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Wissen · Gebirge

Bergwetter

Wer auf einen Berg steigt, wandert durch mehrere Wetter. Oben ist es meist kälter, windiger und sonniger, am Nachmittag oft gewittriger — und manchmal wärmer als im Tal. Diese Seite sammelt, was sich am Berg ändert, verweist auf die Seiten mit den Einzelheiten und prüft mit echten Messungen nach, wie weit die bekannteste Faustregel gerade trägt. Ein Tourenplaner ist sie nicht: Maßgeblich sind die Bergwetterberichte der Wetterdienste, die amtlichen Warnungen und im Winter der Lawinenlagebericht.

Temperatur: kälter mit jedem Höhenmeter — meistens

In der Normatmosphäre, dem Rechenmodell der Luftfahrt, sinkt die Temperatur um 0,65 K je 100 m (Aufbau der Atmosphäre). Das ist ein Mittel über viele Lagen, kein Gesetz für heute. Aufsteigende trockene Luft kühlt sich um rund 1 K je 100 m ab, feuchte Luft, in der gerade Wolken entstehen, nur um etwa 0,5 bis 0,7 K (Wie Wolken entstehen). Das sind Raten für ein aufsteigendes Luftpaket. Wie die Luft an einem Berg tatsächlich geschichtet ist, ist etwas anderes: Das hängt von Sonne, nächtlicher Ausstrahlung und Wetterlage ab. An sonnigen Nachmittagen ist die Luft in den unteren Schichten durchmischt und die Abnahme steiler als die Faustregel, nahe am trockenen Wert. In klaren Nächten und bei winterlichem Hochdruck kühlt der Boden aus, kalte Luft sammelt sich unten, und von oben sinkt Luft ab und erwärmt sich dabei — dann ist die Abnahme viel flacher oder sogar umgekehrt.

Wie das im Mittel aussieht, hat Christian Rolland (2003) an langjährigen Mittelwerten von mehreren hundert Stationen in Norditalien, Tirol und Trentino-Südtirol untersucht: Im Jahresmittel nimmt die Temperatur dort um etwa 0,54 bis 0,58 K je 100 m ab, also etwas langsamer als nach der Faustregel, im Sommer schneller, im Winter langsamer. Das sind Mittel über viele Jahre; an einem einzelnen Tag kann es ganz anders sein.

Wie viel kälter ist es oben? Temperaturunterschied bei drei Beispiel-Gradienten
Höhenunterschiedflach: 0,4 K je 100 mFaustregel: 0,65 Ksteil: 0,9 K
500 m2,0 K3,3 K4,5 K
1000 m4,0 K6,5 K9,0 K
1500 m6,0 K9,8 K13,5 K
2240 m (Garmisch bis Zugspitze)9,0 K14,6 K20,2 K

Gerechnet von dieser Seite. Die drei Spalten sind Beispiele, keine Häufigkeiten; Inversionen, bei denen es nach oben wärmer wird, kommen noch dazu. Wer die Temperatur am Ziel abschätzt, rechnet deshalb besser mit einer Spanne als mit einer Zahl.

Skizze dreier Temperaturverläufe zwischen Tal (rund 720 m) und Gipfel (rund 2960 m), gezeichnet als Abstand zum Talwert. Nach der Faustregel ist es oben 14,6 Grad kälter. An einem sonnigen Sommernachmittag nimmt die Temperatur in den unteren Schichten schneller ab, und oben ist es noch kälter. Bei winterlichem Hochdruck liegt Nebel im Tal, darüber wird es in einer Inversionsschicht wärmer, und am Gipfel ist es kaum kälter als unten. Nebel im Tal 1000 m 2000 m Gipfel Tal −20 K −10 K Talwert +10 K kälter als im Tal ← → wärmer als im Tal Inversion −14,6 K Faustregel Sommer, sonnig Winter, Hochdruck
Skizze, keine Messung: drei Formen, die der Temperaturverlauf zwischen Tal und Gipfel annehmen kann, jeweils als Abstand zum Talwert. Gestrichelt die Faustregel mit 0,65 K je 100 m — auf gut 2200 Höhenmetern sind das 14,6 K. Sommer- und Winterfall sind gezeichnet, nicht nachgemessen; wie es gerade wirklich ist, zeigt die Probe weiter unten.

