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Dienstag, 5. Juli 2016

FÅK

Dieses Jahr ist, mit Verlaub, ein echtes Scheißjahr. Politisch sowieso, gesellschaftlich gesehen, privat und jetzt auch noch im Nebenberuf. Ganz ehrlich, 2016, es reicht. Echt jetzt.

Mehr zu einem Aspekt hier.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Noch ein Fest? Noch ein Fest! Unser Hauptstraßenfest!

Im Sommer wird im Rheingau gefeiert. Kein Wochenende, an dem nicht mehrere Feste zwischen Hochheim und Lorch stattfinden, alle mit Wein, die meisten mit Livemusik und sehr, sehr viele mit den mehr oder weniger immer gleichen Ständen - Nierenspieß, Crêpes, Pizza.

Etwas spezieller, vielleicht nicht ganz so "professionell", aber dafür oft gemütlicher sind die kleineren Feste - Dorfkerben, Tage der offenen Tür bei der Feuerwehr und natürlich die Straßenfeste.

In Martinsthal hat das Hauptstraßenfest eine lange Traditon. Vor etwas 40 Jahren war es eines DER Feste im Rheingau, rechts und links der alten Hauptstraße öffneten Anwohner für ein Wochenende ihre Höfe, im alten Lindenkeller gab es eine Disco, drei Tage lang feierten die Martinsthaler mit Freunden und Gästen auf der Straße.
Irgendwann wurde die schiere Menge der Feste im Rheingau erdrückend, das Martinsthaler Weinfest wanderte an den Weinprobierstand im Walluftal, und das Fest war Geschichte.

Bis in Martinsthal die Hauptstraße über viele Monate aufgerissen, saniert und neu geplastert wurde und die Anwohner das am Ende doch frohe Ereignis wieder mit einem Fest feierten - 2010 war das.
Hauptstraßenfest, reloaded, immer am dritten Juliwochenende.
Kleiner als das parallel stattfindene Lindenfest in Geisenheim, weniger speziell als die Schlangentage, aber dafür nachbarschaftlich und gemütlich. Einer der schönsten Innenhöfe - der von Gabriele und Guido Arnold - wird zur Straußwirtschaft, Zelda Klein backt ihre berühmten Frühlingsrollen. Bier und Cocktails gibt es natürlich auch, vor der Salongesellschaft kann man herrlich chillen, Tanja Nehrbauer öffnet ihr Waffelkaffee und organisiert Spiele und eine Rallye für die Kinder.

Wir sind auch dabei - mit dem verschobenen Tag der halboffenen Kellertür. (Wie der eine oder andere vielleicht mitgekriegt hat, war die Hälfte der Belegschaft - für fast drei Monate im Weingut zu wenig zu gebrauchen.)
Beim Hauptstraßenfest präsentieren wir unseren neuen Jahrgang - sechs Weine vom trockenen Martinsthaler über zwei Mittelrheiner bis zu unseren Topweinen aus Rheingauer Erste-Gewächs-Lagen.
Es ist uns ein Vergnügen - und ein Fest, natürlich. Und wir freuen uns auf Euch!

Freitag, 17.7. ab 17 Uhr
Samstag, 18.7. ab 17 Uhr
Sonntag, 19.7. ab 11 Uhr zum Mittagessen, richtig los geht es ab 15-16 Uhr

Und wer dann noch nicht genug hat, kann uns am 5. und 6. September in Martinsthal besuchen - bei unserer Jahrgangspräsentation, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Bei uns gibt's was zu probieren und trinken, bei den Kollegen auch was zu essen.
Wir sehen uns hoffentlich!

Skål!

Donnerstag, 28. Mai 2015

Drei Wochen war der Frosch so krank ...

