Neue Pille verdoppelt Überlebenszeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Eine neue Tablette verdoppelt die Überlebenszeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs.
(Bild: sebra / Shutterstock.com)
Eine Phase-3-Studie zeigt: Der Wirkstoff Daraxonrasib verlängert das Leben bei metastasiertem Pankreaskarzinom von 6,7 auf 13,2 Monate.
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die tödlichste Krebsart überhaupt. Für die Hälfte aller Betroffenen liegt die mediane Überlebenszeit nach Diagnose bei etwa vier Monaten. Wirksame Therapien gab es bislang kaum – bei mehr als der Hälfte der Patienten wird der Tumor erst entdeckt, wenn er bereits gestreut hat.
Auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago haben Forscher des Dana-Farber Cancer Institute in Boston nun Ergebnisse vorgelegt, die laut Guardian selbst erfahrene Onkologen zu Tränen gerührt haben sollen.
In der randomisierten Studie RASolute 302 erhielten 500 Patienten, deren Pankreaskarzinom bereits Metastasen gebildet hatte, entweder jeden Tag eine Tablette mit dem Wirkstoff Daraxonrasib oder eine Standard-Chemotherapie.
Das Ergebnis: Unter Daraxonrasib lebten die Patienten im Median 13,2 Monate – unter Chemotherapie waren es 6,6 bis 6,7 Monate. Das Sterberisiko sank um rund 60 Prozent. Auch das progressionsfreie Überleben verdoppelte sich nahezu auf 7,2 gegenüber 3,6 Monaten.
Was Daraxonrasib von bisherigen Therapien unterscheidet
Der Wirkstoff, entwickelt vom US-Unternehmen Revolution Medicines unter dem Forschungsnamen RMC-6236, greift an einer Stelle an, die Krebsforscher seit Jahrzehnten als "Heiligen Gral" der Onkologie bezeichnen: dem Protein KRAS.
Mehr als 90 Prozent der Patienten mit dem häufigsten Typ des Pankreaskarzinoms – dem duktalen Adenokarzinom – tragen eine Mutation im KRAS-Gen. Diese Mutation hält ein Wachstumssignal dauerhaft aktiv, das den Tumor antreibt.
Daraxonrasib gehört zu einer neuen Klasse sogenannter RAS(ON)-Inhibitoren. Das Medikament fungiert als eine Art molekularer Klebstoff: Es verbindet Proteine miteinander und blockiert so KRAS in seinem aktiven Zustand.
Die Besonderheit liegt darin, dass der Wirkstoff nicht nur eine bestimmte KRAS-Variante adressiert, sondern multiselektiv arbeitet – er wirkt unabhängig davon, welche konkrete Mutation vorliegt.
Weniger Nebenwirkungen als Chemotherapie
Die objektive Ansprechrate lag unter Daraxonrasib bei 31,6 Prozent, unter Chemotherapie bei 11,2 Prozent. Gleichzeitig traten laut Dana-Farber weniger schwere Nebenwirkungen auf als unter den üblichen Chemotherapie-Regimen wie FOLFIRINOX oder Gemcitabin/nab-Paclitaxel.
Zu den häufigsten Beschwerden zählten Hautausschlag, Entzündungen im Mund, Übelkeit und Durchfall.
Rachna Shroff, Leiterin der Onkologie am Cancer Center der University of Arizona, nannte die Ergebnisse gegenüber dem Guardian "wegweisend" und sprach von einer "beispiellosen Überlebensrate". Sie behandle seit 16 Jahren Bauchspeicheldrüsenkrebs und habe beim Lesen der Daten in der Klinik angefangen zu weinen.
Offene Fragen und nächste Schritte
Allerdings bildet die Studienpopulation nicht den typischen Patienten im Klinikalltag ab. Eingeschlossen wurden ausschließlich fitte Erwachsene mit gutem Allgemeinzustand, die bereits eine Vortherapie erhalten hatten.
Ältere, gebrechlichere Patienten mit Begleiterkrankungen – in der Praxis die Mehrheit – waren unterrepräsentiert oder ausgeschlossen. Wie robust die Ergebnisse in einzelnen Mutationsuntergruppen sind, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Daten noch nicht abschließend beurteilen.
Die vollständige Publikation ist im New England Journal of Medicine erschienen.
Die FDA hat bereits Anfang Mai 2026 ein Expanded-Access-Programm für Daraxonrasib genehmigt. An der multinationalen Studie waren auch deutsche Zentren beteiligt, darunter die Charité Berlin sowie Einrichtungen in Heidelberg, München und Ulm.
Wann das Medikament regulär in Europa verfügbar sein könnte, steht noch nicht fest. Experten auf der ASCO-Tagung wiesen laut Bericht zudem darauf hin, dass ähnliche RAS-Inhibitoren derzeit auch bei Lungen- und Darmkrebs getestet werden.