Gewöhnt euch an teureren Kaffee – es wird nicht besser

Eine Mähdrescherähnliche Erntemaschine fährt auf einer Kaffeeplantage.

Kaffeeernte in Brasilien

(Bild: Alf Ribeiro, shutterstock)

Klimawandel, Spekulation und ein unerwarteter Faktor treiben die Preise. Warum Robusta plötzlich so teuer wie Arabica ist.

Für viele Menschen gehört die morgendliche Tasse Kaffee zur täglichen Routine. Doch dieser Genuss wird immer teurer. Die Rohkaffeepreise an den Börsen sind seit Oktober 2024 um rund 70 Prozent gestiegen, berichtet der Südwestfunk. Ein Kilogramm Kaffee kostet mittlerweile rund acht Euro an der Börse.

Die Folgen sind im Supermarkt und im Café deutlich spürbar. Gemahlener Markenkaffee kostet inzwischen rund 20 Euro pro Kilogramm, Kaffeepads etwa 35 Euro. Ein Cappuccino im Café schlägt oft mit vier bis fünf Euro zu Buche. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der ARD-Verbraucherredaktion trinkt bereits ein Viertel der Deutschen wegen der Preisentwicklung weniger Kaffee, neun Prozent sogar deutlich weniger.

Der Klimawandel trifft die empfindliche Pflanze

Die Hauptursache der Preisexplosion liegt im Klimawandel. "Die Kaffeepflanze ist höchst sensibel", erklärt Sophie von Loeben vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Schon kleine Veränderungen der klimatischen Bedingungen wirkten sich direkt auf Ertrag und Qualität der Bohnen aus. Betroffen ist vorwiegend die Sorte Arabica, die am besten in Höhen zwischen 600 und 2.300 Metern gedeiht.

Besonders hart trifft es die beiden größten Produzenten. Brasilien, aus dem rund 40 Prozent des deutschen Kaffees stammen, leidet unter langen Dürreperioden. Nach einem Rekordsommer verzeichnete das Land Ernteeinbußen von 3,5 Prozent. Es folgte unerwartete Winterkälte und eine anhaltende Dürre, die die kritische Blütezeit bedrohte.

Vietnam, der zweitgrößte Lieferant, kämpft mit wechselnden Extremen aus Trockenheit und Starkregen. In der Saison 2023/24 verzeichnete das Land einen Produktionsrückgang von 20 Prozent – den niedrigsten Stand seit vier Jahren.

Steigende Nachfrage

Studien sagen voraus, dass die aktuellen Kaffeeanbaugebiete bis 2050 weltweit um die Hälfte schrumpfen könnten.

Zum schrumpfenden Angebot kommt eine wachsende Nachfrage. Vor allem in Asien trinken immer mehr Menschen Kaffee. China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern entwickelt sich zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte für Kaffeekonsum.

"Die Kaffeebauern können gar nicht so viel Kaffee anbauen, wie die Menschen momentan konsumieren möchten", stellt die Kaffeezentrale fest.

Spekulanten und Logistikprobleme

Auch Spekulanten verschärfen die Situation. An den beiden großen Kaffeebörsen – ICE Futures US in New York für Arabica-Bohnen und ICE Futures Europe in London für Robusta-Bohnen – werden die von den Marktteilnehmern erwarteten Preissteigerungen zusätzlich verstärkt.

Die spekulative Nachfrage treibt die Preise in die Höhe. Sie spiegelt nicht mehr die tatsächliche Angebots- und Nachfragesituation wider. Schon heute wird festgelegt, was Kaffee künftig kosten soll – lange bevor die Bohnen überhaupt geerntet sind.

Hinzu kommen logistische Probleme. Geopolitische Unsicherheiten beeinträchtigen den Transport durch den Suezkanal. Immer mehr Reedereien vermeiden die Route und fahren 6.000 Kilometer weiter, was die Transportkosten erhöht.

Robusta fast so teuer wie Arabica

Ein Novum am Markt: Robusta kostet derzeit fast ebenso viel wie Arabica – das gab es noch nie. Die hohe Nachfrage nach brasilianischem Robusta, bedingt durch den Mangel an asiatischem und afrikanischem Robusta, hat die Preise getrieben.

Zudem sehen sich Kaffeebauern mit höheren Kosten konfrontiert. Die Preise für Düngemittel, Energie und Arbeitskräfte sind weltweit gestiegen. Auch auf Seiten der Röster sind die Kosten gestiegen. Gründe sind stark gestiegene Energie- und Transportkosten vor allem in Europa sowie ein branchenübergreifender Personalmangel.

Landflucht

Die Nachhaltigkeit der Kaffeeproduktion ist durch die Landflucht junger Menschen gefährdet. "Farming wird oft als Tätigkeit der letzten Wahl wahrgenommen, und junge Menschen tendieren dazu, in städtische Gebiete zu migrieren", betont Rui Nabeiro von International Coffee Partners.

Die Situation junger Kaffeebauern in Honduras zeigt die Probleme: Nur ein Drittel besitzt eigenes Land, nur 30 Prozent sind beschäftigt. Lediglich zehn Prozent sind in einer Bauernvereinigung organisiert und nur 12 Prozent haben Zugang zu Finanzdienstleistungen. Zwei Drittel berichten von einem Mangel an wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Finanzierungslücken bei der Klimaanpassung

Elizabeth Teague, Senior Director Climate Resilience bei Root Capital, weist auf ein fundamentales Problem hin: "Praktisch alle Produzentenorganisationen betrachten Klimaschutz als wichtig für ihre Geschäfte und ihre Zukunft. Doch es gibt nicht genug Investitionen in Klimaanpassung in Kaffeegemeinden."

Die Klimaschutzfinanzierung in der landwirtschaftlichen Produktion hat 28,5 Milliarden US-Dollar auf Projektebene und zusätzliche 2,3 Milliarden US-Dollar auf Unternehmensebene erreicht. Allerdings wird mindestens das Siebenfache benötigt. Weniger als zwei Prozent der globalen Klimafinanzierung fließen in kleinbäuerliche landwirtschaftliche Lieferketten.