Frankreichs Dürre erreicht die Wasserhähne

Apothekenthermometer in Nizza zeigt 41 Grad Celsisus (2025)

Nizza, im Vorjahr: 1. Juli 2025; Bild: Shutterstock.com

40.000 Menschen waren bereits von Unterbrechungen der Wasserversorgung betroffen, für 550.000 ist die Lage angespannt. Die neue Hitzewelle erhöht den Druck.

Die jüngste Hitzewelle ist die fünfte dieses Sommers, war heute Morgen auf Radio France Info zu hören.

Das Nachbarland erlebt gigantische Hitzeetappen. Seit dem 28. Juli hält die Hitze an, am Donnerstag und Freitag solle sie ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen. Météo-France hat für 80 Départements die zweithöchste Warnstufe Orange ausgerufen, wie der Wetterdienst am Donnerstag mitteilte. In Bordeaux an der traditionell kühleren Atlantikküste werden 41 Grad erwartet – im Schatten, wie die Radio-Moderatorin beteuerte.

Für Paris, Lyon und Tours wurden heute 39 Grad vorhergesagt.

Mit 17 Tagen übertrifft diese Hitzewelle jene aus dem Sommer 2003, die 16 Tage dauerte. Nur die Episoden von 1983 mit 23 und 2006 mit 21 Tagen waren noch länger.

Doch inzwischen geht es nicht mehr nur um Temperaturen. Die seit Monaten anhaltende Trockenheit erreicht zunehmend die Trinkwasserversorgung.

Die Reserven schwinden

Nach Angaben des französischen Umweltministeriums unterliegen mittlerweile rund 70 Prozent des Landes Beschränkungen bei der Wassernutzung. In 92 Départements schränken die Behörden inzwischen die Nutzung von Trinkwasser ein, wie Le Monde unter Berufung auf das Umweltministerium berichtet.

Auch unter der Erde verschlechtert sich die Lage. Trotz ergiebiger Niederschläge im Februar lagen Anfang August 63 Prozent der vom geologischen Dienst BRGM beobachteten Grundwassermessstellen unter dem für den Monat üblichen Niveau. Besonders angespannt ist die Situation nach Angaben des BRGM im Limousin und in der Côte des Bar in der Champagne. Gleichzeitig führen Flüsse wie die Loire außergewöhnlich wenig Wasser.

Für mehr als 40.000 Menschen hat die Dürre bereits zu zeitweisen Unterbrechungen der Wasserversorgung geführt. Bei rund 550.000 Einwohnern gilt die Versorgung als angespannt, erklärte Umweltministerin Monique Barbut am 12. August. Einige Gemeinden in Meurthe-et-Moselle und Haute-Savoie versorgen Einwohner bereits mit Tankwagen.

Auch die südfranzösische Stadt Figeac mit knapp 10.000 Einwohnern bereitet sich darauf vor, "möglicherweise bis Ende August Wasser per Tankwagen liefern zu müssen", zitiert Le Monde den stellvertretenden Bürgermeister.

Hitze beschleunigt den Wasserverlust

Die Hitze verschärft das Problem doppelt: Der Verbrauch steigt, zugleich verdunstet mehr Wasser. Am Stausee Saint-Barthélémy in der Bretagne gehen derzeit allein durch Verdunstung bis zu 11.000 Kubikmeter täglich verloren – zusätzlich zu den 35.000 Kubikmetern, die täglich entnommen werden.

"Wir haben noch nie so schnelle Wasserverluste gesehen", sagte Yann Cauet, Direktor des Wasserversorgungsverbands der Côtes-d'Armor, laut Le Monde. "Wir befinden uns in unbekanntem Terrain."

Umweltministerin Monique Barbut fordert strengere Kontrollen und weniger Ausnahmen von den geltenden Entnahmebeschränkungen: "Sparsamkeit muss unser erster Reflex werden." Die Präfekten sollen Beschränkungen konsequenter durchsetzen und Ausnahmegenehmigungen überprüfen. In Tourrettes-sur-Loup in den Alpes-Maritimes wurde bereits ein Gärtner mit einem Bußgeld belegt, weil er trotz Verbots weiter bewässerte.

Noch funktioniert die Trinkwasserversorgung für die große Mehrheit der Franzosen. Doch in immer mehr Orten geht es nicht mehr nur darum, Pools nicht zu füllen oder Gärten nicht zu bewässern. Es geht offenbar nun mehr darum, genügend Wasser für die Wasserhähne zu sichern.