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Telepolis hat Anfang Dezember 2024 einen radikalen Schritt gemacht: Über 70.000 Artikel aus dem Archiv wurden vorübergehend depubliziert. Diese Entscheidung war Teil einer großangelegten Qualitätsoffensive, die von der Redaktion unter der Leitung von Chefredakteur Harald Neuber 2022 entwickelt und umgesetzt wird. Neuber erklärte:

"Wir möchten einen erkennbaren Trennstrich zwischen den Beiträgen ziehen, die einerseits auf Basis unseres geltenden journalistischen Leitbildes erschienen sind, und andererseits der journalistischen Arbeitsweise sowie daraus resultierenden Entscheidungen der früheren Redaktionsleitung."

Dabei hatte Telepolis seit der Gründung im Jahr 1996 durchaus Zuspruch erhalten. 2002 wurde die Redaktion aufgrund ihrer unbestechlichen und unabhängigen Berichterstattung mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet. Telepolis behandele wichtige Themen, "wenn sie für die meisten Webangebote noch nicht einmal in der Themen-Planung sind", befand die Jury damals.

Dennoch mussten Verlag und Redaktion feststellen, dass es der damaligen Redaktionsleitung in den Jahren danach nicht gelungen ist, journalistische Standards durchgehend zu wahren. In Folge erschienen nach 2002 einige Texte, von denen die Wahrnehmung von Telepolis bis heute negativ beeinflusst wird; betroffen waren vorwiegend polarisierende Themen – doch gerade dabei haben Journalisten eine besondere Pflicht zur kritischen Distanz und Sorgfalt gleichermaßen.

Die Entscheidung zur vorläufigen Depublikation Ende 2024 zielte nicht auf eine pauschale Bewertung der betroffenen Artikel ab. Sie war motiviert von der Notwendigkeit, sich von bestimmten problematischen Inhalten zu distanzieren. Neben der Glaubwürdigkeit des Journalismus wird dadurch ein publizistisches Umfeld geschaffen, das den hohen Ansprüchen und der Professionalität der übergroßen Mehrheit der Autoren von 1996 bis heute gerecht wird.

Telepolis legt Wert auf Transparenz und dokumentiert auf dieser Seite den gesamten Prozess der Depublikation und Republikation. Das folgende "Logbuch" macht nicht nur die Schritte und Entscheidungen nachvollziehbar, sondern soll auch dazu beitragen, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die Diskussion über journalistische Standards in Leitmedien und alternativen Medienangeboten gleichermaßen zu fördern