In Sauna laufen
Schweißströme Wangen runter
Nabel läuft über
In Sauna laufen
Schweißströme Wangen runter
Nabel läuft über
Da heute nur eine kurze Etappe auf dem Plan steht, frühstücken wir in aller Ruhe mit Smoothie, Wassermelone, Blaubeeren, Joghurt, Quarktasche, Madeleine und grünem Tee in unserer Ferienwohnung. Nachdem ich den Schlüssel in den Briefkasten geworfen habe, öffnet die Hausherrin und wir plauschen noch etwas. Sie hat gerne Gäste wie uns, die nur eine Nacht bleiben.
Wettermäßig bleibt es heute kühl um die 15 Grad und bewölkt, am Nachmittag kommt etwas die Sonne raus.
Der Vormittag steht im Zeichen des Rhönpaulus, eines Räubers aus dem 18. Jahrhundert, um den sich viele Geschichten ranken. Er soll wie Robin Hood nur die Reichen bestohlen haben, den Armen hingegen gegeben haben. Da er sehr gewitzt war, konnte er immer wieder flüchten, wurde aber dann in einem Holzkasten, den man in Dermbach im Heimatmuseum besichtigen kann, nach einem Verrat gefangen und in einem Geheimprozess zum Tod durch Strang verurteilt. Wir machen unsere erste Pause an „seinem“ Rastplatz. In der Schatulle schlummert ein Schatz von hunderten Münzen. Der Führer einer Gruppe, die sich bald zu uns gesellt, weist darauf hin, dass es problematisch wäre, einen Räuber zu bestehlen.
Später kommen wir noch zu einer Stelle im Wald, wo die Höhle gewesen sein soll, in der er sich versteckt haben soll. Sie liegt sehr steil am Hang, der Eingang scheint groß genug für einen Fuchs, aber nicht für einen Menschen.
Außerdem gibt es hier im Wald einen alten Eibenbestand. Es wird natürlich auf die hohe Giftigkeit (alles außer der Frucht), aber auch die Biegsamkeit des Holzes hingewiesen, das dadurch z.B. ideal für Armbrüste war.
An der anderen Seite des Waldes liegt die Wiesenthaler Schweiz, wo auf der Wiese jede Menge Wacholderbüsche stehen.
Wir können hier einen Rotmilan beobachten, den ich mit dem 30er Zoom nach längerem Suchen im Himmel irgendwie in die Smartphonekamera kriege.
Wir kommen an einem Gänsehof vorbei. In einem Bogen geht es nun knapp an Wiesenthal vorbei einen Wiesenhang entlang. Kurz vor dem Eintritt in den Wald schwingen sich gerade zwei Reiterinnen und ein Reiter auf ihre Pferde, die uns Platz machen. Hier oben steht ein Schäferwagen. Da gerade die Sonne rauskommt, lege ich mich in den Schatten einer Reihe von Nadelgewächsen auf die Wiese. Nichts ist entspannender.
Vom Horn (578 m), zu dem es steil hinauf durch den Wald geht, können wir noch einmal einen wohl letzten Blick zum langgestreckten Höhenzug der Wasserkuppe links im Hintergrund werfen. Der Ort weiter vorne ist Roßdorf.
Der Abstieg gestaltet sich sehr angenehm und gelenkfreundlich über einen langsam abfallenden Waldweg. Man sieht, dass die Natur wenig Rücksicht nimmt auf menschliche Wegmarkierungen.
Als wir aus dem Wald treten, hören wir in der Ferne ohrenbetäubenden Lärm. Zwei Mähdrescher mähen nebeneinander ein Rapsfeld und fahren nur knapp neben uns vorbei. Bauern auf Erntemaschinen grüßen wir grundsätzlich mit Handzeichen und sie grüßen auch meist zurück. Man hört ja auch immer wieder von meist tödlichen Unfällen mit Spaziergängern oder Radfahrern, die oft in der Dämmerung geschehen. Über den Mähdreschern kreist eine Handvoll Milane, die wohl auf fette Nagetierbeute spekulieren.
Wir kommen nun in unserem Landhotel in Bernshausen an, wo wir erst einmal im Garten einen Kaffee zu uns nehmen. Wir werden hier später auch zu Abend essen, meine Rinderroulade mit Rotkohl und (gebratenem) Kloßtaler mundet mit dem Rhönbier aus Kaltennordheim, wo wir vorgestern nächtigten, hervorragend. Ob der Schriftzug auf dem Bier allerdings wirklich in Fraktur sein muss?
Später gehe ich noch in die Sauna, wo mich die beleuchteten Holzscheite an der Innenwand faszinieren, die ganz langsam ihre Farbe ändern. Später schlafe ich wie ein Stein.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Saunawand changiert
Gestapelte Holzscheite
Gelb, grün, blau, rot, gelb…
Ein Quiz, ein Haiku pro Lied, um welches Album handelt es sich?
1
Erster Sonnenstrahl
Das Verstummen einüben
Ist das ein Schiffshorn?
2
Ein Crash im Himmel
Ein Crescendo auflösen
Träum oder wach ich?
3
Sakrale Klänge
Eruptionen. Ein Groove
Wo sind wir hier nur?
4
Trommelfellstreicheln
Dem Profanen entschweben
Spricht da der Pastor?
5
Die Droge tötet
Die Töne hängen im Raum
Ist das der Himmel?
6
Ein Orgelnachspiel
Sanft wie ein Gutenachtlied
Was für ein Album!?
Morgens werde ich um halb fünf von intensivem Amselgesang geweckt. Da ich sowieso bald mit dem Tagebuchschreiben anfangen wollte, ist das ganz ok.
Wir machen uns nach dem Frühstück, bei dem wir Brötchen für unterwegs schmieren dürfen – auf dem Weg gibt es mal wieder keine Einkehrmöglichkeit – auf die 1,5 km zurück zum Hochrhöner. Die Schwalben fliegen bei bedecktem Himmel sehr tief, sie berühren mit ihren Flügeln nahezu den Asphalt. Es wird heute kühl bleiben, von der Sonne werden wir nichts sehen. Mitten auf dem Weg blüht die blassblaue Wegwarte in Hülle und Fülle.
Weiter geht es aufwärts auf einem Streuobstwiesenweg, auf dem Boden liegen dunkelblaue Schlehenfrüchte. Auf der Hochebene eine kürzlich gemähte Wiese, das gemähte Gras liegt noch da. Wir kommen zu einem Aussichtspunkt auf den Kuhkopf (552 m) mit Wellenliege, wo früher der Marschlerhof stand, der in DDR-Zeiten abgerissen wurde, da er zu nah an der Grenze war.
Über eine große Wiese schnürt ca. 150 m vor uns ein Fuchs, der stehenbleibt, als wir stehenbleiben, und dann im Unterholz verschwindet.
Wir kommen zur Hexenlinde, um die sich eine Sage über einen Musiker rankt.
