Ernteausfälle: Zahlen am Ende die Verbraucher?

Schrumpfende Getreideähren und Eurozeichen mit Getreideähren als Querstriche

Hitze und Trockenheit drücken die Ernte. Der Bauernverband fordert Millionenhilfen – foodwatch warnt: Am Ende könnten Verbraucher doppelt zahlen.

Damit die überkommene Wirtschaftsweise der Landwirte überleben kann, soll der Steuerzahler jetzt in die Tasche greifen, damit die Bauern überleben und die Preise landwirtschaftlicher Produkte nicht steigen und damit die Inflation anfeuern.

Wegen der langen Trockenheit und Hitze in diesem Sommer fällt die Ernte deutlich geringer aus. Der Deutsche Bauernverband fordert daher von der Bundesregierung Millionenhilfen, zum Beispiel sollen die EU-Beihilfen für Düngemittel auf 180 Millionen Euro aufgestockt werden und die Steuer auf Agrardiesel gesenkt werden.

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat diese Forderungen des Bauernverbandes nach Millionenhilfen und Steuererleichterungen aufgrund der Ernteausfälle deutlich kritisiert. Den landwirtschaftlichen Betrieben nur immer noch mehr Geld für Kunstdünger und Diesel zu geben, sei falsch.

Stattdessen bräuchten Agrarbetriebe Hilfe, um die Landwirtschaft klimasicherer umzubauen. Zudem müssten die Verbraucher entlastet werden und ihnen nicht auf dem Weg über die Steuern das Geld aus der Tasche gezogen werden, ohne dass sich die Landwirtschaft auf den Klimawandel einstellt.

Der Klimawandel ist in der Landwirtschaft angekommen

Experten warnen seit Langem davor, dass die steigenden Temperaturen auch zu steigenden Lebensmittelpreisen führen könnten. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung rechnet zum Beispiel damit, dass der Klimawandel dazu führen könnte, dass Lebensmittelpreise jedes Jahr um 3,2 Prozentpunkte steigen.

"Die Klimakrise ist endgültig Realität und trifft auch unsere Landwirtschaft: mit Hitzewellen, Trockenheit und Ernteausfällen. Unsere Landwirt:innen brauchen Unterstützung, aber: Noch mehr Subventionen für Kunstdünger und Diesel erhalten das zerstörerische Agrarsystem am Leben und führen nur zu immer weiteren Ernteausfällen. Dieser Hitzesommer sollte endlich ein Weckruf sein, unsere Landwirtschaft zukunftssicher umzubauen: weniger Nutztierhaltung, weniger Kunstdünger, weniger Pestizide."

Andreas Winkler, foodwatch

Auch wenn die Ansicht von Landwirtschaftsminister Alois Rainer zutreffen mag, dass mit einer unmittelbaren Preissteigerung bei Lebensmitteln nicht zu rechnen sei, müssen die Verbraucher mit steigenden Preisen rechnen und finanzielle Zuwendungen an die Bauern werden den Endverbrauchern nicht helfen, da ein großer Teil der in Deutschland verzehrten Lebensmitteln gar nicht von deutschen Landwirten stammt.

So wird 70 Prozent des in Deutschland vermarkteten Gemüses importiert. Und lediglich zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland arbeiten in der inzwischen hoch mechanisierten Landwirtschaft, die sich für die Arbeiten auf dem Feld immer stärker auf spezifisch aufgestellte Lohnunternehmer stützt, die ihre Maschinen leasen müssen, um über die Runden zu kommen.

Die Bauern, die noch immer in der Vorstellung leben, die deutsche Bevölkerung zu ernähren, haben inzwischen vielfach das Gefühl, in der Gesellschaft nicht ausreichend anerkannt zu werden. Das erzeugt Frust, Wut und Zorn.

Für viele Verbraucher ist dies jedoch nur noch schwer nachvollziehbar, wenn sich im Lebensmittelhandel zeigt, dass das Gemüse aus Spanien, Kenia, Ägypten und Marokko kommt und bei verarbeiteten Produkten, die Herkunft gar nicht mehr zu ermitteln ist.

Offensichtlich haben zu viele Landwirte zwischen Steuerermäßigungen und EU-Subventionen ihre Absatzmöglichkeiten aus den Augen verloren. Nur wenige haben die Direktvermarktung als Möglichkeit erkannt, den direkten Kontakt zum Verbraucher zu finden und den Zwischenhandel rauszuwerfen.

Wie die Verbraucher entlastet werden könnten

Aus der Sicht von foodwatch müssten auch die Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf entlastet werden und vor allem vor weiter steigenden Lebensmittelpreisen geschützt werden. Als eine wichtige Maßnahme fordert man daher einerseits eine staatliche Preisbeobachtungsstelle für Nahrungsmittel, wie es sie beispielsweise in Frankreich gibt.

Dadurch würden nicht nur Preise in Supermärkten für Verbraucher transparenter, die zuständigen Behörden könnten dann auch besser unzulässige Absprachen und unfaire Gewinne der Handelsketten entlarven und bekämpfen. So könnte verhindern werden, dass Hersteller und Handel steigende Preise als Vorwand nutzen, um ungerechtfertigterweise noch höhere Preisaufschläge durchzusetzen.

Um Verbraucher möglichst schnell zu entlasten und gleichzeitig eine gesunde Ernährung zu fördern, sollte zudem endlich die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse gestrichen werden. Diese Forderungen zur Entlastung der Verbraucher verhallen leider in der Politik ungehört.

Offensichtlich haben die Agrarier und die Agrarchemie eine deutlich effizientere Lobby. Heute sind 90 Prozent der Landwirte Mitglied im Deutschen Bauernverband, der 1948 gegründet wurde und somit älter ist als die Bundesrepublik.

Das macht ihn zu einer politisch schlagkräftigen Lobby und auf der Autobahn aufgefahrene Traktorenkolonnen ernten eine deutlich höhere Zustimmung als die meist verfluchten Klimakleber der letzten Generation.

Genmanipulation als Hoffnung für eine klimaresiliente Landwirtschaft?

Da man nicht davon ausgehen kann, dass die deutsche Landwirtschaft alleine mit zusätzlichen Subventionen die Herausforderungen des Klimawandels meistern kann und das Geld auch nicht hilft, den Wassermangel zu beseitigen, der die künstliche Bewässerung immer öfter behindert, setzen viele Landwirte inzwischen ihre Hoffnung auf klimawandelresistente Sorten.

Da die konventionelle Zucht jedoch mehr Zeit benötigen würde, als der Wandel der Umgebung noch übrig zu lassen scheint, setzen Saatgut- und Agrochemiekonzerne jetzt auf die Möglichkeiten der neuen Genome Editing-Verfahren. Dabei scheint vor allem der Gen-Schere CRISPR/Cas eine Schlüsselrolle zuzukommen.