... nun, genauer gesagt waren es jetzt schon sieben Wochen. Sieben Wochen, die uns gezwungen haben, komplett umzudisponieren. Umzuplanen, neu zu denken.
Weniger wichtige Dinge abzusagen oder zumindest weit nach hinten zu schieben.
Unumgängliche Dinge anders zu organisieren. Freunde und Familie um Hilfe zu bitten.
Biegen und Binden im Weinberg. Biodünger verteilen. In der Einzelstockerziehung die Pfähle gerade rücken  oder neu einschlagen. Mähen. Ausbrechen. Weine filtrieren. Füllen.
Vom alltäglichen Kleinkram (Duschen, Anziehen, Schuhe zuschnüren, Waschmaschine befüllen, Wäsche aufhängen, volle Kochtöpfe von links nach rechts heben, Nudeln abschütten, Einkaufskorb anheben, Wasserkisten ... mal ganz abgesehen.

Nichts Lebensbedrohliches war passiert, aber mit einem gebrochenen Schlüsselbein lebt, bewegt, hebt und trägt es sich anders, das habe ich gelernt.
Und dazu, wie wichtig und tragfähig dieser blöde Knochen ist, wenn er denn heil ist und nicht beim blöden Sturz in drei gleichmäßige Stücke zerbrochen ist.
Es geht voran. Jetzt raucht sie nicht, aber sie trägt wieder, Gott sei Dank.
Vielen, vielen Dank an alle Unterstützer. Abstützen durfte ich mich übrigens auch nicht.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Weinrallye #83: Wein in Film und Fernsehen

Ich weiß, eigentlich müsste das Thema mich geradezu anspringen. Wein, Film, Fernsehen, die drei großen Lieben meines Lebens (ok ... nicht nur), da muss doch was funken.
Allein, es funkt nicht viel. Vielmehr: Nichts.



Die mehr oder weniger großen Wein-Kinofilme - gähn. Jeder hat sie gesehen, jeder würde sie nehmen.
Die mehr oder weniger erfolgreichen Versuche, das Thema vorabendtauglich oder primetimegemäß zu werwursten - gähn, gähn, gähn, von den Fallers - "Alla, trink mer noch oiner" über Moselbrück " ---" bis zum Winzerkönig "ohne Worte", Danke, nein, bitte nicht.

Und nein, über den letzten Bodensee-Tatort mag ich auch nicht schreiben (wäre es doch nur ironisch gemeint gewesen) und schon dreimal nicht über die durchaus gut gemachten, gleichwohl nicht ganz untendenziösen Reportagen über Weinmacher aus meinem Haussender.
Und nein, ich schreibe auch nichts über die Weinköniginnenwahlen. (Wobei, warum eigentlich nicht? Nur nicht heute, aber das ist ein tolles Thema. Bericht folgt.)

Also, ich bin spiegelblank. Ideenmäßig auf dem Trockenen.

Was auch damit zu tun hat, dass ich finde, dass das Thema Wein sowohl in der nachrichtlichen als auch in der bunten Berichterstattung sträflich vernachlässigt wird.

Wir sehen die hunderfünfzigste Reportage aus dem Schweineknast und die achtzigste Geschichte vom Heile-Welt-Biohof, wir lernen alles über Acrylamid und Aluminiumdeos und keiner erzählt uns, wie Wein wirklich gemacht wird, dass familiäre Betriebe nicht automatisch für Handwerk, Typizität und Qualität stehen, dass Großunternehmen nicht automatisch industriell arbeiten und Massenplörre erzeugen und dass das, was der romantische Verbraucher sich so vorstellt, wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Ja, es gibt sie, die guten Formate, aber sie spielen ausnahmslos nicht im linearen Fernsehen, sondern im  Netz.
Nur mal zwei Beispiele: *klick* *klick*

Und wenn sich ein gutes Format doch mal in die herkömmlichen Ausspielwege verirrt, wird es gnadenlos abgestraft und irgendwann eingestellt. Leute, das hat verdammt viel mit Format, Form und Fantasie zu tun. Und FWissen.
Ich kriege einen hysterischen Anfall, wenn ich Bilder vom Winzer mit Faßprobe und Kerze im tiefen Keller sehe, wenn erwartbare Nostalgiekitschbilder darüber hinwegtäuschen sollen, dass Reporter und abnehmender Redakteur von der Materie soviel Ahnung haben wie die Kuh von der Atomphysik und wenn Agrarlobbygeschwafel 1:1 abgebildet wird -  ohne Nachfrage, weil: siehe voriger Punkt.