Es geht weiter abschüssig über Wiesen, wo teilweise ein eisiger Wind pfeift. Dann durch Wald, einen Forstweg rauf. Wir erreichen einen Kolonnenweg und kommen zum Horbel (665 m) mit einem alten Grenzturm.
Der Holzschnitzerort Empfertshausen hat hier drei Holzbutzen mit Blick aufs Tal hinstellen lassen, die man für 20 Euro pro Nase pro Tag mieten kann. Einrichtung und Heizung gibt es keine, dafür eine alte Wasserhandpumpe und ein Trockenklo.
Wir kommen nun erneut nach Andenhausen, wo die beiden Rhönwegvarianten wieder zusammenlaufen. Es gibt hier einen Snackautomaten, der dem Motto folgt: „Was wir nicht haben, brauchen sie nicht“.
Weiter geht es den Berg hinauf an diversen Holzschnitzfiguren vorbei (u.a. auch Rotmilan und Wanderer). Links liegt der aus Basalt 1937 errichtete Gebäudekomplex Katzenstein. Heute ein Hotel-Restaurant, allerdings geschlossen, als wir vorbeikommen.
Über Wiesen kommen wir zu einer Rastbank, wo wir unsere Brötchen essen. Eine weißpfotige schwarze Katze streicht zwischen unseren Beinen herum, lässt sich jedoch mit ein paar Streicheleinheiten abspeisen.
Es geht nun wieder in den Wald, hinauf Richtung Gläserberg. Die freistehende Dermbacher Hütte sieht man kilometerweit. In einem Baum ruft ein Vogel, C. sieht ihn auffliegen, es ist ein Neuntöter. Kurz hinter Föhlritz erreichen wir schließlich den Gläserberg mit der nach der Wende in Eigeninitiative des Rhönklubs neu errichteten Dermbacher Hütte. Hier kosten 0,5 l Bier am Sonn- und Feiertag – sonst ist zu – sage und schreibe 2 Euro. Sozusagen Selbstkostenpreis. Der Blick nach Nordwesten ist überwältigend. Man erkennt rechts hinten in 31 km Entfernung den Inselberg (916 m) am Rennsteig, den wir von Eisenach vor ein paar Jahren auf der 1. Etappe des EB (Eisenach – Budapest Fernwanderweg) bestiegen haben.
Im Norden unter uns liegt unser Etappenziel Dermbach. Die Stiere auf der Weide bleiben ruhig, obwohl es nur einen Draht gibt und C. ihre orangerote Regenjacke anhat.
Es geht nun noch gut 4 km auf größtenteils geschotterten Forstwegen hinab. Insbesondere meinem linken Knie gefällt das überhaupt nicht.
Im Ort schlafen wir in einer Ferienwohnung mit Waschmaschine, wo wir uns abends Spaghetti zubereiten.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Wir frühstücken mit zwei älteren Paaren. Es gibt diverse selbstgemachte Sirupe u.a. aus Holunderbeeren und – blüten.
Die Sonne scheint bei Höchsttemperaturen etwas unter 20 Grad, der Wind bläst kühl, ein idealer Wandertag. Nachdem wir zurück auf den Hochrhöner eingeschwenkt sind, geht es über einen leicht abschüssigen Wiesenweg nach Frankenheim, wo in der ev. Kirche die Wendezeit dokumentiert wird.
Man sieht auf einer Karte sehr schön, wie insbes. Birx zwischen Hessen und Bayern „eingeklemmt“ war.
Wir bewegen uns weiter über offenes, endloses Wiesenland mit ein paar Bäumen als Einsprengseln. Über uns zwitschern die unsichtbaren Feldlerchen ihr Himmelsliedchen. Man sieht nach einer Weile in der Ferne Noahs Segel, die Aussichtsplattform mit Rutsche am sehr sanft geschwungenen Ellenbogen (813 m).
Von oben hat man eine wunderbare Sicht auf – von links nach rechts – Wasserkuppe, Weiherberg und Milseburg. Ich meine, im Hintergrund die Kasseler Berge und evtl. ganz im Norden den Harz zu sehen. Wir treffen am Eingang das Wanderpaar von vorgestern, das die Hochrhönerrunde macht und uns jetzt entgegenkommt. Sie haben einen Verantwortlichen für den Weg getroffen, der ihnen gesagt hat, dass nächstes Jahr wieder die Zertifizierung als Premiumweg ansteht und, dass sich da jeder neu asphaltierte Wegteil negativ auswirkt. Ihre nächste Unterkunft wird das Dreiländereck in Birx sein. Außerdem macht sich auf der Wellenliege rechts neben uns eines der beiden Paare vom Frühstück bequem, das mit dem Auto gekommen ist. Und zuguterletzt kommt auch noch eine ältere Hochrhönwanderin an, die wie wir im Steakhouse in Tann übernachtet hat. Die Rhön ist zwar weit, aber auch klein.
Der Essens- und Getränkeautomat funktioniert nicht mehr, Getränke, für die man einen Obolus in die Kasse wirft, sind nicht vorhanden. Da hat anscheinend jemand das Vertrauen der Betreiber ausgenutzt. Das Eisenacher Haus unterhalb des Ellenbogen steht wie schon bei meiner ersten Rhönwanderung auf dem Milseburgweg vor 15 Monaten immer noch leer.
Über einen für die Füße sehr angenehmen Waldpfad unter Buchen geht es wie fast den ganzen Tag hinab. Es folgt nun ein längerer Abschnitt über einen geschotterten Forstweg, eine Wegart, die hier öfter genutzt wird, mir jedoch zunehmend weniger gefällt. Immer noch besser als Asphalt, aber trotzdem nicht schön für die Füße und auf Dauer eintönig.
In einer Schutzhütte versuche ich, ein Nickerchen von einer Viertelstunde zu halten, während C. langsam voranspaziert. Wir gehen weiter hinab, an zwei Seiten eines riesigen, rechteckigen Roggenfelds entlang. Hier begegnet C. ein Reh, das ins Feld wegspringt und anschließend nicht mehr gesehen wurde.
Unten kommen wir zu einem Hutebuchenhain. Die meisten Bäume bestehen aus mehreren Stämmen, die sich unten trennen.
Wir sind immer noch auf der Suche nach der für die Rhön so typischen Silberdistel, auf eine Kugeldistel sind wir inzwischen schon getroffen.
Vor unserem heutigen Ziel Kaltennordheim, das immerhin anderthalb km vom Hochrhöner entfernt liegt, kreist über uns ein Rotmilan. Wir kommen an dem alten LPG-Gebäude vorbei und erreichen unsere Unterkunft, eine einfache Pension, wo wir später leckere Rinderroulade mit Klößen und Rotkohl essen. Neben uns trifft sich eine Stammtischrunde. Vorher besorgen wir uns im gegenüberliegenden Supermarkt noch Trinkjoghurt, Eis und Proviant für morgen.
