Pilnacek-U-Ausschuss: Nö. Polizeichef nahm Beamte in Schutz
Der Pilnacek-Untersuchungsausschuss ist heute in seinen zweiten Befragungstag dieser Woche gegangen. Als Auskunftspersonen geladen war am Vormittag der niederösterreichische Polizeichef Franz Popp.
Er schilderte zunächst, wie er vom Tod des ehemaligen Justizsektionschefs Christian Pilnaceks in der Donau bei Rossatz erfahren hatte, und die Stunden danach. Seine Beamten nahm er in Schutz, auch habe er sich für Schulungen in Vorbereitung auf den U-Ausschuss eingesetzt.
Bereits vor Bekanntwerden von Pilnaceks Geisterfahrt in der Nacht vor dessen Tod habe er „ein paar Telefonate geführt“. Nachdem er über Pilnaceks Tod informiert wurde, habe er unter anderen mit einem Pressesprecher sowie mit dem Anwalt der Familie von Pilnaceks Witwe Caroline List telefoniert. Der Anruf sei eine Entschuldigung dafür gewesen, dass diese über Medien von dem Tod erfuhr.
Popp: Für Schulungen eingesetzt
Aus Gesprächen mit dem Pressesprecher habe er erfahren, dass die ermittelnden Beamten Fremdverschulden ausschließen. „Vieles hat auf Suizid hingedeutet, und das war auch mein erstes Gefühl.“
Zu den konkreten Ermittlungen könne er wenig sagen. So könne er auch nicht sagen, ob die Staatsanwaltschaft Krems vor der Herausgabe von Pilnaceks Handy informiert wurde, antwortete er auf eine Frage von NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke.
Immer wieder wurde zuletzt Kritik am Innenministerium laut, nämlich dass die zahlreichen geladenen Polizisten auf den U-Ausschuss vorbereitet wurden. Erst heute Früh meinte SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer, „dass Beamte im Innenministerium für U-Ausschüsse besser geschult werden als für ihre tägliche Arbeit“. Popp betonte, dass er sich für Schulungen für seine Kolleginnen und Kollegen eingesetzt habe.
Schlagabtausch zwischen ÖVP und FPÖ
Die erste Fragerunde wurde heute von Wotschke eröffnet. Dabei ging es großteils darum, welche Schulungen und Vorgaben es zur Spurensicherung am Tatort gibt. Wotschke und ihre grüne Kollegin Nina Tomaselli kritisierten, dass sich innerhalb der Polizei niemand für Fehler zuständig fühle.
Bereits vor Beginn ortete FPÖ-Abgeordneter Gernot Darmann bei ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger „parteipolitischen Verfolgungswahn“, wurde aber auch schon davor persönlich: „Ich glaube, dass ihm wohl der mögliche Hagelschlag und das sommerliche Wetter zusetzt.“ Hanger begrüßte zuvor Journalisten und Journalistinnen zu „einem weiteren Tag im FPÖ-Steuergeld-Verschwendungsausschuss“.
Telefonate von Takacs im Fokus
Im Anschluss soll heute noch der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, aussagen. Bereits gestern Nachmittag war Bundespolizeidirektor Michael Takacs befragt worden. Im Fokus standen Telefonate von Takacs nach dem Auffinden der Leiche des ehemaligen Justizsektionschefs.
Hilfe im Krisenfall
Berichte über (mögliche) Suizide können bei Personen, die sich in einer Krise befinden, die Situation verschlimmern. Österreichweit und in den Bundesländern gibt es Anlaufstellen, die Rat und Unterstützung im Krisenfall anbieten.
Die österreichweite Telefonseelsorge ist ebenfalls jederzeit unter 142 gratis zu erreichen. Hilfe für Jugendliche und junge Erwachsene bietet auch Rat auf Draht unter der Nummer 147.