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Dienstag, 5. Juli 2016

FÅK

Dieses Jahr ist, mit Verlaub, ein echtes Scheißjahr. Politisch sowieso, gesellschaftlich gesehen, privat und jetzt auch noch im Nebenberuf. Ganz ehrlich, 2016, es reicht. Echt jetzt.

Mehr zu einem Aspekt hier.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Weinrallye #83: Wein in Film und Fernsehen

Ich weiß, eigentlich müsste das Thema mich geradezu anspringen. Wein, Film, Fernsehen, die drei großen Lieben meines Lebens (ok ... nicht nur), da muss doch was funken.
Allein, es funkt nicht viel. Vielmehr: Nichts.



Die mehr oder weniger großen Wein-Kinofilme - gähn. Jeder hat sie gesehen, jeder würde sie nehmen.
Die mehr oder weniger erfolgreichen Versuche, das Thema vorabendtauglich oder primetimegemäß zu werwursten - gähn, gähn, gähn, von den Fallers - "Alla, trink mer noch oiner" über Moselbrück " ---" bis zum Winzerkönig "ohne Worte", Danke, nein, bitte nicht.

Und nein, über den letzten Bodensee-Tatort mag ich auch nicht schreiben (wäre es doch nur ironisch gemeint gewesen) und schon dreimal nicht über die durchaus gut gemachten, gleichwohl nicht ganz untendenziösen Reportagen über Weinmacher aus meinem Haussender.
Und nein, ich schreibe auch nichts über die Weinköniginnenwahlen. (Wobei, warum eigentlich nicht? Nur nicht heute, aber das ist ein tolles Thema. Bericht folgt.)

Also, ich bin spiegelblank. Ideenmäßig auf dem Trockenen.

Was auch damit zu tun hat, dass ich finde, dass das Thema Wein sowohl in der nachrichtlichen als auch in der bunten Berichterstattung sträflich vernachlässigt wird.

Wir sehen die hunderfünfzigste Reportage aus dem Schweineknast und die achtzigste Geschichte vom Heile-Welt-Biohof, wir lernen alles über Acrylamid und Aluminiumdeos und keiner erzählt uns, wie Wein wirklich gemacht wird, dass familiäre Betriebe nicht automatisch für Handwerk, Typizität und Qualität stehen, dass Großunternehmen nicht automatisch industriell arbeiten und Massenplörre erzeugen und dass das, was der romantische Verbraucher sich so vorstellt, wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Ja, es gibt sie, die guten Formate, aber sie spielen ausnahmslos nicht im linearen Fernsehen, sondern im  Netz.
Nur mal zwei Beispiele: *klick* *klick*

Und wenn sich ein gutes Format doch mal in die herkömmlichen Ausspielwege verirrt, wird es gnadenlos abgestraft und irgendwann eingestellt. Leute, das hat verdammt viel mit Format, Form und Fantasie zu tun. Und FWissen.
Ich kriege einen hysterischen Anfall, wenn ich Bilder vom Winzer mit Faßprobe und Kerze im tiefen Keller sehe, wenn erwartbare Nostalgiekitschbilder darüber hinwegtäuschen sollen, dass Reporter und abnehmender Redakteur von der Materie soviel Ahnung haben wie die Kuh von der Atomphysik und wenn Agrarlobbygeschwafel 1:1 abgebildet wird -  ohne Nachfrage, weil: siehe voriger Punkt.

Wein ist in aller Munde, Wein hat längst den Elitenimbus verloren, selbst im Discounter gibt es zugegebenermaßen langweilige, aber technisch korrekte Erzeugnisse, wo, zum Teufel, bleibt die angemessene Berichterstattung - über das Regionalfenster hinaus, wir berichten ja auch über Milchwirtschaft, die angesprochenen Schweineställe und Trends in der Bierindustrie?

Eine Steilvorlage, eine Riesenchance, die man einfach vorüberziehen lässt. Ein Riesenfehler, finde ich. Wir hätten das Thema, wir hätten die Leute, wir hätten gute Presentertypen, wenn wir nur wollten.

Dafür, dass es mir egal ist, habe ich mich gerade ganz schön in Rage geschrieben, ich weiß.

Dafür gibt es jetzt auch noch eine Geschichte, eine skurrile, eine schöne, eine filmreife.
Von unserer Weinrunde hatte ich ja bereits mehrfach berichtet (oder nicht? dann nur nicht hier).

8-12 Leute, die sich für ein Wochenende in einer Weinregion treffen, Bottleparty am Freitagabend, 2-4 Winzerbesuche und abendliches Essengehen am Samstag, Ausklang am Sonntag. Mit den Winzerbesuchen sind Weinproben und umfangreiche Einkäufe verbunden.

Wir waren für den frühen Samstagnachmittag bei einem Winzer angekündigt, nach einem ausgiebigen Mittagessen aber zeitlich leicht im Verzug - ca. 30 Minuten.

Auf unser Klingeln ertönte hysterisches Hundegekläffe, die Dame des Hauses riss die Tür auf und ließ ein Donnerwetter auf uns niedergehen, sie sei in Eile, die Probe kaum durchführbar, auf unsere Beteuerung, wir seien Verkostungsprofis, ließ sie uns doch ein, scheuchte uns in den Proberaum, den herbeigeeilten Kläffer im hohen Bogen in den Nebenraum befördernd, was wenig half, da dieser sich als Durchgangszimmer erwies und der Kläffer nun etwas besser gelaunt unsere im Feldwebelton auf die Stühle kommandierte Weinrunde begrüßte.
Wir probierten ziemlich eiligst und ein bisschen kleinlaut, kauten pflichtschuldig das dargereichte Weißbrot ("was heißt, das brauchen Sie nicht? Ich hab das extra für Sie gekauft!") und notierten brav unsere Wünsche.
"Wie, Sie wollen was kaufen und das jetzt mitnehmen?"
Hektisches Zusammenrechnen -"das können wir Ihnen abnehmen?!" - überhasteter Aufbruch zum benachbarten Hochregallager (Jacken anziehen wird überschätzt), es folgten Balanceakte auf der Rollleiter, von zwei starken Männern gehalten (O-Ton H.:"Ich kann da nicht hinsehen!"), Flaschen, die in Kartons gepfeffert wurden, Kartons, die in Kofferräume gestopft wurden, Rechnungen, die Wochen später kamen und vorne und hinten nicht stimmten, die wir aber alle anhand der eingesackten Flaschen beglichen haben.

Großes, großes Kino, eine Probe, von der wir seit langem erzählen und noch lange erzählen werden. Und danke, ma chère Susa, dass Du Deinem ersten Impuls nicht nachgegeben und diese filmreife Probe nach fünf Minuten verlassen hast - was für eine wunderbare Geschichte.