Unter der geschnitzten Skulptur des Berghirten im Ortszentrum steht:
Im Schatten der Wolken geht er noch immer den Vögeln nach. Den alten Weg zu den Gräsern und Wurzeln.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Ich wache morgens um 3 auf, komme aber mit Melatonin wieder zurück in den Schlaf.
Heute steht eine zweigeteilte Etappe auf dem Programm. Zuerst die 7 km bis Andenhausen, wo sich die West- und Ostvariante des Hochrhöners vereinigen und dann die 17 km vom Roten Haus am Roten Moor nach Birx. Die gut 30 km dazwischen legen wir mit dem Taxi zurück, öffentliche Verkehrsmittel sind hier zwischen Thüringen, Hessen und Bayern nicht vernünftig nutzbar.
Nach dem Provianteinkauf beim Bäcker und im Supermarkt machen wir uns auf hoch zum Dietgeshof. Der Himmel ist heute bewölkt und morgens herrschen gerade mal 13 Grad, so dass C. mit ihrer Regenjacke vorangeht, um warm zu werden.
Wir kommen gut voran. Es geht über ein Hochplateau mit Fettwiese, über der wir das Tirilieren der Feldlerchen vernehmen. Zwei junge Bauern fahren mit ihren Schleppern mit Wasser bzw. Strohballen an uns vorbei. In der Ferne fliegt ein großer Raubvogel.
Wir kommen wieder zu einem Kolonnenweg und überschreiten die alte innerdeutsche Grenze zwischen Hessen und Thüringen.
In Andenhausen sind wir 25 Minuten zu früh und warten an der Bushaltestelle aufs Taxi. Eine nette, kommunikative Taxifahrerin aus Hilders fährt uns nach Süden auf der B 287, die wegen einer Sperrung z. T. umfahren werden muss. Am vom Nabu betriebenen Roten Haus am Roten Moor lässt sie uns raus. Hier gönnen wir uns einen Cappuccino.
Ein paar Meter hinter dem Roten Haus gabeln sich die beiden Wegvarianten und wir nehmen den östlich verlaufenden Weg über die Lange Rhön. Wir sind jetzt bis zum Schwarzen Moor wieder in Bayern.
Wir kommen an einer geschnitzten Holztafel, einem Flötenspieler, vorbei. Es wurde früher viel geschnitzt in der Rhön, man hatte wenige Einnahmequellen, weil viele Flächen wegen der langen Winter und der kargen Böden nicht landwirtschaftlich genutzt werden konnten. Am Wegrand immer wieder viele Blumen, neben der Witwenblume z.B. auch die Prachtnelke.
Wir gehen hinauf bis zum Heidelstein (926 m) mit dem Fernmeldeturm. Kurz danach rasten wir an einem schönem Holztisch hinter dem Kriegsgräberdenkmal des Rhönclubs. Es kommen uns mehrere Tageswanderer entgegen.
Es geht sich hier auf der Hochfläche sehr angenehm, die Steigungen sind weniger stark und die Aussichten phantastisch, da wir auf einem Kammweg gehen und keine Bäume stören. Nachdem die Buchenwälder im Mittelalter gerodet worden sind, ist hier Borstgrasrasen mit einer Vielfalt von Pflanzen gewachsen.
Wir kommen an einem Spielplatz mit einem kleinen Baumhaus vorbei.
Von hier ist im Westen das Radom der Wasserkuppe gut zu erkennen. Zwischen Kuppenrhön im Westen und der Langen Rhön im Osten sieht man unten im Tal, durch das wir vorher mit dem Taxi gefahren sind, die Ortschaften Wüstensachsen und Seiferts.
An der Stirnberghütte (902 m) erblicken wir unten eine Rhönschafherde. Man sieht die schwarzen Köpfe nur schwer, weil fast alle Schafe die Köpfe zum Grasen zum Boden gesenkt haben.
Wir kommen nun zur Staatsstraße St 2287, an der wir auf einem Wiesenweg eine ganze Weile entlang gehen. Neben uns im Gras zirpen die Grillen. Rechts der Straße befindet sich das Schwarze Moor mit Aussichtsturm und Bohlenrundweg, den wir nehmen. Es kommen uns ganze Schulklassen entgegen. Wir gehen am Moorauge vorbei, einem kleinen Teich. Der Torf wurde hier kaum gestochen, die Torfschicht ist bis zu 8 m dick.
Nun geht es wieder zurück über die St 2287 zu unserem Zielort Birx in Thüringen. Etwas oberhalb des Weges sieht man einen alten DDR-Wachturm. Im kleinen Ort sind wir in der Pension Dreiländereck (Bayern, Hessen, Thüringen) untergebracht. Im kleinen Ort mit 175 Einwohnern fällt auf, dass es hier eine gewisse DDR-Nostalgie zu geben scheint. Ein alter militärischer Geländewagen mit aufgeklebter DDR-Fahne sowie ein größerer Militär-Lkw eines mir unbekannten Herstellers in einem Hangar irritieren doch etwas.
Der anfangs leicht ruppige Hausherr, der gerade eigenhändig das Haus isoliert, geht mit uns zum einzigen heute geöffneten Gasthaus. Wir sprechen über die Einwohnerstatistik, die so ihre Tücken hat.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Ich werde um vier Uhr morgens vom Bimmeln der Kirchturmglocken, das sich dann viertelstündlich wiederholt, aus dem Schlaf gerissen, kann aber dann noch ganz gut dösen. Zum Frühstück bekommen wir schmackhaften Rhöner Hausmacher Schwartenmagen, den wir auch für die Butterbrote verwenden. Wir können in unserer Unterkunft nur bar zahlen, auf Booking ist sie auch nicht zu finden, kein Wunder, dass sich hier kaum jemand hin verirrt.
Draußen erwartet uns kühles Wetter mit vielen Wolken, regnen wird es nicht. Die Treppe hinauf zum Rhöndom ist mit weißgelben Wimpeln versehen, die ersten nett grüßenden Hochzeitsgäste treffen ein, als wir kurz nach 9 vorbeikommen.
Zu Beginn der Etappe geht es erst einmal die rund 2 km hinab nach Gotthards, danach müssen wir aber gleich die Wiesen hoch, heute wird es quasi permanent auf und ab gehen.
Neben uns hoppelt plötzlich in rund 1 m Entfernung ein Feldhase, der mindestens genauso überrascht von unserem Auftauchen wie wir von seinem sind.
Wir machen einen Abstecher zum Roßberg (701 m). Über einen Kolonnenweg (grünes Band), kommen wir an einer Kuhherde mit einem Esel vorbei und genießen am Gipfelkreuz mit Hütte eine phantastische Aussicht nach Südthüringen. Ganz links hinten nun wirklich der Monte Kali bei Heringen, gestern war es derjenige bei Neuhof nahe Fulda gewesen.
Wir treffen auf einen Thüringer Familienvater auf einem E-Bike, der seinen Sohn mit einem normalen Mountainbike an einem Seil den Berg hochzieht. Ein Deutsch-Kurzhaar wuselt hinter ihnen her.
