Wasserhose über dem Bodensee: Tornado vor Friedrichshafen sorgt für Aufsehen

Wasserhose über dem Bodensee

Die Wasserhose könnte Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern erreicht haben, schätzt der Deutsche Wetterdienst

(Bild: Privat)

Spektakulärer Wirbel über dem Bodensee: Eine riesige Wasserhose sorgte am Mittwoch für Aufsehen. Doch was wäre passiert, hätte sie Land erreicht?

Ein ungewöhnliches Naturschauspiel hat sich am Mittwoch am Bodensee ereignet: Eine gigantische Wasserhose zog über Deutschlands größtes Binnengewässer, weithin sichtbar bis ins Hinterland.

Die Wasserhose, ein tornadoähnlicher Luftwirbel über einer Wasserfläche, bildete sich um 13 Uhr vor Friedrichshafen. Rund 15 bis 30 Minuten war das Phänomen vom Ufer aus gut zu sehen, wie die Schwäbische Zeitung berichtet.

Zahlreiche Schaulustige verließen Restaurants und Geschäfte an der Uferpromenade, um den Wirbel zu beobachten. Das sei schon "sehr spektakulär gewesen", zitiert der SWR eine Zuschauerin. Eine Leserin der Schwäbischen Zeitung schrieb der Redaktion, es sei "wirklich beängstigend" gewesen, wie sich der Tornado vom Schweizer Ufer über den See auf sie zu bewegt habe.

Keine Verletzten, keine Notrufe

Schiffe gerieten während des Ereignisses nicht in Not. Die Wasserschutzpolizei teilte mit, ihr seien keine Notfälle gemeldet worden. Auch der Katamaran "Constanze", der zwischen Konstanz und Friedrichshafen pendelt, war laut Schiffsführer Johannes Bökle nicht betroffen.

"Wir waren erst verwundert und haben auch gleich Fotos von dem Tornado gemacht", sagte Bökle dem SWR. Er habe schon viele Tornados gesehen, aber nicht in dieser Nähe und nicht in dieser Größe.

Auslöser war Gewitterzelle

Auslöser war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) eine Gewitterzelle, die sich am Abend desselben Tages bereits wieder aufgelöst hatte. "In der Atmosphäre haben wir in den untersten Niveaus Rotation, und diese Rotation hat jetzt im Zusammenhang mit der Gewitterzelle, wo es dann eben auch Aufwinde gibt, dafür gesorgt, dass wir die Bildung von einem Tornado hatten", erklärte DWD-Meteorologe Kai-Uwe Nerding.

Höhere Wassertemperaturen in Verbindung mit kalter Luft begünstigen die Entstehung solcher Wirbel, da dadurch Instabilität in der Atmosphäre entsteht.

DWD-Experte Nerding schätzte die Windgeschwindigkeit des Tornados auf 100 bis 150 Kilometer pro Stunde. In Extremfällen können Wasserhosen bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreichen und einen Durchmesser von bis zu 300 Metern haben. Marcus Beyer vom DWD erklärte gegenüber dem SWR, dass die Möglichkeit, dass ein solcher Tornado auch Land erreicht, grundsätzlich gegeben sei – im vorliegenden Fall sei das jedoch nicht geschehen.

Hätte der Wirbel Land erreicht, hätte er laut Experten vermutlich rasch an Kraft verloren, da er seine Energie aus der Verdunstung des Sees bezieht. "Es ist ein sehr fragiles Gebilde", so ein Wetterexperte gegenüber dem SWR.

Seltenes, aber nicht einmaliges Phänomen

Statistisch gesehen treten Wasserhosen am Bodensee laut DWD vor allem im September auf, zwei- bis dreimal pro Jahr. Dass das Phänomen nun im Juli zu beobachten war, ist ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen.

"Wenn die entsprechenden Zutaten gegeben sind, ist es auch möglich, dass wir Wasserhosen im Juli beobachten können", sagte DWD-Meteorologe Beyer. Erst rund drei Wochen zuvor war bereits eine Wasserhose über den Bodensee gezogen – damals bei Lindau.