Können Abnehmspritzen das Leben verlängern?
Die Anwendung von Medikamenten zur Gewichtsreduktion kann die Lebensqualität im Alter verbessern.
(Bild: MillaF / Shutterstock.com)
Dabei geht es nicht um ein Hinauszögern des Todes, sondern um ein möglichst beschwerdefreies Leben bis ins höhere Alter.
Eine Studie mit Tausenden Teilnehmern zeigte Hinweise darauf, dass Ozempic den Alterungsprozess verlangsamt und das unabhängig vom Gewicht des Patienten.
Die Geschichte von Semaglutid, besser bekannt unter seinen Markennamen Ozempic und Wegovy begann als Spritze gegen Diabetes Typ 2. Im nächsten Schritt zeigte sich, dass das Medikament auch bei Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hilft.
Inzwischen wird in Studien deutlich, dass die festgestellten Wirkungen weit über die Kontrolle des Blutzuckers und die Gewichtsreduzierung hinausgehen.
Schon die Senkung des Blutzuckers bietet für viele Typ-2-Diabetiker den Vorteil, dass sie ihre Insulingabe deutlich vermindern und in der Folge ihre vom Insulin induzierte Gewichtszunahme reduzieren können.
Die Wirkung von Semaglutid scheint über die Gewichtsreduktion hinauszugehen
In den vergangenen Jahren haben die ursprünglich zur Diabetes-Typ-2-Therapie auf den Markt gebrachte sogenannte GLP-1-Medikamente wie Ozempic und Wegovy weltweit Schlagzeilen gemacht, vor allem unter dem Namen Abnehmspritze als Mittel zur Gewichtsreduktion.
Dass sie auch das Risiko für Herzinfarkte, Alzheimer oder Krebs senken könnten, deuten inzwischen neue Untersuchungen nun an. Und darüber hinaus sprechen erste klinische Daten dafür, dass Semaglutid tatsächlich den Alterungsprozess im Körper verlangsamen könnte.
"Diese Medikamente haben weitreichendere Effekte, als wir je erwartet hätten", erklärte Professor Harlan Krumholz von der Yale School of Medicine laut der BBC auf dem Kardiologenkongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.
Die dort präsentierten Daten basierten auf einer über drei Jahre laufenden Studie mit über 17.000 Teilnehmern, wobei es sich um Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber ohne Diabetes handelte.
Für Semaglutid gibt es inzwischen zahlreiche Studien über weitergehende Nutzen
Der ursprüngliche Marktführer suchte im Wettbewerb mit Tirzepatid, das unter dem Namen Mounjaro und Zepbound auf dem Markt ist, nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten, weil Tirzepatid offensichtlich beim Thema Abnehmen den dänischen Hersteller Novo Nordisk überholte.
Es ist somit damit zu rechnen, dass auch Eli Lilly, die Mounjaro künftig auch in Alzey produzieren wollen, ebenso wie die Dänen Studien zu erweiterten Anwendungsmöglichkeiten seines Medikaments auflegen wird. Die Wahl war offensichtlich auf den Standort in Rheinhessen gefallen, weil man dort auf ein der pharmazeutischen Forschung gegenüber aufgeschlossenes Klima hofft.
Die Gesundheitspolitik der Bundesregierung hat inzwischen jedoch dazu geführt, dass Eli Lilly seine geplante Investition halbiert und somit auch deutlich weniger Arbeitsplätze schaffen wollte. Nachdem auch Boehringer Ingelheim am deutschen Markt keine Planungssicherheit mehr sah und auf seine Investitionen hierzulande verzichten wollte, hat Berlin seine Rabattpläne für patentgeschützte Arzneimittel offensichtlich fallen gelassen.
Aktuell zeigt sich nämlich, dass das Investitionsklima für pharmazeutische Unternehmen in Deutschland gegenüber China zurückfällt und die forschenden Arzneimittelhersteller den Generikaherstellern auf dem Zug nach Osten folgen.
Zudem leiden die international tätigen Konzerne unter den transatlantischen Forderungen von US-Präsident Trump, der auch die Produktion von Arzneimitteln mit Gewalt in die USA ziehen will.
GLP-1-Medikamente als Schlüssel zur Verlangsamung des Alterns?
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Teilnehmer, die wöchentlich 2,4 Milligramm Semaglutid erhielten, eine geringere Gesamtsterblichkeit und geringere Entzündungswerte aufwiesen. Dies galt zu Anfang des Jahrzehnts auch im Zusammenhang mit Covid-19.
Das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse sank ebenfalls. Zudem war auffällig, dass diese positiven Effekte sich unabhängig davon zeigten, wie viel Gewicht die Patienten verloren.
Ein weiteres Forschungsteam ging bei seinen Arbeiten noch einen Schritt weiter und untersuchte, ob Semaglutid den Alterungsprozess direkt beeinflussen kann. Dafür analysierten sie in einer kleineren Studie mit 108 Personen sogenannte epigenetische Uhren. Diese messen das biologische Alter anhand chemischer Veränderungen an der DNA und gelten als präzise Marker für das Tempo des Alterns.
Wer Semaglutid erhielt, war nach 32 Wochen im Durchschnitt 3,1 Jahre biologisch jünger als zu Beginn, bei sonst unveränderten Lebensumständen. Besonders deutliche Effekte zeigten sich bei Entzündungsprozessen und der Alterung des Gehirns, wo die Uhr fast fünf Jahre zurückgestellt wurde.
Was steckt hinter dieser Wirkung? Laut der Studie liegt die Antwort in der Kombination aus verbessertem Fettstoffwechsel und geringerer Entzündungsaktivität. Überschüssiges Viszeralfett fördere entzündliche Prozesse, die das Altern beschleunigen. Semaglutid helfe, genau diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Die positiven Effekte auf die Alterung beschränkten sich nicht nur auf die Studienteilnehmer mit HIV-assoziierter Lipohypertrophie, einer Erkrankung, die mit beschleunigter Zellalterung einhergeht. Viele der betroffenen biologischen Signalwege seien bei allen Menschen aktiv, betonen die Forscher. Es sei daher denkbar, dass auch andere Bevölkerungsgruppen vom festgestellten "Verjüngungseffekt" profitieren könnten.
Für das deutsche Gesundheitswesen, das auf die Behandlung von Krankheiten ausgelegt ist, werden die neuen Einsatzfelder der Abnehmspritzen kein relevantes Feld sein. Es sei denn, die volle Arbeitsfähigkeit wird dadurch verlängert und der Renteneintritt verzögert.