Jerome Powell

Rede vor Notenbankern Fed-Chef Powell offen für Leitzinssenkung

Stand: 22.08.2025 • 17:38 Uhr

Der Chef der US-Notenbank, Powell, hat eine mögliche Senkung des Leitzinses in Aussicht gestellt. Doch ohne weiteres wird er dem Willen von US-Präsident Trump offenbar nicht folgen - und warnt vor Risiken.

Wie vorab erwartet hat US-Notenbankchef Jerome Powell die Tür für eine mögliche Zinssenkung ein Stück weit geöffnet. In seiner mit Spannung erwarteten Rede auf der jährlichen US-Notenbankkonferenz in Jackson Hole wies er jedoch auch eindringlich auf wachsende Risiken für den Arbeitsmarkt hin und betonte die Gefahr einer hartnäckigeren Inflation. Hauptrisiko für die Teuerung seien die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle.

Fed laut Powell in heikler Lage

Der Arbeitsmarkt in den USA scheine zwar im Gleichgewicht zu sein, sagte Powell in seiner Rede. "Es ist jedoch ein ungewöhnliches Gleichgewicht, das aus einer deutlichen Verlangsamung sowohl des Angebots an als auch der Nachfrage nach Arbeitskräften resultiert." Die Stabilität der Arbeitslosenquote und anderer Arbeitsmarktindikatoren erlaube es der Fed, bei der Prüfung von Änderungen ihrer Geldpolitik vorsichtig vorzugehen, sagte Powell weiter.

Er fügte hinzu, dass sich die Zentralbank in einer heiklen Lage befinde, da sich die von der US-Regierung unter Präsident Trump eingeführten neuen Zölle zugleich auf die Verbraucherpreise auswirkten und damit die Gefahr einer erneuten Inflation bestehe. Die Auswirkungen der Zölle auf die Verbraucherpreise seien bereits "deutlich sichtbar", so der Fed-Chef. Er warnte, "dass der Aufwärtsdruck auf die Preise durch Zölle eine dauerhaftere Inflationsdynamik auslösen kann".

Inflation auf hohem Niveau zuletzt stabil

Zum mehrfach öffentlich geäußerten Ärger von Trump hatte die Federal Reserve den Leitzins zuletzt in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent belassen. Trump übt seit Monaten Druck auf die unabhängige Notenbank und ihren Chef aus. Der Republikaner fordert von Powell schon seit längerem tiefere Zinsen, über die Powell jedoch nicht alleine entscheidet. Von niedrigeren Zinsen erhofft sich Trump mehr Wirtschaftswachstum und will Risiken durch die hohen Staatsschulden der USA umgehen.

Für Verbraucher und Unternehmen kann ein niedriger Leitzins lukrativer sein, wenn sie Kredite zu besseren Konditionen aufnehmen möchten. Mehr Geld im Umlauf kann wiederum die Wirtschaft ankurbeln. Zu niedrige Zinsen könnten aber dafür sorgen, dass sich die Inflation weiter anheizt, weswegen Powell bislang einen restriktiveren Kurs befürwortete.

Zuletzt war die Inflation in den USA mit 2,7 Prozent zwar auf hohem Niveau geblieben, aber nach Angaben des US-Arbeitsministerium im Vergleich zum Vormonat nicht gestiegen. Die US-Notenbank Fed strebt, wie auch die Europäische Zentralbank (EZB), bei der Inflation eine Jahresrate von zwei Prozent an.

Powell bleibt vage, Trump erhöht Druck

Powell gab in Jackson Hole keinen Hinweis, wann eine Zinssenkung beschlossen werden könnte. Die nächste Sitzung des Zentralbankrats findet am 16. und 17. September statt. Die Rede lässt jedoch darauf schließen, dass die Fed weiterhin vorsichtig vorgehen und ihre Zinsentscheidungen auf der Grundlage der Entwicklung von Inflation und Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten treffen wird.

Am Donnerstag hatte die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass das US-Justizministerium Ermittlungen gegen Fed-Gouverneurin Lisa Cook einleiten will. Bereits am Mittwoch hatte US-Präsident Trump Cook zum Rücktritt aufgefordert. Er verwies dabei auf Vorwürfe des Leiters der US-Aufsichtsbehörde für den Hypothekenmarkt (FHFA), Bill Pulte. Dieser hatte dem Justizministerium eine Untersuchung wegen mutmaßlichen Hypothekenbetrugs nahegelegt. Cook erklärte inzwischen, sie werde sich nicht aus dem Amt drängen lassen.

An den Finanzmärkten kamen Powells Äußerungen gut an. Die US-Indizes gewannen deutlich. Der zuvor fast unveränderte DAX gewann zeitweise 0,5 Prozent auf rund 24.400 Punkte.

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