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Wissen · Werkzeug

Richtig lüften

Regen bei 10 °C und 100 % Luftfeuchte klingt nass — im 20 °C warmen Zimmer hat dieselbe Luft nur noch rund 53 %. Der Rechner zeigt, wie feucht Außenluft drinnen wird, ob Lüften deine Wohnung trocknet oder befeuchtet und ab welcher Temperatur kalte Stellen kritisch werden — mit offenem Rechenweg und einer Spanne für ungenaue Messgeräte. Gerechnet wird im Browser; Daten verlassen die Seite nur, wenn du unten ausdrücklich Werte für einen Ort lädst.

Eingabe

Draußen
Drinnen
Beispiele:
Annahmen einstellen: Messunsicherheit, Luftwechsel, kritische Feuchte

Alle vier Werte sind Annahmen dieser Seite, keine Messungen. Gute Stationsgeräte erreichen nach dem Messgeräte-Leitfaden der WMO etwa ±3 Prozentpunkte Feuchte und ±0,2 K (siehe Kühlgrenz-Rechner); für Hygrometer im Haushalt nimmt diese Seite ±5 und ±0,5 an — wer sein Gerät besser kennt, stellt es um. 100 % Luftwechsel sind der Idealfall. 80 % an Oberflächen sind der Wert, mit dem in der Bauphysik üblicherweise gerechnet wird — mehr dazu unten.

Außenluft, im Raum –
Spanne –

Taupunkt draußen–
Taupunkt drinnen–
Raumfeuchte nach dem Lüften sobald der Raum wieder so warm ist wie vorher–
Wasser, das ein Luftwechsel hinausträgt–
Heizenergie, um die frische Luft aufzuwärmen nur die Luft, ohne Wände–

Kalte Stellen

Kritisch an Flächen kälter als –
Tau an Flächen kälter als (100 %; jetzt → nach dem Lüften)–
Feuchte an deiner kältesten Stelle (jetzt → nach dem Lüften)–

Als Dezimaltrennzeichen kannst du Komma oder Punkt tippen. Die Spanne zeigt, wo das Ergebnis läge, wenn Thermometer und Hygrometer um die eingestellte Unsicherheit danebenliegen. Das Urteil „trocknet“ oder „befeuchtet“ fällt nur, wenn es auch am Rand dieser Spanne gilt; sonst steht dort ehrlich „knapp“.

So wurde gerechnet — mit deinen Zahlen

  1. Der Rechenweg erscheint hier, sobald das Skript läuft.

Zwischenwerte gerundet angezeigt; gerechnet wird ungerundet. Woher die Formeln stammen, steht weiter unten.

Die nächsten 48 Stunden für deinen Ort (freiwillig)

Statt selbst zu tippen, kannst du die aktuellen Modellwerte für draußen übernehmen — und siehst für jede der nächsten 48 Stunden, wie feucht die Außenluft bei deiner Raumtemperatur wäre und ob Lüften dann trocknet. Die Werte für drinnen nimmt der Verlauf aus dem Rechner oben; änderst du sie, rechnet er neu. Erst beim Klick fragt dein Browser bei Open-Meteo an: mit dem Ortsnamen bei der Ortssuche (geocoding-api.open-meteo.com), mit den Koordinaten bei der Vorhersage (api.open-meteo.com) — dieselben Dienste wie auf der Startseite. Ohne Ortsnamen nimmt der Rechner Karlsruhe.

Warum Regenluft drinnen trocken wird

Die relative Luftfeuchte sagt, wie viel Wasserdampf in der Luft steckt, verglichen mit dem, was bei dieser Temperatur höchstens als Dampf möglich ist — der DWD schreibt sie als f = 100 · e/E, tatsächlicher Dampfdruck durch Sättigungsdampfdruck (Luftfeuchtigkeit). Wird Außenluft im Zimmer warm, kommt kein Wasser hinzu: e bleibt gleich. Aber E wächst mit der Temperatur steil an. Der Bruch wird kleiner, die relative Feuchte sinkt — ohne dass ein Tropfen verschwunden wäre. (Die Luft „hält“ den Dampf dabei nicht wie ein Schwamm: Wie viel Dampf höchstens möglich ist, hängt nur von der Temperatur ab; die Seite Luftfeuchtigkeit ordnet das Bild ein.)

