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Dienstag, 1. November 2011

Onion 1047- Details


Was lange währt, wird leider nicht immer  ganz so gut. Nach gefühltem wochenlangen Nähen (stimmt nicht, denn den Stoff habe ich erst vor einer guten Woche erstanden) ist mein Mantel endlich fertig geworden. 


Hier schon der erste Fehler, denn ein Mantel ist es nicht wirklich geworden, eher eine lange Jacke. 
Was ich nicht richtig gut finde, aber allein meines Vermessens (=Unfähig zu Messen) zu zuschreiben ist. 
Während dieses Projektes habe ich aber auf jeden Fall viel gelernt, manches ganz gut, manches noch ausbaufähig.
Der Mantelschnitt (Onion1047) ist eigentlich ungefüttert, ich wollte aber gerne einen gefütterten Mantel haben, also habe ich einen Futtermantel zugeschnitten. 
An die Bewegungsfalte im Rückenteil und an die unterschiedlichen Schnittlinien habe ich gedacht, ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob die Stoffwahl so günstig ist. Für die Ärmel habe ich einen „normalen“  glatt-glitschigen Futterstoff verwendet, für den Rest Baumwollpopeline. Einen gemusterten Stoff, den ich mir auf dem Stoffmarkt gekauft habe, dort sehr schön fand und daheim irgendwie nicht mehr ganz so toll. 


Ich habe etwas Befürchtungen, dass die Popeline vielleicht zu hohe adhäsive Kräfte bei raueren Kleiderstoffen zeigt und das Futter unschön nach oben zieht. 
Mal sehen.

Was mich lange überlegen ließ war die Knopflochproblematik. 
Bei Lucy las ich einen Vorschlag, ein Knopfloch mit Einlegefaden zu nähen. 
Leider ist diese Methode nicht mit meiner Maschine kompatibel. Hier eine Auswahl der schrecklichen Probeknopflöcher:



Das Mantelknopfloch war nur mit dünnem Obergarn unverknäuelt, sah aber unschön aus.

Daher entschloss ich mich, Paspelknopflöcher zu nähen. 
Nach einiger Recherche im „Hort des unnützen Wissens“ entschied ich mich dafür, die Methoden von Stichelbeere und Machwerk zu verbinden: 

Zunächst habe ich mir ganz ordentlich die Position der Knopflöcher markiert.

Paspelstreifen angefertigt.



An die Markierungen  rechts auf rechts gelegt und fest genäht.


 Die Fadenenden auf die linke Seite gezogen und verknotet.


Schnittlinien markiert 



Und mit meiner Lieblingsschere, die sich dafür wunderbar eignet, eingeschnitten.



Paspelstreifen nach links wenden und fixieren.



Öffnungen zuheften.

Nachdem ich die Belege angenäht habe bin ich dort folgendermaßen vorgegangen:

Ich habe  breite Vlieselinestreifen mit der Klebeseite nach oben  mit Malerkrepp auf dem Beleg fixiert.

 Die Position der Knopflöcher wird mit Hilfe von Stecknadeln übertragen.

 Anzeichnen.

Nähen.

Einschneiden.
Wenden.

Bügeln.
Hat ganz gut funktioniert, aber nicht perfekt.


Für die Ärmel habe ich mir aus Volumenvlies ein Kugelvlies zugeschnitten und dieses nach dem Ärmeleinsetzen auf der NZG der Ärmel festgenäht.



Dadurch fallen die Ärmel irgendwie besser, es gibt auf jeden Fall einen optischen Vorteil.
Diese Maßnahme kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schultern zu breit geworden sind. 
Mein Hauptkritikpunkt am Mantel und an mir. Da habe ich diesen ganzen Aufwand betrieben und nicht bemerkt, dass die Schultern nicht wirklich passen. 
Schon ärgerlich, aber anziehen werde ich den Mantel nun trotzdem, zumindest, bis ich mir einen besseren genäht habe. Stoffe habe ich noch dafür, aber momentan noch keine Lust darauf.
Wahrscheinlich wurde meine negative Stimmung noch durch das Hörbuch gespeist, das ich beim Fertiggestellen gehört habe:Schöne Verhältnisse von Edward St. Aubyn.
Nicht gerade aufmunternd.
Bilder an mir gibt es morgen, dann könnt ihr euer Urteil fällen.