Wie Wetterseiten den Berg rechnen — auch diese

Ein Wettermodell kennt keinen Gipfel, nur Gitterkästchen mit einer mittleren Geländehöhe. Open-Meteo, die Quelle der Vorhersagen auf dieser Seite, sucht deshalb ein Kästchen mit ähnlicher Höhe aus und verschiebt die Temperatur dann mit einer festen Rate von 0,65 K je 100 m auf die Höhe eines feinen Geländemodells mit 90 m Raster — für den Zugspitzgipfel sind das 2924 m, knapp unter dem echten Gipfel. Das ist meist besser als nichts. Aber es ist dieselbe Faustregel wie oben. Wie stark sie wirkt, hängt davon ab, wie weit die Höhe des Kästchens und die Zielhöhe auseinanderliegen. Im groben Gitter der Reanalyse im Beispiel unten liegen Garmisch und Gipfel im selben Kästchen; der ganze Unterschied zwischen beiden kommt dort aus der festen Rate. Beim feinen Vorhersagemodell liegen Kästchen und Zielhöhe vermutlich viel näher beieinander — wie nah, steht nicht in der Antwort, denn sie nennt nur die Zielhöhe, nicht die Höhe des Kästchens. An Tagen, an denen die Faustregel nicht stimmt, kann deshalb auch die Vorhersage für den Gipfel danebenliegen, umso mehr, je größer dieser Abstand ist.

Wie weit das geht, zeigt ein Beispiel von der Seite Klimavergleich: Im Jahresmittel liegen Garmisch (710 m) und der Zugspitzgipfel (2924 m) in Open-Meteos Reanalyse 14,4 K auseinander. Nachgerechnet ist das auf die Hundertstel genau der Höhenunterschied von 2214 m mal 0,65 K je 100 m — die feste Rate selbst. Beide Punkte liegen im selben Feld der Reanalyse; der Unterschied ist eine Umrechnung, keine Beobachtung. Wie groß er wirklich ist, können nur Messungen sagen — darum die Probe weiter unten.

Wind am Grat

Mit der Höhe bremst der Boden den Wind weniger, und über Graten, Sätteln und Pässen wird die Strömung zusammengedrängt und schneller. Hinter dem Kamm, im Lee, kann es böig und verwirbelt werden (Turbulenz). Den stärksten in Deutschland gemessenen Windwert, 335 km/h, hat deshalb kein Küstenort, sondern die Zugspitze (Wetterrekorde). Bei Föhn fegt der Wind besonders heftig über die Kämme; an ruhigen Sommertagen wehen stattdessen Hang- und Talwinde, die im Lauf des Tages die Richtung wechseln (Lokale Winde).

Wind macht Kälte spürbar. Ein Beispiel, gerechnet mit dem Wind-Chill-Index des Windkühle-Rechners: Im Tal 20 °C und windstill, am Gipfel 2240 m höher nach Faustregel etwa 5 °C — bei 50 km/h Wind fühlt sich das für die Haut an wie etwa 0 °C. Wer im T-Shirt losgeht, braucht oben eine Jacke, auch im Sommer.

Ehrlich dazu: Die Windwerte einer Wetterseite gelten für 10 m über einem geglätteten Modellgelände. Einen Grat kennt ein Modell mit wenigen Kilometern Gitterabstand nicht (Modelle). Wie viel stärker der Wind oben weht, hängt von Form und Anströmung ab — einen festen Faktor dafür gibt es nicht, und diese Seite erfindet keinen. Die Probe weiter unten stellt gemessenen Gipfelwind und Modellwind nebeneinander.

Gewitter: am Nachmittag, und oben zuerst

An sonnigen Sommertagen heizen sich die Hänge schneller auf als die freie Luft in gleicher Höhe. Warme Luft strömt die Hänge hinauf und läuft über den Kämmen zusammen. Deshalb quellen die ersten Wolken oft über den Bergen, während das Vorland noch klar ist, und Schauer und Gewitter setzen im Gebirge häufig früher am Tag ein als in der Ebene. Wie ein Wärmegewitter entsteht, steht bei Hitzegewitter, die Physik dahinter bei Gewitter, die Kennzahlen für deinen Ort bei Gewitterpotenzial.

Für eine Tour heißt das: früh los, Grate und Gipfel vor dem Nachmittag hinter sich lassen und auf Quellwolken achten, die schnell in die Höhe wachsen. Wie man sich verhält, wenn es doch blitzt, steht bei Gewitter; wie weit ein Einschlag ungefähr weg war, rechnet die Gewitter-Stoppuhr — als Spanne. Oberhalb der Nullgradgrenze kann ein Gewitter auch im Sommer Graupel oder Schnee bringen (Schneefallgrenze).

Ehrlich dazu: Ob ein Tag gewitteranfällig ist, lässt sich oft ein bis zwei Tage vorher grob abschätzen. Wo und wann genau eine Zelle entsteht, sagt die Vorhersage nicht. Eine niedrige Gewitterwahrscheinlichkeit für den Talort heißt nicht, dass der Gipfel darüber trocken bleibt.

