Hitze und Trockenheit: Wenn selbst München Wasser sparen muss

Hund an einem Münchner Brunnen am Isarhochufer

Bild: privat.

Die Landeshauptstadt schaltet Brunnen ab und ruft zum Wassersparen auf. Dahinter steckt ein Grundproblem, das viele Städte künftig beschäftigen dürfte.

München galt lange als Stadt mit praktisch unerschöpflichen Wasserreserven. Noch vor einem Jahr bezeichneten die Stadtwerke ihre Quellen am Alpenrand als "unerschöpflich". Doch nach einer außergewöhnlichen Hitzewelle und einem extrem trockenen Frühjahr ruft die Stadt plötzlich zum Wassersparen auf.

Oberbürgermeister Dominik Krause hat am 30. Juni 2026 Notmaßnahmen zum Wassersparen verkündet. Die Stadt spricht laut einer Mitteilung auf stadt.muenchen.de von einer "seit den frühen 1970er-Jahren nicht dagewesenen Ausnahmesituation".

Während der Hitzewelle stieg der Wasserverbrauch zeitweise auf über 400 Millionen Liter täglich – ein Drittel mehr als üblich. Gleichzeitig hat die Trockenheit seit Januar 2025 die Grundwasserneubildung deutlich reduziert.

Hermann Löhner, Leiter der Wassergewinnung bei den SWM, erklärte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass die Entnahmekapazitäten "nahezu ausgeschöpft" seien und die Versorgung zu über 90 Prozent ausgelastet war.

Brunnen werden abgeschaltet – ausgerechnet bei Hitze

Um Wasser zu sparen, hat die Stadt zehn besonders wasserintensive Zierbrunnen abgeschaltet, darunter den prominenten Fischbrunnen am Marienplatz und den Neptunbrunnen im Alten Botanischen Garten. Weitere 56 Brunnen laufen nur noch eingeschränkt von 10 bis 20 Uhr. Laut stadt.muenchen.de spart die Stadt dadurch 43 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs aller Brunnen.

Doch genau hier zeigt sich ein Zielkonflikt: Die Stadt begründet die verkürzte Laufzeit der verbleibenden Brunnen damit, dass sie "während der heißesten Tageszeiten zur Abkühlung der Menschen" beitragen sollen. Gleichzeitig werden gerade in der Hitze wichtige Kühlorte im öffentlichen Raum abgeschaltet. Brunnen sind nicht nur Dekoration – sie verbessern das Mikroklima und bieten gerade älteren Menschen, Familien und Touristen spürbare Erleichterung bei Hitze.

Das Dilemma: Klimaanpassung braucht Wasser

Ein weiterer Zielkonflikt wird bei der Grünflächenpolitik deutlich. München hat sich vorgenommen, deutlich mehr Bäume zu pflanzen, um das Stadtklima zu verbessern. Allein das städtische Baumpflanzprogramm umfasst rund 3.500 neue Bäume. Bäume gelten als natürliche Klimaanlagen der Stadt – doch sie benötigen gerade in den ersten Jahren regelmäßig Wasser.

Während die Stadt laut Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer die Bewässerung von Grünanlagen weitgehend einstellt, sollen junge Bäume zwischen zwei und fünf Jahren weiterhin versorgt werden. Doch wie lange ist das durchzuhalten, wenn die Trockenheit anhält?

Die Grundwasserneubildung hängt von Niederschlägen ab – und die waren seit Januar 2025 historisch niedrig. Laut SWM sind die Niederschläge der vergangenen Tage "nahezu unerheblich" für die Grundwasserneubildung, wie auf br.de berichtet wird.

Woher kommt das Münchner Trinkwasser?

Rund drei Viertel des Münchner Trinkwassers stammen aus dem Mangfalltal. Weil die Quellen derzeit weniger nachgeliefert werden, fördern die Stadtwerke seit dem vergangenen Jahr deutlich mehr Wasser aus der Münchner Schotterebene.

Früher dienten die Brunnen in der Schotterebene nur für Spitzenlast-Perioden. Seit Frühjahr 2025 laufen sie jedoch weitgehend durch und decken zwischen zehn und 30 Prozent des Bedarfs, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Die Stadtwerke betonen, dass die Trinkwasserversorgung derzeit gesichert sei. Kritisch würde es erst, wenn der Wasserbedarf die wasserrechtlich genehmigten Entnahmemengen dauerhaft übersteigt. Doch die Stadt warnt: Sollte der Verbrauch nicht sinken, müssten weitergehende Maßnahmen ergriffen werden.

Was bedeutet das für die Stadtpolitik?

Der trockene Sommer 2026 könnte deshalb mehr sein als eine außergewöhnliche Wetterlage. Er zeigt, dass Klimaanpassung künftig nicht nur mehr grün braucht, sondern auch Antworten auf eine Frage, die bislang in München kaum gestellt wurde: Woher soll das Wasser dafür kommen?

München wächst seit Jahren. Mehr Einwohner, mehr Wohnungen und mehr Grünflächen erhöhen den Wasserbedarf. Der Klimawandel trifft damit auf eine Stadt, deren Ressourcen ohnehin stärker beansprucht werden als noch vor wenigen Jahrzehnten.