allerdings längst nicht alle. Die Diskussion, wie stark häufiges DC-Laden den Verschleiß begünstigt, ist hiermit eröffnet. Ich will am Start- und Zielpunkt in Hamburg nicht mit einem Restladestand von drei Prozent ankommen. Stattdessen lade ich irgendwo im Hinterland – meistens in den Flächenkreisen Cuxhaven oder Stade – kurz so viel nach, dass ich mit rund 50 Prozent einparke. Das ist schonender.
Opportunity Charging: Laden vorm Laden
Oder, das ist die nächste Option, ich mache noch einen Zwischenstopp vorm Supermarkt mit DC-Säule in Hamburg, bevor ich wieder zu Hause bin. Opportunity Charging nennt sich das, und bei mir läuft das wunderbar. Eine Viertelstunde hier, 20 Minuten dort und das alles bitte mit wohltemperierten Batteriezellen. Das Laden vorm Laden ist momentan meine bevorzugte Wahl. Im Vorübergehen ein paar Kilowattstunden mitnehmen: Das kann für sehr viele Anwendungsfälle funktionieren. Bei mir für fast alle. Würde ich nur privat Elektroauto fahren, wäre das meine Lösung.
(Bild:Â Pillau)
Leider ist mir klar, dass die Ladeinfrastruktur genau dort besonders löchrig ist, wo wenig Nachfrage zu erwarten ist. Also in dünn besiedelten Gebieten mit wenig Kaufkraft, wenig Dienstwagenberechtigen und entsprechend wenigen Elektroautos. Ein Blick auf Google Maps reicht aus, um die Standortdichte in der Umgebung zu prüfen. Google Maps hat lange gebraucht, um bei der Suchfunktion unter "Leistungen" neben den Tankstellen die Ladestationen einzufügen. Immerhin, das läuft jetzt.
Zukunft: mehr Energieumsatz pro Zeiteinheit
Hamburg ist das Gegenteil davon, das weiß ich, und davon profitiere ich. Für das Haushalts- und Geschäftsjahr 2023 hat die Stadt nicht weniger als 3,3 Milliarden Euro Überschuss erwirtschaftet, wie der Finanzsenator im September 2024 bekannt gab. So viel Geld schafft einen Handlungsspielraum. Den sollte der stadteigene Betreiber Hamburger Energienetze nutzen, um das Modell der vielen AC-Ladeplätze zu überdenken. Der öffentliche Raum muss effizient genutzt werden. Bitte denken Sie an all jene Autofahrer, für die ein Elektroauto noch nicht ansteht und die sich die Frage stellen, warum Parkplätze zu Gunsten von Ladeplätzen wegrationalisiert werden. Wenn der Bestand von Elektroautos zunimmt, wird das schnelle DC-Laden immer wichtiger. Ganz einfach, weil nur so die ausreichenden Energiemengen pro Zeiteinheit verladen werden können. Das ist meine Analyse der momentanen Situation. Sie wird sich ändern, wenn die Wirklichkeit wieder ein Stück weiter ist.
Was ich mir wĂĽnsche
Ich wünsche mir, dass mehr Menschen, die so wie ich ohne eigene Wallbox mit dem Elektroauto unterwegs sind, von ihren Erfahrungen berichten. Von dem, was klappt, und bitte auch von dem, was nicht funktioniert. Nur wenn wir ehrlich über die Missstände reden, kann es zu einer Verbesserung kommen.
Was mich am meisten stört, hat mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur an sich zu tun: Die miese Tarifstruktur mit den krassen Unterschieden zwischen den Kilowattstundenpreisen bei Verträgen mit monatlicher Grundgebühr und den Kursen bei Ad-hoc-Zahlung. Hier reicht es nicht, darauf zu warten, dass es der Markt regelt. Die Politik muss einen besseren Rahmen schaffen. Vielleicht ist das ein Fall für die "Generaldirektion Wettbewerb" in Brüssel.
(mfz)