Pharaonische Architektur: Das wird Ägyptens neue Verwaltungshauptstadt

Bauwerke in der Wüste

Aufnahmen aus dem Jahr 2024: Ägyptens kommende Verwaltungshauptstadt hat pharaonische Dimensionen

(Bild: Katiekk/Shutterstock.com)

Monumentale Bauten und Plätze prägen Ägyptens neue Hauptstadt in der Wüste. China ist maßgeblich an Planung und Bau. Bilder geben Einblicke in die gigantische Anlage.

45 Kilometer östlich von Kairo entsteht derzeit eine neue Planhauptstadt für Ägypten. Auf einer Fläche von 700 Quadratkilometern soll die noch namenlose Stadt, die bisher schlicht "New Administrative Capital" genannt wird, einmal über sechs Millionen Menschen beherbergen.

Chinesische Staatsunternehmen spielen bei der Entwicklung der Megacity eine Schlüsselrolle, wie die in Hongkong erscheinende South China Morning Post berichtet.

Präsidentenpalast, Parlament und Afrikas größte Moschee

Aktuelle Aufnahmen des Fotografen Johan Blasberg zeigen den beeindruckenden Baufortschritt des pharaonischen Projekts. Die neue Hauptstadt um eine monumentale Zentralachse. An deren südlichem Ende befindet sich mit der "Großen Moschee" die größte Moschee Afrikas. Am Nordende liegt der riesige Präsidentenpalast, flankiert vom Volkspark.

Ein gigantischer Platz bildet das Zentrum der Achse. Modernistische Torbauten, teils mit integrierten Sitzgelegenheiten, säumen den Platz. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich das dreiflügelige Repräsentantenhaus und der Senat, die zusammen das ägyptische Parlament bilden. "Die Stadt ist nicht auf menschlichen Maßstab ausgelegt", berichtet Blasberg.

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"Es ist fast unmöglich, sie zu Fuß zu erkunden, und es fehlt an Schatten, was in einer Stadt, in der die Tagestemperaturen in den heißeren Monaten oft 35 Grad Celsius übersteigen, verrückt ist." Allein der Volkspark ist fünf Kilometer lang, eine Stunde Fußweg. Das 2015 von Präsident Abd el-Fattah el-Sisi im Rahmen der "Egypt Vision 2030" initiierte Projekt soll Kairos Überbevölkerung lindern.

Kritiker monieren jedoch, es bediene vor allem die Oberschicht. Die Stadt entstand nach der ägyptischen Revolution von 2011, die sich auf den Tahrir-Platz im Zentrum Kairos konzentrierte.

Laut Blasberg sei die politische Dimension nicht zu übersehen: "Man fühlt sich unglaublich klein und unbedeutend. Es fühlt sich unglaublich autoritär an. Es ist klar, dass die Stadt mit Sicherheit und Kontrolle im Hinterkopf entworfen wurde, was einen möglichen Aufstand nahezu unmöglich macht."

China als Hauptauftragnehmer

Während viele Schlüsselgebäude wie der Präsidentenpalast, das Parlament und die Grand Mosque bereits fertiggestellt sind, wird weiter an einem Finanzbezirk und einem Sportzentrum mit einem 93.000 Zuschauer fassenden Stadion gebaut.

Im Mittelpunkt steht der Central Business District (CBD), für dessen Bau, Betrieb und Wartung der chinesische Staatskonzern China State Construction Engineering Corporation (CSCEC) verantwortlich zeichnet. Seit Mittwoch ist CSCEC auch offiziell für das Gebäudemanagement und den Betrieb des CBDs zuständig und soll "integrierte städtische Dienstleistungen für Bewohner, Touristen und Unternehmen" erbringen, wie das Unternehmen mitteilte.

Der CBD beherbergt mit dem 385,8 Meter hohen Iconic Tower Afrikas höchstes Gebäude sowie zehn Bürotürme, fünf Wohntürme und vier Hotels. Die Baukosten werden auf 3,8 Milliarden US-Dollar geschätzt. Ein Konsortium der chinesischen Exim-Bank und anderer chinesischer Kreditgeber hat bis 2023 bereits 2,2 Milliarden US-Dollar für den CBD bereitgestellt, während die ägyptische Regierung rund 15 Prozent beisteuert.

Laut Zhao Jun, Direktor des African Arab Countries Research Project an der Shanghai International Studies University, fiel die Wahl Ägyptens auf ein chinesisches Unternehmen aufgrund der "herausragenden Stärken chinesischer Unternehmen in der Infrastruktur", des integrierten "Investitions-Bau-Betriebs"-Modells sowie einer soliden Kooperationsgrundlage und starker finanzieller Unterstützung.

Auch John Calabrese vom Middle East Institute sieht darin sowohl praktische als auch strategische Motive, die die Prioritäten der Belt and Road Initiative widerspiegeln und den Zugang zu Smart-City-Expertise ermöglichen. Über 2.800 chinesische Unternehmen sind mittlerweile in verschiedenen Sektoren in Ägypten tätig, von der Fertigung bis zum Infrastrukturausbau.

Die Investitionen übersteigen 8 Milliarden US-Dollar. Die neue chinesisch-ägyptische Allianz fällt mit einer Ausweitung der Investitionen Beijings in Ägypten zusammen, insbesondere am Suezkanal, der als wichtige globale Handelsroute das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet.

Die Beteiligung am Bau und Betrieb der neuen ägyptischen Hauptstadt dürfte Chinas Position als Schlüsselakteur bei der Infrastrukturentwicklung des Landes und als Tor der Seidenstraße nach Afrika und in den Nahen Osten weiter festigen.