Bei Boxberg machen wir unsere Rast auf einer Wellenliegenschaukel. Wir befinden uns seit geraumer Zeit in der Großgemeinde Hofbieber mit 16 Ortsteilen (u.a. Schwarzbach, Kleinsassen, Langenberg und das Gehöft Grabenhof), die uns über ein Outdoorbuch mit einem Rotmilan als Hauptperson nähergebracht wird.
Hier treffen wir auf ein Paar mit Rucksäcken, das die Hochrhönerrunde (Kuppenrhön und Lange Rhön) macht. Sie sind heute gestartet. Es geht weiter Wiesenhänge rauf und runter, bei Habel sehen wir die ersten Rhönschafe – erkennbar an den schwarzen Köpfen – auf der Wanderung.
Es kommt nun eine lange, eintönige Passage auf einem Forstweg durch den Wald hinauf zum Habelberg (719 m), die nicht enden will. Ich gehe hinter C., der ich kaum folgen kann, und erlebe die erste Sinnkrise auf der Wanderung, ich bin im Tunnel und erlebe nicht mehr viel von der Außenwelt wahr.
Schließlich geht es wieder bergab nach Tann, insgesamt 300 Höhenmeter, auch kein Spaß für die Füße.
Den ersten näheren Blick auf Tann erhaschen wir durch ein bogenförmiges Holztor mit religiösen Anspielungen.
Bevor das Kloster Fulda von Bonifatius gegründet wurde, siedelten hier bereits irische Mönche. Nach der irischen Provinz heißt wahrscheinlich auch das hiesige Flüsschen Ulster.
Eberhard von der Tann war ein Freund Martin Luthers und führte hier mitten in der Rhön bereits 1534 die Reformation ein.
Tann wechselte im Laufe der Zeit häufig den Besitzer. Es gehörte zu Fulda, dann zu Würzburg, Bayern und Preußen. Seit 1945 gehört es zu Hessen.
Die Fußgängerampel steht gerade auf rot, als wir das enge Stadttor erreichen. Es kommt uns ein Auto entgegen.
Die evangelische Kirche ist durch die vielen Glasfenster recht hell und mit sehr viel Holz ausgestattet.
Wir schlürfen unseren obligatorischen Eiskaffee am schmucken Markt und verziehen uns bald in unser Hotel.
Abends essen wir leckere Burger und machen noch einen kleinen Spaziergang durch die sehenswerte Altstadt.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Um viertel nach drei
Urplötzlich glockenhellwach
Schlafreich sperrt mich aus
Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgiebigem Morgenmahl machen wir uns auf den Weg. Der Himmel hängt tief und ist dunkelgrau, allerdings war der Wetterbericht gut gewesen. Wir gehen auf einer Piste in den Wald hinein und plötzlich fängt es an, zu schütten. Direkt am Bubenbader Teich, der grün schillert, stellen wir uns unter die Laubbäume. In 10 Minuten ist der Spuk vorbei. Genau hier soll sich die Geschichte mit der Frau zugetragen haben, die gerade ihr siebtes Mädchen gebärt hatte, das ihr Mann töten wollte. Kurzerhand taufte sie das Mädchen im Teich und schwupsdiwups war es ein Knabe und der Mann beruhigt.
Als wir weitergehen, tröpfelt es noch etwas von den Bäumen. Ein junges Paar hat nicht so viel Glück gehabt, ist beim Abstieg von der Milseburg voll in den Schauer gekommen und traut sich jetzt noch nicht so richtig aus der Schutzhütte in der Nähe der Felsformation Bubenbader Stein raus.
Wir kommen zum Himmelsschauplatz mit einem Polarsternsucher und einer auf Datum und Uhrzeit einstellbaren Sternkarte. In der Rhön hat man aufgrund der fehlenden Lichtverschmutzung einen phantastischen Sternenhimmel.
Weiter geht es den steinigen Weg hinauf zur Milseburg, der von Süden recht kurz ist, da wir ja von der Hochebene kommen. Oben klart sich die Sicht langsam auf und die Sonne kommt raus. Die Wasserkuppe verschwindet im Dunst, das Malerdorf Kleinsassen ist im Westen jedoch schon gut zu erkennen.
Da die neue Hütte erst in 20 Minuten um 11 aufmacht und zunehmend Wochenendwanderer eintrudeln, entscheiden wir uns, unsere Einkehr aufzuschieben. Auf dem Abstieg kommen uns noch viele weitere Wandergruppen entgegen, die ihre Autos unten am voll belegten Parkplatz abgestellt haben.
Eigentlich wollten wir unten in der Milseburgstube rasten, allerdings stellt sich zu spät raus, dass sie doch nicht direkt am Hochrhöner liegt und insbesondere ich keine Lust verspüre, zurückzugehen.
Stattdessen geht es ein Stück weiter an zufriedenen Rindern vorbei bis zum schön zwischen Wald und Wiesen gelegenen Lothar-Mai-Haus – Ex-Chef des Bahnausbesserungswerks in Fulda – wo wir zwei exquisite Salate und Johannisbeerschorlen zu uns nehmen.
Hier in der Gegend gibt es viel Kalkmagerrasen, aber auch saftige, grüne Wiesen. Der Weg scheint vor ein paar Jahren vom Wald in die offenen Wiesenhänge verlegt worden zu sein, eine sicherlich sinnvolle Maßnahme.
Im Wald kommen wir zu einer Schutzhütte. Hier gab es im Dezember 1981 Eisbruch und im November 1984 Windwurf, so dass 660 ha Kahlflächen entstanden sind, die inzwischen wieder aufgeforstet wurden.
Hier treffen wir auch auf eine gesprächige einheimische Tageswanderin, die sich daran erfreut, dass wir den Hochrhöner gehen. Später läuft sie uns noch einmal über den Weg. Man hat hier einen schönen Blick zum hessischen Kegelspiel bei Hünfeld, in der Ferne erkennt man den weißen Abraumberg Monte Kali bei Neuhof-Ellers.
Wir kommen nun nach Langenberg, wo neben mehreren Viehtränken ein schön verziertes Bauernhaus von 1893 ins Auge fällt.
Unser Etappenziel Schwarzbach erreichen wir über Wald und Wiesen. Nach dem Frischmachen setzen wir uns in den Hof, wo einige junge Leute in Trachten für einen Polterabend vorglühen. Hier wird ein starker Dialekt gesprochen. Die alten Leute kann ich kaum verstehen, wenn sie untereinander sprechen. Die Worte klingen hart, scheinen den schwierigen hiesigen Lebensbedingungen abgetrotzt zu sein.
Die Schwarzbacher Kirche ist für so einen kleinen Ort von 500 Einwohnern recht groß. Sie wird auch Rhöndom genannt und wurde unter tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung gebaut. Wir hören und sehen hier Mauersegler, die sich hinabstürzen und wieder fangen.
