Schönheitsversprechen durch Hyaluronsäure: Wundermittel oder nur Marketing?

Frau mittleren Alters, die an mehreren Stellen im Gesicht Injektionen erhält

Unsachgemäße Hyaluronsäureinjektionen können schwere Komplikationen nach sich ziehen.

(Bild: Prostock-studio, shutterstock)

Anwender von Hyaluronsäure versprechen glatte Haut und bewegliche Gelenke. Doch was bringen Cremes, Kapseln und Spritzen wirklich? Und wann wird es gefährlich?

Hyaluronsäure gilt als Alleskönner gegen Falten und für bewegliche Gelenke. Die Kosmetikindustrie preist den Stoff als Anti-Aging-Wunder an, Influencer werben für aufgespritzte Lippen, und Nahrungsergänzungsmittel versprechen Schönheit von innen.

Doch die Wirksamkeit vieler Produkte ist umstritten, und eine unsachgemäße Anwendung ist mit ernsten Gesundheitsrisiken verbunden.

Hyaluronsäure ist ein Mehrfachzucker, der natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt. Besonders große Mengen finden sich in der Haut, im Bindegewebe, in Gelenken und im Glaskörper der Augen.

Elastische Haut und gut geschmierte Gelenke

Die wichtigste Eigenschaft der Substanz: Sie kann enorme Mengen Wasser binden. Dadurch hält sie die Haut elastisch und wirkt in den Gelenken als Schmiermittel.

Das Problem: Die körpereigene Produktion lässt nach. Bereits ab Mitte zwanzig sinkt die Menge an Hyaluronsäure im Körper. Spätestens ab dem 30. Lebensjahr verlangsamt sich die Bildung deutlich.

In der Folge wird die Haut trockener, verliert an Spannkraft; die ersten Falten kommen. Auch Kollagen und Elastin nehmen ab. Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung, Rauchen und Schadstoffe beschleunigen diesen Prozess.

Äußerliche Anwendung ohne andauernde Wirkung

Studien bestätigen, dass Cremes und Seren mit Hyaluronsäure die Haut mit Feuchtigkeit versorgen können. Entscheidend ist dabei die Größe der Moleküle: Nur kurzkettige Hyaluronsäure mit geringem Molekulargewicht kann in tiefere Hautschichten eindringen. Langkettige Varianten verbleiben auf der Oberfläche und bilden dort einen Film.

In einer Untersuchung verwendeten Frauen zwischen 30 und 65 Jahren sechs Wochen lang zweimal täglich ein Gesichtsserum mit Hyaluronsäure. Das Ergebnis: Die Haut wurde glatter, wirkte praller, und feine Linien verminderten sich. Nebenwirkungen traten nicht auf.

Der Effekt ist jedoch nur temporär. Eine Creme mit kurzkettiger Hyaluronsäure wirkt ausschließlich so lange, wie sie angewendet wird. Setzt man das Produkt ab, kehren die Fältchen zurück. Hyaluronsäure mildert Feuchtigkeitsfältchen und polstert die Haut auf, schützt aber nicht dauerhaft vor Austrocknung.

Innere Anwendung wohl ohne Nutzen

Angeblich soll die Einnahme von Hyaluronsäure Haut, Bindegewebe, Haare und Nägel von innen stärken. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Denn da das Molekül sehr groß ist, baut der Magen-Darm-Trakt es enzymatisch ab, und ein Großteil wird über die Nieren ausgeschieden.

Die AOK weist darauf hin, dass die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Hyaluronsäure und einem Schutz der Haut vor Austrocknung gefunden hat.

Die Verbraucherzentrale betont überdies, dass Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit Hyaluronsäure diese nicht mit Gesundheitsversprechen bewerben dürfen.

Riskante Injektionen

In der ästhetischen Medizin werden Hyaluron-Filler seit etwa drei Jahrzehnten zur Faltenunterspritzung eingesetzt. Die Substanz wird auch genutzt, um Lippen zu vergrößern, Wangen zu modellieren oder Gesichtskonturen zu formen. Die Ergebnisse sind sofort sichtbar, der Effekt hält mehrere Monate an, dann baut der Körper die Substanz ab.

Es gibt viele verschiedene Produkte auf dem Markt, die nicht alle ausreichend untersucht wurden. Eine unsachgemäße Anwendung kann schwere Komplikationen auslösen. Gelangt Hyaluronsäure versehentlich in Blutgefäße, die die Augen versorgen, kann es in Ausnahmefällen sogar zur Erblindung kommen, warnt das Gesundheitsportal DocCheck.

Nach der Behandlung kann es vereinzelt zu allergischen Reaktionen kommen oder es bilden sich kleine Knötchen in der Haut, die lange bestehen bleiben. wenn zu viel Filler zu schnell injiziert wird und dadurch ein kleines Blutgefäß verstopft oder abgedrückt wird, können auch Hautareale absterben. Im schlimmsten Fall bilden sich Narben.

Medizinisch äußerst nützlich

Jenseits der Kosmetik wird Hyaluronsäure allerdings in verschiedenen Bereichen verwendet, und ihr Nutzen ist unbestritten.

In der Orthopädie wird sie zur Behandlung von Arthrose und Gelenkschmerzen eingesetzt und vom Arzt direkt in das betroffene Gelenk eingespritzt. Als Gelenkschmiere verhindert Hyaluronsäure, dass die Gelenkkörper aufeinander reiben. Entzündungen können abklingen, Schmerzen lassen nach.

Auch in der Augenheilkunde kommt Hyaluronsäure zum Einsatz. Augentropfen mit dem Wirkstoff befeuchten trockene Augen und fördern die Heilung nach Operationen. Nasensprays mit Hyaluronsäure wirken einer Austrocknung der Nasenschleimhaut entgegen.

Zudem unterstützt Hyaluronsäure die Wundheilung. Sie fördert die Wanderung und Vermehrung von Zellen, was den Heilungsprozess beschleunigen kann. Spezielle Wundauflagen und Gele mit Hyaluronsäure werden bei chronischen oder schlecht heilenden Wunden verwendet.

Realistische Erwartungen

Hyaluronsäure wurde übrigens bereits 1934 chemisch isoliert. Die erste Generation von Präparaten kam Anfang der 1980er Jahre auf den Markt; 1997 folgten die ersten Produkte mit biotechnologisch, bakteriell hergestellter Hyaluronsäure.

Hyaluronsäure ist kein Wundermittel. Cremes und Seren helfen nur, solange sie angewendet werden. Nahrungsergänzungsmittel haben keinen nachgewiesenen Nutzen. Injektionen zeigen deutliche Effekte, bergen aber Risiken und gehören in ärztliche Hände.

In der Medizin hat Hyaluronsäure einen festen Platz bei der Behandlung von Gelenkbeschwerden, trockenen Augen und zur Unterstützung der Wundheilung erobert.