Closed-end Funds: Bis zu 10 Prozent Ertrag für die Altersvorsorge

Grafik mit der Aufschrift "CLOSED END FUND" und Symbolen für Geld, Diagramm und Aktenkoffer.

Geschlossene Fonds bieten attraktive Renditen für die Altersvorsorge und sind in Deutschland noch wenig bekannt.

(Bild: Dave Hoeek / Shutterstock.com)

In den USA schütten manche Fonds seit über 100 Jahren verlässlich Erträge aus – in Deutschland kennt sie kaum jemand.

Die Altersvorsorge wird in Deutschland zunehmend auf die privaten Schultern verlagert. Oder wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, die gesetzliche Rentenversicherung wird künftig wohl nur noch eine Basisrente sein – und wer im Alter seinen Lebensstandard halten möchte, ist auf private Vorsorge angewiesen.

Private Altersvorsorge: Warum laufende Erträge wichtiger werden

Wer hierzulande aber nach Anlagen mit hohen laufenden Erträgen sucht, stößt fast automatisch auf Dividenden-ETFs und Anleihenfonds.

Andere Fonds verzichten wiederum ganz auf die Ausschüttung von Dividenden, um sie gleich wieder anzulegen. Sie haben den Vorteil, dass sie über den Zinseszinseffekt ein höheres Wachstum in Aussicht stellen.

Der Nachteil der thesaurierenden ETFs ist aber, dass im Alter die Anteile verkauft werden müssen, um etwas vom Angesparten zu haben; mit anderen Worten: Das Kapital muss aufgezehrt werden.

Closed-end Funds: Eine 100 Jahre alte Idee, die kaum jemand kennt

An dieser Stelle lohnt ein Blick über den Atlantik, denn dort existiert eine Fondsgattung, die mitunter seit über 100 Jahren Erträge ausschüttet und hierzulande nahezu unbekannt ist: Closed-End Funds, kurz CEFs.

Ende 2025 verwalteten allein die traditionellen börsennotierten CEFs in den USA rund 257 Milliarden US-Dollar, so der Branchenverband Investment Company Institute (ICI). Ein Jahr zuvor waren es noch 249 Milliarden US-Dollar.

Rechnet man noch andere CEF-Typen wie Interval Funds, Tender Offer Funds und Business Development Companies (BDCs) hinzu, dann summiert sich das gesamte CEF-Vermögen auf 791 Milliarden US-Dollar (Stand: 2025).

Für Dividendenjäger dürften Ausschüttungen von teilweise 10 Prozent pro Jahr bei einem monatlichen Auszahlungsintervall sicher interessant sein. In den USA spielen die Closed-End Funds auch für Rentner eine erhebliche Rolle: Laut ICI hielten 2024 rund 3,6 Millionen US-Haushalte Anteile an den CEFs und erzielten damit zusätzliche monatliche Einkünfte.

Feste Anteilszahl, freier Kurs: So funktionieren CEFs

Doch wie alles, was an der Börse gehandelt wird, bergen auch die CEFs gewisse Risiken, die aus der Anlageklasse selbst entspringen und die Anleger kennen sollten.

Ein Closed-End Fund sammelt sein Kapital in einem einmaligen Börsengang (Initial Public Offering, IPO) ein und gibt danach in der Regel keine neuen Anteile mehr aus. Wer nach dem IPO einsteigen will, muss Anteile an der Börse von anderen Anlegern kaufen – genau wie bei einer Aktie.

Das ist der entscheidende Unterschied zu offenen Fonds und ETFs, bei denen die Fondsgesellschaft fortlaufend neue Anteile schafft oder bestehende zurücknimmt.

Bei einem offenen Fonds entspricht der Preis stets annähernd dem Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV), also dem tatsächlichen Wert der gehaltenen Wertpapiere pro Anteil. Bei CEFs hingegen bestimmen Angebot und Nachfrage den Kurs – und der kann erheblich vom NAV abweichen.

Discount als Einstiegschance – oder als Warnsignal

Genau diese Abweichung macht CEFs für Value-Investoren interessant. Handelt ein Fonds mit einem Abschlag (Discount) zum NAV, kauft der Anleger das zugrunde liegende Portfolio faktisch unter seinem rechnerischen Wert.

Schließt sich der Discount später, winkt neben den laufenden Ausschüttungen ein zusätzlicher Kursgewinn. Das klingt nach Schnäppchenjagd – und genau das ist es. Aktivistische Investoren wie der US-Hedgefonds Saba Capital haben daraus eine eigene Strategie gemacht und bieten sogar einen aktiv verwalteten ETF an, der gezielt in CEFs mit hohem Discount investiert.

Die Kehrseite: Ein dauerhafter Discount kann auch ein berechtigtes Warnsignal sein. Geringe Handelsliquidität, hohe Gebühren oder ein übermäßiger Einsatz von Fremdkapitalhebeln (Leverage) können Anleger dauerhaft vom inneren Wert fernhalten.

CEFs sind – was den Einsatz von Fremdkapital angeht – reguliert. Für jeden Dollar, den sie als Schulden aufnehmen und als Hebel einsetzen, müssen sie drei Dollar Fondsvermögen vorhalten. Das schreibt der Investment Company Act von 1940 vor. Bei Vorzugsaktien darf das Verhältnis auch nur 1:2 zugunsten des Fondsvermögens betragen. Diese Hebelwirkung steigert die Ausschüttungen in guten Zeiten, verstärkt aber Verluste, wenn die Märkte drehen.