Und weil es bei der Weinrallye ja am Ende auch um Wein gehen soll, stelle ich jetzt eien vor, wenn auch keinen dieser legendären Probe (obwohl ich noch was davon im Keller habe). Stattdessen gibt es ausnahmsweise mal nicht Riesling, nicht mal Weißwein, sondern Rotwein aus Südtirol.

Von unserem wunderbaren Zusammentreffen mit Andi Sölva habe ich ja hier und da schon berichtet, aber auch das ist eine eigene filmreife Geschichte wert (mehr demnächst hier).
Vor kurzem haben wir die vorletzte Flasche unseres Kistentauschs aufgemacht, den 2012er "Sea". Sea, so heißt der Kalterer See bei den Einheimischen. Und ja, es handelt sich um einen Kalterer See, einen richtig klassischen, aus alten Anlagen, bei kleinem Ertrag gefahren, ja, handwerklich und mit viel Fingerspitzengefühl für Rebsorte, Tradition und Möglichkeiten gemacht.

In der Nase Brombeere, Leder, sehr dicht und komplex, ein bisschen Mokka und verhalten süßliche Zwetschgentöne. Im Mund Brombeerfrucht und Pflaume, Sauerkirsche, würzige Kakaonoten, Mokkaschokolade, ein Wein mit verdammt viel Substanz, der trotzdem eine gleichsam schwebende Eleganz und Größe offenbart. Kalterer See.

Großes Kino.

Gastgeber dieser Weinrallye ist edelste-weine.de, mehr dazu hier: http://www.edelste-weine.de/weinrallye-83-wein-film-und-fernsehen-blogparade/

Sonntag, 27. Juli 2014

Spritztour

Es ist das Wochenende der Spritztouren.

Gestern abend mal schnell nach Münchweiler, wo es neben dem Rundfunkmuseum auch ein wunderschönes Anwesen, die Klostermühle, gibt, Anlass: eine Hochzeit! Ja, die Leute machen so was immer noch, sogar nach vielen Jahren. Wunderschön bunt durchmischte Gästeschar, blendend gelaunte Gastgeber, viele reizende Kleinkinder, gute Musik, feines Essen und Trinken ... und ein viel zu früher Aufbrauch, weil heute Spritztour Nr 2 auf dem Programm stand.

Wortwörtlich. Den Rothenberg haben wir neulich nach Feierabend gespritzt, obwohl wir viel lieber ins Taubenhaus von Eva Rapps und Urban Kaufmann gegangen wären. Aber das läuft uns ja nicht weg, im Gegensatz zur Zeit, die wir im Weinberg verbringen müssen.

Also Spritztour in den Fürstenberg. Zum Glück bei angenehmen Temperaturen und etwas Wind. Das macht die Buckelspritze (425 Solo, 15 Liter, manuell) nicht leichter, die Arbeit aber etwas weniger unangenehm. Wir spritzen mit Netzschwefel (jaja, ich weiß, Wartezeit 55 Tage, wir haben es den 2. August, nun rechnet mal) und Kupfer, danach riecht man ... äh .. etwas streng. Und man ist hübsch gleichmäßig benetzt.

Unsere liebe Freundin Susa hat an anderer Stelle ja schon einmal beschrieben, wie derbe ich über Brombeeren und Dornen fluchen kann. Liebe Susa, Du hättest mich heute mal erleben sollen. Meine Spritze leckt, und so liefen mir schön gleichmäßig mindestens 1,5 Liter Spritzbrühe über den Rücken ins T-Shirt, den Rücken hinunter durch Hose und Unterhose bis in die Stiefel. Ok, ich bin jetzt gegen jegliche Art von Pilzen tiefenimprägniert (mein Autositz übrigens auch), aber schön ist anders.

Unsere Spritztour hatte auch noch ein anders Ziel: Der Eisenwarenhändler uV feierte 50jähriges Betriebsjubiläum. Mit persönlicher Einladung, persönlicher Rückmeldung (theoretisch) und Schnick und Schnack.
Frisch geschwefelt sollte man sich eher nicht unter Menschen begeben, also haben wir einen Zwischenstopp an der Quelle eingelegt - waschen, trocken, Kleider wechseln. Ab nach Bacharach! (Ich sag's mal so: Wahrscheinlich hätte es keiner bemerkt ...).

Bacharach, "Gummibahnhof". Auftritt: Der Inhaber, der uns strahlend für den schönen Artikel dankt, er habe erst jetzt ... Ich: "???". Der Hospitant: "???". Der Inhaber: "Internet! Und der Bürgermeister hat die Geschichte vorhin vorgelesen! Alle waren begeistert!"

Ich ... ahne ... da war was ... Himmel .. raune dem Hospitanten unauffällig zu: "Habe ich da irgendwelche kleinen Gemeinheiten abgefeuert?" Er: "Keine Ahnung. Wahrscheinlich schon." Danke, Du bist mir wirklich eine große Hilfe.

Im Laufe der nächsten Stunden bei Riesling, Bratwurst und Mokkacremetorte werden wir noch etliche Male auf diesen "schönen (Blog)Artikel" angesprochen - ausnahmslos begeistert. Da sage noch einer, Blogs lese ohnehin keiner.



Und auf dem Rückweg habe ich schnell noch mal selbst nachgelesen - nein, keine Gemeinheiten, einfach nur das echte Leben.

Zum Jubiläum hat André Heisecke nicht nur massenweise Blumen bekommen, sondern auch eine Schatzkiste mit 50 Weinen - zusammengetragen von der Vereinigung der Bacharacher Winzer. Jeder hat 2 Flaschen beigesteuert. Zum Öffnen der Kiste braucht man natürlich einen Schraubenzieher, der nur bei André Heisecke erhältlich ist.



Und es gab Reden und Gedichte. Von einem besonders launigen habe ich mir nur die letzten drei Zeilen notiert:
"... oder ist bei Dir ne Schraube locker
Geh zu André in sein' Laden
der hat ne Lösung für Dein' Schaden!"


Cheers!

Vorsichtig optimistisch

Nach dem Zwischenstand ist vor dem Zwischenstand. Die Weine sind gefüllt, wir haben AP-Nummern, wir haben neue Selbstklebeetiketten und die Weinguts-Homepage auf www.dalgaardundjordan.de umgestellt.

Wir haben gespritzt, wir liegen bei den Laubarbeiten gut in der Zeit. Und es sieht verdammt gut aus im Weinberg. Oder vielmehr in den Weinbergen, beiderseits des Rheins.
Es hängt viel, wir hatten keinen Hagel, wir haben keine Peronospora und keinen Mehltau. Wenn es halbwegs so weitergeht, fällt es schwer, den standesgemäßen Pessismismus zu bewahren.