Auch hier sind wir – bis auf eine Person – die einzigen Übernachtungsgäste. Und dabei ist Urlaubszeit. Ich gehe mal davon aus, dass einige Gasthäuser nicht überleben werden. Dabei ist die Infrastruktur in Form von Einkehrmöglichkeiten sowieso schon ziemlich dünn. Morgen z.B. gibt es auf dem Weg nach Tann absolut gar nichts.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Wir beginnen den Tag mit einem fürstlichen Frühstück mit Smoothie, Ei, Brötchen, Croissant, Joghurt/Quark mit Früchten, grünem Tee etc. in Peterchens Mondfahrt. Heute steht nur eine Mini-Etappe auf dem Programm, weil leider keine Tandemflüge stattfinden. Wir verlängern die Strecke mit einem Abstecher zum Guckaisee. Der Himmel ist heute etwas bewölkt, die Temperaturen mit knapp über 20 Grad sehr wanderfreundlich.
Wir gehen vom Hotel zuerst hoch zur Wasserkuppe und wenden uns nun auf Wiesenwegen hinab nach Südwesten. Die erste Station ist der Pferdskopf (875 m), der keine 2 km entfernt ist.
Oben angekommen, setzen wir uns auf die Poppenhausener Baumelbank, lassen die Beine runterhängen und genießen die phantastische Aussicht in die Westrhön. Vom Abtsrodaer Hang starten einige Gleitschirmflieger, die von der Thermik zum Teil sehr hoch und sehr weit getragen werden; einer fliegt direkt über uns. Sie scheinen in einer Art Schutzkasten zu liegen. Wir vermuten, dass es sich um die zum Teil recht laute Gruppe von der Terrasse von Peterchens Mondfahrt von gestern Abend handelt.
Wir steigen nun auf steilem Pfad ab durch den Laubwald bis zum kleinen Guckaisee. Das Wasser ist tief und erfrischend, C. möchte gar nicht mehr herauskommen. Es kündigt sich ein Unwetter mit entferntem Donnergrollen an. Wir finden Schutz auf der überdachten Terrasse des Ausfluglokals, von wo wir allerdings bald nach innen flüchten, weil der Starkregen die Regenrinne über uns zum Überlaufen bringt. Perfektes Timing.
Über uns immer wieder zum Start von Propellermaschinen gezogene Segelflieger, die die Leine erst lösen, wenn sie schon ziemlich hoch sind.
Wir steigen jetzt wieder hinauf zur Wasserkuppe, das wie ich jetzt erst feststelle übrigens nicht weiße, sondern graue Radom liegt im Dunst.
Unterhalb des Radoms ist das Fliegerdenkmal mit dem Adler auf dem Basaltsteinhaufen, den bald ein Junge hinaufklettert. Bei der Einweihung 1923 waren 30.000 Menschen zugegen. Es war eine Demonstration gegen den Versailler Vertrag und zwar insbesondere gegen das Flugzeugverbot. Allerdings gab es ein Schlupfloch für Segelflugzeuge, wodurch die Wasserkuppe dann zum Berg der Segelflieger wurde. Am Tag der Denkmalseinweihung gab es tragischerweise gleich einen tödlichen Absturz.
Wir befinden uns ab hier wieder auf dem Hochrhöner und steigen durch Laubwald bergab bis zu einer von Quellwasser gespeisten Wassertränke mit 4 Getränkekästen, wo man sich auf Vertrauensbasis erfrischen kann. Wir kommen mit einem bärtigen, dunkelhaarigen, wild aussehenden, etwas radebrechenden Typ mit freiem Oberkörper ins Gespräch.
Unser Weg führt hinab nach Abtsroda, das wir links liegenlassen. Am Ende einer großen Wiese ist das Eldorado der Modellflugzeugliebhaber, die hier vom Weiherberg (786 m) ihre zum Teil recht großen Schätzchen mit der Fernbedienung über dem Abgrund kreisen lassen. Etwas weiter im Wald steht die Enzianhütte, wo ich den süffigen, alkoholfreien, dunklen Pilgerstoff auf der Terrasse mit Blick auf die morgen anstehende Milseburg probiere.
Wir beeilen uns nun auf den letzten Metern durch den Wald zu unserer Unterkunft, dem Grabenhöfchen, das wir erreichen, als die ersten Tropfen fallen. Hier scheinen wir die einzigen Übernachtungsgäste zu sein. Zum Abendessen, das wir alleine einnehmen nachdem ein älteres Paar gegangen ist, isst C. Omelette mit Pfifferlingen, während ich eine riesige, vorzügliche gebratene Forelle genieße.
Wir machen noch einen kleinen Verdauungsspaziergang auf der sogenannten Kunstmeile mit so einigen hölzernen Objekten, über deren Kunstgehalt man z. T. trefflich streiten könnte. Einzig der Teufel mit Liebeskummer kann mich überzeugen. Wir sind hier übrigens nur knapp 2 km von der Fuldaer Hütte an der Maulkuppe entfernt, von der aus ich vor gut einem Jahr schon einmal die Milseburg bestiegen habe.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Spätnachts an der Bar
Entspanne deinen Körper
Lass es geschehen
[Oscar Peterson Trio – The Philosopher’s Song von Alchemist]
Guck! In dem Ahorn
versteckt sich hinter Ästen
Eine Bachstelze!
Marseiller Mädchen
Auf Amorgos getroffen
In Mailand besucht
Im dunklen Madmax
So lang herumgeknutscht bis
Zungenkater kam
Zum Frühstück, das erst ab 8 ausgegeben wird, müssen wir uns wieder für die Brötchen, den Aufschnitt und den Käse mit den weißen Armbändchen, die uns als Hotelgäste ausweisen, anstellen.
Der Weg vom Kloster nach Süden führt uns erst durch Buchenwald und dann auf Kalkmagerrasen den Abhang hinab. Hier ist der Boden völlig trocken, es hat vorgestern nicht stark geregnet wie in Frauenroth.
Nach knapp 6 km und nachdem wir einige Wanderer und Mountainbiker getroffen haben, erreichen wir Oberweißenbrunn, wo wir uns im ersten Gasthaus einen Kaffee genehmigen und mit der Wirtin ins Gespräch kommen.
Es geht nun wieder bergauf, wir treffen auf Schafe und Kühe und eine in vielen Farben blühende Flora wie den rosa Sandthymian, das gelbe Labkraut, die magentafarbene Heidenelke, der braun verblühte Wiesenknopf und die mattblaue Glockenblume. Von den Schmetterlingen fällt mir wieder der rot-weiß-schwarze Schönbär auf. Über uns fliegen zwei Rotmilane.
Die Sonne und der anstrengende Aufstieg bringen uns ganz schön ins Schwitzen, aber der immer wieder auflebende Wind trocknet die feuchten Hemden und sorgt für angenehme Körperkühlung.
