Neue Heizregeln ab 2029: Gasnetze dennoch am Ende?
Bio-Treppe soll Gasnetze vor dem Wärmepumpenboom retten. Doch Experten warnen Verbraucher vor Fehlinvestitionen. Wird die Hoffnung auf Biogas zum teuren Irrweg?
Die Bundesregierung mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Neuinstallation von Gasheizungen mithilfe einer Art Bio-Treppe retten. Damit will sie erreichen, dass neue Heizungen schrittweise mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen.
Dafür will sie die Energieversorger verpflichten, ihrem Gas einen zunehmenden Anteil aus nachwachsenden Rohstoffen beizumischen. Neu eingebaute Gas- und Ölheizungen sollen ab 2029 zu steigenden Anteilen mit Biogas oder Bioöl betrieben werden.
Die Bundesregierung will das Heizungsgesetz der Ampel-Regierung zwar weitgehend zurücknehmen. Darin war vorgesehen gewesen, dass neu eingebaute Heizungen mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollen. Der Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen soll aber langfristig möglich bleiben.
Die Idee von Ministerin Reiche hat mehrere Pferdefüße
Doch Idee von Ministerin Reiche hat zudem gleich mehrere Pferdefüße. Vor allem stellt sich die Frage, woher die Brennstoffhändler die biogenen Stoffe nehmen sollen, die sie zunehmend beimischen müssen, damit ihre Kunden die Heizungen schrittweise klimafreundlicher betreiben können.
Erschwert wird die Versorgung mit Biogas durch den Umstand, dass der Gaspreis aufgrund des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der USA und Israel gegen den Iran überaus volatil ist. Planungssicherheit für Biogaslieferanten ist also nicht gegeben.
Überdies sorgen die Auswirkungen des Klimawandels und weiterer klimatischer Phänomene dafür, dass in Deutschland neuerdings nicht nur geheizt, sondern auch gekühlt werden muss. Dabei macht ein Gasanschluss jedoch eine weit schlechtere Figur als die Kühlung mittels einer bereits installierten Wärmepumpe.
Wenn der Hass auf die Ampel zu teuren Irrwegen führt
Aufgrund des Klimawandels könnten sich also mehr Nutzer für eine Wärmepumpe entscheiden. Diesem – möglichen – Trend stellt sich die Bundesregierung nun entgegen: Berlin will den sogenannten Klimageschwindigkeitsbonus auslaufen lassen, der den schnellen Umstieg von fossilen Heizungen auf klimafreundliche Systeme bislang unterstützt.
Wer sich die Umstellung auf Wärmepumpen finanziell leisten kann, wird diese Technik, die künftig vermehrt aus China zugeliefert werden wird, dennoch weiterhin einbauen. Der Rest darf sich im Sommer mit dem Trinken von gutem Leitungswasser über die Runden retten.
Die Herausforderungen für die Gasversorger hat der Gesetzgeber zwar erkannt und die steuerliche Abschreibung auf die Gasnetze optimiert, sodass die Kosten für die Gasnetze schneller auf die Verbraucher umgewälzt werden können.
Trotzdem haben erste Gasversorgungsunternehmen die Abschaltung ihrer Netze schon angekündigt.
Die Gasversorgungsnetze sind langfristig nicht zu retten
Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) im Auftrag des Umweltinstituts München und von GasWende hat das Gasversorgungsnetz in Deutschland letztlich keine Zukunft.
Die Energieversorger werden unter realistischen Bedingungen spätestens im Jahr 2045 keine wettbewerbsfähigen Gaspreise mehr anbieten können. Der politisch erwünschte Umstieg auf Biogas wird den Gaspreis nicht senken.
Wenn jedoch keine Kunden mehr da sind, werden die Gasnetze wohl aller Wahrscheinlichkeit nach stillgelegt werden, wenn man den Steuerzahler nicht zu einer dauerhaften Subvention der Anhänger klimaschädlicher Heizsysteme überreden kann.
Mit der abnehmenden Zahl von Gaskunden steigt der Gaspreis für die verbleibenden Haushalte, was die Entwicklung noch verstärkt.
Verfügbarkeit von biogenen Brennstoffen ungewiss
Die Verfügbar- und Bezahlbarkeit von alternativen Brennstoffen ist jedoch höchst ungewiss. Dies gilt unabhängig von der politischen Absicht von Union und SPD, die Brennstoffhändler gesetzlich zu verpflichten, ab 2045 komplett auf klimaneutrale Brennstoffe umzustellen.
Die von der Bundesregierung für Dezember 2026 vorgesehene Einführung dieses Gesetzes könnte allerdings an der Tatsache scheitern, dass die avisierten biogenen Brennstoffe aus deutscher Produktion gar nicht zur Verfügung stehen und ihr Import scheitern könnte, z.B. wenn etwaige Exporteure die deutschen Preisvorstellungen nicht goutieren.
Gasheizungen haben in der Regel eine Lebensdauer von ungefähr 25 Jahren. Somit droht auch unter dem neuen Heizungsgesetz jede neu eingebaute Gasheizung zur Fehlinvestition zu werden, warnte eine Studie des Fraunhofer-Instituts.
Die Experten stellen fest, dass die, die sich heute in der Hoffnung auf die angekündigte Versorgung mit Biogas noch eine Gasheizung einbauen, auf teuren Investitionsruinen sitzen bleiben werden.
Was als Regelung versprochen wurde, die technologieoffener, flexibler und einfacher sein sollte, könnte sich für die Bürger schon bald als teurer Holzweg herausstellen, der von einer neuen Bundesregierung wieder korrigiert werden muss.