Prostatakrebs-Vorsorge: Warum Urologen den PSA-Test fordern

Schnittzeichnung eines männlichen Unterleibs mit Blase, Prostata und Finger im Rectum

Urologen streichen die klassische Tastuntersuchung aus den Empfehlungen. Für den besseren PSA-Test müssen gesetzlich Versicherte aber selbst zahlen.

"Mit rund 65.000 Neuerkrankungen am Prostatakrebs pro Jahr in Deutschland ist der Prostatakrebs bei uns die häufigste Tumorart des Mannes und die dritthäufigste Tumorart, die zum Tode führt. Etwa 12.000 Männer sterben jedes Jahr in Deutschland an Prostatakrebs."

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Das Robert Koch-Institut (RKI) geht sogar von einer höheren Zahl der Neuerkrankungen aus: 2023 sollen es schon 79.610 gewesen sein, und für über 15.000 Männer endete demnach die Erkrankung tödlich.

Oft, jedoch nicht immer ist das Wachstum von Prostatakrebs eher langsam. Deshalb muss ein Prostatakrebs auch unbehandelt nicht immer zum schnellen Tod führen. Nicht umsonst wird im Zusammenhang mit dem Prostatakrebs kolportiert, dass viele sehr alte Patienten nicht "am", sondern "mit" einem Prostatakrebs versterben.

Das Aus für den Finger: Warum die Kassenleistung umstritten ist

Die einzige Prostatakrebs-Vorsorge-Leistung, die von den Gesetzlichen Krankenkassen bislang noch bezahlt wird, ist die digitale rektale Untersuchung (DRU), wobei sich das "digital" nicht auf eine IT-Lösung bezieht, sondern auf die Untersuchung des Mastdarms (Rektum) und der Nachbarorgane wie beispielsweise der Prostata mit dem Finger (digitus).

Sie ist einfach, schnell und schmerzlos und kann erste Anhaltspunkte bei Erkrankungen der Prostata und des Rektums liefern. Die Tastuntersuchung der Prostata mit dem Finger ist jedoch durchaus umstritten, weil sie stark von den Kenntnissen und Fähigkeiten des untersuchenden ärztlichen Personals abhängig ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hat jetzt eine aktualisierte Version der Leitlinie zum Prostatakarzinom veröffentlicht. Dort heißt es jetzt: Zur Früherkennung von Prostatakarzinom soll keine digital-rektale Untersuchung mehr erfolgen.

Der Anlass dafür war nicht zuletzt eine neue Empfehlung der Europäischen Kommission. Sie forderte bereits im Jahr 2022, dass das Screening-Programm zur Früherkennung von Prostatakrebs in Deutschland verbessert werden müsse.

Der PSA-Wert: Was der Biomarker wirklich aussagt

Die aktualisierte S3-Leitlinie Prostatakarzinom in der Version 8.1 (Stand: August 2025) empfiehlt jetzt, dass Männern ab 45 Jahren mit einer mutmaßlichen Lebenserwartung von zehn Jahren und mehr, die Bestimmung des PSA-Werts angeboten werden solle.

Bei einer frühen Erkennung ist Prostatakrebs in frühen Stadien mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von nahezu 100 Prozent sehr gut behandelbar. In fortgeschrittenem Stadium bildet der Tumor jedoch häufig schmerzhafte Knochenmetastasen und ist dann auch nicht mehr heilbar.

Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) Männern ab dem 45. Lebensjahr mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren nach ergebnisoffener Beratung die Bestimmung des PSA-Wertes zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Die Prostatakrebs-Früherkennung kann die Entstehung von Prostatakrebs zwar nicht verhindern, aber eine frühzeitige Entdeckung zu einem Zeitpunkt ermöglichen, zu welchem die Heilungschancen noch besser sind.

Kostenfalle Vorsorge: Warum Kassenpatienten selbst zahlen müssen

Deutlich objektiver ist die Blutabnahme und das labortechnische Messen des Prostata-spezifischen Antigens (PSA). Die PSA muss der Patient aus der eigenen Tasche bezahlen und kostet als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in der Regel zwischen 20 und 50 Euro.

"Das Prostata-spezifische Antigen ist ein von der Prostata gebildetes Eiweiß, dessen Blutwert als wichtiger Biomarker zur Früherkennung von Prostatakrebs dient. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hinweisen, wird aber auch durch gutartige Prostatavergrößerungen, Entzündungen oder mechanische Reize beeinflusst und ist daher keine definitive Krebsdiagnose. Um unnötige Biopsien zu vermeiden, werden noch ergänzende Werte und gegebenenfalls Untersuchungen wie MRT herangezogen."

Apothekenumschau

Ärzte nutzen den PSA-Wert als sogenannten Biomarker. Eine erhöhte Konzentration von PSA im Blut zeigt an, dass an der Prostata eine Veränderung vorliegen kann. Ein erhöhter PSA-Wert ist jedoch keine Krebsdiagnose, denn auch mechanischer Druck durch Fahrrad fahren kann zu erhöhten Werten führen.

"In einer retrospektiven Studie von Carter et al. aus dem Jahre 1992 konnte gezeigt werden, dass die PSA-Werte über die Zeit bei Patienten, die später ein Prostatakarzinom entwickelten, stärker ansteigen als bei Patienten ohne Prostatakarzinom.

Aus der Anstiegsgeschwindigkeit kann die Wahrscheinlichkeit ein Prostatakarzinom zu entwickeln, zwischen fünf und zehn Jahren vorhergesagt werden, bevor das Karzinom nachgewiesen werden kann. Die Berechnung der Anstiegsgeschwindigkeit aus drei Messwerten hat sich als die verlässlichste Methode erwiesen. Zwischen dem ersten und dem letzten PSA-Wert sollen hierbei nicht mehr als zwei Jahre und nicht weniger als sechs Monate liegen."

MVZ Clotten

Diagnostik der Zukunft: mpMRT und PSA-Test im Duo

Eine Prostata-MRT (multiparametrische MRT, mpMRT) zählt für gesetzlich Versicherte nicht zu den regulären Kassenleistungen, wird jedoch über spezielle Selektivverträge einzelner Kassen oder als Selbstzahler-Leistung angeboten. Die Kosten für Selbstzahler liegen meist bei etwa 450 bis 500 Euro.

Eine MRT der Prostata ist derzeit keine Standardleistung der gesetzlichen Krankenkassen, weil der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Verfahren für die generelle Kassenversorgung noch nicht fest im einheitlichen Bewertungsstandard (EBM) verankert hat.