Wir erreichen das große, neue Gipfelkreuz des Himmeldunkberges mit einer schönen Sicht zurück zum Kreuzberg sowie zu den abgerundeten Vulkankuppen der Langen Rhön im Osten. Im Gipfelbuch hat sich heute schon jemand verewigt, der von den offenen Fernen der Rhön schwärmt.
Wir gehen nun eine Variante aus dem gelungenen Outdoor-Führer von Julian Gick über die vom Alpenverein betriebene, einsam daliegende Würzburger Bergbund-Hütte, die uns wieder nach unten führt. Dort können wir uns im Schatten mit den beim Frühstück geschmierten Butterbrötchen und saftigen Nektarinen stärken.
Anschließend geht es hinauf zur Hohen Hölle, wo eine Bushaltestelle ist. Auf dem nun folgenden, teils steilen Abstieg kommen wir am Schwedenwall vorbei, von dem nicht mehr viel zu sehen ist. Hier erblicken wir endlich die Wasserkuppe mit der weißen Kugel, dem Radom, in der Ferne vor uns.
Unten angekommen, geht es über eine schnurgerade Schotterpiste durch Mischwald, links Fichten, rechts Laubbäume. Im Baumschatten auf Steinen machen wir eine Trinkpause. Über einen Bohlenweg erreichen wir das unspektakuläre Rote Moor, das man von einem Beobachtungsturm von oben ansehen kann.
Wir befinden uns jetzt auf den letzten Kilometern der Etappe. Durch Wald geht es leicht hinauf, dann über einen Grasweg parallel zur Straße. Am Wegrand eine Basaltformation namens Fuchsstein, die von der vulkanischen Tätigkeit, die die Rhön geschaffen hat, übriggeblieben ist.
Wir erreichen die eingefasste Fuldaquelle. Die Wasserkuppe heißt nicht umsonst so, mit 1100 mm fällt hier überdurchschnittlich viel Niederschlag im Jahr.
Wir kommen am Flugplatz am Café an, erfrischen uns mit einem Eiskaffee und beobachten den regen Flugbetrieb mit kleinen Propellermaschinen und von Motorflugzeugen gezogenen Segelfliegern, die hier ebenfalls starten. Unser Hotel Deutscher Flieger liegt um die Ecke. Hier ist auch die höchste Bushaltestelle Hessens.
Nach der Dusche und einer kleinen Ruhepause gehen wir bei Peterchens Mondfahrt essen. Es ist Pfifferlingszeit und ich nehme das Schnitzel, C. den Rösti.
Nach dem Essen machen wir noch einen Rundgang. Es geht am Segelflugmuseum, an einigen Hangaren sowie Holzbaracken vorbei. Es gibt eine Wetterstation des DWD, sowie hinterm Radom ein Gebäude der Flugsicherung. Man sieht überall die magenta blühenden Schmalblättrigen Weidenröschen.
Kurz vor dem Radom, dessen Aussichtsplattform bis zum Sonnenuntergang geöffnet ist – hier ist übrigens auch eine Außenstelle des Standesamts – sind die Gleitschirmflieger zugange. Sie entwirren die Schnüre, legen den Gleitschirm längs hinter sich, drehen sich zum Gleitschirm, lassen ihn sich kurz mit Wind aufblasen und wieder fallen, drehen sich um und rennen los, den Abhang runter. Nach gut 50 Metern heben sie ab, ziehen die Beine ein und gewinnen so etwas an Höhe. Unten an der Straße steht ein Bus, der sie dann wieder hochfährt. Leider hat es mit unserem Tandemflug nicht geklappt, ein Grund, hier noch einmal herzukommen.
Von der Aussichtsplattform des Radoms hat man phantastische Ausblicke u.a. bis zum Kreuzberg und sogar bis zum Rennsteig, vor uns der markanteste Berg der Rhön, die Milseburg, die wir übermorgen besteigen werden.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Wir stehen heute nach einer erholsamen Nacht schon gegen halb 7 auf. Unser übersichtliches Frühstück, das wir in der gemeinsamen Küche der Ferienzimmer – das andere ist leer – einnehmen, besteht aus schwarzgrünem Tee, dem Rest des Guglhupfes von gestern und ein paar Nüssen aus meiner Reserve.
Wir verabschieden uns vom Hausherren, der uns sagt, dass es gestern 15 mm geregnet hat, außerdem gab es auch etwas Hagel. Das war der erste Niederschlag seit Wochen, er kann jetzt wieder auf eine Apfelernte hoffen.
Den Schlüssel brauche ich zum Aufschließen der Haustür und hänge ihn dann an einen Nagel im Türflur. Offensichtlich keine so gute Idee, da die Hausherrin ihn nicht von alleine findet und mich später deswegen noch einmal anruft.
Wir sind um 8 auf unserem Weg. Es herrscht herrliches Wetter, die Sonne scheint, aber es ist angenehm kühl. Im Buchenwald, den wir hinter Frauenroth erreichen, sind die Wege vom Regen weich, aber nicht matschig. Wir kommen gut vorwärts, ich bin heute quasi den ganzen Tag im Flow.
Wir gehen über einen Baumwurzelpfad und es geht nach einer guten Stunde abwärts nach Premich, wo wir mit ca. 6 km ein rundes Drittel der Etappe hinter uns haben. Andere Wanderer treffen wir nicht. Von einer Bank kurz vor der Ortschaft öffnet sich der Blick und wir sehen den 928 m hohen Kreuzberg mit dem Fernmeldemasten vor uns, unser Tagesziel. Rechts unterhalb des Berges der Ort ist Sandberg, was wir rechts liegen lassen werden.
Es geht nun hinunter in den Ort und dann wieder hinauf. Bald sind wir auf einer geschotterten Wiesenpiste und dann auf einem Wiesenweg, der leicht ansteigt. Uns kommt ein jüngeres Paar mit Daypacks entgegen. Das letzte Stück nach Langenleiten ist deutlich steiler und wir kommen in der Sonne gut ins Schwitzen.
Es handelt sich um ein 1689 entstandenes Waldhufendorf, eine in Rodungsgebieten häufig anzutreffende Dorfform mit in der Reihe angeordnete langen Grundstücksstreifen mit den Traufseiten der Häuser senkrecht zur Straße hin.
Hier gibt es einen Supermarkt mit Bäckereicafé, wo wir uns mit Leberkäs- bzw. Frikadellenbrötchen sowie Cappuccino und Rhabarberkuchen für den weiteren Aufstieg stärken. Zwei Wanderinnen mit Rucksäcken, die von oben kommen, machen hier ebenfalls Rast.
Wir kommen nun bald wieder in den Wald und wandern teilweise durch dichte Fichtenschonungen, die von unten tot aussehen, aber oben zum Licht hin gut gedeihen. Nach ca. 3 km beginnt der steile Aufstieg, den wir langsam angehen. Mein Motto heißt „Schritt für Schritt genießen“. C. sieht Waldhimbeeren am Wegesrand, die hervorragend munden. Klein, aber mit sehr intensivem Himbeergeschmack.
