Iran-Krieg setzt (erneut) Energiemarkt zu: EU-Gaspreise auf Vier-Monats-Hoch

Erdgasspeicher mit einer Brücke verbunden

Der Preis für Erdgas ist auf dem höchsten Stand seit Ende März

(Bild: niya06/Shutterstock.com)

Der Iran-Krieg treibt die europäischen Gaspreise in neue Höhen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist nahezu zum Erliegen gekommen. Ein Überblick.

Der Preis für europäisches Erdgas hat am Montag mit bis zu 60,66 Euro je Megawattstunde (MWh) den höchsten Stand seit dem 23. März erreicht. Damit lag er nur knapp unter dem Allzeithoch seit Kriegsbeginn von rund 61,80 Euro. Im weiteren Handelsverlauf fiel der Gaspreis wieder leicht auf rund 58 Euro je MWh. Seit Monatsbeginn hat sich der Erdgaspreis damit um rund 35 Prozent verteuert.

Auch der Ölpreis zog deutlich an: Die für Europa relevante Nordseesorte Brent kletterte zeitweise um fast vier Prozent auf 91,42 US-Dollar je Barrel – der erste Stand über 90 Dollar seit Anfang Juni. Seit Anfang Juli hat sich Brent damit um knapp 30 Prozent verteuert. Wie ist aktuell die Lage am Golf?

Straße von Hormus: Schiffsverkehr nahezu eingestellt

Die Versorgungsrisiken treffen Europa zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Die gestiegene Nachfrage für die Stromerzeugung und die Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus erschweren es laut Marktbeobachtern, die europäischen Gasspeicher rechtzeitig vor dem Winter zu füllen.

Auslöser der Preisentwicklung ist die militärische Eskalation rund um die Straße von Hormus, die für den globalen Transport von Öl, Gas und Dünger von zentraler Bedeutung ist. Aus frei zugänglichen Transitdaten geht hervor, dass der sichtbare Schiffsverkehr durch die Meerenge inzwischen wieder nahezu zum Erliegen gekommen ist.

Die USA verhängen eine Seeblockade gegen iranische Häfen, während der Iran Schiffe angreift, die aus seiner Sicht gegen seine Vorschriften verstoßen. Berichte über Tanker, die ohne eingeschaltete Transponder und unter US-Begleitung die Meerenge passieren, deuten auf eine gefährliche Grauzone im Schiffsverkehr hin.

Der Iran hat die Lage in der Meerenge unmissverständlich kommentiert: Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) erklärte, zwei Öltanker seien in der Straße von Hormus explodiert und gestoppt worden. "Dieser Korridor ist nicht sicher für den Transport von chemischen Düngemitteln oder auch nur einem einzigen Tropfen Öl und Gas", warnte die IRGC laut der Nachrichtenagentur Tasnim. Die Unsicherheit bleibe bestehen, solange US-Militäroperationen in der Region andauerten.

Verteidigungsanalyst Wolfgang Pusztai sagte gegenüber dem Sender Al Jazeera, dass die US-Angriffe zwar die iranischen Kapazitäten zur Kontrolle der Meerenge schrittweise schwächten – eine vollständige Neutralisierung könnte jedoch viele Monate dauern. "Der Iran verfügt über eine riesige Zahl an Raketen und insbesondere Drohnen, die auf absehbare Zeit Schiffe in der Straße von Hormus treffen können", so Pusztai.

Neun Nächte Angriffe – und kein Ende in Sicht

Das US-Zentralkommando (Centcom) teilte mit, in der Nacht auf Montag die neunte aufeinanderfolgende Angriffswelle gegen den Iran abgeschlossen zu haben.

Dabei seien laut Centcom militärische Kommandozentren, Luftverteidigungsanlagen, Küstenüberwachungsposten, maritime Kapazitäten sowie Raketen- und Drohnenabschussrampen getroffen worden – mit dem erklärten Ziel, Irans Fähigkeit zur Bedrohung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus weiter zu verringern.

Der am 28. Februar gestartete Angriffskrieg von den USA und Israel gegen den Iran hat bislang Tausende Menschenleben gefordert, vorwiegend im Iran und im Libanon. Seit Kriegsbeginn wurden insgesamt 17 US-Soldaten getötet.

Inzwischen hat auch die US-Seite seit der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen neue Verluste gemeldet: Zuletzt starb ein US-Soldat am 18. Juli im Nordirak bei der kontrollierten Sprengung von Blindgängern einer abgeschossenen iranischen Drohne, wie das Centcom mitteilte. Zwei weitere US-Soldaten kamen zuvor bei iranischen Raketenangriffen auf eine US-Basis in Jordanien ums Leben.

Iran bereitet sich auf Bodenoffensive vor

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte in einem Interview mit staatlichen Medien, Teheran werde den Krieg beenden, wenn es "die Oberhand im Feld" habe. Zugleich bereitet sich das Land auf mögliche Bodeninvasion der für die Ölproduktion wichtigen Insel Kharg vor. Man zähle die Minuten herunter um US-Bodentruppen "willkommen" zu heißen, erklärte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums.

Ein Kriegsende dürfte noch in weiter Ferne liegen. Die USA sehen ihre Ziele nicht erreicht, während der Iran sich auf einen längeren Konflikt einstellt. "Das Ende des Krieges ist entweder durch einen absoluten militärischen Sieg oder durch Verhandlungen möglich. Der richtige Zeitpunkt für Verhandlungen ist genau dann, wenn man eine verlässliche Errungenschaft an der militärischen Front erzielt hat", sagte Araghchi laut IRNA.