Wein ist in aller Munde, Wein hat längst den Elitenimbus verloren, selbst im Discounter gibt es zugegebenermaßen langweilige, aber technisch korrekte Erzeugnisse, wo, zum Teufel, bleibt die angemessene Berichterstattung - über das Regionalfenster hinaus, wir berichten ja auch über Milchwirtschaft, die angesprochenen Schweineställe und Trends in der Bierindustrie?

Eine Steilvorlage, eine Riesenchance, die man einfach vorüberziehen lässt. Ein Riesenfehler, finde ich. Wir hätten das Thema, wir hätten die Leute, wir hätten gute Presentertypen, wenn wir nur wollten.

Dafür, dass es mir egal ist, habe ich mich gerade ganz schön in Rage geschrieben, ich weiß.

Dafür gibt es jetzt auch noch eine Geschichte, eine skurrile, eine schöne, eine filmreife.
Von unserer Weinrunde hatte ich ja bereits mehrfach berichtet (oder nicht? dann nur nicht hier).

8-12 Leute, die sich für ein Wochenende in einer Weinregion treffen, Bottleparty am Freitagabend, 2-4 Winzerbesuche und abendliches Essengehen am Samstag, Ausklang am Sonntag. Mit den Winzerbesuchen sind Weinproben und umfangreiche Einkäufe verbunden.

Wir waren für den frühen Samstagnachmittag bei einem Winzer angekündigt, nach einem ausgiebigen Mittagessen aber zeitlich leicht im Verzug - ca. 30 Minuten.

Auf unser Klingeln ertönte hysterisches Hundegekläffe, die Dame des Hauses riss die Tür auf und ließ ein Donnerwetter auf uns niedergehen, sie sei in Eile, die Probe kaum durchführbar, auf unsere Beteuerung, wir seien Verkostungsprofis, ließ sie uns doch ein, scheuchte uns in den Proberaum, den herbeigeeilten Kläffer im hohen Bogen in den Nebenraum befördernd, was wenig half, da dieser sich als Durchgangszimmer erwies und der Kläffer nun etwas besser gelaunt unsere im Feldwebelton auf die Stühle kommandierte Weinrunde begrüßte.
Wir probierten ziemlich eiligst und ein bisschen kleinlaut, kauten pflichtschuldig das dargereichte Weißbrot ("was heißt, das brauchen Sie nicht? Ich hab das extra für Sie gekauft!") und notierten brav unsere Wünsche.
"Wie, Sie wollen was kaufen und das jetzt mitnehmen?"
Hektisches Zusammenrechnen -"das können wir Ihnen abnehmen?!" - überhasteter Aufbruch zum benachbarten Hochregallager (Jacken anziehen wird überschätzt), es folgten Balanceakte auf der Rollleiter, von zwei starken Männern gehalten (O-Ton H.:"Ich kann da nicht hinsehen!"), Flaschen, die in Kartons gepfeffert wurden, Kartons, die in Kofferräume gestopft wurden, Rechnungen, die Wochen später kamen und vorne und hinten nicht stimmten, die wir aber alle anhand der eingesackten Flaschen beglichen haben.

Großes, großes Kino, eine Probe, von der wir seit langem erzählen und noch lange erzählen werden. Und danke, ma chère Susa, dass Du Deinem ersten Impuls nicht nachgegeben und diese filmreife Probe nach fünf Minuten verlassen hast - was für eine wunderbare Geschichte.

Und weil es bei der Weinrallye ja am Ende auch um Wein gehen soll, stelle ich jetzt eien vor, wenn auch keinen dieser legendären Probe (obwohl ich noch was davon im Keller habe). Stattdessen gibt es ausnahmsweise mal nicht Riesling, nicht mal Weißwein, sondern Rotwein aus Südtirol.