So schön kann es gehen - hoffentlich geht es auch so weiter.



Donnerstag, 22. Mai 2014

Ab. Ge. Füllt.

Das war's!


Schluss, fertig, aus.

Der Jahrgang 2013 ist auf der Flasche. Fünf Weine, vom trockenen Ortswein (Martinsthaler) über zwei halbtrockene/feinherbe Lagenweine aus dem Martinsthaler Rödchen bis zu unseren Premiumweinen Rothenberg und Fürstenberg.
Keine große Menge, aber großer Trinkgenuss.

Eine mobile Füllanlage, ein wunderbarer, tiefenentspannter und unerschütterlicher Lohnfüller, zwei Freunde und wir.
Vier Stunden.
Viele viele leere Flaschen - zweieinhalb Paletten, genau gesagt.
1300 für die Premiumweine. Größer als die Standardflasche und mit 750 Gramm 50 Prozent schwerer.
Zweieinhalb Kartons Kapseln.



Für diejenigen, die es noch nie gesehen haben:




Die Flaschen werden am Anfang der Füllanlage (oben: links) auf ein Band gestellt, in die Anlage gefördert, in einem ersten Durchgang mit stark verdünnter schwefliger Säure sterilisiert und kopfüber ausgeschwenkt. Dann laufen sie in das Füllkarussel, werden dort mit Wein befüllt, im nächsten  Schritt wird von oben eine Kapsel aufgesteckt und dann festgedreht. Hinten (oben: rechts) werden die Flaschen aus der Anlage auf eine Ablage geschoben, von der man sie abnimmt und in Gitterboxen legt.

Mehrere Tonnen gefüllte Flaschen, die kistenweise vom Hof in die Gitterboxen im Keller gewuchtet werden mussten.





Ein rausgeschossener FI-Schalter, weil die Füllanlage auf unserem Buckelpflaster ein bisschen schief stand und zum Schluss doch Wasser in die Stecker tropfte.

Alles neu macht ...
Ein Ergebnis, auf das wir stolz sind.
Und neue Etiketten.

Mehr dazu und natürlich vor allem zu den Weinen in Kürze auf diesem Kanal und auf unserer Homepage.

Und nein, das Bild hängt nicht schief.

Dienstag, 13. Mai 2014

Alt. Neu. Entdeckt. Teil 2.

Weil Rüdesheim ja so weit weg liegt und weil wir durch Rüdesheim eigentlich immer nur durchfahren, müssen wir, wenn wir denn schon mal in Rüdesheim sind, ... *lufthol* ...

Die Wahrheit ist, wie immer, sehr viel simpler, eine Anzeige in der Lokalpostille (für Insider: Pflücke den Tag), ein Weingut, von dem wir noch gehört hatten, eine schnelle Googlerecherche und (wie erwähnt) ein verregnetes Wochenende, an dem wir eh schon nach Rüdesheim fahren (zum Glück).

daskleineRieslingGut. Rüdesheim, wie gesagt. Das Navi verschluckt sich bei der Anfahrt und versucht hartnäckig, uns in die Garage des Hotels Krone zu lotsen. Da wären wir gar nicht so verkehrt gefahren, wie wir später lernen. Also Auto abstellen und die paar Schritte im NieselPlatzregen zu Fuß gelaufen.

Von der kopfsteinholprigen Gasse geht es in einen kleinen Probierraum. Betonboden, Gitterboxen, Edelstahltanks. Fertig.



Zwei Stehtische, Christoph Schütt und Andreas Frosch schenken selbst aus. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nur das, was wir uns ergoogelt haben. Neugründung, dritter Jahrgang (kommt uns bekannt vor), ein Hektar in neun Lagen im Rheingau, nur Riesling.

Der Jahrgang 2013 umfasst fünf Weine, vom trockenen "Basis" bis zum "Charisma". Ach, und die "Zicke" gibt es ja auch noch.

Basis. QbA trocken, rheingautrockene 8 Gramm Restzucker, 12% vol. Guter Einsteiger, Würze, saftige Frucht.

Magda.  QbA feinherb. 19 Gramm Restzucker, gut 8 Gramm Säure, 11,5% vol. Ein Maulvoll Wein, ungemein saftig, frisch und süffig. Easy drinking auf hohem Niveau.

Apropos ... Niveau. Der einzige Wein mit zumindest einer Ortsbezeichnung - Rüdesheimer - und der "furztrockene" mit 4 Gramm Restzucker. Auch "nur" 11,5 %vol. Typischer Rüdesheimer mit einem ganz anderen Charakter als die eher fetten, breiteren (wenn man davon reden kann) Rieslinge aus den Oestricher und Hallgartener Lagen. Gut! Fest! Spannend!

Charisma. 10 Stunden Maischestandzeit. 12% vol. Noch sehr unruhig, hefig, aber schon mit unheimlich viel Druck. Jetzt schwierig zu probieren, aber man ahnt das Potential. Hinlegen!

Und die Zicke. Riesling süß. 74 Gramm Restzucker. Vorne süß und limonadesaftig, rosa Grapefruit, Limette, einfach lecker (sorry Sam). Und hintenraus, "holla die Waldfee", ein eigenwilliger Kick, der diesen Wein vor der Belanglosigkeit bewahrt.

Eindeutig sehr! viel mehr als eine Hobbyklitsche (was man auch an Homepage, Etiketten, Vermarktungsstragegie sieht) und eindeutig bemerkenswert und merk-würdig, aber gar nicht seltsam.

daskleineRieslingGut - klein, Riesling, GUT!
 

Montag, 14. Oktober 2013

Nach dem Regen ist vor dem Regen ist vor der Lese

Und wieder mal: nach dem Rechten schauen. "Unsere" Parzelle im Rauenthaler Rothenberg hat im unteren Bereich schon einiges an Fäulnis, da gehen wir die Woche noch mal durch.




Der Nachbar hat jetzt auch mit der Lese begonnen, sauberes Material, die Weinberge sind extrem gut gepflegt. Es gibt aber auch Winzer, die jetzt schon mit der Lese durch sind - und die haben keinen Müller-Thurgau, sondern Riesling und Spätburgunder im Sortiment. Schon seltsam, die Vollernter frühmorgens im strömenden Regen in den Weinbergen fahren zu sehen. Wobei: Wie sagte der Nachbar so schön - wenn ordentlich Wasser mitgelesen wird, gibt's mehr Menge und weniger Säure. Ok, so kann man das auch sehen. Er sagt es übrigens nur, macht es aber nicht ;-). Kommendes Wochenende sind seine kleinen Handleseflächen dran, da sind wir natürlich dabei.


