Börsen im Klimastress: Wie der Super-El-Niño die Depots verändert
Klimastress für die Stromnetze: Asiatische Energieversorger erleben durch die El-Niño-Hitze extreme Nachfragespitzen, was auch an den Aktienmärkten Spuren hinterlässt.
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Bis 2027 droht ein Super-El-Niño. Während JPMorgan erste Banken herabstuft, profitiert ein chinesischer Energie-Riese mit plus 64 Prozent.
Ein Wetterphänomen rückt in den Fokus der Finanzmärkte: Das US Climate Prediction Center (CPC) der NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit eines sehr starken El Niño im Zeitraum November 2026 bis Januar 2027 auf 63 Prozent.
Wie es bei Bloomberg heißt, zwingt das Szenario Investoren weltweit zur Neubewertung ganzer Sektoren – von Palmölplantagen in Indonesien über Kupferminen in Chile bis zu Stromversorgern in China und Indien.
"El Niño kommt zu einem besonders heiklen Zeitpunkt", warnt demnach Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank. Die Weltwirtschaft passe sich noch an die inflationären Folgen des Iran-Konflikts an, während die Lieferketten weiterhin anfällig seien.
Eine Dartmouth-Studie beziffert die globalen Produktivitätsverluste durch den Super-El-Niño 1997/98 auf mehr als 5,7 Billionen US-Dollar. Bloomberg geht davon aus, dass der Super-El-Niño aus den Jahren 2015/16 sogar Produktivitätsverluste von 7,8 Billionen US-Dollar verursachte.
Satellitendaten alarmieren NASA-Forscher
Dass die Lage ernst ist, zeigen aktuelle Messungen aus dem All. Der Satellit Sentinel-6 registriert im äquatorialen Pazifik eine Erwärmung, die Nasa-Forscherin Séverine Fournier vom Jet Propulsion Laboratory an das Rekordjahr 1997 erinnert.
Die Wassertemperaturen am Äquator übertreffen inzwischen alle Werte seit 1981, wie Copernicus-Daten bestätigen. Hunderte Kilometer breite Kelvin-Wellen – Vorboten eines starken Ereignisses – treiben warmes Wasser in den östlichen Pazifik.
Das Phänomen trifft dabei auf eine ohnehin überhitzte Welt. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo sprach kürzlich von einem "potenziell starken El-Niño-Ereignis", das Dürren, Starkregen und Hitzeextreme verschärfen könne.
Copernicus-Prognosen zeigen für den Sommer 2026 in Mitteleuropa Temperaturen von 0,5 bis 1,5 Grad über dem Mittel.
Gewinner und Verlierer an den Börsen
Die Auswirkungen auf die Märkte sind bereits spürbar. Indien hat Zuckerexporte bis Ende September verboten, Peru die Fischereisaison unterbrochen. UBS-Analysten warnen laut Bloomberg vor Einbrüchen bei Mais-, Weizen- und Palmölerträgen.
Profitieren könnten dagegen Stickstoffdüngerhersteller wie CF Industries und Nutrien, weil knappe Ernten die Nachfrage nach Dünger antreiben. Auch Saatgut- und Pflanzenschutzkonzerne wie Corteva stehen demnach auf der Gewinnerseite.
Im Energiesektor verschiebt El Niño die Karten: In den USA drücken mildere Winter die Nachfrage nach Erdgas – schlecht für Produzenten wie EQT Corp. In Asien dagegen lässt der Hitzeschub den Stromverbrauch in die Höhe schnellen. Der chinesische Versorger Jinneng Holding legte laut Bloomberg seit Jahresbeginn um 64 Prozent zu.
Selbst Versicherer kalkulieren neu. El Niño schwächt typischerweise die atlantische Hurrikansaison. Piper-Sandler-Analyst Paul Newsome erwartet deshalb geringere Schadenkosten für US-Versicherer wie Allstate, Progressive und Travelers.
Auf der anderen Seite stufte JPMorgan peruanische Banken wie Credicorp herab – weil Fischerei- und Agrarkredite unter Druck geraten.
Bereits im Mai zeichnete sich ab, dass Dürre und El Niño die Welternährung bedrohen: US-Farmer ließen Weizenfelder von Vieh abweiden, die Preise an der Euronext sprangen an. Der Super-El-Niño könnte diese Entwicklung massiv beschleunigen.