Inversion: wenn es oben wärmer ist

Bei ruhigem Hochdruckwetter, vor allem im Herbst und Winter, sammelt sich kalte Luft in Tälern und Becken; darüber ist es milder und oft sonnig (Temperaturinversion). Liegt an der Obergrenze der Kaltluft Hochnebel, schaut man von oben auf ein Nebelmeer (Nebel).

Für Wanderer ist das die Lage, in der die Faustregel am gründlichsten versagt: Wer im grauen, kalten Tal losgeht, kann nach einigen hundert Höhenmetern in der Sonne stehen und es oben wärmer haben als unten. Glätte hält sich dann eher im Tal und an schattigen Nordhängen (Glätte, Frost), und es kann im Tal schneien, während es weiter oben regnet.

Ehrlich dazu: Für Vorhersagen ist das eine der schwierigsten Lagen. Wie dick die Kaltluft ist und ob sich der Nebel am Nachmittag auflöst, hängt an wenigen Zehntelgrad und wenigen Dutzend Metern. Und die feste Umrechnung zeigt dann in die falsche Richtung: Talorte kommen eher zu warm heraus, Hänge in der warmen Schicht zu kalt.

UV: oben mehr, auch wenn es kalt ist

Die UV-Strahlung nimmt mit der Höhe zu — nach Angaben des DWD um etwa 8 bis 10 % je 1000 m, nach der WHO um 10 bis 12 %. Die beiden Spannen decken sich nicht ganz; beide stehen mit Quelle auf der Seite UV-Index. Frischer Schnee wirft dazu bis zu 80 % der Strahlung zurück. Kühle Luft und Wind täuschen: Die Haut spürt Wärme, keine UV-Strahlung. Wer mit dem UV-Index des Talorts auf den Gipfel geht, rechnet besser mit dem oberen Ende und denkt an den Schnee. Was Wolken dabei ausmachen, zeigt UV und Wolken.

Nachgemessen: Garmisch und die Zugspitze, jetzt

Ob die Faustregel gerade trägt, lässt sich dort prüfen, wo Tal und Gipfel beide eine Wetterstation haben. Zwischen der DWD-Station Garmisch-Partenkirchen auf 719 m und der Wetterwarte auf der Zugspitze liegen rund 9 km Luftlinie und gut 2200 Höhenmeter. Die Box holt die jüngsten Meldungen beider Stationen und den Modellwert von Open-Meteo für den Gipfel und stellt sie nebeneinander: gemessen, nach Faustregel, gerechnet.

Dabei steckt eine Feinheit im Modellwert. Open-Meteo rechnet die Temperatur schon selbst mit einer festen Rate von 0,65 K je 100 m auf die Höhe des Gipfels um (so steht es im Quelltext der Schnittstelle; für diesen Punkt nannte sie beim Klimavergleich 2924 m, die Box zeigt die Höhe der aktuellen Antwort). Was zwischen Modell und Gipfelmessung übrig bleibt, ist deshalb der Restfehler dieser festen Rate — zusammen mit dem Fehler des Modells selbst. Auseinanderhalten lässt sich beides von hier aus nicht: Wie groß der Anteil der festen Rate ist, hängt davon ab, wie hoch das Gitterkästchen des Modells liegt, und das verrät die Antwort nicht. Beim feinen Vorhersagemodell ist der Abstand vermutlich viel kleiner als die gut 2200 m zwischen Tal und Gipfel. Groß wird der Rest vor allem bei Inversionen.

Eine Regel aus einem eigenen Fehler

Diese Seite hat schon einmal einen Wert aus Garmisch-Partenkirchen als „Zugspitze“ angezeigt: Der Name kam aus dem einen Feld, der Wert aus einem anderen (Methodik). Die Box nimmt einen Gipfelwert deshalb nur, wenn Bright Sky für genau diesen Wert die Station Zugspitze als Quelle nennt, nicht nur für den Datensatz, in dem er steht. Sonst steht dort offen: kein Gipfelmesswert verfügbar. Die Lücke füllt sie weder mit dem Talwert noch mit einem Modell.

Noch nichts geladen. Erst nach deinem Klick fragt dein Browser bei Bright Sky, einer freien Schnittstelle zu den Daten des DWD, die Meldungen der beiden Stationen ab und bei Open-Meteo den Modellwert für den Gipfel. Gespeichert wird nichts.

