Das Markenhochhaus am VW-Stammwerk in Wolfsburg spiegelt sich in einer Pfütze.

Konzern-Umbau Was der VW-Sparplan vorsieht

Stand: 04.09.2026 • 13:57 Uhr

Abbau von Zehntausenden Stellen, vier Werke auf der Kippe - und das ist noch nicht alles. VW hat ein gigantisches Sparprogramm auf den Weg gebracht. Was der Konzern plant - und was Experten dazu sagen. Ein Überblick.

Europas größter Autobauer Volkswagen wird weitgehend umgebaut. Nach wochenlangem Ringen hat sich der Aufsichtsrat einstimmig für ein Sanierungskonzept ausgesprochen. VW-Konzernchef Oliver Blume sprach am Donnerstagabend von einem "starken Signal für die Zukunft des Volkswagen Konzerns". Für die Belegschaft bedeutet das Sparprogramm aber vor allem harte Einschnitte.

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Einigung über Sparkurs bei VW

Samira Bonneik, NDR, tagesschau, Das Erste, 04.09.2026 • 14:00 Uhr

Abbau von 50.000 Stellen

Einer der folgenreichsten Punkte im Zukunftsplan 2030 betrifft die Beschäftigung. Weltweit sollen rund 50.000 weitere Stellen wegfallen, darunter auch Management-Posten. Wo genau Stellen gestrichen werden, ist noch unklar.

VW-Chef Oliver Blume hatte bei den Betriebsversammlungen der vergangenen Wochen gesagt, dass er die Hälfte des Anpassungsbedarfs in Deutschland sehe. Damals war aber noch von einer "Rechengröße" die Rede - nun sollen die Jobs tatsächlich abgebaut werden. Der zusätzliche Stellenabbau sei nötig, um die Ziele des Transformationsprogramms zu erreichen.

2024 hatten sich die VW-Führung und Arbeitnehmervertreter bereits auf ein Abbauprogramm in Deutschland verständigt: Bis zum Jahr 2030 sollen im gesamten Konzern 50.000 Stellen wegfallen. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke gestrichen werden, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche.

Was passiert mit den Gehältern?

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) betont im Interview mit dem NDR außerdem, dass es wohl nicht beim Stellenabbau bleiben werde: "Ich glaube auch, dass man nicht umhinkommt, auch an das Thema Arbeitskosten und Lohnkosten pro Mitarbeiter zu gehen. Aus meiner Sicht - und das ist auch noch ausgeklammert geblieben - muss sozusagen für das gleiche Geld mehr gearbeitet werden."

Vier Werke auf der Kippe

Heikel bleibt die Lage für vier Standorte des Konzerns in Deutschland. Für die VW-Werke Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk in Neckarsulm könne aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung - gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 - gewährleistet werden. Denn aktuell bestehe laut dem Beschluss in Europa eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen.

Trotzdem sieht Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen, in dem aktuellen Beschluss einen Erfolg: "Wir hatten vorher einen Beschlussvorschlag, der quasi das Aus der Standorte besiegelt hat. Und wir sind vom Aus der Standorte weg zu einem ergebnisoffenen Arbeiten daran, wie wir die Standorte stabilisieren können." Der SPD-Politiker Lies betonte aber auch: "Mir wäre jede Garantie für einen Standort mit Produkten lieber gewesen als alles andere. Aber realistischerweise muss man sagen, die liegen momentan noch nicht auf der Hand."

Alternative Verwendungsmöglichkeiten?

Für die Werke sollen nun parallel und ergänzend "alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft" werden. Im Gespräch ist unter anderem, Werke zeitweise für die Rüstungsproduktion zu nutzen und auch chinesische VW-Modelle in Deutschland zu bauen. Bis Ende Juni 2027 solle für die europäischen Werke ein Konzept vorliegen. Eine mögliche Schließung von vier Werken hält Bratzel für übertrieben: "Ich glaube, mit entsprechenden Effizienzverbesserungen könnten auch die Reduzierungen von zwei Werken in Deutschland genügen. "

Dabei sind nach wie vor viele Fragen offen, betont Olaf Lies im Interview mit dem NDR: "Dahinter stehen einzelne Maßnahmen, die noch gar nicht beschlossen sind und die in Teilen ja auch noch gar nicht geklärt sind." Dazu gehöre etwa die Frage, wie es gelingen könne "Variantenvielfalt und Ausstattungsvielfalt so zu reduzieren, dass wir wirtschaftliche Autos auf den Markt bringen können und trotzdem zufriedene Kunden haben?"

An dieser Stelle spielt aus Sicht von Autoexperte Bratzel auch das Thema E-Mobilität eine entscheidende Rolle: "Das heißt nicht, dass der Verbrenner nicht auch in den 30er Jahren noch produziert werden kann. Aber mit dem Verbrenner kann man sicherlich nicht hochbezahlte Arbeitsplätze im internationalen Vergleich längerfristig sichern." Das sei ein Weg, "der in die Irre führen wird".

Keine Ausgliederung der Kernmarke

Bei der Neugestaltung sind nach wie vor alle Marken gefragt, eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist aus Sicht von IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo vom Tisch. Der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen sei damit erfolgreich abgewehrt.

Beide betonten in einer ersten Reaktion, dass eine Eskalation verhindert worden sei, der Vorstand jetzt aber seine Hausaufgaben machen müsse. Der Vorstand solle "ein Modell für eine fortentwickelte Entscheidungs- und Konzernstruktur" entwickeln, fordert der Aufsichtsrat. Zugleich kritisieren sie, dass "der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen" nicht zielführend gewesen seien.

Die finanziellen Ziele

Der VW-Konzern soll insgesamt auf eine Jahresproduktion von neun Millionen Fahrzeugen jährlich getrimmt werden - rund eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als noch vor der Corona-Pandemie. Bis 2030 soll eine operative Umsatzrendite von neun Prozent erreicht werden. Zum Halbjahr lag der Anteil des Gewinns am Umsatz bei 3,8 Prozent. Außerdem sind für den Zeitraum von 2027 bis 2031 Investitionen in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung von 135 Milliarden Euro vorgesehen.

Experte: Investitionen nötig

Insgesamt befürwortet Bratzel das Sparprogramm: "Der Vorstand hat, was ganz gut ist, tatsächlich sehr drastische Schritte unternommen und hat sich auch getraut hier eine Drohkulisse aufzubauen." Gleichzeitig betonte er, dass nun konkrete Maßnahmen folgen müssten.

So fordert Bratzel mehr Investitionen in neue Wachstumsfelder wie autonomes Fahren oder Robotik. Der VW-Konzern habe "hervorragende Techniker und Ingenieure, da ist viel Potenzial". Dafür müsse das Unternehmen nun mutiger werden und stärker ins Risiko gehen. "Aber alle Themen betreffen neue Kompetenzfelder, die ja von Volkswagen erstmal erschlossen werden müssen. Jetzt wäre noch Zeit in diese Felder massiv hineinzugehen. In den 30er Jahren ist man hier zu spät dran."

Mit Informationen von Oliver Jürgens, NDR.

Torben Hildebrandt, NDR, tagesschau, 03.09.2026 • 18:19 Uhr

Dieses Thema im Programm: Das Erste | tagesthemen | 03.09.2026 | 22:15 Uhr

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