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Wissen · Wie aus Regen eine Zahl wird Wie ein Niederschlagsradar arbeitet und was es nicht sieht, erklärt Wetterradar.

Wie Niederschlag gemessen wird

„15 mm Regen“ heißt: 15 Liter auf jeden Quadratmeter. Diese Seite zeigt, wie der DWD das misst (Regenmesser und Wägegeräte), warum Schneehöhe nicht gleich Niederschlag ist, wieso das Radar nur schätzt — und warum jeder Regenmesser systematisch zu wenig auffängt. Jede Angabe wörtlich vom DWD belegt.

1 mm = 1 Liter pro Quadratmeter

Niederschlag wird als Höhe angegeben — als wäre er auf einer ebenen Fläche stehen geblieben. Der DWD definiert die Niederschlagshöhe als das, „wie hoch flüssiger Niederschlag eine horizontale Erdbodenfläche … bedecken würde, wenn nichts … abfließen, verdunsten oder versickern könnte“. Und daraus folgt der Merksatz, wörtlich beim DWD:

„Niederschlagshöhe von 1 mm entspricht einem Regenwasservolumen von 1 Liter pro Quadratmeter.“ — DWD

Die Höhe 1 mm auf 1 m² ergibt genau 1 Liter. Angegeben wird sie auf Zehntel Millimeter genau; fester Niederschlag wie Schnee wird vor der Messung geschmolzen und als Wasserhöhe bestimmt.

Praktisch heißt das: Ein Dach mit 40 m² Grundfläche bekommt bei 10 mm Regen 400 Liter ab. Wie viel davon in einer Regentonne ankommt und ob sie in den nächsten Tagen voll wird, rechnet der Regentonnen-Rechner — mit offenen Annahmen und den 51 Läufen des ECMWF-Ensembles als Spanne.

Der Regenmesser — klassisch und modern

Der klassische, manuell abgelesene Hellmann-Niederschlagsmesser fängt den Regen in einem Trichter, sammelt ihn verdunstungsgeschützt und wird in ein normiertes Messglas gefüllt. Das Auffanggefäß steht 1 m über dem Boden; die kreisrunde Auffangfläche beträgt nach WMO-Standard mindestens 200 cm² (im Gebirge auch größer, bis 500 cm²).

Damit umliegende Hindernisse den Wind — und damit den Fang — nicht verfälschen, gilt beim DWD eine klare Regel: Hindernisse müssen „doppelt so weit vom Niederschlagsmesser entfernt sind, wie sie an Höhe messen“. Moderne Stationen nutzen Wägeniederschlagsmesser: Eine elektronische Waage misst das Gewicht des aufgefangenen Wassers (auch aus geschmolzenem Schnee, Graupel, Hagel), und „der Rechner ermittelt … aus der Wassermenge die entsprechende Niederschlagshöhe“.

Schnee: Höhe ist nicht Menge

Zehn Zentimeter Schnee sind nicht zehn Millimeter Niederschlag. Maßgeblich ist das Wasseräquivalent — das, was nach dem Schmelzen übrig bleibt. Der DWD: „1 mm Wasseräquivalent entspricht 1 l Schmelzwasser / m².“ Wie viel Wasser in einem Zentimeter Schnee steckt, hängt stark von der Schneeart ab:

SchneeartWasser je cm
Neuschnee0,5–1,5 mm/cm
Pulverschnee1,0–2,0 mm/cm
körniger Schnee1,5–4,5 mm/cm
gelagerter Schnee3,5–6,0 mm/cm
Firnschnee5,0–8,5 mm/cm
Spezifisches Wasseräquivalent je Schneeart als Spannen auf einer Skala von 0 bis 9 mm Schmelzwasser je Zentimeter Schneehöhe: Neuschnee 0,5 bis 1,5, Pulverschnee 1,0 bis 2,0, körniger Schnee 1,5 bis 4,5, gelagerter Schnee 3,5 bis 6,0 und Firnschnee 5,0 bis 8,5 mm je cm. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 mm Wasser je cm Schnee Neuschnee Pulverschnee körniger Schnee gelagerter Schnee Firnschnee
Spezifisches Wasseräquivalent je Schneeart (mm Schmelzwasser pro cm Schneehöhe, DWD-Werte, lineare Skala). Neuschnee ist am leichtesten, Firn am dichtesten — die Übergänge sind laut DWD nicht scharf definiert.

Werte aus der DWD-Tabelle „spezifisches Wasseräquivalent“; der DWD betont: „Die Übergänge zwischen den einzelnen Schneearten sind nicht genau definiert!“ Die populäre Faustregel „10 cm Schnee ≈ 1 cm Wasser“ (1:10) liegt nur in der Mitte der Neuschnee-Spanne — ein grober Richtwert, keine feste Regel.

Radar schätzt — es misst nicht am Boden

Das bunte Regenradar wirkt wie eine Messung, ist aber eine Schätzung. Das Radar sendet Impulse, die an den Niederschlagsteilchen gestreut werden; aus der Rückstrahlung (Reflektivität) wird die Regenmenge indirekt berechnet:

„Der Radarreflektivitätsfaktor Z wird mittels einer empirischen Z-R-Beziehung in die Niederschlagsintensität R umgerechnet …“ — DWD

Deshalb wird es an Bodenstationen geeicht (RADOLAN)

Damit aus der Schätzung belastbare Werte werden, gleicht der DWD das Radar mit echten Bodenmessungen ab: „In den quantitativen Analysen werden die mittels Radar erfassten Niederschläge mit Hilfe der an Bodenstationen gemessenen Niederschlagshöhen angeeicht …“ Das kombinierte Verfahren heißt RADOLAN (Radar-Online-Aneichung). Ehrlich gesagt: Radar allein ist eine Flächen-Schätzung, keine Messung am Boden.

Warum Regenmesser zu wenig fangen

Auch der beste Regenmesser unterfängt den real gefallenen Niederschlag systematisch. Hauptursache ist der Wind: Das Gerät ist ein Strömungshindernis, leichte Teilchen (vor allem Schnee) werden über die Öffnung hinweggetragen; dazu kommen Benetzungs- und Verdunstungsverluste. Der DWD korrigiert diesen „systematischen Messfehler“ rechnerisch (auf Basis von WMO-Vergleichsstudien, unter Berücksichtigung von Temperatur, Feuchte und Windgeschwindigkeit).

Die Größenordnung ist beachtlich: Der Bias reicht laut DWD „von etwa 5 % im Flachland im Sommer bis zu mehr als 50 % an windexponierten Orten über 1500 m im Winter“. Genau solche Effekte sind der Grund, warum diese Seite Zahlen mit ihrer Herkunft und nicht als absolute Wahrheit zeigt.

Quellen

Alle Angaben vom Deutschen Wetterdienst (Wetterlexikon, Klimaatlas, Fachseiten), Auffangfläche nach WMO-Standard:

Niederschlagshöhe · Klimaatlas: 1 mm = 1 l/m², Messhöhe · Konventionelle Niederschlagsstation (Hellmann) · Wägeniederschlagsmesser · Wasseräquivalent der Schneedecke · Radarniederschlag (Z-R, RADOLAN) · Systematischer Messfehler

Was da genau vom Himmel fällt, steht unter Niederschlagsarten; wie die Startseite Messung von Modell trennt, in der Methodik.