Das letzte Stück ist geschottert und verläuft flach bis zum Klosterkomplex mit der einzigen Klosterbrauerei Bayerns, in der die Ordensbtüder das Bier noch ausschenken. Ein älterer Mann begrüßt mich mit „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn…“. Hier herrscht im Gegensatz dazu allerdings reges Treiben.
Wir gehen erst einmal die Treppenstufen hoch zum Gipfel mit den drei Kreuzen von Golgatha, die dem Berg seinen Namen gegeben haben. Der Kreuzberg, aufgrund des Franziskanerklosters auch als heiliger Berg der Franken bekannt, ist nur 22 m niedriger als die höchste Erhebung der Rhön, die Wasserkuppe, deren weiße Kugel, das Radom, das die Antenne schützt, man gut erkennen kann. Sie wird unser morgiges Etappenziel sein.
Wir machen es uns auf einer Wellenliege bequem und genießen die phantastische Aussicht, auch die Milseburg kann man links hinter der Wasserkuppe erahnen.
Anschließend beziehen wir unser geräumiges Zimmer im Fürstenbau, mitten im Klosterkomplex, wo der Ausschank und die Essensausgabe stattfinden. Das läuft beides sehr effizient und schnell ab, man kommt sich vor wie in einem Industriebetrieb. Die Preise sind auch durch die Selbstbedienung sehr räsonnabel, ein halber Liter Bier kostet 3,80 €.
Wir setzen uns zuerst in den Hof zu einer Rentnergruppe, die mit dem Bus angereist ist. Später gehen wir raus in den eigentlichen Biergarten mit Fernblick in die Rhön. Hier tummeln sich viele Radfahrergruppen in dem entsprechenden Outfit. Alle Achtung, hier hochzufahren, eine Mass Bier zu trinken und wieder runterzufahren, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Das süffige, dunkle im Kloster gebraute Bier hat immerhin 5,4% und ist nicht so leicht, wie es anfangs scheint. Wir essen neben einer Bretzel einen Wurst- und einen Braumeistersalat.
Wir gehen kurz nach 10 ins Bett, morgen wartet die Wasserkuppe auf uns!
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Das Leben feiern
Das Sonnenuntergangshigh
Ausgeblutet sein
[Elliott Smith – Bled White von XO, 1998]
Schluck aus der Pulle
Schweiß läuft von Stirn in Augen
Geblendet vom Salz
Heute haben wir nur eine kleine Etappe vor uns, so dass wir uns nach dem Frühstück mit Guglhupf, Joghurt und Himbeeren auf der Terrasse in der Morgensonne den Ort noch einmal etwas näher angucken können.
Als erstes gehen wir zur Wandelhalle und probieren von drei verschiedenen Quellwassern, das erste, der Luitpoldsprudel schmeckt sehr metallisch, der Maxbrunnen etwas salziger und der alte Luitpoldsbrunnen, den man draußen zapfen kann, ist völlig versalzen. Wir sind die einzigen Gäste in der riesigen Halle, außer uns nur das Personal, das das Wasser ausschenkt und eine Reinigungskraft, die gerade die Konzertmuschel saugt. Einer der treuesten Gäste war übrigens Bismarck, der 15 mal in Bad Kissingen war und auf den dort bei seinem ersten Aufenthalt 1874 ein Attentat ausgeführt wurde.
Anschließend gucken wir uns das Theater an, wo viele bekannte Schauspieler und Entertainer aufgetreten sind. Neben dem neuen Rathaus steht das Zünftehaus sowie eine Figur von dem Minnesänger und Kreuzfahrer Otto von Botenlauben, der ursprünglich aus Meiningen stammt. Elisabeth von Thüringen, auf deren Spuren ich ja auch schon mehrmals gewandelt bin, war eine Nichte von ihm. Die Burgruine Botenlauben konnten wir auf unserem Weg südlich oberhalb von Bad Kissingen sehen.
Wir flanieren noch durch den Rosengarten an der Saale, der zum größten Teil verblüht ist, die wenigen noch blühenden Rosen, duften jedoch fast alle sehr intensiv.
Wir folgen nun dem gelben „Ö“ an der Saale entlang nach Norden und kommen zum Gradierbau, der gerade saniert wird. Hier wurde die Sole hochgepumpt, so dass sie von den Reisigbündeln herabtropfte und verdunstete. Das Einatmen der salzhaltigen Luft gilt als gesund.
Wir kommen nun in den Wald und gehen das Kaskadental hinauf, das früher eine große Attraktion war. Von den künstlich hergestellten Bachschnellen ist nicht mehr viel zu sehen.
Es geht hier sanft bergauf, am Ende absolvieren wir immerhin 200 Meter Höhendifferenz und kommen am Ausflugslokal Klaushof raus, das heute natürlich geschlossen ist. Wir bedienen uns aus dem Automaten, der köstliche, erfrischende Johannisbeerschorle aus Bad Brückenau (nur ca. 3,5% Zucker) bereithält. Wir ruhen uns etwas auf den Bänken im Schatten aus. Man sieht in der Nähe die Endhaltestelle der kleinen Touristenbahn aus Bad Kissingen.
Auf einem schönen Pfad geht es weiter hinauf durch den Wald. Die Markierungen sind hier absolut vorbildlich. Allerdings wundere ich mich später über die Wegführung hinter Stralsbach, die uns umständluch im Zickzack über eine Wiese am Feldrand führt. Anschließend sind meine Schuhe voller Stroh. Laut Track verlief der befestigte Weg direkter den Hügel hoch.
In Frauenroth gibt es eine von Otto von Botenlauben und seiner Frau Beatrix gegründete Klosterkirche (Zisterzienser), wo beide begraben sind. Angeblich wurde ihr Schleier hier fortgeweht, so dass sie gelobte, an dieser Stelle ein Kloster bauen zu lassen.
Unsere Etappenzielunterkunft ist ein Ferienzimmer im Ort, das wir mit dem Schlüssel aus dem Safe betreten, der Hausherr kommt später. Bald nach unserer Ankunft gibt es ein mehrstündiges Unwetter, das der ausgetrockneten Natur gut tut. Wir essen später Spaghetti in der Küche. Das andere Ferienzimmer ist nicht belegt, so dass wir auch das großzügige Bad für uns allein haben.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Ihr Glück mit Männern
war meist kurz, ihre Lieder
bleiben für immer
[Billie Holiday – You’ve Changed von Lady in Satin, 1958]
Da wir am Vorabend früh ins Bett gegangen sind, schaffen wir es bereits um 7 beim Frühstück zu erscheinen. Welche Überraschung, dort schon jede Menge andere Gäste vorzufinden. Auch die schwäbischen Biker und eine dänische Familie versuchen offensichtlich, das Beste aus dem Tag zu machen und der Hitze – heute bis zu 32 Grad – soweit wie möglich, zu entgehen.
Wir sind also bereits kurz nach 8 auf der Straße hinunter zur Saale. Die Sonne scheint noch recht human auf uns runter, gelegentlich geht ein Luftzug.
