Insulinspritze
Kontext

Gesundheit Gefährliche "Wundermittel" gegen Diabetes

Stand: 16.09.2025 • 16:34 Uhr

Mit falschen Versprechen und gefakten Anzeigen werden im Netz Produkte verkauft, die bei Diabetes helfen sollen. Doch deren Verwendung kann gefährlich werden, warnen Experten.

Von Carla Reveland und Pascal Siggelkow, ARD-faktenfinder

Nahrungsergänzungsmittel statt herkömmlicher Medikamente, Blutzuckermessgeräte mit vermeintlich zahlreichen Zusatzfunktionen, Mikronadelpflaster zur Blutzuckerregulierung: Im Netz kursieren etliche Anzeigen, die angebliche Wundermittel für an Diabetes erkrankte Menschen anbieten - oftmals mit prominenten Fürsprechern. Doch das Problem: Weder halten die Produkte, was sie versprechen, noch werden sie wirklich von Prominenten oder seriösen Instituten beworben.

Ein Erkennungsmerkmal: Oft sollen diese Produkte nicht nur bei einer Krankheit helfen. So werden die Mikronadelpflaster beispielsweise damit beworben, den Blutzucker zu regulieren, das Herz-Kreislauf-System zu schützen und auch die Fettverbrennung anzukurbeln.

"Es gibt keine Studien, die zeigen, dass man mit so einem Mikronadelpflaster tatsächlich die gewünschten Effekte erreicht", sagt Baptist Gallwitz, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). "Es gibt dafür auch keine offizielle Zulassung von der europäischen oder der US-amerikanischen Zulassungsbehörde." Auch vor Nahrungsergänzungsmitteln, die ohne ärztliche Absprache die verschriebenen Medikamente wie Metformin ersetzen sollen, warnen Experten ausdrücklich. Denn das könne für die Patienten lebensgefährlich werden, schreibt unter anderem die Verbraucherzentrale NRW.

Screenshot von einer Webseite auf der ein Detox-Armband beworben wird.

Gefälschte Logos und Facebookseiten

Beworben werden diese und andere Produkte unter anderem mit dem Logo der DDG oder auch dem Logo des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dabei handelt es sich jedoch um Fälschungen. "Ich denke, dass sich die Anbieter davon versprechen, eine gewisse Seriosität vortäuschen zu können, um dadurch auch einen zusätzlichen Kaufanreiz zu setzen", sagt Gallwitz.

Die DDG distanziert sich daher ausdrücklich von diesen Fakes. "Die DDG wirbt niemals für einzelne Produkte oder Anbieter!", heißt es in einer Stellungnahme. Das Logo der DDG werde missbräuchlich und ohne Freigabe verwendet. Auch das BfArM schreibt dazu: "Das BfArM wirbt weder für einzelne Produkte noch für Anbieter. Das Logo des BfArM wird in solchen Fällen missbräuchlich und ohne Freigabe verwendet. Gegen diese Verwendung geht das BfArM konsequent rechtlich vor."

Es bleibt jedoch nicht nur bei den gefälschten Logos: So gibt es unter anderem auch eine Facebookseite, die auf den ersten Blick wie die offizielle Seite der DDG aussieht. Allerdings handelt es sich auch dabei um eine Fälschung. Auf dieser gefälschten Seite werden ebenfalls Produkte mit falschen Versprechungen beworben, die angeblich bei Diabetes helfen sollen.

shot von einem Beitrag auf Facebook das ein Blutzuckermessgerät zeigt.

"Das Hauptproblem ist, dass Menschen dadurch falsche Hoffnungen gemacht werden mit Gesundheitsversprechen, die so nicht existieren und so nicht einhaltbar sind", sagt Gallwitz. Hinzu komme, dass dubiose Unternehmen damit auch noch viel Geld verdienten, indem sie die Hoffnungen der Betroffenen ausnutzten.

Auch Prominente werden für Anzeigen missbraucht

Auch Prominente werden für solche Werbe-Anzeigen missbraucht. So kursieren gefälschte Zitate mit Bildern bis hin zu KI-generierten Videos, in denen die Produkte von vermeintlich Prominenten angepriesen werden. Die Verbraucherzentrale NRW warnt bereits seit Längerem vor solchen Fake-Werbungen. Betroffen seien unter anderem Schauspielerin Uschi Glas, Sängerin Beatrice Egli oder auch Moderatorin Barbara Schöneberger. Oftmals werden dabei echte Talkshowauftritte als Vorlage genutzt und die Videos dabei so bearbeitet, dass die Prominenten andere Inhalte sagen.

Auch für ihre medizinische Expertise bekannte Personen wie der Virologe Christian Drosten, Eckart von Hirschhausen oder Matthias Riedl werden für solche Fake-Videos und Fake-Anzeigen missbraucht. Sie alle haben sich bereits von diesen Inhalten distanziert. "Grundsätzlich ist es Mediziner:innen in Deutschland berufsrechtlich untersagt, für medizinische Produkte anpreisend zu werben. Prof. Dr. Drosten hält sich daran. Es handelt sich insoweit um irreführende Falschwerbung", schreibt beispielsweise die Charité.

"Häufig werden Personen ausgesucht, die in Fachgesellschaften eine prominente Rolle haben", sagt Gallwitz. "Und das ist natürlich fatal, wenn diese Leute falsch zitiert und ihre Porträts oder ihre Namen einfach für solche Anzeigen missbraucht werden." Nicht nur Produkte, die vermeintlich bei Diabetes helfen sollen, werden mit dieser Masche beworben - auch viele Produkte für andere Krankheitsbilder sind im Netz zu finden. Abnehmprodukte werden dabei ebenfalls angepriesen. Bereits mehrmals warnten die Behörden beispielsweise vor Fälschungen des Diabetes-Medikaments Ozempic, das auch als Abnehmspritze bezeichnet wird. 

Fake-Anzeigen auch aus anderen Bereichen bekannt

Dass Prominente oder auch Institutionen von Betrügern genutzt werden, um gefälschte Anzeigen zu schalten, ist ein großflächiges Problem. So kursieren bereits seit Jahren beispielsweise Fake-Artikel im Stile seriöser Nachrichtenseiten, in denen dubiose Anlageplattformen beworben werden, mit denen sich vermeintlich einfach Geld verdienen ließe.

Wer auf solche Fakes stößt, kann sich unter anderem bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft melden. Bei Zweifeln, ob es sich bei einem Anbieter von Arzneiprodukten um einen seriösen Anbieter handelt, kann sich an den Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) gewandt werden.

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