Am Mittelrhein ist die Lage noch sehr viel entspannter, der Wingert zum Bach runter sieht ziemlich gut aus, und oben hängen die Trauben auch noch absolut gesund. Die Arbeit, die wir im September in den Weinberg gesteckt haben, hat sich gelohnt. Aber auch da sind einige Winzer schon weitestgehend durch - und von Selektion kann da keine Rede sein.

Natürlich redet es sich leicht, wenn man nur eine kleine Fläche selbst bewirtschaftet und nicht in Vollerwerbsdimensionen denken muss - und ich ziehe meinen virtuellen Hut vor den Winzern, die das im großen Stil machen und selektionieren und perfektionieren. Wie das aussieht? Schaut selbst:



Doch zurück zu uns und unserem Riesling.
So sah es am Sonntag aus.



Es reicht jetzt allerdings mit dem Regen! Wirklich! Ein paar sonnige Tage wären mehr als gut.

Den Rothenberg holen wir kommendes Wochenende.





Am Mittelrhein lesen wir die Woche drauf.

Wir haben nicht mehr ewig Zeit - und trotzdem das Glück, dass der Nachbar, dessen Infrastruktur wir nutzen dürfen, genauso spät dran ist.

Und: Wir dürfen unseren dornröschenschlaferweckten schönen alten Gewölbekeller weiter nutzen. Was für ein Glück.

Samstag, 29. Juni 2013

Weinrallye #64: Tut den mal weg, der hier ist besser!

Was für ein Thema! "Prickelndes für den Sommer". Für welchen Sommer, möchte man da fragen, und überhaupt - Prickelndes,das klingt nach Stößchen, Tussi-Secco passend zum Tussi-Teller oder nach der ewigen Diskussion um die prämierten Discounter-Blubber.

Aber da war doch was ...Was für ein Thema! "Perlen". Endlich mal haben wir am Vinocamp-Wochenende nichts vor, wohnen praktisch um die Ecke, und dann das.
 Soweit zur ersten Reaktion auf die Ankündigung auf Facebook.



Gut. Angemeldet.Tickets für die Party gebucht. Themen für die Sozialen Weinproben gecheckt.

Zu keiner irgendwas im eigenen Keller gefunden (oder eine Idee, wo man kurzfristig was herkriegt, gehabt).

"Old school sparkling - Fokus auf Méthide Ancestral/Rural". Méthode was? Nie gehört. Angemeldet.
Torsten Goffin bietet diese Probe an, erzählt über die Geschichte, die Herkunft, die Faszination - und den möglichen neuen Hype. 15 (?) Weine stehen auf dem Tisch. 15 Überraschungen.

Für alle, die genau so wenig Ahnung vom Thema Methode ancestral haben: Weine, die im Tank/Fass angegoren werden, bei ca. 4-5% Alkohol filtriert und dann auf Flaschen gezogen werden, wo sie, dank verbliebener Hefereste, weitergären. Zum Teil werden sie später dégorgiert, zum Teil bleiben sie leicht trüb, von ziemlich trocken bis sehr süß ist alles dabei.
Unser Fazit: Spannend - nichts für Weintrinker, die eine sichere Bank brauchen. Enttäuschungen sind drin.
Auch Flaschenschwankungen, trotz des Verschlusses mit Kronkorken. Zitat - siehe Überschrift.
Aber eben auch echte Überraschungen und neue Geschmackserlebnisse.

Unser  Favorit:


La Talle aux Loups
Triple Zero
Jacky Blot
Loire
Chenin blanc

Keine Zugabe von Zucker, keine 2. Gärung, keine Dosage. Vin naturel. Ohoh, Orange!

Kräftiges Goldgelb, sehr klar. In der Nase viel Haselnuss, etwas Karamell. Ein fester, cremiger, nussiger Wein, schönes Mousseux, zupackend und lang.

Wow! Danke! Vorurteile, Halbwissen und Ahnungslosigkeit waren die besten Voraussetzungen für eine tolle Probe.

Was uns noch gefallen hat:

Frimousse
"Des bulles en liberté"
Nathanel Parnaudeau
Gaillac

Massig Kohlensäure, überschäumende Flasche, der Tafelschwamm (hochSCHULE) rettet.
Sehr zitronig, apfelig, ziemlich trocken. Gut!



Le 7
Domaine du Fontenay
Côte rouannaise
Véritable Méthode Ancestrale

Hellrosa, süßliche Kirschfrucht. Gamay. (ha! Ich hab's doch gesagt!).
Der Wein mit dem passenden Song - die RN7, die längs durch das Anbaugebiet führt.



Mittwoch, 15. Mai 2013

Alles neu ...

... macht der Mai.

Die Weinberge sind förmlich explodiert. Überall Grün und Gelb und Weiß, an den Stöcken, unter den Stöcken, in den Rebzeilen. Am Wochenende müssen wir mähen.

Und, wichtiger, wir haben gefüllt.
Vergangenen Samstag, mit viel Hilfe der netten Nachbarn, Kollegen und Freunde. Danke dafür.

Unser 2012er ist jetzt auf der Flasche. Wie angekündigt, trocken. Knalltrocken. Mit ordentlich Säure.

Here we go ....

2012 Riesling Kabinett trocken
"Kreuzweise"
Rüdesheimer Magdalenenkreuz
1,0 g Restzucker, ca. 7 g Säure, 11,5 %

In der Nase saftige Steinobstfrucht, weiße Blüten, Orangenschalen, leicht rauchige Mineralik.
Am Gaumen Aprikosen- und Mandarinenfrucht, feine Würze, leicht, aber nicht dünn, eine Art schwebende Eleganz, gute Länge mit mineralischem Abgang.

2012 Riesling Spätlese trocken
"Drei Kreuze"
Rüdesheimer Magdalenenkreuz
4,0 g Restzucker,  ca. 8 g Säure, 12,0%

In der Nase rauchige, fast speckige Töne. Leicht salzig und nussig, kühle Steinobstfrucht.
Auf der Zunge fest und straff, steinige Mineralik, rosa Grapefruit, kühl, tiefgründig,  mit viel Länge.

2012 Riesling Spätlese trocken
"Alte Reben"
Oberdiebacher Fürstenberg
0,5 g Restzucker, ca. 8 g Säure, 12,5 %

In der Nase Zitrus, Reineclaude und grüner Tabak. Zartsüßliche florale Noten, heller Mandelkrokant, tief und mineralisch.
Auf der Zunge frisch, wieder Zitrustöne, helles Steinobst, straff und fest gewirkt, animierende Säure, sehr tiefgründig und klar, kühle Schiefermineralik, bleibt lange, lange am Gaumen. Wucht, Druck, Kraft, das ist ein Langstreckenläufer.



