Dead Pool am Colorado River: Wenn die Stauseen keinen Strom mehr liefern

Stausee in karger Berglandschaft mit Dükern, die erkennen lassen, dass der Wasserstand viel zu niedrig ist.

Am Hoover-Staudamm (2025).

(Bild: Mathew Risley, shutterstock)

Der Colorado versorgt 40 Millionen Menschen mit Wasser und fünf Mio. Haushalte mit Strom. Doch die seit 20 Jahren anhaltende Dürre zwingt zum Wasser sparen.

Der Colorado River steht vor dem Kollaps. Die beiden größten Stauseen der USA, Lake Powell und Lake Mead, sind nur noch zu knapp 30 Prozent gefüllt. Sollten die Wasserstände weiter sinken, droht der sogenannte „Dead Pool" – ein Zustand, bei dem keine Stromerzeugung mehr möglich ist und kein Wasser mehr abgegeben werden kann.

Millionen Menschen im Südwesten der USA könnten dann ohne Strom dastehen, die Preise würden steigen.

Die Krise wird politisch verschärft, weil sich die sieben Bundesstaaten, die vom Colorado River abhängen, nicht auf Kürzungen einigen können. Die US-Regierung hat deshalb einen Plan vorgelegt, der drastische Einschnitte vorsieht – vor allem für Arizona, Kalifornien und Nevada.

Diese drei Staaten könnten in den nächsten Jahren umgerechnet bis zu 1,85 Milliarden Kubikmeter Wasser verlieren. Langfristig könnten die Kürzungen im unteren Becken sogar 3,7 Mrd. Kubikmeter erreichen. Zum Vergleich: Berlin verbraucht etwa 220 Mio. Kubikmeter Wasser jährlich.

Bundesstaaten am Oberlauf gegen die Anrainer flussabwärts

Der Konflikt verläuft entlang der Grenze zwischen dem oberen und dem unteren Becken des Flusses. Die unteren Staaten – Arizona, Kalifornien und Nevada – nutzen heute weniger Wasser, als ihnen rechtlich zusteht.

Sie fordern, dass auch die oberen Bundesstaaten – Colorado, Utah, Wyoming und New Mexico – verpflichtende Kürzungen hinnehmen. Die wehren sich dagegen und verweisen darauf, dass auch sie ihr Kontingent ohnehin nie voll ausgeschöpft haben.

Die Verhandlungen sind festgefahren. Sollte keine Einigung zustande kommen, drohen Klagen vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Die Bundesregierung hat angekündigt, den Fluss notfalls selbst zu verwalten.

Ein hundert Jahre alter Rechenfehler

Die Wurzeln der Krise reichen bis ins Jahr 1922 zurück. Schon damals verteilten die Anrainerstaaten mehr Wasser als eigentlich vorhanden war. Entscheidender ist jedoch, dass ein Managementplan von 2007 ausläuft.

Die Dürre, die seit 20 Jahren andauert, hat die Lage dramatisch verschärft. Der Klimawandel sorgt für weniger Schneefall in den Bergen, höhere Temperaturen und mehr Verdunstung.

Im Frühjahr 2025 erreichte die Schneeschmelze lediglich die Hälfte des langjährigen Mittels. Hitze trocknete die Böden aus, sodass das Wasser nicht in die Flüsse gelangte. Erstmals in der Geschichte mussten Landwirte ihre Bewässerungsanlagen in manchen Regionen Colorados schließen.

Alfalfa für Rindersteaks und Saudi-Arabien braucht das meiste Wasser

Über 70 Prozent des Wassers aus dem Colorado River fließt in die Landwirtschaft. Der Großteil davon wird für den Anbau von Futterpflanzen wie Alfalfa verwendet, die an Rinder verfüttert werden. Allein 25 bis 30 Prozent des gesamten Flusswassers werden für Alfalfa genutzt – fast doppelt so viel wie für die Trinkwasserversorgung aller Städte zusammen. Ein Teil der Ernten wird ins Ausland exportiert, etwa nach Saudi-Arabien und China.

Kritiker wie Kathryn Sorensen, Forschungsdirektorin am Kyl Center for Water Policy der Arizona State University, betonen, dass das Problem nicht ohne die Landwirtschaft gelöst werden könne. Die Städte hätten bereits erhebliche Fortschritte beim Wassersparen gemacht, doch der Umfang der landwirtschaftlichen Nutzung sei zu groß, um ihn zu ignorieren.

Auch die Verdunstung spielt eine Rolle. Etwa elf Prozent des Wassers gehen durch Verdunstung aus den Stauseen verloren. Dieser Anteil steigt durch höhere Temperaturen und weniger Regentage. Experten schlagen schwimmende Solaranlagen vor, wie sie in Indien, Europa und China bereits genutzt werden, um die Verdunstung zu reduzieren und gleichzeitig Strom zu erzeugen. Die elektrische Infrastruktur der Wasserkraftwerke könnte dafür genutzt werden.

Die Städte sparen, doch es reicht nicht

San Diego betreibt heute schon die größte Meerwasserentsalzungsanlage der USA, die bis zu 400.000 Menschen mit Wasser versorgen kann. Im Juli 2026 zahlte die Bundesregierung dem Metropolitan Water District of Southern California bis zu 65 Millionen US-Dollar, damit dieser auf die Entnahme von Wasser aus dem Fluss verzichtet.

Auch Landwirte wurden dafür bezahlt, Teile ihrer Felder brach liegen zu lassen.

Doch diese Maßnahmen reichen nicht aus. Dave Owen, Professor für Wasserrecht an der University of California, erklärte, dass es theoretisch genug Wasser im Colorado River gebe, wenn es klug genutzt werde. Doch die einfachen Sparmaßnahmen sind bereits umgesetzt. Weitere Einsparungen würden schwieriger.

Was der Colorado-Ausfall für den Wocheneinkauf bedeutet

Die Wasserknappheit bedroht nicht nur die Landwirtschaft im Südwesten, sondern die gesamte Lebensmittelversorgung der USA. Kalifornien baut fast die Hälfte des Gemüses und über drei Viertel der Früchte und Nüsse des Landes an. Ein erheblicher Teil dieser Produktion wird mit Wasser aus dem Colorado River bewässert. Sollten die Kürzungen wie geplant umgesetzt werden, könnten die Lebensmittelpreise landesweit steigen.

Auch die Stromerzeugung steht auf dem Spiel. Der Glen Canyon Dam, der den Lake Powell aufstaut, erzeugt Strom für etwa fünf Millionen Haushalte. Sollte der Wasserstand weiter sinken, könnte der Dam bereits Anfang nächsten Jahres das sogenannte „Minimum Power Pool" erreichen – den Punkt, ab dem keine Stromerzeugung mehr möglich ist.

Neue Belastungen durch Lithiumabbau

Zu allem Überfluss kommt eine neue Konkurrenz um das Wasser hinzu: der Abbau von Lithium. Die vielversprechendsten Lithiumvorkommen der USA liegen im Südwesten, genau in der dürregeplagten Region. Der Abbau des Metalls verbraucht große Mengen Wasser.

Die Verhandlungen laufen weiter, doch die Zeit drängt. Die Hoffnung vieler Beteiligter liegt darin, dass die Staaten doch noch zusammenfinden. Dafür werden wohl alle Beteiligten Zugeständnisse machen müssen – Stadtbewohner, Landwirte und Stromkunden.