Außenluft mit 100 % Feuchte — wie feucht sie in einem Raum mit 18, 20 oder 22 °C wird, gerundet
draußen18 °C20 °C22 °C
−10 °C14 %12 %11 %
−5 °C21 %18 %16 %
0 °C30 %26 %23 %
5 °C42 %37 %33 %
10 °C60 %53 %46 %
15 °C83 %73 %65 %

Unter 0 °C sind 100 % gegenüber Wasser eine Obergrenze, die selten erreicht wird: Über Schnee und Eis stellt sich eher Sättigung gegenüber Eis ein, und das sind bei −5 °C rund 95 %, bei −10 °C rund 91 % gegenüber Wasser (Magnus-Formeln über Eis und Wasser, WMO-No. 8). Drinnen wird es dann noch trockener als in der Tabelle.

Ob Lüften trocknet, entscheidet deshalb nicht das Wetter draußen, sondern ein Vergleich: Ist die Raumluft feuchter als die aufgewärmte Außenluft, trägt jeder Luftwechsel Wasser hinaus. Am einfachsten vergleicht man die Taupunkte, denn der Taupunkt ändert sich beim Aufwärmen nicht. Die Luft mit dem tieferen Taupunkt enthält weniger Wasser. Ein Beispiel: Bei 0 °C kann die Außenluft höchstens einen Taupunkt von 0 °C haben — mehr als 100 % gibt es nicht. Im 20 °C warmen Zimmer sind das 26 %. Liegt die Raumfeuchte darüber, trocknet Lüften, ob es draußen regnet, nebelt oder schneit.

Wie viel Wasser das ist: Ein 50 m³ großes Zimmer mit 20 °C und 60 % enthält rund 520 g Wasserdampf. Wird die Luft einmal komplett gegen Außenluft von 0 °C und 100 % getauscht, gehen rund 290 g davon hinaus, bei 10 °C und 100 % nur gut 60 g — genau das rechnet der Rechner oben mit deinen Werten.

Der Sommerfehler im Keller

Im Sommer dreht sich die Rechnung um. Bei Sommerwärme ist viel Wasserdampf in der Luft möglich; strömt sie in einen kühlen Keller, kühlt sie sich ab, und ihre relative Feuchte steigt. An einem Sommertag mit 25 °C und 60 % liegt der Taupunkt bei 16,7 °C. In einem Keller mit 14 °C kommt die Luft rechnerisch auf 119 % — mehr als gesättigt. Der Überschuss schlägt sich an Wänden, Rohren und allem nieder, was dort lagert. Wer im Sommer den Keller lange lüftet, „um ihn zu trocknen“, macht ihn nasser.

Stoß- statt Kipplüften

Die Luft selbst speichert wenig Wärme. Sie wiegt nur rund 1,2 kg je Kubikmeter; die Luft eines 50 m³-Zimmers um 20 K zu erwärmen, kostet 50 m³ · 1,2 kg/m³ · 1005 J/(kg·K) · 20 K ≈ 1,2 MJ, also etwa 0,34 kWh (mit 0 °C draußen und 20 °C drinnen rechnet es der Rechner oben genauso vor). Ein Liter Wasser speichert je Grad so viel Wärme wie rund 3,5 Kubikmeter Luft — die Wärme einer Wohnung steckt in Wänden, Decken, Böden und Möbeln. Daraus folgt die Faustregel:

Wie feucht darf es drinnen sein?