So rechnet die Box
  • Messungen: Bright Sky, Abfrage current_weather mit Koordinaten und einem engen Umkreis (Gipfel 3 km, Tal 8 km um den Ortskern), damit kein Ersatzwert von einer anderen Station kommen kann. Zusätzlich wird für jeden Wert die Quelle nachgeschlagen, die ihn wirklich geliefert hat (fallback_source_ids): Sie muss eine Messung sein und Zugspitze bzw. Garmisch heißen. Die Stationshöhen kommen aus derselben Antwort.
  • Zeit: Die Uhrzeit ist die der jüngsten Meldung der Station. Der Temperaturwert kann aus einer etwas älteren Meldung stammen, höchstens 90 Minuten alt: Bright Sky nimmt für jedes Feld den jüngsten Wert, der nicht leer ist.
  • Gradient: (Talwert − Gipfelwert) geteilt durch den Höhenunterschied, mal 100. Gerechnet wird nur, wenn die jüngsten Meldungen beider Stationen höchstens 60 Minuten auseinanderliegen und die Stationen mindestens 1000 m Höhenunterschied haben.
  • Faustregel: Talwert minus 0,65 K je 100 m Höhenunterschied.
  • Modell auf Stationshöhe: Open-Meteos Wert, mit derselben festen Rate von der gemeldeten Höhe auf die Stationshöhe verschoben — also genau die Rechnung, die Open-Meteo selbst macht, wenn man ihm die Höhe vorgibt.
  • Einstufung (eine Faustregel dieser Seite, keine amtliche Einteilung): Maßstab ist, wie weit die Faustregel am Gipfel danebenliegt. Unter 0 K je 100 m: Inversion. Liegt die Faustregel am Gipfel höchstens 1,5 K neben der Messung, gilt sie als passend (zwischen Garmisch und Zugspitze entspricht das etwa 0,58 bis 0,72 K je 100 m). Sonst flacher oder steiler als die Faustregel; ab 0,85 steil, nahe am trockenen Wert; über 1,05 ungewöhnlich steil.
  • Wind: gemessen als Mittel über 10 Minuten und stärkste Böe darin; das Modell liefert Wind in 10 m Höhe über seinem geglätteten Gelände.

Was diese Seite am Berg nicht kann

Vor der Tour: fünf Fragen

  • Was sagen ein Bergwetterbericht eines Wetterdienstes oder Alpenvereins und die amtlichen Warnungen?
  • Wie kalt wird es am Ziel? Als Spanne rechnen, etwa 0,4 bis 0,9 K je 100 m, und den Wind dazu (Windkühle-Rechner).
  • Ist der Tag gewittrig? Dann früh los und vor dem Nachmittag weg von Graten und Gipfeln (Gewitterpotenzial).
  • Liegt Kaltluft im Tal? Dann kann es oben wärmer und sonniger sein — und im Schatten glatt.
  • Im Winter und Frühjahr: Was sagt der Lawinenlagebericht?

Quellen

Temperaturabnahme: DWD, Wetterlexikon (adiabatische Zustandsänderung, Inversion) und Thema des Tages zur Schneefallgrenze (0,65 K je 100 m) — dwd.de; Normatmosphäre nach ISO 2533. Gebirgsmeteorologie allgemein: Whiteman, C. D. (2000): Mountain Meteorology: Fundamentals and Applications, Oxford University Press; Barry, R. G. (2008): Mountain Weather and Climate, 3. Auflage, Cambridge University Press. Mittlere Gradienten in den Alpen: Rolland, C. (2003): Spatial and Seasonal Variations of Air Temperature Lapse Rates in Alpine Regions, Journal of Climate 16, 1032–1046 — journals.ametsoc.org.

Open-Meteo: Dokumentation der Parameter elevation und cell_selection und der Jetzt-Werte — open-meteo.com; die feste Rate von 0,0065 K je Meter, angewandt auf den Abstand zwischen Modellhöhe und Zielhöhe, steht im Quelltext (Datei GenericReader.swift, gelesen am 30.09.2026) — github.com/open-meteo/open-meteo. Die Zahlen zu Garmisch und Zugspitze (710 und 2924 m, 8,87 und −5,52 °C) sind am 04.08.2026 für die Seite Klimavergleich nachgemessen worden.

Messwerte: Bright Sky, freie Schnittstelle zu den Daten des DWD, Abfrage current_weather (SYNOP-Meldungen der letzten anderthalb Stunden, je Feld der jüngste vorhandene Wert, Ersatzwerte über fallback_source_ids) — brightsky.dev, Quelltext github.com/jdemaeyer/brightsky. Stationshöhe Garmisch und Höhenunterschied zur Zugspitze wie auf der Seite Methodik.

Weitere Zahlen mit ihren Quellen auf den verlinkten Seiten: UV-Zunahme und Schneereflexion (DWD, WHO) auf UV-Index, der Windrekord der Zugspitze (DWD) auf Wetterrekorde, die Wind-Chill-Formel (Environment Canada und US National Weather Service, 2001) auf dem Windkühle-Rechner. Tabelle, Rechenbeispiel und Skizze stammen von dieser Seite. Die Angaben sind zusammengefasst, nicht wörtlich zitiert.