Was CEFs von ETFs und offenen Fonds unterscheidet

Der Vergleich mit den hierzulande populären ETFs zeigt die strukturellen Unterschiede besonders deutlich.

Ein ETF nutzt einen sogenannten Creation-Redemption-Mechanismus: Spezialisierte Marktteilnehmer (Authorized Participants) können fortlaufend neue ETF-Anteile schaffen oder bestehende auflösen, sodass der Börsenkurs eng am NAV bleibt.

CEFs haben diesen Mechanismus nicht. Die Anzahl der Anteile bleibt nach dem IPO im Wesentlichen fix – neue Anteile entstehen nur in Ausnahmen wie Bezugsrechtsemissionen oder Dividenden-Reinvestmentprogrammen.

Wie der Finanzdienstleister Thrivent erläutert, ergibt sich daraus ein weiterer praktischer Unterschied: Während offene Fonds einmal täglich zum Schlusskurs des NAV gehandelt werden, laufen Transaktionen bei CEFs den ganzen Tag über die Börse – mit fortlaufender Preisbildung wie bei Einzelaktien.

Das kann ein Vorteil für aktive Händler sein, birgt aber auch die Gefahr, dass emotionale Marktbewegungen den Kurs stärker vom inneren Wert entfernen als bei einem ETF.

Gerade die Freiheit von täglichen Mittelzu- und -abflüssen verschafft CEF-Managern allerdings einen Spielraum, den ETF-Manager nicht haben. Da kein Anleger seine Anteile zum NAV zurückgeben kann, muss der Fondsmanager keine Liquiditätsreserven vorhalten.

Er kann deshalb stärker in illiquide Marktsegmente investieren – etwa wenig gehandelte Kommunalanleihen, Hochzinsanleihen oder alternative Anlagen –, die potenziell höhere Erträge abwerfen.

Zinswende als Katalysator

Die globale Zinswende seit 2022 hat die CEF-Landschaft spürbar verändert. Einerseits verursachten steigende Zinsen Kursverluste in bestehenden Anleiheportfolios und weiteten die Discounts vieler einkommensorientierter Fonds aus.

Andererseits können CEF-Manager neu eingesammeltes Kapital und fällig werdende Anleihen zu deutlich höheren Kupons reinvestieren. Mittelfristig steigen dadurch die laufenden Erträge – und damit die Ausschüttungen an die Anteilseigner.

Die ICI-Statistik zum vierten Quartal 2025 zeigt eine leichte Konsolidierung: Das Gesamtvermögen der traditionellen CEFs sank im Quartal um 370 Millionen auf 256,89 Milliarden US-Dollar.

Die Zahl der Fonds fiel von 370 auf 364. Gleichzeitig verzeichnete die Branche erstmals seit längerem wieder positive Nettoemissionen von 620 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorquartal noch Nettorücknahmen von 808 Millionen US-Dollar angefallen waren.

Das Segment stabilisiert sich also – wächst aber nicht annähernd so dynamisch wie der globale ETF-Markt und bildet nach wie vor ein Nischenprodukt.

Steuerliche Fallstricke für deutsche Anleger

Für Investoren aus Deutschland stellt sich die entscheidende Frage: Lohnt sich der Griff über den Atlantik trotz der regulatorischen und steuerlichen Hürden?

US-CEFs sind keine UCITS-Produkte und unterliegen damit nicht der EU-Regulierung für Publikumsfonds. Sie sind über internationale Broker handelbar, genießen aber weder den Schutz der UCITS-Diversifikationsregeln noch die standardisierten Transparenzanforderungen des europäischen Fondsrechts.

Steuerlich wird es komplex: Auf Ausschüttungen fällt zunächst US-Quellensteuer an, die über das Doppelbesteuerungsabkommen teilweise auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechenbar ist.

Die für heimische Publikumsfonds geltenden Teilfreistellungen nach dem Investmentsteuergesetz greifen nicht automatisch, wenn das Produkt nicht als entsprechender Investmentfonds im Sinne des InvStG anerkannt wird.

Dazu kommt das Währungsrisiko: Sämtliche Erträge fallen in US-Dollar an, und Schwankungen in den Wechselkursen können die nominell hohen Ausschüttungsrenditen von 6 bis 10 oder mehr Prozent für Euro-Anleger empfindlich schmälern – oder im günstigsten Fall zusätzlich aufwerten.

Die europäische Regulierung geht einen anderen Weg als die US-amerikanische.

Während CEFs unter dem Investment Company Act von 1940 vergleichsweise großzügig Leverage einsetzen und in illiquide Anlagen investieren dürfen, setzt die EU mit der AIFMD-II-Richtlinie strengere Maßstäbe: Kreditvergebende offene alternative Investmentfonds (sogenannte Loan-Originating AIFs) dürfen einen Hebel von maximal 175 Prozent nutzen, kreditvergebende geschlossene AIFs von 300 Prozent.

Zudem müssen Fondsmanager mindestens zwei Liquiditätsmanagement-Instrumente vorhalten – etwa die Aussetzung von Rücknahmen oder Redemption Gates.

Für deutsche Dividendenjäger, die ein steuerlich unkompliziertes, breit diversifiziertes Ausschüttungsdepot aufbauen wollen, bleiben UCITS-konforme ETFs und ausschüttende Rentenfonds wahrscheinlich die naheliegendere Wahl.

CEFs können für erfahrene Anleger mit höherer Risikotoleranz ein interessanter Portfoliobaustein sein – als Beimischung, nicht als tragende Säule. Wer den Schritt wagt, sollte die Discount-Entwicklung, den Leverage-Anteil und das Währungsrisiko eng im Blick behalten.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Erträge.