Einen Wohlfühl-Richtwert für die Raumfeuchte nennt diese Seite bewusst nicht: Die üblichen Spannen stammen aus Ratgebern von Behörden und Verbänden, deren Wortlaut wir für diese Seite nicht prüfen konnten. Physikalisch entscheidend ist ohnehin nicht die Raumluft in der Zimmermitte, sondern die kälteste Fläche. Dort kühlt sich die Luft ab, und ihre relative Feuchte steigt: Raumluft mit 20 °C und 60 % hat an einer 15 °C kalten Außenwandecke schon 82 %, an einer 14 °C kalten Fensterlaibung 88 %.

Deshalb rechnet der Rechner aus, ab welcher Oberflächentemperatur es kritisch wird — vor und nach dem Lüften. In der Bauphysik wird meist mit rund 80 % an der Oberfläche als Grenze gerechnet, ab der Schimmelpilze wachsen können, etwa in der Norm DIN 4108-2 zum Mindestwärmeschutz. Den Normtext konnten wir nicht im Wortlaut einsehen; deshalb ist die Schwelle oben als Annahme einstellbar. Sie ist auch kein Schalter: Schimmel braucht Zeit, und eine Stunde nach dem Duschen ist etwas anderes als ein Winter lang. Wer eine Stelle hat, die trotz Lüften dauerhaft zu kalt und zu feucht bleibt, hat eher ein Problem mit der Dämmung oder einer Wärmebrücke als mit dem Lüften.

Die Formel, offen

Der Sättigungsdampfdruck kommt aus der Magnus-Formel, mit denselben Koeffizienten und aus derselben Datei wie im Taupunkt- & Feuchte-Rechner (WMO-Leitfaden für Messgeräte, WMO-No. 8). Die relative Feuchte bezieht sich wie bei Wetterdiensten auch unter 0 °C auf Wasser.

E(t) = 6,112 · exp(17,62 · t / (243,12 + t))  hPa

e = RHdraußen / 100 · E(Tdraußen)

RHim Raum = 100 · e / E(TRaum)

Taupunkt: die Temperatur t mit E(t) = e

Dass e beim Aufwärmen gleich bleibt, folgt daraus, dass weder Wasser hinzukommt noch der Luftdruck sich ändert: Der Anteil des Wasserdampfs am Gasgemisch — und damit sein Teildruck — bleibt, wie er ist. Die Wassermenge je Kubikmeter rechnet der Rechner mit der Gasgleichung für Wasserdampf, die Heizenergie mit der Dichte und der Wärmekapazität trockener Luft:

Wasserdampf = 216,7 · e / (T + 273,15)  g/m³  (e in hPa, T in °C)

Luftdichte ρ = 101 325 Pa / (287,05 J/(kg·K) · (T + 273,15))

Heizenergie = V · ρ · 1005 J/(kg·K) · (TRaum − Tdraußen)

Nachkontrolle: Die ungerundeten Werte der Tabelle oben weichen höchstens um 0,1 Prozentpunkte von einer unabhängigen Rechnung mit der Dampfdruckformel von Murphy und Koop (2005) ab; über 0 °C ebenso von der quelloffenen Stoffdaten-Bibliothek CoolProp, die feuchte Luft nach dem ASHRAE-Forschungsprojekt RP-1485 rechnet. Die Konstanten 287,05 und 1005 J/(kg·K) stimmen mit CoolProp auf 0,2 % überein; mit Wasserdampf in der Luft wäre die Wärmekapazität je Kubikmeter um weniger als 1 % größer.

