#Alltagsgedanken
Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen. Sie ist zwar schon eine Weile her, aber jedes Jahr an Ostern fällt sie mir wieder ein und spukt in meinem Kopf herum. Wisst ihr eigentlich wie das Dorf heißt, in dem ich geboren wurde? O s t e r s p a i ; )
Als ich ein kleines Mädchen war, liefen wir Geschwister über die Feldwege und Wiesen, unweit des Dorfes in dem wir aufgewachsen sind. Wir sprangen über kleine Zäune, Gräben und umgefallene Bäume. Um uns herum zugewucherte Wiesen und Waldflächen, so weit das Auge reichte. Halbverfallende Gartenhütten, verlassene Gärten um die sich keiner mehr kümmerte. Verwuchterte Zäune, wild zugewachsen mit Gestrüpp, alten Kirschbäumen und wilden Kräutern deren Namen ich bis heute nicht kenne, die aber wunderschöne Blüten hervorbrachten. Nicht selten machten wir uns bei unseren Streifzügen die Knie schmutzig, oder scheuerten sie uns auf an Hecken oder Ästen, die über die Wege wuchsen. Das Gras piekste an den kurzen Beinchen, während wir über die Wiesen liefen und wilde Blumensträuße pflückten. Mit Himmelschlüssel, Kuckucksblumen und Arme voller Wiesenschaumkrautwolken kehrten wir flink nach Hause, um alle verfügbaren Eimer, Blechdosen und Weckgläser mit Wasser zu befüllen und mit unseren Wildblumen Arrangements zu bestücken. Wir Mädchen eröffneten auf dem Gartentisch einen Verkaufsstand und hofften darauf, dass die Großmutter uns ein Sträußlein abkaufte.
Im Frühjahr hatten wir Steinchen und leere Schneckenhäuser in den Hosentaschen. Im Herbst Tannenzapfen, Nüsse und glänzende Kastanien. Im Sommer stopften wir uns den Bauch mit Kirschen voll bis wir das Gefühl hatten beinahe zu platzen. Im Winter zogen wir unsere Schlitten hinauf auf die Weiden, um sie mit voller Fahrt wieder herunterzurutschen. Unser Leben als Dorfkinder war herrlich
und einfach, wir waren täglich draußen in der Natur unterwegs. Es waren andere Zeiten.
Ich erinnere mich an Osterspaziergänge, am Rand eines größeren Waldes, entlang eines schmalen Feldweges. Der Wald erschien er mir damals groß und verzaubert, aber das spielt in meiner Geschichte keine besonders große Rolle. Alles roch nach Frühling und Freiheit. Die ersten Schmetterlinge tanzten in der Wärme und das Leben kehrte nach dem Winter zurück. Wir, die kleineren Geschwister liefen und hüpften voran und hielten heimlich Ausschau nach dem Osterhasen, an den wir natürlich nicht mehr glaubten. Jedenfalls nicht offiziell. Bis da plötzlich auf dem Weg zwischen Klee und Grasbüschen glänzende Papierchen in der Sonne blitzen. Überrascht blieben wir stehen und nahmen die bunten Papierchen unter die Lupe, die sich bei näherer Betrachtung als Schokoladen- und Zuckereier entpuppten. Wie vom Himmel auf den schönen Weg gefallen, direkt vor unsere Füße, lag das kleine Glück in buntes Glitzerpapier gewickelt. Für uns Kinder die schönsten Leckereien!
Vor lauter Freude fiel uns gar nicht auf, dass die größeren Geschwister uns mit wissender Miene und einem verräterischen Grinsen uns folgten und amüsiert dabei zusahen, wir wir unsere Errungenschaften in die Hosentaschen steckten. Ich habe wirklich nie mitbekommen, wie sie die Eier an uns vorbei auf den Weg schmuggelten. Eierweitwurf vermutlich, aber eigentlich spielt es gar keine Rolle. Manche Geschichten sollte man einfach nicht immer hinterfragen, sondern zu den anderen Dingen in die Hosentasche stopfen. Man sollte sich ein paar Dinge bewahren, so unpopulär sie im ersten Augenblick vielleicht auch erscheinen mögen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran, das es die großen Geschichten sind die uns im Gedächtnis bleiben. Viel mehr glaube ich daran, das es die unscheinbaren sind, die uns aus- und glücklich machen.
Noch heute setze ich mich gerne in mein Auto, um die Stadt hinter mir zu lassen und in das Dorf zu fahren, in dem ich aufgewachsen bin. Hier scheint die Welt noch still, die Straßen nicht so stark befahren und der Wald so lebendig. Manches mal laufe ich den "Osterweg", der mir viel winziger als damals erscheint, aber noch so vertraut. Zwischen morschen, zugewucherten Bäumen blühen wieder die Himmelsschlüssel und lassen mich staunen. Ich spüre den Geruch den Frühlings der sich über den Weg legt und höre dem Specht zu, der irgendwo in der Nähe unermüdlich an einem löchrigen Baum klopft. Ein Greifvogel zieht über mir am Himmel seine Kreise und genau in diesem Moment fühle ich mich erfüllt und unglaublich zufrieden. Und weiß, alles wird wieder gut.
Wunderschöne Ostern mit vielen kleinen, großen Geschichten. Und alles Liebe. xox, Meisje