Von unserem wunderbaren Zusammentreffen mit Andi Sölva habe ich ja hier und da schon berichtet, aber auch das ist eine eigene filmreife Geschichte wert (mehr demnächst hier).
Vor kurzem haben wir die vorletzte Flasche unseres Kistentauschs aufgemacht, den 2012er "Sea". Sea, so heißt der Kalterer See bei den Einheimischen. Und ja, es handelt sich um einen Kalterer See, einen richtig klassischen, aus alten Anlagen, bei kleinem Ertrag gefahren, ja, handwerklich und mit viel Fingerspitzengefühl für Rebsorte, Tradition und Möglichkeiten gemacht.

In der Nase Brombeere, Leder, sehr dicht und komplex, ein bisschen Mokka und verhalten süßliche Zwetschgentöne. Im Mund Brombeerfrucht und Pflaume, Sauerkirsche, würzige Kakaonoten, Mokkaschokolade, ein Wein mit verdammt viel Substanz, der trotzdem eine gleichsam schwebende Eleganz und Größe offenbart. Kalterer See.

Großes Kino.

Gastgeber dieser Weinrallye ist edelste-weine.de, mehr dazu hier: http://www.edelste-weine.de/weinrallye-83-wein-film-und-fernsehen-blogparade/

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Weinrallye #81: Wir schenken uns reinen Wein ein

Ich bin spät dran, richtig spät. Draußen ist es fast schon dunkel, der Tag neigt sich dem Ende zu, das Jahr 2014 sowieso. Ich war in den vergangenen Tagen nicht besonders oft online, mir war es kurz vor Weihnachten einfach zuviel mit den gefühlten und den echten Tragödien, mit Leid und Selbstmitleid, mit Teilungswut und Teilnahmslosigkeit. Und ich bin natürlich ein Teil davon. Ein bisschen Verzicht hat ganz gut getan. Dazu kam, dass wir derzeit ohne WLAN und mit nur einem Laptop unterwegs sind - ja, das gibt es noch ;-). Und wenn die Prioritäten gerade so sind, wie sie sind, überlasse ich dem Liebsten seinem Modellbahnforum und lese meine heruntergeladenen Weihnachtsbücher auf. Eins habe ich noch.

Verzichtet haben wir im Großen und Ganzen auch auf Geschenke. Ein Buch nach Wunsch, ein selbstgekochtes Festessen, gute Weine, fertig. Umso mehr gefreut habe ich mich über einen Überraschungswein, den diese Weinrallye uns beschert hat. Ok, eine Überraschung mit Ansage.

Von wem er kam, wusste ich nicht, bis es am 2. Adventssamstag an der Tür klingelt. Wir sind auf dem Sprung ins Städtchen, Weihnachtsmarkt im Langwerthschen Hof mit Eröffnung durch den Posaunenchor, mittendrin unsere liebe Freundin Cantate aka Ronja Crescendo. "Hier ist Sven!" - "Komm rein!" Ich kenne keinen Sven. Doch! Klar kenne ich Sven Zerwas, den Stift!

Da steht er, in der Hand eine Flasche Rotwein. Merlot. Aus dem Württembergischen. Aha. "Franziska". Sagt mir nichts, aber auch überhaupt nichts. Aber wenn der Stift schon mal da ist, kann er gleich die Fassproben probieren, die wir am Morgen gezogen haben. Und so probieren wir und reden über das Jahr und den Herbst und über die Mühe und die Fäulnis und die Menge und die Qualität und den Projektwein. Und brechen überhastet auf, weil wir uns verquatscht haben und er weiter muss und wir ja sowieso ins Städtchen ...

Den Wein probieren wir, bevor wir ihn googeln.
2010 "Franziska", Merlot, im Barrique vergoren. Weingärtnergenossenschaft Aspach.
Etwas verhaltener Duft nach reifen roten Früchten, Sauerkirchen, Pflaumen, weich und samtig. Im Mund rund und saftig, hinten raus leicht austrocknend. Zarte Süße - Holz und Alkohol -, samtig und schmeichelnd.