Was ist sonst noch interessant?

Die Namensgebung verlief analog zum ersten Jahrgang - im Rheingau spielen wir mit den Lagennamen, am Mittelrhein heißt die trockene Spätlese "Alte Reben", die halbtrockene (die wir 2012 nicht gemacht haben) "Blauschiefer" und der Kabinett ... warten wir den Jahrgang 2013 ab.

Rüdesheimer Magdalenenkreuz also. "Bekommen" haben wir die wunderschöne Parzelle durch eine schlichte Annonce im lokalen Wochenkäsblatt, da stand der Name für einen Wein sofort fest: Drei Kreuze, dass das geklappt hat! ( Und wie als Bestätigung dröhnte am ersten Lesetag "Altes Fieber" von den Toten Hosen auf SWR3, als ich in den Wirtschaftsweg in den Wingert abbog .. "Drei Kreuze, dass wir immer noch hier sind .."). Soll wohl so sein.

Mit dem zweiten Namen haben wir uns schwerer getan, von "Kreuzlahm" über "Kreuzbrav" bis zu "Kreuzweise" war alles im Rennen. Bis zu dem Abend, an dem wir mit dem Pächter des Weinbergs telefonierten und er zerknirscht gestand, dass der Vertrag von Seiten des Besitzers nicht verlängert worden sei und wir daher nicht wie geplant auch 2013 ... KOCH! Und kreuzweise, ehrlich.

Ach so: Falls irgendeiner unserer geneigten Freunde, Leser, Kunden ... eine Idee hat, wo und bei wem wir im Rheingau bis zu einem halben Hektar Rieslingwingert, GERNE Steillage, gerne alte Anlage, pachten können oder wenigstens in diesem Jahr Trauben kaufen können - bitte, bitte Meldung an uns! 

Jedenfalls: Die Weine sind gefüllt, gehen jetzt zur AP-Prüfung und sind hoffentlich ab Anfang Juni im Verkauf.

Samstag, 27. April 2013

Noch ein schönes Paar, nein, sechs schöne Paare!

Unsere Paar-Posts basieren irgendwie immer auf Einladungen. Pärchenabende, mit Chili con Carne und Chips und einem Stapel DVDs ... nein!!! Scheeheeeerz.

Aber erst die Foodpairing-Einladung von 180° im Dezember und jetzt die vom Deutschen Weininstitut. Ähnlich und doch GANZ anders.

Das Team des Weininstituts hatte nämlich eine Hand voll  Spitzenköche aus Hongkong unter Leitung von Ronald Shao Tak Lung und Leung Kin Sum sowie die einzige weibliche asiatische MW - die umwerfend kenntnisreiche, souveräne und charmante Jeannie Cho Lee - nach Mainz eingeflogen, um im Vorfeld der Weinbörse das Thema "Perfect Pairings - German Wines & Asian Flavours" zu traktieren.

Ein alter Hut. Restsüßer Riesling und asiatische Aromen. Oder?
Ha! Was heißt "asiatische Aromen"? Thaiküche? Korea? Vietnam? China? China ist nicht China, lasst uns über Regionalküchen reden ... ein weites Feld, das hier nur ansatzweise auf- und angerissen wurde und trotzdem eine Ahnung davon spüren ließ, was geht.



Sechs Gänge, je zwei Weine. Und die mitessenden und -trinkenden Anwesenden sollten entscheiden, welcher Wein besser passt.

Schweinshaxensülze mit Sesamöl-Dill-Pesto und großartiger Sojasauce. Dazu 2011er Riesling Kabinett von Vollrads - erstaunlich präsent - und 2012er Münsterer Kapellenberg von Krüger-Rumpf.
Ersterer ein bisschen zu leicht und trocken, letzterer gut, aber zu süß. Eine Spontancuvée gefiel besser, würde aber unter dem strengen Auge des Gesetzes sicher nicht bestehen.


Krebsfleischfarce in sahniger (Béchamel?)Sauce auf der Krebsschale, paniert und frittiert, wie Jeannie anmerkte "a dish from the 1960ies, inspired by british cuisine". Määäächtig, so eine Art chinesische Königinpastetchen, und genauso old-fashioned. Puh. Der begleitende Weißburgunder Spätlese trocken 2011 von den Burkheimer Winzergenossen machte das Ganze noch buttriger, opulenter, sättigender. Die trockene Weißburgunder Spätlese "Im Sonnenschein" vom Wilhelmshof setzte einen frischen Kontrapunkt und gefiel mir und uns sowohl solo als auch als Paar deutlich besser.



Seebarsch, gedünstet, mit Gelbe-Bohnen-Crunch (der mangels gelber Bohnen durch Kichererbsencrunch ersetzt wurde) und grüner Bohnenpaste. Wow. Der Crunch mit leichter Schärfe, die Paste ein feiner Gegenpol. Dazu endlich wieder Riesling: Großes Gewächs 2010 vom Karthäuserhof, und zwar der Eitelsbacher Karthäuserhof, versus Erstes Gewächs 2010 Hölle von Künstler. An dieser Stelle kann ich wegen Befangenheit kein Votum abgeben, ich meine, Künstler! Hölle! Ist mir doch wurscht, ob der andere möglicherweise eventuell unter Umständen besser passen können würde.

Ente. Vielmehr, Entenfilet unter grober Pecannusskruste. Frittiert, was man höchstens anhand der (unten liegenden) Entenhaut sehen konnte. Spätburgunder. 2009 Deutzerhof gegen 2010 Großes Gewächs Centgrafenberg von Fürst. Ein bisschen unfair, mal ehrlich. Ein toller Einsteiger eines hervorragenden Ahrwinzers mit etwas mehr Reife gegen das Flagschiff aus Franken. Unentschieden.


Mehr Fleisch. Rinderbacken, geschmort in süßlicher Sauce mit Maronen, zum_Niederknien_zart. Wobei: Sooo viel anders als mein Brasato, Susas Daube oder ein Ossobuco war das jetzt auch nicht, nur süßlicher. Dazu noch mal Spätburgunder. 2009 Kastanienbusch von Gies-Düppel, ruppig, stinkig, mineralisch, viel Holz, gegen 2011 von Braunewell - schmeichelnd, vergleichsweise gefällig, himbeerige Joghurtgum-Aromen. Hm. Zum So-Trinken den Rheinhessen, zu diesem Essen den Pfälzer.


Puh. Luft holen. Wasser trinken. Mehr Wasser trinken. Das Finale naht.