Annahmen und Grenzen

  • Nur die Luft. Wände, Möbel, Textilien und Pflanzen speichern Feuchte und geben sie nach dem Lüften wieder ab. Die Raumfeuchte steigt deshalb nach dem Schließen oft wieder an; der Wert „nach dem Lüften“ ist der Zustand direkt danach, kein Dauerzustand.
  • Voller Luftwechsel ist ein Idealfall. Wie viel Luft ein Stoßlüften wirklich tauscht, hängt von Fenstern, Wind und Temperaturunterschied ab. Den Anteil kannst du oben einstellen; die Wassermenge wächst mit ihm.
  • Die Heizenergie gilt nur für die ausgetauschte Luft, bei Normdruck und ohne den Wirkungsgrad der Heizung. Beim Kipplüften kommt beides zusammen: Stundenlang wird Luft getauscht (jeder Luftwechsel kostet so viel wie oben gerechnet), und Laibung und Sturz kühlen aus — diesen zweiten Teil rechnet der Rechner nicht.
  • Unter 0 °C geben Wetterdienste die Feuchte gegenüber Wasser an, manche Messgeräte gegenüber Eis. Der Unterschied im Ergebnis ist klein (bei −5 °C und 85 %: 15,4 statt 14,6 % im 20 °C warmen Raum); der Rechner zeigt ihn bei Frost mit an.
  • Die kritische Oberflächenfeuchte ist eine Annahme (Voreinstellung 80 %), keine geprüfte Norm-Zahl, und kein Schalter: Ob Schimmel wächst, hängt auch von Dauer, Material und Verschmutzung ab.
  • Frische Luft braucht es auch aus anderen Gründen — verbrauchte Luft, Gerüche, Kochdunst. Der Rechner bewertet nur Feuchte und Wärme.
  • Geltungsbereich: −45 bis +60 °C (dort gelten die Magnus-Koeffizienten über Wasser). Außerhalb rechnet der Rechner nicht.
  • Live-Werte sind Modellwerte für einen Gitterpunkt in 2 m Höhe, keine Messung an deinem Fenster und keine Spanne mehrerer Modelle; wie weit Modelle auseinanderliegen, zeigt die Startseite.

Quellen

DWD, Wetterlexikon: Relative Feuchte (f = 100 · e/E) · Dampfdruck · Taupunkt · Absolute Feuchte — ausführlich zitiert auf Luftfeuchtigkeit und Taupunkt.

WMO: Guide to Instruments and Methods of Observation (WMO-No. 8), Kapitel 4 — Magnus-Formeln über Wasser und Eis, Bezug der relativen Feuchte auf Wasser, erreichbare Messunsicherheit guter Geräte — library.wmo.int.

Murphy, D. M. & Koop, T. (2005): Review of the vapour pressures of ice and supercooled water for atmospheric applications. Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society 131, 1539–1565, doi:10.1256/qj.04.94 — unabhängige Nachrechnung der Tabelle.

Bell, I. H., Wronski, J., Quoilin, S. & Lemort, V. (2014): Pure and pseudo-pure fluid thermophysical property evaluation and the open-source thermophysical property library CoolProp. Industrial & Engineering Chemistry Research 53, 2498–2508, doi:10.1021/ie4033999 — nachgerechnet mit CoolProp 8.0 (feuchte Luft nach ASHRAE RP-1485, Wasser nach IAPWS): Luftdichte, Wärmekapazität, Molmasse trockener Luft, Wärmekapazität von Wasser.

Meyer, D. & Thevenard, D. (2019): PsychroLib: a library of psychrometric functions to calculate thermodynamic properties of air. Journal of Open Source Software 4, 1137, doi:10.21105/joss.01137 — Vergleichswert für Feuchte gegenüber Eis (Version 2.5, nach ASHRAE Handbook – Fundamentals 2017).

Open-Meteo, Weather Forecast API und Geocoding API — temperature_2m, relative_humidity_2m; Lizenz CC BY 4.0.

Fachliteratur ist zusammengefasst, nicht wörtlich übersetzt. Alle Beispielzahlen auf dieser Seite hat der Rechner selbst gerechnet und am 30.09.2026 unabhängig nachgerechnet. Nicht geprüft werden konnten die Normtexte zur kritischen Oberflächenfeuchte und die Richtwerte von Behörden zur Raumfeuchte und Lüftungsdauer — sie stehen deshalb nicht als Zahl auf dieser Seite, sondern als einstellbare Annahme oder gar nicht.