Zwei Kalender
| Jahreszeit | meteorologisch | astronomisch |
|---|---|---|
| Frühling | 1. März – 31. Mai | ab Frühlings-Tagundnachtgleiche, um den 20./21. März |
| Sommer | 1. Juni – 31. August | ab Sommersonnenwende, um den 20./21. Juni |
| Herbst | 1. September – 30. November | ab Herbst-Tagundnachtgleiche, um den 22./23. September |
| Winter | 1. Dezember – Ende Februar | ab Wintersonnenwende, um den 21./22. Dezember |
Die astronomischen Jahreszeiten richten sich nach dem Sonnenstand: An den Tagundnachtgleichen steht die Sonne mittags genau über dem Äquator, an den Sonnenwenden am höchsten bzw. tiefsten. Weil ein Jahr nicht genau 365 Tage hat und der Kalender das mit Schaltjahren ausgleicht, wandern diese Zeitpunkte von Jahr zu Jahr um Stunden hin und her — daher „um den 21.“ statt eines festen Datums.
Warum die Meteorologie ganze Monate nimmt
Für Statistik braucht man Zeiträume, die jedes Jahr gleich sind. Ein „Sommer“, der einmal am 20. und einmal am 21. Juni beginnt, ist schlecht zu vergleichen; drei ganze Kalendermonate dagegen schon — man kann Monatswerte einfach zusammenzählen. Deshalb sprechen Wetterdienste vom „wärmsten Sommer seit Messbeginn“ immer für Juni bis August.
Die Einteilung in ganze Monate ist alt: Sie geht auf die Societas Meteorologica Palatina zurück, die 1780 in Mannheim eines der ersten internationalen Messnetze aufbaute (Geschichte der Wettervorhersage).
Dazu kommt, dass die meteorologischen Jahreszeiten besser zur Temperatur passen. Der kälteste Monat in Deutschland ist meist der Januar, nicht der Dezember mit dem kürzesten Tag; der wärmste meist der Juli, nicht der Juni mit dem längsten. Boden und Meer brauchen Zeit, um sich aufzuheizen und abzukühlen — die Temperatur hinkt dem Sonnenstand um einige Wochen hinterher. Denselben Effekt im Kleinen, über einen einzelnen Tag, erklärt Tagesgang der Temperatur.
Eine dritte Einteilung kennt jeder, der heizt: die Heizsaison. Sie hält sich an keinen der beiden Kalender — geheizt wird, sobald das Tagesmittel unter eine Heizgrenze fällt, je nach Ort und Jahr auch schon im September oder noch im Mai. Wie viel Heizwärme das Wetter einer Saison verlangt hat, zählt der Heizgradtage-Rechner für deinen Ort.
Nicht der Abstand zur Sonne
Ein verbreiteter Irrtum: Im Sommer sei die Erde näher an der Sonne. Es ist umgekehrt — am nächsten ist die Erde der Sonne Anfang Januar, also im Nordwinter. Die Jahreszeiten entstehen durch die Neigung der Erdachse von rund 23,4 Grad. Im Sommer ist die Nordhalbkugel der Sonne zugeneigt: Die Sonne steht höher, ihr Licht trifft steiler auf und verteilt sich auf weniger Fläche, und die Tage sind länger. Auf der Südhalbkugel ist zur selben Zeit Winter — mit derselben Entfernung zur Sonne.
Fest ist beides nicht: Die Neigung pendelt über rund 41.000 Jahre zwischen etwa 22,1 und 24,5 Grad, und der sonnennächste Punkt wandert in rund 20.000 Jahren einmal durchs ganze Jahr. Genau diese langsamen Verschiebungen geben den Eiszeiten den Takt (Klimageschichte).
Wie hoch die Sonne über deinem Ort steht und wie lang der Tag ist, rechnet der Sonnenstand-Rechner; warum der früheste Sonnenuntergang nicht am kürzesten Tag liegt, erklärt Sonnenlauf.
Und was ist mit Altweibersommer und Schafskälte?
Innerhalb der Jahreszeiten gibt es Wetterlagen, die sich zu bestimmten Zeiten häufen — die Witterungsregelfälle. Wie verlässlich sie sind, steht ehrlich eingeordnet unter Witterungsregelfälle. Wie sich die Jahreszeiten über die Jahrzehnte verschieben, zeigen die Klimastreifen. Ob ein Tag über oder unter dem langjährigen Mittel für seinen Kalendertag liegt — und ob die Vorhersage das öfter trifft als die Annahme „wird eh wärmer“ —, prüft die Tendenz-Probe aus dem eigenen Archiv.
Quellen
DWD, Wetterlexikon (Jahreszeiten, meteorologisch und astronomisch) — dwd.de.
Astronomische Grundlagen (Achsneigung, Perihel Anfang Januar) sind Lehrbuchwissen; die Daten der Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden stehen in jedem astronomischen Jahrbuch.
Die Angaben sind zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert.