Siemens Energy: 2,5-Milliarden-Deal für deutsche Offshore-Plattformen

Offshore-Windpark

(Bild: TebNad/Shutterstock.com)

Der Netzbetreiber 50Hertz vergibt einen historischen Milliardenauftrag. Gebaut wird die Mega-Plattform maßgeblich in Ostdeutschland.

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat einen historischen Auftrag vergeben: Ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables (NSORe) soll erstmals Offshore-Konverterplattformen des neuen 2-Gigawatt-Standards überwiegend in Deutschland fertigen.

Wie die 50Hertz-Mitteilung umfasst der erste Vertrag eine Offshore-Plattform rund 200 Kilometer westlich von Sylt sowie eine landseitige Konverterstation bei Mühlenbeck nahe Schwerin.

Kommt ein zweiter Auftrag zustande, über den derzeit verhandelt wird, summiert sich das Volumen allein für NSORe auf rund 2,5 Milliarden Euro.

Die Bundesregierung erwägt laut einem Bloomberg-Bericht zusätzlich Kreditgarantien von bis zu 300 Millionen Euro – explizit, um Chinas wachsende Dominanz bei Infrastruktur für erneuerbare Energien einzudämmen.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nannte den Auftrag ein "starkes und ermutigendes Signal" und verwies auf die Bedeutung "resilienter Lieferketten und technologischer Souveränität" angesichts zunehmender Handelskonflikte . Weltweit gebe es nur wenige Anbieter, die solche Plattformen bauen könnten.

Rostocker Werften als Gegengewicht zu Asien

Das Konsortium setzt dabei auf ein optimiertes Design mit geringerem Stahlverbrauch, das sich laut Branchenberichten sowohl preislich als auch technisch gegen Konkurrenten wie den spanischen Anbieter Dragados Offshore durchsetzte .

Die Neptun Werft in Rostock-Warnemünde – Teil der Meyer-Werft-Gruppe – baut die sogenannte Topside, also das Hauptgebäude der Plattform mit Transformatoren, Schaltanlagen und Konvertern.

Das belgische Unternehmen Smulders, eine Eiffage-Tochter, fertigt die stählernen Jacket-Fundamente in Vlissingen. Langfristig sollen mit dem Projekt mehr als 500 Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.

Die Plattformen sind Teil des Netzanbindungsprojekts North Sea Connector 2, das über die Gleichstromverbindung DC32 an den NordOstLink angebunden wird – eine zentrale Stromautobahn von der Nordseeküste nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2034 vorgesehen.

Gleichstrom als Schlüssel gegen Netzengpässe

Hinter dem Milliardenauftrag steht ein grundlegendes Problem der Energiewende: Weltweit warten rund 2.500 Gigawatt an Projekten auf Netzanschluss – nicht fehlende Windräder, sondern überlastete Leitungen bremsen den Ökostrom-Ausbau.

Auch in Deutschland müssen Windparks an stürmischen Tagen regelmäßig gedrosselt werden, weil das herkömmliche Wechselstromnetz die Energie nicht abtransportieren kann. Allein Schleswig-Holstein deckte 2024 rechnerisch 170 Prozent seines Strombedarfs mit Erneuerbaren und liefert acht Monate im Jahr Strom in andere Bundesländer.

Die Lösung liegt in der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ): Während das Wechselstromnetz wie ein Stadtstraßennetz zur Feinverteilung dient, fungiert Gleichstrom als verlustarme Autobahn für den Langstreckentransport.

Die modernen 2-GW-Plattformen arbeiten mit 525 Kilovolt Gleichspannung und nutzen die sogenannte VSC-Technik (Voltage Source Converter) mit modularen Multilevel-Konvertern.

Deren Prinzip: Tausende leistungselektronische Schalter – sogenannte IGBTs – regeln die Hochspannung in feinen Stufen und ermöglichen es, den Stromfluss sekundenschnell umzukehren, das Netz bei drohenden Blackouts zu stabilisieren und sogar ein zusammengebrochenes Netz wieder hochzufahren.

Die letzte technische Hürde

Während einzelne Punkt-zu-Punkt-Verbindungen wie der North Sea Connector bereits Stand der Technik sind, bleibt die Vernetzung mehrerer Gleichstromleitungen zu einem echten europäischen Overlay-Netz eine Herausforderung.

Dafür fehlen vor allem schnelle DC-Leistungsschalter, die bei Kurzschlüssen einzelne Stränge isolieren können, ohne das gesamte Netz abzuschalten – und einheitliche europäische Netzcodes für den Gleichstrombetrieb.

Elia-Group-CEO Bernard Gustin betonte, die Projekte zeigten, wie Europa seine Offshore-Infrastruktur zügig ausbaue und die Abhängigkeit von fossilen Importen verringere .