Chinas Biotech-Offensive: Neue Krebsmedikamente drängen auf den EU-Markt

Erlenmeierkolben mit chinesischer Flagge und Medikamentekapseln

China entwickelt Medikamente schneller und günstiger. Über Kooperationen und Firmensitze in Basel umschiffen Hersteller Klippen im europäischen Pharmamarkt.

Nach Photovoltaik, Smartphones, E-Mobilität, Batteriespeicher und KI-Systemen erobern chinesische Pharmaunternehmen jetzt mit steigendem Erfolg den Weltmarkt.

War die industrielle Entwicklung noch in den 1990er Jahren auf die Küstenbereiche konzentriert, wo man Wanderarbeiter aus dem Binnenland als preiswerte Arbeitskräfte dienten, wandert die Industrie Chinas inzwischen zu den Arbeitskräften, deren Qualifikation sich zunehmend steigert.

China war bislang vor allem als günstiger und im Vergleich zu Indien auch sicherer Wirkstofflieferant und Produktionsstandort für Big Pharma bekannt, wobei Peking einen besonderen Cluster für die Wirkstoffproduktion für Generika in der autonomen Region der Inneren Mongolei aufgebaut hat

In der Folge wurden nach der Wirkstoffproduktion dann auch die Generika selbst produziert, die anfangs noch in Europa geblistert und mit Beipackzetteln versehen wurden. Da die Beipackzettel künftig durch einen QR-Code auf der Verpackung abgelöst werden, bleibt als letzte Lieferkettenstufe in Deutschland nur noch das Aufdrucken des securPharm-Codes. Damitwird die Lieferkette vom deutschen Inverkehrbringer bis zu Apotheke dokumentiert.

Milliarden-Deals mit Takeda: Chinas neue Krebsmedikamente im Visier

Jetzt entwickeln sich chinesische Biotech-Firmen sehr schnell zu ernstzunehmenden Rivalen von Pfizer und AstraZeneca. Die chinesischen Firmen arbeiten mit deutlich höherem Entwicklungstempo, gehen milliardenschwere Lizenzdeals mit Herstellern wie dem japanischen Pharmakonzern Takeda ein, der mit dem chinesischen Hersteller Innovent zusammenarbeitet.

Die Ende 2025 abgeschlossene Partnerschaft der beiden Unternehmen umfasst unter anderem zwei fortgeschrittene experimentelle Krebsmedikamente gegen solide Tumore.

Für Takeda bietet diese Kooperation Zugang zu einer chinesischen Forschungspipeline, ohne sämtliche Wirkstoffe selbst entdecken und durch die frühe Entwicklung führen zu müssen. Ein weiteres Kooperations-Beispiel sind Jiangsu Hengrui Pharmaceuticals und Bristol Myers Squibb, die im Frühjahr 2026 Vereinbarungen über insgesamt 13 Forschungsprogramme in der Onkologie, Hämatologie und Immunologie ankündigten.

Während die Medikamentenproduktion und -entwicklung in China deutlich schneller und kostengünstiger als im Westen ablaufen, haben die fernöstlichen Unternehmen bei der Vermarktung im europäischen Gesundheitswesen noch unter deutlichen Anlaufschwierigkeiten zu leiden.

Die Gesundheitssysteme und Erstattungsprozesse in Europa unterscheiden sich trotz EU-Harmonisierung von Land zu Land. Um ein Medikament in mehreren Ländern gleichzeitig zuzulassen, zu produzieren, zu erstatten und zu vermarkten, benötigen die Unternehmen internationale Zulassungsexperten, medizinische Vertriebsorganisationen und belastbare Kontakte zu Kliniken, Versicherungen und Behörden.

Gelungen ist dies etwa beim Krebsmedikament Fruzaqla mit dem Wirkstoff Fruquintinib das am 20. Juni 2024 eine EU-weite Marktzulassung erhielt. Der Wirkstoff wurde ursprünglich von Hutchmed entwickelt und wird außerhalb Chinas von Takeda vermarktet.

Einen anderen Weg ging das Unternehmen BeOne Medicines. Der frühere Name BeiGene wurde 2025 durch BeOne Medicines ersetzt und der rechtliche Sitz nach Basel verlegt, wo medizinisches Fachpersonal traditionell verfügbar ist.

Der Biosecure Act: Wie die USA chinesische Biotech-Firmen ausbremsen

Obwohl US-amerikanische Pharmaunternehmen inzwischen auf chinesische Medikamentenentwicklungen setzten, um Ersatzprodukte in der Pipeline zu haben, wenn der Patentschutz für ihre eigenen Medikamente ausläuft, will die US-Politik die chinesische Konkurrenz eindämmen und nutzt dazu die überarbeitete Version des Biosecure Act, der seit dem 18. Dezember 2025 Teil des Verteidigungshaushaltsgesetzes für das Fiskaljahr 2026 ist.

Dieser beschränkt bestimmte staatliche Aufträge und Fördermittel, wenn dabei Produkte oder Dienstleistungen von Biotechnologieunternehmen genutzt werden, die Washington als problematisch einstuft. Sie stellt aber kein generelles Verbot chinesischer Medikamente oder sämtlicher Kooperationen mit chinesischen Firmen dar.

Für international tätige Unternehmen erhöht das Gesetz jedoch den Prüfungs- und Dokumentationsaufwand. Beteiligungsstrukturen, Lieferketten, Datenzugriffe und Verbindungen zu staatlichen Institutionen werden künftig noch genauer untersucht.

Für chinesische Hersteller wird es deshalb wichtiger, transparente Unternehmensstrukturen aufzubauen und Forschung, Datenerhebung sowie Produktion so zu organisieren, dass sie nicht nur den Anforderungen ihres Heimatmarktes, sondern auch den Anforderungen anderer Rechtsräume entsprechen.

Sitzverlegung nach Basel: Chinas Strategie gegen EU-Vertriebshürden

Das für die erfolgreiche Vermarktung chinesischer Pharmaforschung in Europa noch fehlende Know-how kann auf verschiedenen Wegen aufgeholt werden. Dazu zählen die erwähnten Kooperationen und Sitzverlagerungen sowie Firmenübernahmen, die jedoch möglicherweise kartellrechtlich geprüft werden müssten.

Wie schnell chinesische Unternehmen sich europäische Märkte durch erarbeiteten Technologievorsprung erobern können, haben sie seit Beginn dieses Jahrhunderts in verschiedenen Branchen eindrucksvoll gezeigt, und die Aufholjagd im Pharmabereich läuft ebenfalls schon seit mehr als einer Dekade.