Jeannie hatte vorher schon gewarnt, dass asiatische Desserts nichts mit dem gemein hätten, was uns als Nachspeise bekannt ist und auch einer komplett anderen Tradition unterlägen. Guter Punkt.


Auf dem Teller: Frittierter Gluten-Krapfen, dazu ein süßes Mandelsüppchen mit Eiweiß und Papayawürfeln.
Hm. Sehr hm. Der Krapfen ein zäher süßer Teigklumpen mit Sesammantel, der sich allen Zerteilungsversuchen widersetzte. Das Süppchen ... eine Art süße Stracciatella mit zarten Blausäurenoten und Papayawürfeln. Tischnachbarn versicherten, das sei ein sehr authentisches Dessert. Ich war zwar schon in New York, aber noch niemals in Hongkong, ich bestelle eh lieber noch mal ein halbes Dutzend Austern nach dem Essen als etwas Süßes, aber das hier hat mich überrascht und ein bisschen fassungslos gemacht. Ich dachte doch immer, dass ich ein Allesfresser bin.

Zum Glück gab es auch dazu Riesling (!!!), 2002 Auslese Brauneberger Juffer-Sonnenuhr von Richter gegen 2003 Auslese Aulerde von Wittmann. Wieder das Künstler-Dilemma ... Wittmann ... Befangenheitsantrag ... am Tisch gab es aber durchaus andere Stimmen.


Fazit? Viel neuen Input zum Thema chinesische/Hongkong-Küche. Aha-Effekte, was Würzung und Weinbegleitung ausmacht. Ein toller Nachmittag. Vielen Dank an alle Beteiligten.

Freitag, 26. April 2013

Weinrallye #62 - Thema: Weine bis 5 €


Eine Diskussion, die eigentlich ein Perpetuum mobile ist. Zu der schon alles gesagt wurde. Nur nicht von allen. Nico von Drunkenmonday lädt zur Weinrallye - mit der Frage "Gibt es guten Wein unter 5 Euro?"

Fällt mir was dazu ein? Ja, mir fällt was dazu ein. Ich bekenne mich schuldig. Ich habe Wein unter 5 Euro gekauft, ich kaufe Wein unter 5 Euro und ich werde auch weiter Wein unter 5 Euro kaufen. Das ist so, das war so und das wird auch so bleiben. 
Und das hat durchaus auch etwas mit meiner Weinsozialisation zu tun. Nein, Ihr denkt falsch.

Weinmäßig sozialisiert wurde ich als Studentin durch den kleinen Weinladen gegenüber meiner Studi-WG in der Göttinger Innenstadt – den es erfreulicherweise auch heute noch gibt.
(In diesem Weinladen habe ich übrigens meine erste Flasche mit einem solchen Mörderkork gekauft, dass der Wein einfach nur untrinkbar war. Und natürlich die teuerste Flasche, die ich da erstanden habe. Aber das ist eine andere Geschichte ..)


Wolfgang Cichon hatte damals einen trockenen Liter von Mosbacher im Sortiment, der meiner Erinnerung nach 5,60 Mark kostete. Also 2,80 Euro. Und einen trockenen Umbrese bianco  für 5 Mark, ebenfalls in der Literflasche, und einen trockenen Umbrese rosso. Damit haben wir ungezählte Doppelkopfrunden, Theaterworkshops, Premieren und Dernieren, Wohnungspartys und Picknicke auf den Schillerwiesen beweint. Das sorgte manches Mal für etwas Unmut, wenn die Kosten umgelegt werden sollten, weil die Mehrzahl meiner Kommilitonen den lieblichen  „Portugiesischen Rosé“ von Aldi Nord vorzogen (Korrigieren zwecklos) oder den trockenen Bongeronde (gibt’s das Zeug noch?), dafür aber gerne zugriffen, wenn es was zu feiern gab und dann den 30-Mark-Nobile di Montepulciano (Geschenk meiner fürsorglichen Eltern) gnadenlos vernichteten. Den fanden wir nämlich alle schweinelecker saugut.

Dann verschlug es mich nach Stuttgart, wo ich im ganz normalen Edeka auf eine erfreuliche Weinauswahl stieß - Verrenberger Lindelberg Fürstenfass trocken von der Weinkellerei Hohenlohe, für ??? 6 Mark den Liter. Ordentliche Genossenschaftsweine für vernünftiges Geld. Gute Weine vom damals noch ganz jungen Wöhrwag und von den bekannten und weniger bekannten Winzern aus dem Remstal. Schöne Pfälzer Rieslinge (die Wochenendausflüge führten häufiger in die Heimat meines Liebsten).
Im Discounter hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Flasche gekauft.


Nächste Station Baden, dann schließlich der Rheingau - ich gebe zu, wenn man in einer Weingegend wohnt und nicht nur nach Namen und Etikett einkauft, ist es sehr viel einfacher, preiswerte Trinkweine zu kaufen als am Niederrhein oder der Flensburger Förde (oder der Hildesheimer Börde)..


Ein gewisse Hasardeursmentalität verführte mich trotz der hervorragenden Versorgungsinfrastruktur irgendwann dazu, auch mal Discounterweine zu kaufen. Probeweise. Warum? Siehe Susas ultimatives 5€-Wein-Bullshit-Bingo

Die schlechte Nachricht ist: Das war vor ... 10 Jahren vielfach grauenhafter Schrott. Das waren die “Marken”weine wie etwa die von Käfer aber auch, eben nur teurerer Schrott. Nicht teurer.
Die gute Nachricht ist: Man kann, ja, auch im Discounter, inzwischen anständige trinkbare Weine kaufen. Ich erspare Euch die Argumente für und wider und verweise erneut aufs 5€-Wein-Bullshit-Bingo, in dem mir nur ein Satz fehlt “Immer nur mit dem Wein kochen, den man auch dazu trinkt.”


Viel Vorrede, jetzt kommt endlich Wein. Den hervorragenden trockenen Kabinett vom Winzer gegenüber kennt Ihr ja schon. Unsere persönliche Neuentdeckung Gerster-Wagner  aus Hattenheim ist auch kein Unbekannter mehr.


Positiv überrascht hat mich bei der Jahrgangsprobe aber der 2012er Riesling
Secco.
Frisch, unkompliziert, schön unsüß, ein leichtes Bizzelweinchen mit Zitrus- und Steinobstaromen und guter Säure. Mit 4,50 Euro ab Hof preiswerter als der im Rheingau sonst weit verbreitete “Rheingauer Leichtsinn”, ein Gemeinschaftsprojekt der “Jungwinzer” - und besser.