Der Wein hinterlässt uns etwas ratlos. Gut gemacht, ja, aber da fehlt in bisschen Substanz, ein bleibender Eindruck.Wir stöpseln einen Vinolok auf die Flasche und stellen sie zurück in die "Später probieren"-Ecke.


Aus "später" werden zwei Tage. Dann schenken wir uns jeder ein weiteres Glas ein. Und siehe da: Franziska strahlt! Was verhalten anklang, tritt jetzt in den Vordergrund. Viel mehr Körper, gut eingebettete feine Säure, geschliffenes Tannin. Schöne Überraschung!

Und  beim Googeln finde ich dann auch noch heraus, dass dieser Wein von einem Nebenerwerbswinzer gemacht wurde, einem Verrückten, wie wir es sind, nur, dass Thomas Hentschel ausschließlich Rotwein produziert.

Ein gut gewählter Wichtelwein - Danke dafür - und Danke an Susa, die mit dieser Weinrallye und uns allen zusammen das Jahr 2014 beschließt. Auf ein neues, ein gutes, ein besseres Jahr. Skål!

Und: Godt nytår!




Sonntag, 27. Juli 2014

Spritztour

Es ist das Wochenende der Spritztouren.

Gestern abend mal schnell nach Münchweiler, wo es neben dem Rundfunkmuseum auch ein wunderschönes Anwesen, die Klostermühle, gibt, Anlass: eine Hochzeit! Ja, die Leute machen so was immer noch, sogar nach vielen Jahren. Wunderschön bunt durchmischte Gästeschar, blendend gelaunte Gastgeber, viele reizende Kleinkinder, gute Musik, feines Essen und Trinken ... und ein viel zu früher Aufbrauch, weil heute Spritztour Nr 2 auf dem Programm stand.

Wortwörtlich. Den Rothenberg haben wir neulich nach Feierabend gespritzt, obwohl wir viel lieber ins Taubenhaus von Eva Rapps und Urban Kaufmann gegangen wären. Aber das läuft uns ja nicht weg, im Gegensatz zur Zeit, die wir im Weinberg verbringen müssen.

Also Spritztour in den Fürstenberg. Zum Glück bei angenehmen Temperaturen und etwas Wind. Das macht die Buckelspritze (425 Solo, 15 Liter, manuell) nicht leichter, die Arbeit aber etwas weniger unangenehm. Wir spritzen mit Netzschwefel (jaja, ich weiß, Wartezeit 55 Tage, wir haben es den 2. August, nun rechnet mal) und Kupfer, danach riecht man ... äh .. etwas streng. Und man ist hübsch gleichmäßig benetzt.

Unsere liebe Freundin Susa hat an anderer Stelle ja schon einmal beschrieben, wie derbe ich über Brombeeren und Dornen fluchen kann. Liebe Susa, Du hättest mich heute mal erleben sollen. Meine Spritze leckt, und so liefen mir schön gleichmäßig mindestens 1,5 Liter Spritzbrühe über den Rücken ins T-Shirt, den Rücken hinunter durch Hose und Unterhose bis in die Stiefel. Ok, ich bin jetzt gegen jegliche Art von Pilzen tiefenimprägniert (mein Autositz übrigens auch), aber schön ist anders.

Unsere Spritztour hatte auch noch ein anders Ziel: Der Eisenwarenhändler uV feierte 50jähriges Betriebsjubiläum. Mit persönlicher Einladung, persönlicher Rückmeldung (theoretisch) und Schnick und Schnack.
Frisch geschwefelt sollte man sich eher nicht unter Menschen begeben, also haben wir einen Zwischenstopp an der Quelle eingelegt - waschen, trocken, Kleider wechseln. Ab nach Bacharach! (Ich sag's mal so: Wahrscheinlich hätte es keiner bemerkt ...).

