Foodwatch-Test zu Pestiziden: Welche Gewürze und Tees betroffen sind
Foodwatch hat Gewürze und Tees aus deutschen Supermärkten getestet – die Ergebnisse sind alarmierend und betreffen bekannte Marken.
In der EU ist die Verwendung von mehr als 250 Pestiziden verboten, weil sie als zu gefährlich für Mensch und Umwelt gelten.
Doch die Pestizide oder deren Wirkstoffe werden weiterhin hierzulande produziert, weil es kein Produktionsverbot gibt und dann in Drittstaaten verkauft, wo weniger strenge Regeln gelten. Da verwundert es nicht, dass sie anschließend als Rückstände in importierten Lebensmitteln nach Europa zurückkehren.
In einer marktorientierten Wirtschaft, die eine Reduzierung der Bürokratie wünscht, sollte der mündige Bürger entscheiden können, welche Pestizide er in seinen Lebensmitteln akzeptiert. Ein Exportverbot von hierzulande verbotenen Pflanzenschutzgiften fand unter der Ampel in Berlin keine Mehrheit.
Inzwischen sollen bei einmal zugelassenen Pestiziden die Zulassung in der EU nicht mehr regelmäßig neu bewertet werden, sondern nur dann, wenn es neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die auf eine Gefährdung von Menschen und Umwelt hinweisen.
Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse dabei berücksichtigt werden müssen, scheint offen zu sein. Neue Erkenntnisse stehen dabei jedoch einer Vielzahl von positiven Überprüfungen der Vergangenheit gegenüber. Mit der neuen Vorgehensweise will man die Kosten für die Pestizid-Produzenten senken.
Konsequente Kontrollen auf Schadstoffe bei den Lebensmittelimporten scheint es bislang nicht zu geben und diese sollen in Deutschland offensichtlich auch künftig vermieden werden. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) sieht mögliche Verbote von Pestizidrückständen in importierten Lebensmitteln skeptisch.
Im Foodwatch-Test wurden verbotene Pestizide in Reis, Gewürzen und Tee nachgewiesen
Der Foodwatch-Test umfasste 64 Proben, die im Handel in Österreich, Frankreich, Deutschland sowie den Niederlanden erworben wurden. Zwei Drittel aller Produkte im Test, das waren 43, waren mit einem oder mehreren in Europa verbotenen Ackergiften belastet.
In Deutschland hatte Foodwatch 19 Produkte unter die Lupe genommen. Davon waren 13 mit Pestiziden belastet und zwar alle mit Mitteln, die in Europa nicht mehr zugelassen sind.
Dabei waren Produkte von Eigenmarken der Handelskonzerne Rewe, Edeka, Aldi und Lidl sowie Markenprodukte von Teekanne, Meßmer und Ostmann aufgrund ihrer Schadstoffbelastung betroffen. Spitzenreiter als am stärksten belastetes Produkt war dabei der Rewe Chili Mix mit 22 Pestiziden, davon sieben nicht zugelassen und Chlorfenapyr über dem Grenzwert.
Besonders betroffen von einer Belastung durch Pestizide waren Paprikapulver, Chili, Kreuzkümmel und grüner Tee. Hier enthielten ausnahmslos alle Proben Rückstände von nicht zugelassenen Pestiziden.
Foodwatch fordert in der Konsequenz der Tests den Rückruf von Fuchs Kreuzkümmel, Kania Kreuzkümmel und dem Chili Mix von Rewe, weil dort verbotene Pestizide über dem Grenzwert nachgewiesen wurden.
"Ackergifte, die in Europa verboten sind, dürfen nicht über importierte Lebensmittel wieder auf unserem Teller landen! Der giftige Pestizid-Bumerang muss gestoppt werden."
Wer mit Paprikapulver würzt, den Kreuzkümmel ins Curry gibt oder eine Tasse grünen Tee trinkt, hat meist keine Ahnung, was in seinen Lebensmitteln steckt.
Die Test-Ergebnisse im Einzelnen
Kreuzkümmel war 217-mal so hoch belastet wie erlaubt. Im Fuchs Kreuzkümmel wurden sechs Pestizide nachgewiesen, davon vier in der EU nicht zugelassene. Ein Stoff, das Herbizid Flamprop, lag dabei deutlich über dem Grenzwert. Dieser liegt bei 0,01 mg/kg. Nachgewiesen wurden jedoch 1,65 mg/kg, also das 165-fache.
Auch im Kania Kreuzkümmel von Lidl wurden zwei in der EU nicht zugelassene Pestizide gefunden, davon eines ebenfalls Flamprop über dem Höchstgehalt. Hier wurden sogar 2,17 mg/kg gefunden. Das Produkt war also 217-mal höher belastet als erlaubt. Ostmann Kreuzkümmel: Drei Pestizide, davon zwei nicht zugelassen.
Besonders alarmierend waren die Werte bei Paprikaprodukten. Der foodwatch-Test zeigt deutlich, wer Paprikapulver verwendet, nimmt dabei ein breites Spektrum an Chemikalien zu sich, auch wenn die Mengen jeweils sehr gering sind. Ostmann Paprika rosenscharf (Fuchs Gruppe): 13 Pestizide, davon drei nicht zugelassen.
Le Gusto Paprika edelsüß von Aldi glänzte mit zwölf Pestiziden, davon vier nicht zugelassen. Kania Paprika edelsüß von Lidl enthielt acht Pestizide, davon fünf nicht zugelassen und bei Ja! Paprika edelsüß von Rewe waren es ebenfalls acht Pestizide, davon fünf nicht zugelassen.
Der schon erwähnte Rewe Chili-Mix enthielt die meisten Pestizide. Bei den Ostmann Chili Flocken waren immerhin noch acht Pestizide zu finden, davon drei nicht zugelassen.
Auch bei Reis wurden Pestizid-Rückstände nachgewiesen, so im ja! Basmati Reis von Rewe mit drei Pestiziden, davon zwei nicht zugelassenen sowie im Edeka Herzstücke Langkornreis ein nicht zugelassenes Pestizid.
Auch bei Grünem Tee gab es problematische Rückstände. Teekanne Feinster Grüner Tee enthielt zwei nicht zugelassene Pestizide ebenso wie Meßmer Grüner Tee.
Doch auch wenn ein Produkt den gesetzlichen Grenzwert einhält, bedeutet das nicht automatisch, dass es sicher ist. Der sogenannte Cocktail-Effekt stellt ein bislang nur wenig beachtetes Risiko für Verbraucher dar.
Die Wirkungen von Stoffen mit ähnlichen Mechanismen können sich addieren und eine kritische Belastung hervorrufen, auch wenn die Einzelbelastung als unbedenklich gilt.
Die EU-Kommission plant derzeit im Rahmen des sogenannten "Food and Feed Omnibus Gesetzespakets" eine umfangreiche Deregulierung zahlreicher Umweltschutzstandards. In diesem Gesetzespaket verbirgt sich jedoch ein positiver Vorschlag, welcher die Regeln für Pestizidrückstände auf Importlebensmitteln neu zu regeln soll. Die Kommission hatte das bereits 2020 angekündigt.