"Technologie ist bereit": Weltgrößter Wasserstoffmotor startet im Netz

Industrielle Anlage mit der Aufschrift

Wärtsilä hat in Bermeo im Norden Spaniens mit der Erprobung eines neuen, zu 100 % mit Wasserstoff betriebenen Motors zur Einspeisung in das spanische Stromnetz begonnen – dies ist weltweit der erste Einsatz eines großtechnischen, zu 100 % mit Wasserstoff betriebenen Motors.

(Bild: Wärtsilä Corporation)

Ein neuer Riesenmotor startet in zwei Minuten. Doch wegen der Brennstoffkosten von 470 Euro je Megawattstunde bleibt es ein teures Experiment.

An der nordspanischen Küste ist ein technologischer Durchbruch mit extremem Preisschild gelungen: Erstmals speist ein großtechnischer Verbrennungsmotor, der ausschließlich mit reinem Wasserstoff läuft, Strom in ein nationales Übertragungsnetz ein.

Der Wärtsilä 31H2 – laut Hersteller der größte reine Wasserstoffmotor der Welt – kann innerhalb von nur zwei Minuten von null auf Volllast hochfahren. Damit eignet sich das Aggregat ideal als schneller Lückenfüller für das Stromnetz.

Doch die Flexibilität ist teuer: Die reinen Brennstoffkosten liegen bei rund 470 Euro pro Megawattstunde.

Genau hier soll die neue, hochflexible Motorentechnik als Puffer ansetzen. Seit Juni 2026 absolviert das Aggregat vor Ort sein Validierungsprogramm unter realen Netzbedingungen – wie Wärtsilä mitteilt.

Der 31H2 basiert auf der bewährten 31er-Plattform, einem mittelschnelllaufenden Viertakt-Mehrstoffmotor mit 8 bis 16 Zylindern. Die Erdgasvariante liefert rund 12 MW elektrische Leistung pro Aggregat. Im Wasserstoffbetrieb fällt die Leistung etwas geringer aus – konkrete Werte will Wärtsilä erst nach Abschluss der Tests veröffentlichen.

Ziel ist es, mehrere Aggregate zu Kraftwerken mit einer Kapazität von mehreren hundert Megawatt zu kombinieren, die energieintensive Abnehmer wie Hyperscaler-Rechenzentren versorgen könnten, berichtet Euronews.

Zwei Minuten von null auf Volllast

Technisch sticht vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit hervor. Wie Anders Lindberg, Präsident der Wärtsilä-Energiesparte, gegenüber S&P Global Commodity Insights erklärte, können die Motoren innerhalb von rund zwei Minuten von null auf volle Leistung hochfahren. Das macht sie zu schnellen Lückenfüllern, wenn Wind- und Solaranlagen bei Flaute oder Dunkelheit nicht liefern.

Bestehende Erdgasmotoren der V31-Baureihe lassen sich bereits heute mit bis zu 25 Prozent Wasserstoff betreiben. Eine vollständige Umrüstung auf 100 Prozent Wasserstoff sei möglich, sobald sich das wirtschaftlich rechne, so Lindberg.

Den Wasserstoff für den Test in Bermeo liefert ein nahegelegener Elektrolyseur von Air Liquide. S&P Global bezifferte die Kosten für EU-konform erzeugten grünen Wasserstoff in Spanien zuletzt auf 6,29 Euro pro Kilogramm.

Bei einem geschätzten elektrischen Wirkungsgrad von etwa 40 Prozent ergeben sich daraus reine Brennstoffkosten in der Größenordnung von rund 470 Euro pro Megawattstunde – deutlich mehr als bei konventionellen Gaskraftwerken, die typischerweise bei 50 bis 100 Euro pro Megawattstunde liegen.

Teure Flexibilität ohne Infrastruktur

Das grundsätzliche Problem bleibt: Die Motorentechnik ist bereit, doch die nötige Wasserstoff-Infrastruktur existiert im großen Maßstab nicht.

Rasmus Teir, bei Wärtsilä verantwortlich für Technologiestrategie und Dekarbonisierung, machte in der Erklärung des Unternehmens deutlich:

"Wir haben bewiesen, dass die Technologie bereit ist. Jetzt muss der Fokus darauf liegen, das richtige Umfeld für ihre Skalierung zu schaffen, gestützt durch entschlossene Regulierung, Investitionsklarheit und die Infrastruktur, die erforderlich ist, um das Wachstum erneuerbarer Energien und nachhaltiger Kraftstoffe wie Wasserstoff zu beschleunigen. Die Technologie ist da – jetzt ist es an der Zeit, sie zu skalieren."

Lindberg kritisierte zudem, dass nicht fehlende Technik, sondern unflexible Netze und Marktstrukturen den Ausbau erneuerbarer Energien bremsten: "Das ist nicht die Schuld der erneuerbaren Energien". Vielmehr liege das Problem bei einem System, das nicht an Erneuerbare angepasst sei.

Für den europäischen Markt, insbesondere den DACH-Raum, bleibt der Weg lang. Zwar plant die EU über den European Hydrogen Backbone ein paneuropäisches Pipelinenetz, und Deutschland treibt H2-Kernnetze von Nordseehäfen zu Industrieclustern voran.

Doch ohne Subventionen oder Kapazitätszahlungen dürften reine Wasserstoff-Motorenkraftwerke vorerst Nischen besetzen – etwa als Notstrom für kritische Infrastruktur oder an Standorten mit extremen Preisspitzen.

Für KI-Rechenzentren, die zunehmend unter Netzanschluss-Engpässen leiden, könnte sich die Technik langfristig als Baustein eines hybriden Versorgungskonzepts etablieren. Bis dahin bleibt Bermeo eine teure, aber technisch überzeugende Demonstration.