Opel-Werk in Thailand: Wie deutsches Steuergeld jetzt Chinas E-Autos antreibt
(Bild: KI, shutterstock)
Ein mit deutschen Steuergeldern gefördertes Werk in Thailand baut keine Opel, sondern gehört heute einem chinesischen E-Auto-Rivalen.
Deutschland hat bei der Elektromobilität sowie bei PV und Batteriespeicher gegen China schon verloren und ist auf dem besten Wege, auch seinen Vorsprung bei der Wärmepumpe zu verlieren.
Das Reich der Mitte fokussiert sich längst auf andere erfolgversprechendere Märkte und setzt stark auf seine Nachbarländer in Südostasien. Dort bauen chinesische Unternehmen in mehreren Zukunftsbranchen vollständige Wertschöpfungsketten auf, die keine Zulieferungen aus Europa mehr brauchen.
Die Reaktion der Deutschen, Klimaschutz-Vorgaben neuerdings vehement abzulehnen, hilft in diesem Wettbewerb wenig weiter.
Der südostasiatische Markt ist verloren
Weil Europa Südostasien in erster Linie als Nachfolger Chinas im Sinne einer verlängerten Werkbank betrachtet, ist man jetzt auf dem besten Weg, dort den gleichen Fehler wie in China zu machen.
Über viele Jahrzehnte waren Länder wie Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam für Deutsche höchstens als preiswerte Urlaubsländer von Interesse. Kaum jemand bemerkte, dass viele Fahrradmarken inzwischen in Kambodscha produzieren und fast alle Festplatten bekannter Marken aus Thailand kommen – oder aus den Philippinen.
Festplattenwerke, wie das von IBM in Mainz, wurden 2003 geschlossen und mit Hitachi fusioniert, die den Bereich 2012 an Western Digital abgaben, welche heute wie Seagate ihre Produktion in Thailand konzentriert haben. Die Nachfrage der KI-Rechenzentren nach Festplatten geht somit an Europa vorbei.
Zukunftsmarkt E-Mobilität
Auch bei den E-Mobilen spielt Deutschland in Südostasien keine Rolle. Da hilft es auch nicht, dass der Aufbau eines Opel-Werkes für Verbrenner im thailändischen Rayong vom deutschen Steuerzahler maßgeblich unterstützt wurde. Heute gehört das Werk, das nie für die Marke Opel produzierte zu einem chinesischen Hersteller.
"Südostasien bildet für mehrere Technologien ein neues geopolitisches Cluster", betont Maria Maria Pastukhova von der Denkfabrik E3G gegenüber n-tv. Denn die Erneuerbaren sind infrastruktur- und kapitalintensive Energiesysteme. Daher seien solche Projekte – ob grenzüberschreitend oder nicht – unmittelbar mit den Machtstrukturen der südostasiatischen Nationen verwoben.
Für die Energiewende braucht es Zugang zu Wertschöpfungsketten, zu Ressourcen, wie Solarpanels oder auch Wechselrichtern. Europa hat sich aus diesen Bereichen und ihrer Wertschöpfung weitestgehend verabschiedet und tritt da nur noch als Kunde auf.
Europa nur noch Kunde
Der Global EV Outlook der Internationalen Energieagentur zeigt, dass sich etwa die Verkäufe im Bereich der Elektromobilität in Südostasien im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt haben. Der Anteil von E-Autos bei den Neuwagen lag bei knapp 20 Prozent. Das ist in etwa das Niveau, das Europa und Deutschland seit einigen Jahren halten.
Angeführt wird die Verbreitung von Ländern wie Vietnam, Indonesien und Thailand, drei Länder, die die europäische Politik aus lauter Angst vor China bislang gar nicht im Fokus hatte. Auch als Folge des Iran-Krieges wächst die E-Mobilität in vielen asiatischen Ländern in jüngster Zeit rasant und die Elektroinfrastruktur wird zügigst ausgebaut.
In Vietnam waren vergangenes Jahr fast 40 Prozent der neu verkauften Autos elektrisch. Mit Vinfast hat Vietnam mittlerweile auch einen eigenen Hersteller von Stromern. In Thailand, das bereits an zehnter Stelle bei der Automobilproduktion weltweit steht, erreichen die E-Mobil-Zulassungszahlen inzwischen 25 Prozent und sind damit nahe am europäischen Niveau.
Asean-Freihandelszone mit China
In diesen Ländern, wo ein beträchtlicher Teil der Wirtschaft in den Händen von sogenannten Second-Generation Zuwanderern aus China liegt, hat die Erweiterung und Vertiefung des Freihandelsabkommens die Position Chinas deutlich verbessert.
Made in China hat beim Ruf gegen das alte Made in Germany nicht nur aufgeholt, sondern inzwischen überholt. Spricht man das Thema etwa in Bangkok an, bekommt man zu hören, dass ein Produkt aus Deutschland zum gleichen Preis deutlich schlechter sein muss als das chinesische Pendant, weil die Kosten in Deutschland ja viel höher seien.
Weder die EU noch Deutschland konnten sich zu Freihandelsabkommen mit den Asean-Staaten durchringen.
China und die Asean vertiefen ihre Beziehungen weiter
Im vergangenen Jahr schlossen die Handelsminister aus China und den Asean-Staaten (Brunei-Darussalam, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam) bereits ihre Verhandlungen über eine Vertiefung ihres Freihandelsabkommens ab.
Auf Initiative Chinas haben sich die wirtschaftlich aufstrebenden Staaten in zahlreichen Bereichen auf Rahmenbedingungen geeinigt, in welchen sich die EU bislang als führend eingeschätzt hat und die in den kommenden Jahren immer wichtiger werden.
Das sind vor allem die digitale und die grüne Wirtschaft, Konnektivität in der Lieferkette, Normen und technische Vorschriften, Konformitätsbewertungsverfahren, gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen, Zollverfahren und Handelserleichterungen, Wettbewerb und Verbraucherschutz, die Förderung mittlerer, kleiner, und kleinster Unternehmen sowie wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit.