Könnte bessere Krebsprävention die Kosten des Gesundheitssystems senken?

Krebszellen unter Lupe

Die Kosten des deutschen Gesundheitssystems laufen aus dem Ruder. Menschen werden älter, kümmern sich aber wenig um ihre Gesundheit. Wie lässt sich das ändern?

Schon mehrere Bundesregierungen haben sich an einer finanziellen Rettung des deutschen Gesundheitssystems versucht. Doch bis heute wurde es nur schlimmer.

Mit undokumentierten Rabattverträgen zwischen einzelnen Krankenkassen und Pharmaanbietern hat man versucht, die Kosten für Generika in den Griff zu bekommen, letztlich jedoch nur eine Verlagerung auf wenige Produzenten in China erreicht, deren Produkte dann über unterschiedliche Anbieter in Deutschland zugelassen und hier auf den Markt kommen und unterschiedlich rabattiert werden.

Da der Patient die Rabattverträge nicht kennt, kann er sich nicht gezielt für einen bestimmten Anbieter entscheiden. Zudem wechseln die Anbieter, wenn neue Rabattverträge abgeschlossen werden.

Alle Versuche, die Produktion der Medikamente wieder nach Europa zurückzuverlagern, sind bislang gescheitert, weil die Kostenvorteile der chinesischen Hersteller allein aufgrund des größeren Marktes nicht zu schlagen sind.

Lohnvorteile Chinas sind schon lange nicht mehr entscheidend, da die Fertigung weitestgehend automatisiert erfolgt. Es spricht einiges dafür, den Eigenanteil der Patienten von derzeit maximal zehn Euro zu erhöhen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten zu sichern.

Damit die Zusatzbeiträge der Gesetzlichen Krankenversicherer nicht für alle weiter steigen, wird inzwischen sogar vorgeschlagen, das bisherige Solidarprinzip, bei dem sich die Beiträge am Einkommen des Versicherten orientieren, zu sprengen und das Modell der Privaten Krankenkassen zu adaptieren, bei welchen die Beiträge in Abhängigkeit vom Alter steigen, unabhängig vom Einkommen.

Prävention wäre eine Maßnahme zur Kostensenkung und ist noch lange nicht ausgeschöpft

Allein eine erfolgreiche Krebsprävention könnte zu einer deutlichen Senkung der Gesundheitskosten beitragen. Sie umfasst Maßnahmen, welche das Risiko für Krebserkrankungen senken. Diese sind jedoch in der Bevölkerung ziemlich unbeliebt, weil sie nicht zuletzt mit dem persönlichen Lebensstil zu tun haben, dabei jedoch nicht in erster Linie mit dem derzeit gehypten Thema Teilzeitarbeit.

Rund 40 Prozent der Krebsfälle könnten durch einen gesünderen Lebensstil vermieden werden. Wichtige Säulen dabei sind der Verzicht auf Tabak sowie eine signifikante Reduzierung von Wurst und anderem verarbeitetem Fleisch.

Als hilfreich gelten eine gesunde Ernährung mit dem Hauptgewicht auf Gemüse sowie deutlich mehr Bewegung, eine konsequente Gewichtskontrolle, gutem Sonnenschutz auch durch entsprechende Bekleidung sowie möglichst wenig Alkohol und was in Deutschland in letzter Zeit auf verstärktes Unverständnis stößt, die Nutzung von Impfungen beispielsweise gegen HPV und Hepatitis B.

Früherkennungsuntersuchungen sind in Deutschland noch ziemlich unbeliebt, offensichtlich hoffen viele, dass das Krebsrisiko sinkt, wenn man die Erkrankung nicht frühzeitig erkennt. Dabei können zahlreiche Krebsarten zuverlässig in frühen Stadien erkannt werden. Durch eine frühzeitige Erkennung wird die Chance auf Heilung erhöht. Von den angebotenen Vorsorgemöglichkeiten sollte jeder Gebrauch machen, denn sie können lebensrettend sein.

Da über 60.000 Männer und Frauen in Deutschland pro Jahr an Darmkrebs erkranken, gibt es seit das Angebot einer Darmspiegelung ab 50 als Kassenleistung. Eine Darmspiegelung ist zwar kein Vergnügen, aber die Unannehmlichkeiten halten sich durchaus in Grenzen. Das am Tag vor der Untersuchung anzuwendende Abführmittel zur Darmreinigung wurde hinsichtlich seines Geschmacks inzwischen durchaus verbessert.

Nicht verschwiegen werden sollte, dass die Vorsorgeuntersuchung auch Risiken birgt. Etwa bei jeder dreihundertsten Untersuchung gibt es Komplikationen, etwa Herz-Kreislauf-Probleme oder eine Perforation der Darmwand, was eine größere Operation nötig macht.

Für den Einzelnen ist der Vorteil einer Darmspiegelung durchaus überschaubar, erhöht sich jedoch deutlich bei einer familiären Darmkrebsgeschichte.

Für das Gesundheitssystem insgesamt wäre eine verstärkte Nutzung der Darmkrebsvorsorge jedoch deutlich kostensenkend. So ließen sich offensichtlich eine halbe Milliarde Euro Therapiekosten einsparen, wenn alle Anspruchsberechtigten den Termin zur Darmspiegelung wahrnehmen würden.

Auch wenn die Darmspiegelung inzwischen die bekannteste Vorsorgeuntersuchung hierzulande ist, gibt es darüber hinaus noch zahlreiche weitere Früherkennungsuntersuchungen, die darauf abzielen, Krebs oder Krebsvorstufen frühzeitig zu erkennen, also in der Regel, bevor Symptome auftreten.

Dazu gehören das Hautkrebsscreening, aber auch bildgebende Verfahren wie die Röntgenuntersuchung der Brust sowie Laboruntersuchungen wie Bluttests oder Gewebeproben.

Ob diese Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt nicht zuletzt vom Alter, dem Geschlecht, der familiären Vorgeschichte sowie von bestimmten Vorerkrankungen und anderen Faktoren ab, die das Krebsrisiko beeinflussen.

Die Krebsvorsorge ist für Kassenpatienten meist kostenfrei, aber freiwillig, denn in Deutschland gibt es ein gesetzliches Krebsfrüherkennungsprogramm, das ab einem bestimmten Alter kostenlose Untersuchungen zur Früherkennung von Brust-, Darm-, Gebärmutterhals-, Haut- und Prostatakrebs anbietet.

Die meisten dieser Tests sollen die Chance eröffnen, Krebs noch in der Vorstufe oder zumindest in einem frühen Stadium zu erkennen. Dadurch kann eine Behandlung oft schonender erfolgen. Zudem haben früh entdeckte Krebserkrankungen zudem meist bessere Heilungschancen.

Der Einzelne muss sich allerdings selbst um die spezifischen Untersuchungen kümmern, weil es keine staatliche Untersuchungsverpflichtung gibt.