Brände im ausgetrockneten Moor Warum Torffeuer so schwer zu bekämpfen sind
Im belgischen Hohen Venn lauert die Gefahr unterirdisch: Neben Bäumen und Gräsern brennen Teile des Toorfmoores. Dort können die Brände lange Zeit unbemerkt unter der Erde schwelen. Warum solche Torffeuer so gefährlich sind.
In Belgien lodert es nicht nur oberhalb der Erde: Das Feuer hat auch Teile des Torfmoores erreicht. Die Torfschichten reichen stellenweise mehrere Meter tief. Das erschwert das Löschen der Waldbrände zusätzlich.
"Es ist einfach kein reiner Vegetationsbrand. Moore brennen anders als Vegetation", erklärte Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde der Nachrichtenagentur dpa. "Das Feuer breitet sich meist eher unsichtbar im Untergrund aus, das heißt, man sieht gar nicht genau, wo eigentlich der Brandherd ist." Bei einem Vegetationsbrand oder speziell auch einem Waldbrand sehe man genau, wo das Feuer gerade sei und er werde auch eher durch Winde beeinflusst.
"Bei Moorbränden ist das Feuer eben meistens im Untergrund und kann sich in so einem ausgetrockneten Torf meterweit unter der Oberfläche fortbewegen und an einer anderen Stelle wieder nach oben durchbrechen", so Sanders. Das sei für die Einsatzkräfte extrem schwierig und auch gefährlich. Im belgischen Hohen Venn könnte das Löschen noch Wochen dauern, prophezeite ein Monschauer Feuerwehrsprecher.
Jahrelange Entwässerung trocknen Moore aus
Dabei sei das Hohe Venn eigentlich ein Moorgebiet, das nur schwer in Brand gerate, sagte Biologe Tobias Ceulemans von der Universität Antwerpen der flämischen Zeitung Nieuwsblad. Das Gebiet sei jedoch jahrzehntelang entwässert worden, um dort für die Holzgewinnung Fichtenforst anpflanzen zu können. "Auf solchen Böden müsste es verboten sein, Nutzforst anzulegen", kritisierte Ceulemans.
"Wenn das Moor ausgetrocknet ist, dann kann das Feuer sich eben auch in das Erdreich fressen und sich als Schwelbrand entwickeln", erklärte Sanders. "Wenn er nicht bis an die Oberfläche durchkommt, ist es ein Brand ohne Flammen, aber mit starker Rauchentwicklung." Der Rauch kann das Atemgift Kohlenmonoxid enthalten. Zudem brauche man sehr viel Wasser, um bis zum Schwelbrand durchzudringen. "Ich muss ja die gesamte Fläche im Prinzip durchfeuchten. Das heißt, man braucht Unmengen an Wasser", erklärte sie.
Gebiete unter Beobachtung - teils Jahre danach
Auch Monate und Jahre später kann so ein unterirdisches Feuer noch Probleme bereiten, wie ein Beispiel aus Frankreich zeigt. In der Region Bordeaux wird ein Gebiet nach einem Brand 2022 laut Feuerwehr noch heute überwacht. Zwei Jahre lang entdeckten Feuerwehrleute immer wieder Reste des Feuers. Überwintern Brände unter der Erde und kehren zur Waldbrandsaison wieder zurück, ist auch von "Zombiefeuern" die Rede. Anhaltende Trockenheit und starke Winde können neue Brände überraschend an anderer Stelle entfachen. Anzeichen können etwa glimmende Wurzeln oder Rauchwolken sein, die scheinbar aus dem Nichts aufsteigen.
"Diese schwelenden Feuer, die plötzlich an Stellen oder in Umgebungen ohne ersichtliche Quelle auftauchen, haben uns viele Probleme bereitet", erinnert sich der Kommandant des Feuer- und Rettungsdienstes in der Gironde, Matthieu Jomain, an die Tage und Wochen nach dem Waldbrand. "Sie tauchen hier und dort auf, ohne unbedingt einem Muster zu folgen", zitiert ihn die Nachrichtenagentur AFP. Feuerwehrleute hätten Stück für Stück Asche und Erde abgetragen, um Brandherde tief in der Erde zu finden.
In einer früheren Version dieses Textes wurde der Waldbrand im Hohen Venn mit sogenannten Zombiefeuern in Verbindung gebracht. "Zombiefeuer" ist kein wissenschaftlich eindeutiger Fachbegriff. In der Regel sprechen Wissenschaftler aber davon, wenn Brände unter der Erde überwintern. Wir haben den Text dahingehend angepasst.
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