„Nighthawks“ Game-Stills
Wadjet Eye
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Vampir-Game „Nighthawks“: Im Schatten des Pornofilters

Um ein Haar hätte das Blutsaugerrollenspiel der Point&Click-Spezialisten Wadjet Eye Games wegen eines von Steam vergebenen „Adults only“-Labels nicht regulär erscheinen können. Der Fall rückt das problematische Zensurregime der großen Downloadplattformen wieder ins Rampenlicht.


„Getting our game classified as porn was not on my bingo card“, das sagt Dave Gilbert, Gründer und Chef des Entwicklerstudios Wadjet Eye Games. Letzte Woche , nur wenige Tage vor dem geplanten Verkaufsstart des lange angekündigten Vampir-RPGs „Nighthawks“, war das Spiel von Steam unvermittelt mit dem Label „Adults Only“ kategorisiert worden.

„There was a bit of disbelief at first. There was a lot of confusion and quite a lot of panic as we scrambled trying to figure out what to do.“ Seit 20 Jahren steht das Studio in Brooklyn für großartige klassische Point&Click-Adventures. Als Entwickler und Indiepublisher haben die Amerikaner bei Genrefans heiß verehrte Spiele wie „Gemini Rue“, „Unavowed“, „Old Skies“ und viele andere auf den Markt gebracht.

Vampire vs Monopolisten

„Nighthawks“, nach langen acht Jahren Entwicklungszeit endlich fertig, unterscheidet sich ein bisschen vom Rest des Portfolios. Das Vampir-RPG, in dem wir einen neugeborenen untoten Blutsauger spielen, in einer Welt, in der Vampire offen neben Menschen leben, ist kein klassisches Point&Click-Game, sondern eher eine komplexe Visual Novel mit zahllosen Nebenhandlungen und Rollenspielanteil.

Thema und Ton sind erwachsen – aber weit von expliziten Sexdarstellungen entfernt. Dass völlig ohne Angabe von Gründen die Klassifizierung als „Adult Only“ erfolgte, also das Label tausender billiger Sex- und Pornogames, war für ein kleines Indie-Studio wie Wadjet Eye Games eine existenzbedrohende Katastrophe. Die handfesten Folgen: Das Spiel wäre im Store standardmäßig Millionen Spieler:innen verborgen geblieben, in manchen Ländern, wie etwa Deutschland, hätte es unter Umständen gar nicht verkauft werden dürfen. Problematisch – besonders bei der De-facto-Monopolstellung von Steam.

„Steam has no real competition“, bestätigt Gilbert. „There are other platforms, but they don’t hold a candle to Steam. The gamers aren’t going to move to another platform. A lot of folks in my position rely on Steam for their livelihood. What are we going to do? Not sell on Steam? That is a fear that a lot of developers have.“

„Nighthawks“ Game-Still
Wadjet Eye

Zensurgefahr von ultrakonservativer Seite

Die Vorwürfe, große Plattformen wie Steam oder auch Epic würden ihre Quasi-Monopolstellungen für Zensur missbrauchen, sind bereits letztes Jahr lautgeworden; im Sommer 2025 verschwanden auf Druck diverser US-Zahlungsabwickler tausende sexuell explizite Spiele, aber auch queere Games mit LGBTQ-Themen unter den virtuellen Ladentischen – verantwortlich dafür war Kampagnendruck rechtskonservativer Aktivisten. Ende letzten Jahres wurde aber auch der politischen Gamesgroteske „Horses“ ohne Angabe von Gründen die Veröffentlichung auf Steam und Epic verwehrt.

„Nighthawks“ darf nun im Gegensatz dazu doch erscheinen. Dave Gilbert hat seinen Fall in den Sozialen Medien publiziert, die Fangemeinde von Wadjet Eye Games hat gegen die Entscheidung mobilisiert – letztlich doch noch mit Erfolg. Kurz vor Verkaufsstart hat Steam seine Entscheidung doch noch revidiert und „Nighthawks“ darf nun ohne Restriktion erscheinen.

Die Aufregung um „Nighthawks“ hatte diesmal ironischerweise sogar positive Auswirkungen, so Gilbert: „There was a lot of extra attention that was put on the game, and I’m very grateful for that. And I’d be lying if I said we weren’t in a better position now than we were before this whole thing started. But I’ll be just as happy to not ever have to go through something like that ever again.“

Viel Lärm um – ein großartiges Spiel

Die Aufmerksamkeit hat „Nighthawks“ auch aus anderen Gründen verdient, denn das clevere Rollenspiel darf sich in Sachen Entscheidungsfreiheit, großartige Figuren und sich weit verästelnde Handlung zu den Highlights narrativer Spiele des Jahres zählen. Vampirfans haben nach „The Blood of Dawnwalker“ somit heuer schon das zweite gelungene Blutsauger-Game zu feiern.

Die Sache wirft aber erneut ein Schlaglicht auf die außerordentliche Position, die großen Vertriebsplattformen wie Steam im Medium Videospiele zukommt: Ihre De-Facto-Monopolstellung macht sie zu Tugendwächtern, die fast grenzenlose Macht und allzu oft das letzte Wort haben, was im Medium überhaupt eine Bühne bekommt.