Ein neuer Anlauf gegen die Tofu-Wurst

Packung mit Fleisch und Zeichen für "nicht-vegetarisch"

Als gäbe es derzeit keine wichtigeren Herausforderungen, macht sich die EVP erneut für ein Verbot von Begriffen wie Tofu-Wurst und Veggie-Schnitzel stark.

Der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments (AGRI) berät aktuell erneut über ein Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Lebensmittel. Damit sollen Begriffe wie "Burger", "Wurst" oder "Schnitzel" für vegetarische Produkte verboten werden.

Dabei hat Schnitzel mit toten Tieren erst einmal herzlich wenig zu tun, sonst müsste man sich für eine Schnitzeljagd beim örtlichen Metzger eindecken. Das Wort "Schnitzel" leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort "sniz" für Schnitt oder Abschnitt ab und ist eine süddeutsch-österreichische Verkleinerungsform der Schnitte.

Es bezeichnet auch ein kleines, beim Schnitzen entstandenes Abfallstück. In diesem Umfeld entstand später auch das Holzhackschnitzel, der größere Bruder der zum Heizen genutzten Pellets.

Als Schnipsel, teilweise auch als Schnippel, bezeichnet man einen oder mehrere kleine Papier- oder Pappfetzen. Ein Schnipsel ähnelt dem Konfetti, ist im Durchschnitt jedoch etwas größer und an den Rändern ausgefranst. Wenn man einen Apfel mit dem Messer aufteilt, bezeichnet man ein dabei entstandenes Stück als Schnitz.

Mit dem toten Tier kam es erst später in Verbindung. Heute wird das Schnitzel für Stücke vom Schwein, Hähnchen oder der Pute aus dem Schlachthof in Verbindung gebracht. Für ein paniertes Schnitzel wie das traditionelle Wiener Schnitzel nimmt man Kalbfleisch. Kalbfleisch wird auch für Zürcher Geschnetzeltes benutzt. Soll jetzt Tofu-Geschnetzeltes auch verboten werden?

Die Freunde der Tierverwertungsindustrie wollen nicht aufgeben

Der erneute Versuch für ein weitreichendes Verbot von Begriffen, wie sie bis vor kurzem in erster Linie für Produkte aus inzwischen zumeist industriell getöteten und verarbeiteten Tieren benutzt wurde, geht auf einen Antrag der französischen EVP-Abgeordneten Céline Imart zurück. Sie war schon maßgeblich am weitgehend gescheiterten ersten Verbotsversuch beteiligt.

Der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments hat das Thema im Rahmen der Reform der "Gemeinsamen Marktorganisation" erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Zahlreiche Begriffe sollen für Produkte aus pflanzlichen Rohstoffen verboten werden. Dazu zählen Burger, Wurst, Hackfleisch, Nuggets oder Schnitzel.

Dr. Chris Methmann, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland äußert sich in diesem Zusammenhang wie folgt:

"Ernsthaft, geht dieser Unsinn jetzt wieder von vorne los? Angesichts von Hitze, Dürre und massiven Ernteausfällen in Europa kann man sich bei dieser Verbots-Debatte nur an den Kopf greifen. Statt 'Seitan-Schnitzel' oder 'Veggie-Hack' zu verbieten, sollten sich die EU-Abgeordneten lieber damit beschäftigen, wie unsere Landwirtschaft trotz Klimakrise weiter sicher Lebensmittel produziert.

Wir brauchen mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft – keine Namens-Verbote für Veggie-Produkte. Niemand kauft versehentlich Tofuwürstchen, weil er glaubt, es seien Rinderknacker. Ein 'Tofuwurst'-Verbot löst kein einziges Problem, sondern schafft im Supermarkt Verwirrung und macht europäischen Veggie-Herstellern unnötig das Leben schwer. Ausgerechnet die Produkte auszubremsen, die den Umstieg auf eine klimafreundlichere Ernährung leichter machen, ist absurd. Das ist kein Verbraucherschutz, das ist ein Geschenk an die Fleischlobby."

Der erste von der EVP initiierte Verbotsversuch war im März 2026 gescheitert

Im Oktober 2025 hatte eine Mehrheit aus EVP und rechten Fraktionen im EU-Parlament schon einmal ein ähnliches Verbot beschlossen. Nach zum Teil heftiger öffentlicher Kritik scheiterte dieser Vorschlag jedoch im März 2026 in den Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Kommission und Mitgliedstaaten. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hatte sich damals gegen das weitreichende Verbot ausgesprochen.

Stattdessen einigte sich die EU darauf, dass lediglich bestimme Begriffe, die sich auf Tierarten oder Fleischstücke beziehen, verboten werden – zum Beispiel "Veggie-Hühnchen" oder "veganer Speck".

Eine deutliche Mehrheit der Verbraucher kann sich mit dem aus dem rechten politischen Spektrum lancierten Verbot von Fleischbegriffen für pflanzliche Ersatzprodukte nicht anfreunden.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von foodwatch sehen 84 Prozent der Befragten keinen Bedarf für eine gesetzliche Einschränkung. Nur 15 Prozent befürworten ein Verbot. Zudem gaben nur 15 Prozent der Befragten an, schon einmal versehentlich ein veganes oder vegetarisches Produkt gekauft zu haben, obwohl sie eigentlich ein Fleischprodukt kaufen wollten.

Die Landwirtschaft hat in der Folge des Klimawandels existenziellere Probleme

Hitze und Dürre belasten die Landwirte. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sieht viele Betriebe in ihrer Substanz gefährdet. Ausgedörrte Böden und niedrige Flusspegel prägten den Sommer 2026.

Die Hitze trifft die Landwirtschaft besonders hart. Nach neuesten Berechnungen gingen Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren. Erste Berechnungen zeigen, dass die Hitzewelle Bauern mehr als 600 Millionen Euro gekostet hat.

Mit voraussichtlich 40,6 Millionen Tonnen liegt die deutsche Getreideernte mehr als zehn Prozent unter dem Vorjahreswert von rund 45 Millionen Tonnen. Auch der Fünfjahresdurchschnitt von 42,5 Millionen Tonnen wird offensichtlich deutlich verfehlt. Die Rapsernte dürfte mit 3,7 Millionen Tonnen ebenfalls geringer ausfallen als 2025.

Die Zahlen spiegeln wider, was vielerorts auch schon deutlich sichtbar ist. Seit Monaten hat es in weiten Teilen Deutschlands und Europas nur wenig geregnet. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sind die Böden vielerorts ungewöhnlich stark ausgetrocknet.