Stop! werft Ihr jetzt ein, ja, stimmt, das ist der Ab-Hof-Preis und natürlich verschicken die auch, aber das kostet Porto. Fein. Stimmt.

Wie wäre es dann mit was Rotem aus Spanien - vor ca. einem halben Jahr gekauft, probiert, leider nicht photographiert.

Es gibt den kleinen, exklusiven Weinladen um die Ecke, es gibt die Handelsketten, und es gibt Weindiscounter. 
Da kommt der zweite U5 her - 2008 Verdamor, Monastrell, La Bodega de Pinoso, Alicante. 4,29 Euro. Typischer Duft nach Beeren, auf der Zunge trockene Frucht, spürbare Tannine, mit gutem Willen auch Gewürznoten. Schmeckt, passt, beißt nicht zurück und ist für das Büro-Sommerfest perfekt.


Und einen vom “echten” Weinhändler habe ich noch ... 2012er Auxerrois vom Weingut Pfirmann aus der Pfalz. Probiert auf der Prowein, kaufen kann ich ihn beim Weinhändler mV für 5,10 Euro. Schöne Frucht, netter Schmelz, ein preiswerter Spaßwein auf hohem Niveau.
Da gibt’s übrigens Einiges in der Kategorie Unterm5, auch bei den üblichen Verdächtigen unter den Versendern lassen sich preiswerte Weine finden.


Geht doch.


               

           


Sonntag, 21. April 2013

Österreichische Weine sind ...

...gut. Gut, aber teuer.
Hier schwer zu kriegen.
Jenseits der großen Namen unbekannt.

Noch ein paar Vorurteile gefällig?
Kurz vor der Prowein trafen wir beim Weinhändler u.V. zufällig auf eine Gruppe österreischer Weinfreaks. Sehr kenntnisreich, interessiert, freundlich, offen. Und liefen ihnen am Prowein-Montag wieder über den Weg. Ob wir mal Lust hätten, eher weniger bekannte, dafür um so interessantere Winzer und Weine aus Österreich kennen zu lernen? Immer. Her damit!

First stop: Diem, Weinviertel. 

Grüner Veltliner, 2012, DAC Nussberg.
Knalltrocken, dabei nicht dürr. Nussig, Zitrusfruchtnoten, schön mineralisch, gute Länge.

KN. 2011. Darf nicht Cayenne heißen, Porsche sei Dank.
2011 Grüner Veltliner, zu 20 Prozent im neuen Barrique ausgebaut.
Ein Kracher. Straff, fest, gutes Pfefferl, süßliche Esskastanientöne, rauchige Mineralik. Wow. Kostenpunkt: 11 Euro.

Chardonnay Triftberg 2012
Exotische Fruchtaromen, extrem cremig, straff, sehr fokussiert, wenig, dezent eingesetztes Holz.

Sauvignon blanc Rosenhügel 2012
Tolle Frucht, grüne Paprika, Zuckerschoten, fest und fein, großes Theater, überhaupt nicht überparfümiert und aufdringlich. Und das für 7,70 Euro.

Muskateller Nussberg 2012
Sehr typisch, nussig, Mirabellenfrucht, Reineclauden, zarte Macistöne. Zauberhaft.

Grüner Veltliner Eiswein 2007
GENIAL. Geröstete Mandeln, Kaffeenoten, getrocknete Aprikosen und Birnen, Buttertoffee, alles enorm klar und seidig ... großes, großes Theater.


Quo vadis, Vorurteil?
Vorhang auf für die zweite Runde ...


Freitag, 25. Januar 2013

Weinrallye #59: Exotische Weine / Sein oder nicht sein - Wein im Staate Dänemark

Weinrallye #59Wein aus Dänemark? Und Ananas aus Kanada. Für viele deutsche Weinliebhaber klingt das zunächst wie ein Witz. Was die wenigsten wissen: Dänemark verfügt über Pflanzrechte für 99 Hektar Weinberge. Und es gibt dort bereits 55 Weingüter, die kommerziell produzieren und vermarkten. Dazu kommen Dutzende Hobbywinzer mit Mikro-Rebflächen, die ihre Weine nicht verkaufen dürfen. Dänemark, ein Weinland der Zukunft? Eine Momentaufnahme aus dem Sommer 2012.




Wer etwas über modernen Weinbau in Dänemark wissen will, kommt an Lars Hagermann nicht vorbei. 1975 importierte der gebürtige Schwede und begeisterte Weinliebhaber die ersten Weinreben aus Franken und pflanzte sie in der Nähe des Städtchens Ålsgårde auf Seeland, 50 Km von Kopenhagen an der Nordküste gelegen. In den 80ern vergrößerte er die Rebfläche sukzessive und gründete schließlich 1998 das Weingut „Domain Aalsgaard“


Auf knapp 0,7 Hektar stehen inzwischen rund 2.000 Rebstöcke – ausschließlich weiße Sorten. Frühreife Neuzüchtungen, die auch in Deutschland kultiviert werden, wie Ortega, Kerner und Siegerrebe, aber auch die hierzulande eher unübliche Madeleine Angevine sowie, seit 2005, auch Solaris.

Das Zeitfenster für die Wachstumsperiode ist in Dänemark viel kleiner als in unseren Breiten, die Blüte beginnt später, die Reifephase läuft trotzdem selbst für die „frühen“ Sorten bis in den Oktober. Doch das milde Klima durch die Nähe zum Meer begünstigt den Weinbau, Hagermanns Weinberg „Højbjerg“ – zu deutsch: Hochberg - liegt zudem in einer perfekten Südhangausrichtung. Vorwiegend Lösslehm, zur Talsenke hin auch etwas Kalkstein - Steillage auf dänisch.

Lars hat seinen Weinberg eingezäunt – nicht der Wildschweine wegen, sondern, um Spaziergänger abzuhalten, die gerne ein paar Trauben „probieren“. Ein Warnschild soll auch übermütige Jugendliche fernhalten – mit Erfolg.

Ausgebaut werden die Weine in Edelstahl-Schwimmdeckeltanks. Vier Stück à 300 Liter, dazu einige Glasballons, eine kleine Füllanlage, ein Minilabor. Eine Puppenküche im Verhältnis selbst zu kleinen deutschen Weingütern.

Was als „verrücktes“ Projekt begann, hat längst Rennomé – nicht nur in Dänemark. Der Jahrgang 2009 geriet zum Erfolg. Hagermanns Madeleine Angevine, gelesen Mitte Oktober mit 86 °Oechsle und 7,7 Gramm Säure, wurde 2012 auf dem Nordseeland-Gourmet-Festival als „Bester Weißwein des Jahres“ ausgezeichnet  und setzte sich gegen Konkurrenten aus Deutschland, Frankreich und Deutschland durch. Fast 20 Euro kostete die 0,5-Liter-Flasche – für deutsche Verhältnisse horrende Preise, für dänische Weine eher die Regel als die Ausnahme.