Julia

Sonntag, 17. Juli 2011

Für Kochlöffelphobiker


Wer kennt sie, diese mir seit Jahren unverständliche Anleitung aus burda für gefütterte Trägeroberteile?


Ich denke, ich bin nicht die einzige, die mit dieser Anleitung so ihre liebe Not hat, denn es gibt einige Tutorials im www, die sich mit dieser Problematik beschäftigen. Unter anderem gibt es bei Miss Magerite einen Link unter „Tolle Tipps“ und auch bei Bopalena gibt es Bilder dazu.
Doch wer wie ich, ein richtiger Kochlöffelphobiker ist, reagiert irrational. Alles was mit ungenähten Schulternähten und Armausschnittsnähten, die zwei cm davor enden, einhergeht wird sofort mit dem gefürchteten Kochlöffel in Verbindung gebracht und kann nicht verstandesmäßig gelesen und umgesetzt werden.
Daher brauche ich für das Problemfeld gefüttertes Trägeroberteil einen anderen Ansatz.
Die Methode, die ich euch vorstellen möchte, wahrscheinlich kennt ihr sie schon alle, dann lest bitte großmütig darüber hinweg, kommt ohne offene Schulternähte und Kochlöffel aus.
ABER: Der Einsatzbereich ist leider begrenzt. Die Methode ist nur geeignet bei Oberteilen mit mindestens einer Mittelnaht oder einem Reißverschluss an dieser Naht. Im Beispiel die rückwärtige Mittelnaht.
Nun aber los:


Zunächst Abnäher, seitliche Teilungsnähte u.s.w. an Vorder- und Rückenteilen nähen.

Zur Anprobe Schulter- und Seitennähte heften. 


Ich mache das mit der Nähmaschine.
Änderungen wenn nötig vornehmen. 


Mir hilft dabei meine Büste, die Maße stimmen einigermaßen mit meinen überein und ich kann an der Puppe viel leichter sehen und stecken was zu korrigieren ist.


Schulternähte schließen. Mit dem Futter ebenso verfahren.

Oberstoff und Futter rechts auf rechts aufeinander legen und die Halsausschnittskanten bis 3cm vor die rückwärtige Mitte aufeinander nähen.


Nahtzugaben (NZG) zurück- und einschneiden. 


Das geht ganz fix mit einer Zackenschere. 
Die NZG auf die Futterseite legen und knappkantig feststeppen. 



Nun die Armausschnittskanten rechts auf rechts aufeinander legen und nähen. 
NZG wieder zurück- und einschneiden. 


Die beiden halben Teile (Rückteile) werden jetzt durch die Träger auf rechts gewendet.


Bei den Armausschnitten die NZG auf die Futterteile legen und knappkantig, so weit wie möglich, feststeppen.


Die Seitennähte von Oberstoff und Futter in einem Rutsch nähen. (Bei seitlichem Reißverschluss, Schlitz belassen)


Nun kann das Rockteil angenäht werden. (Naht)Reißverschluss einnähen, (bei seitlichem Reißverschluss rückwärtige Mittelnaht nähen) letzten Teil der Halsausschnittsnaht nähen, Futter befestigen. 
Säumen. 


Fertig!

Und wo kommt bei mir ein Kochlöffel zum Einsatz?
Na hier:



Und um beim Thema zu bleiben habe ich beim Nähen „Der Koch“ von Martin Suter gehört.
Den Kleiderschnitt habe ich hier schon mal vorgestellt und der Stoff ist vom SSV bei Stoff & Stil (2m).

Julia