Bacharach, "Gummibahnhof". Auftritt: Der Inhaber, der uns strahlend für den schönen Artikel dankt, er habe erst jetzt ... Ich: "???". Der Hospitant: "???". Der Inhaber: "Internet! Und der Bürgermeister hat die Geschichte vorhin vorgelesen! Alle waren begeistert!"

Ich ... ahne ... da war was ... Himmel .. raune dem Hospitanten unauffällig zu: "Habe ich da irgendwelche kleinen Gemeinheiten abgefeuert?" Er: "Keine Ahnung. Wahrscheinlich schon." Danke, Du bist mir wirklich eine große Hilfe.

Im Laufe der nächsten Stunden bei Riesling, Bratwurst und Mokkacremetorte werden wir noch etliche Male auf diesen "schönen (Blog)Artikel" angesprochen - ausnahmslos begeistert. Da sage noch einer, Blogs lese ohnehin keiner.



Und auf dem Rückweg habe ich schnell noch mal selbst nachgelesen - nein, keine Gemeinheiten, einfach nur das echte Leben.

Zum Jubiläum hat André Heisecke nicht nur massenweise Blumen bekommen, sondern auch eine Schatzkiste mit 50 Weinen - zusammengetragen von der Vereinigung der Bacharacher Winzer. Jeder hat 2 Flaschen beigesteuert. Zum Öffnen der Kiste braucht man natürlich einen Schraubenzieher, der nur bei André Heisecke erhältlich ist.



Und es gab Reden und Gedichte. Von einem besonders launigen habe ich mir nur die letzten drei Zeilen notiert:
"... oder ist bei Dir ne Schraube locker
Geh zu André in sein' Laden
der hat ne Lösung für Dein' Schaden!"


Cheers!

Vorsichtig optimistisch

Nach dem Zwischenstand ist vor dem Zwischenstand. Die Weine sind gefüllt, wir haben AP-Nummern, wir haben neue Selbstklebeetiketten und die Weinguts-Homepage auf www.dalgaardundjordan.de umgestellt.

Wir haben gespritzt, wir liegen bei den Laubarbeiten gut in der Zeit. Und es sieht verdammt gut aus im Weinberg. Oder vielmehr in den Weinbergen, beiderseits des Rheins.
Es hängt viel, wir hatten keinen Hagel, wir haben keine Peronospora und keinen Mehltau. Wenn es halbwegs so weitergeht, fällt es schwer, den standesgemäßen Pessismismus zu bewahren.

So schön kann es gehen - hoffentlich geht es auch so weiter.



Donnerstag, 22. Mai 2014

Ab. Ge. Füllt.

Das war's!


Schluss, fertig, aus.

Der Jahrgang 2013 ist auf der Flasche. Fünf Weine, vom trockenen Ortswein (Martinsthaler) über zwei halbtrockene/feinherbe Lagenweine aus dem Martinsthaler Rödchen bis zu unseren Premiumweinen Rothenberg und Fürstenberg.
Keine große Menge, aber großer Trinkgenuss.

Eine mobile Füllanlage, ein wunderbarer, tiefenentspannter und unerschütterlicher Lohnfüller, zwei Freunde und wir.
Vier Stunden.
Viele viele leere Flaschen - zweieinhalb Paletten, genau gesagt.
1300 für die Premiumweine. Größer als die Standardflasche und mit 750 Gramm 50 Prozent schwerer.
Zweieinhalb Kartons Kapseln.



Für diejenigen, die es noch nie gesehen haben:




Die Flaschen werden am Anfang der Füllanlage (oben: links) auf ein Band gestellt, in die Anlage gefördert, in einem ersten Durchgang mit stark verdünnter schwefliger Säure sterilisiert und kopfüber ausgeschwenkt. Dann laufen sie in das Füllkarussel, werden dort mit Wein befüllt, im nächsten  Schritt wird von oben eine Kapsel aufgesteckt und dann festgedreht. Hinten (oben: rechts) werden die Flaschen aus der Anlage auf eine Ablage geschoben, von der man sie abnimmt und in Gitterboxen legt.