Verkosten können wir aus dem Nachfolgejahrgang Madeleine Angevine, Solaris und Ortega.
Die Weine sind allesamt sehr säuregeprägt, fallen aber auch durch eine deutliche mineralische Note auf.

2010 Madeleine Angevine
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10%
Frischer Duft, Zitrusfrüchte, weiße Blüten, ein bisschen weißfleischige Melone. Auf der Zunge knackige Säure, packende, präsente Frucht, mineralische Noten, feste, gute Länge.

2010 Ortega
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10,5%
In der Nase säuerliche Quitte, etwas Muskatblüte, ein bisschen Birne. Im Mund säuerliche, etwas verwaschene Frucht, Birne Quitte, etwas Bienenwachs. Schöne Länge.

2010 Solaris
Trocken
Domain Aalsgaard
Regionaler Wein aus Seeland
10,5%
Der Wein, mit dem wir am wenigsten klarkommen. Etwas vordergründiger Maracujaduft, frisch, aber nicht übermäßig komplex. Auf der Zunge kernig, ein bisschen rustikal, würzige Noten.

Lars Hagermann empfiehlt seine Weine zu Fisch- und Schalentiergerichten, Nordisk Cuisine, und die dänischen Top-Restaurants haben Domain Aalsgaard selbstverständlich gelistet – neben Weingütern wie Klaus-Peter Keller. Uns serviert er ein Smorrebrod mit gebratenem Ziegenfrischkäse und Bärlauchblüten – und hat auch noch einen Restauranttipp parat. Das „Café Nord“ in Ålsgårde, auf Seeland bekannt als das „kleine Noma“. Exzellente Küche zum vernünftigen Preis.

Zurück zum Weinbau. Die 55 „offiziellen“ Weingüter werden größtenteils im Nebenerwerb betrieben. Dazu kommen noch Hunderte Hobbywinzer, die auf Mikroflächen Reben anbauen.

Kurt Zangenberg hat hinter seinem Haus in Snekkerup einen Weinberg angelegt – 0,4 Hektar klein. Darauf stehen: Rotweinreben. Denn Zangenberg ist „rotweinverrückt“. Wie die meisten Dänen, meint er. 
(Kurzer persönlicher Zwischenruf: Kann ich so nicht bestätigen ...) Léon Millot und Rondo hat er 2005 gepflanzt. Die Reben werden vergleichsweise stark angeschnitten, zwei Bogen, nur ein KiloTrauben je Stock.Der Boden ist in den vorderen Reihen sandig, nach hinten wechselt er zu kiesigem Ton. Das gibt den Weinen einen kräftigen Touch – sagt der Winzer. 



Der Keller: Ein ehemaliger Pferdestall. Die Trauben werden entrappt, in Edelstahltanks fermentiert, durchlaufen eine malolaktische Gärung. Wenn es genug Trauben gibt. Die Bilanz des Jahrgangs 2011: 10 Liter Rondo. Ein kleiner Glasballon.
2010 sah es etwas besser aus, wenn auch mit exorbitanten Säurewerten, die eine Doppelsalzentsäuerung nötig machten. Normalerweise baut Zangenberg die Rotweine sortenrein aus, 2010 gab es auch eine Cuvée.

Wir probieren:

2010
Léon Millot
Gelesen mit 64° Oechsle und 15,2 Gramm Restsäure. 50 Liter Ausbeute. Entrappt, maischevergoren, sieben Monate im Fass ausgebaut – in der sechsten Belegung.
In der Nase Gewürze, schwarzer Pfeffer, wild, fleischig, animalisch, darunter mischen sich mit mehr Luft süßliche Noten. Reife rote Pflaume, Maulbeere, Lebkuchengewürz.
Auf der Zunge fest und straff, rotes Fleisch, Leder, Mokkaschokolade, gute, feste Länge, aber nicht fett und sättigend.

2010
50/50
Léon Millot&Rondo
In der Nase reife schwarze Beeren, Leder, leicht flüchtige Töne, torfige Noten.Auf der Zunge straffe, austrocknende Frucht, gute Säure, schönes Tanningerüst, ziemlich elegant, dabei komplex mit guter Länge.

Ja, wir reden von Rotwein aus Dänemark. Hochinteressant, zu Unrecht unbekannt und wenn bekannt, dann unterschätzt. Noch sind es Orchideenprojekte – aber der Erfolg gibt ihnen jetzt schon Recht.

Zum Abschluss des Schnappschusses zieht es uns doch noch einmal zu einem Weißweinwinzer.

Wobei Kim Møllebro Hansen auch Rotwein im Sortiment hat. Sein Weinberg liegt ebenfalls auf Seeland.
Im Portfolio: Zalas Perle, Cabernet Cortis, Leon Millot. Und Regent. Ursprünglich.
Umgeben von Flieder- und Nussbäumen stehen auf 500 Quadratmetern zehn Reihen à 50 Meter. In der ersten Zeile gibt es erfahrungsgemäß fast keinen Ertrag – der Wind, die Wildtiere, der feuchte Wald.
Dann kommen die Hoffnungsträger. Leon Millot, mittlerweile 100 Stöcke, 30 Stock Cabernet cortis, drei Reihen Rondo. Ursprünglich stand hier Regent. Acht Jahre hat Kim damit experimentiert, die Stöcke wollten und wollten sich nicht eingewöhnen. Zu schwer der Boden, zu viel Sturm und Regen, „sie fühlten sich nicht wohl“, bilanziert der Winzer. Und dann kam jemand aus Korsør, aus der Stadt am Fuß der Großen Beltbrücke, der kaufte die Stöcke, grub sie aus und pflanzte sie auf eine kleine Insel im Belt. Und dort, so berichtet er, wachsen und gedeihen die Reben – dort fühlen sie sich offenbar wohl.

Hier probieren wir den letzten Wein unserer dänischen Momentaufnahme.

2010
Zalas Perle
Bedsted
12%

Duft nach Kiwi, Honigmelone, Orangenblüten und Akazienhonig.
Auf der Zunge schöne, trockene Frucht, Zitrus, rosa Grapefruit, Anklänge von Akazienhonig. Dezent unterlegt von Säure (immerhin 8,6 g!), leicht und zart wirkend, hintenraus nussige Töne mit einem leichten Bitterchen.

Sechs dänische Weine, ein Schnappschuss, mehr nicht. Aber einer, der neugierig macht auf mehr.