Mehrere Tonnen gefüllte Flaschen, die kistenweise vom Hof in die Gitterboxen im Keller gewuchtet werden mussten.





Ein rausgeschossener FI-Schalter, weil die Füllanlage auf unserem Buckelpflaster ein bisschen schief stand und zum Schluss doch Wasser in die Stecker tropfte.

Alles neu macht ...
Ein Ergebnis, auf das wir stolz sind.
Und neue Etiketten.

Mehr dazu und natürlich vor allem zu den Weinen in Kürze auf diesem Kanal und auf unserer Homepage.

Und nein, das Bild hängt nicht schief.

Dienstag, 13. Mai 2014

Alt. Neu. Entdeckt. Teil 2.

Weil Rüdesheim ja so weit weg liegt und weil wir durch Rüdesheim eigentlich immer nur durchfahren, müssen wir, wenn wir denn schon mal in Rüdesheim sind, ... *lufthol* ...

Die Wahrheit ist, wie immer, sehr viel simpler, eine Anzeige in der Lokalpostille (für Insider: Pflücke den Tag), ein Weingut, von dem wir noch gehört hatten, eine schnelle Googlerecherche und (wie erwähnt) ein verregnetes Wochenende, an dem wir eh schon nach Rüdesheim fahren (zum Glück).

daskleineRieslingGut. Rüdesheim, wie gesagt. Das Navi verschluckt sich bei der Anfahrt und versucht hartnäckig, uns in die Garage des Hotels Krone zu lotsen. Da wären wir gar nicht so verkehrt gefahren, wie wir später lernen. Also Auto abstellen und die paar Schritte im NieselPlatzregen zu Fuß gelaufen.

Von der kopfsteinholprigen Gasse geht es in einen kleinen Probierraum. Betonboden, Gitterboxen, Edelstahltanks. Fertig.



Zwei Stehtische, Christoph Schütt und Andreas Frosch schenken selbst aus. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nur das, was wir uns ergoogelt haben. Neugründung, dritter Jahrgang (kommt uns bekannt vor), ein Hektar in neun Lagen im Rheingau, nur Riesling.

Der Jahrgang 2013 umfasst fünf Weine, vom trockenen "Basis" bis zum "Charisma". Ach, und die "Zicke" gibt es ja auch noch.

Basis. QbA trocken, rheingautrockene 8 Gramm Restzucker, 12% vol. Guter Einsteiger, Würze, saftige Frucht.

Magda.  QbA feinherb. 19 Gramm Restzucker, gut 8 Gramm Säure, 11,5% vol. Ein Maulvoll Wein, ungemein saftig, frisch und süffig. Easy drinking auf hohem Niveau.

Apropos ... Niveau. Der einzige Wein mit zumindest einer Ortsbezeichnung - Rüdesheimer - und der "furztrockene" mit 4 Gramm Restzucker. Auch "nur" 11,5 %vol. Typischer Rüdesheimer mit einem ganz anderen Charakter als die eher fetten, breiteren (wenn man davon reden kann) Rieslinge aus den Oestricher und Hallgartener Lagen. Gut! Fest! Spannend!

Charisma. 10 Stunden Maischestandzeit. 12% vol. Noch sehr unruhig, hefig, aber schon mit unheimlich viel Druck. Jetzt schwierig zu probieren, aber man ahnt das Potential. Hinlegen!

Und die Zicke. Riesling süß. 74 Gramm Restzucker. Vorne süß und limonadesaftig, rosa Grapefruit, Limette, einfach lecker (sorry Sam). Und hintenraus, "holla die Waldfee", ein eigenwilliger Kick, der diesen Wein vor der Belanglosigkeit bewahrt.

Eindeutig sehr! viel mehr als eine Hobbyklitsche (was man auch an Homepage, Etiketten, Vermarktungsstragegie sieht) und eindeutig bemerkenswert und merk-würdig, aber gar nicht seltsam.

daskleineRieslingGut - klein, Riesling, GUT!