Wir lassen die Trimberg, die im Zeitalter der Minnesänger im 13. Jahrhundert eine größere Rolle gespielt hat, rechts oben liegen.
Auf unserer, kleinen asphaltierten Straße mit gelegentlichem, sehr rücksichtsvollen Autoverkehr eröffnen sich schöne Blicke auf die wellige Rhönlandschaft. Vor uns eine riesige mit Photovoltaik bedeckte Fläche.
Am Wegrand die so langsam verblühende, himmelblaue Wegwarte. Außerdem ein Prachtexemplar einer strahlend gelben Königskerze.
Wir kommen an einem Biohof mit Hühnern, die von einem neugierigen, nicht bellenden Hütehund gegen den Fuchs beschützt werden, vorbei und landen in Aura, wo ein Eisenbahnenthusiast seinen kompletten Garten mit Schildern, Signalen und großen Modelleisenbahnen vollgestellt hat.
Direkt an der Saale erftischen wir uns am Automaten des besagten Biohofes. Es gibt Johannisbeerschorle und einen leichten Cidre. Außerdem nehme ich mir noch ein Gläschen eingelegte Gurken mit.
Oberhalb des Ortes liegt eine alte Kirchenruine, die Sonne brennt jetzt ziemlich erbarmungslos auf uns nieder. Wir treffen eine ältere Wanderin aus Bad Kissingen, die sich freut, ein paar Worte mit uns wechseln zu können.
Der nächste Ort am Weg ist Euerdorf. Wir lassen erst eine Wohnsiedlung links liegen und überqueren dann wieder die Saale. Im Schatten der Laubbäume machen wir eine Trinkpause am Ufer und beobachten ein Entenpaar, das sich zurechtmacht.
Nun gehen wir am Waldrand hinein in ein Tal mit schönem Blick auf Wirmsthal, wo die nördlichsten Weinreben Frankens am Steilhang in der Sonne reifen. Der Wein ist frisch und mineralisch, die Temperaturen hier weniger hoch als im südlichen Mainfranken. Die Berge umschließen das Tal von drei Seiten und schützen die Reben vor dem kalten Ostwind.
Hier macht uns ein Anwohner auf einen umzäunten Spielplatz mit offener, runder Holzhütte aufmerksam, die ideal für unsere Mittagspause geschaffen ist. Nach dem Essen unserer belegten Brötchen und den Cornichons lege ich mich ein Weilchen aufs Ohr, komme aber kaum in den Schlaf, weil der Nachbar einen längeren Plausch mit C. hält.
Es geht nun in Richtung Wald steil den Berg hinauf zum Scheinberg (400 m). Mir rinnt der Schweiß in die Augen. Eine schlanke, mittelalte Frau überholt uns grußlos und erschreckt uns. Es gibt hier auch seltsame Typen.
Wir kommen nun zum 1913 erbauten Wittelsbacher Turm, ein Dankeschön an das bayrische Königsgeschlecht, das Bad Kissingen zur bedeutenden Kurstadt gemacht hat. Der Himmel ist nun von einigen Wolken bedeckt, vor uns liegt Bad Kissingen rechts und Garitz links. In der Mitte die Saale mit dem langgezogenen Kurpark.
Auf einem steilen Schotterweg quälen wir uns den Weg hinunter. Wir folgen der Bahnlinie und die verbleibenden knapp 6 km ziehen sich wie Kaugummi. Es geht auf und ab.
Im Kurpark angekommen treffen wir auf die erste stilisierte Ö-Markierung des Hochrhöners.
Völlig dehydriert wie wir sind, halten wir Ausschau nach einem Café. Der Tennisclub fällt aus, da er keinen Eiscafé im Angebot hat. Die Cafés im Park sind fast alle geschlossen, da Montag ist. Schließlich bekommen wir unseren, die darniederliegenden Lebensgeister weckenden Eiskaffee, im Kurgarten gegenüber vom Regentenbau.
Nach einem weiteren köstlich erfrischenden Eis mit Joghurt und salzigem Karamell, das mir in der Hitze fast wegtropft, überqueren wir die Saale und werden schon von unserem jungen Landlord begrüßt. Unser Reich ist ein kein 10 qm großes Studio mit Terrasse. Wir haben alles, was wir brauchen. Nach der obligatorischen Dusche gehen wir Frühstück und Abendessen für morgen einkaufen, wo wir in einem kleinen Ort mit wenig Ausgehmöglichkeiten ebenfalls in einer Ferienwohnung übernachten werden. Heute essen wir bei einem sehr gut besuchten Vietnamesen Garnelengerichte und kommen mit den Sitznachbarn aus dem Westerwald ins Gespräch. Er kommt ursprünglich aus Neuruppin und ist 1956 geflüchtet. Später nach der Wende ist er dann mit einem Segelflieger vom Westerwald bis zur Feste Königstein in der Sächsischen Schweiz geflogen.
Wir lassen den Abend in einem Biergarten an der Saale und dann auf unserer Terrasse bei einer Weinschorle, dem bei den hohen Temperaturen idealen Getränk, ausklingen.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Heute steht eine übersichtliche Etappe auf dem Programm, die wir dadurch auch noch verkürzen, indem wir den Schlenker hoch zum Schloss Saaleck ausfallen lassen und von Diebach direkt nach Osten auf einem Radweg nach Hammelburg gehen.
Frühmorgens um 5 fängt das kleine Rotschwänzchen an, zu pfeifen, das unser Wirt in den letzten Tagen mehrmals wieder zurück ins Nest bugsiert hat, aus dem es herausgefallen war. Wir haben uns trotzdem in der Nacht gut von der anstrengenden ersten Etappe erholt, nach dem Frühstück brennt bereits um halb neun die Sonne runter, auch heute werden wieder Temperaturen um die 30 Grad erreicht. Die sich nach Osten zur Sonne hinwendenden Sonnenblumen können sich nicht beklagen. Es sind heute am Sonntag einige Rennradfahrergruppen unterwegs, die sich hinter uns mit dem Ruf „Vorsicht“ ankündigen.
Nachdem wir kurz vor Hammelburg die idyllische Thulba, die etwas weiter südlich in die Saale mündet, überquert haben, fallen mir rechts auf der Wiese vier große Vögel auf, es sind Störche, die nach Essbarem suchen.
Nach einer guten Stunde erreichen wir Hammelburg. Auf dem Marktplatz mit dem Rathaus fällt der Brunnen aus der Frührenaissance (1541) ins Gesicht. Wir leisten uns hier neben dem Weinhotel – Hammelburg ist die älteste Weinstadt Frankens – einen Eiskaffe beim Italiener. Zu dieser Zeit am Sonntagmorgen geht es hier noch recht beschaulich zu.
Wir steigen nun hinauf in die steilen Weinberge, unten sieht man viele große, weiße Parabolantennen. Es handelt sich um die Erdfunkstelle Fuchsstadt; die Antennen kommunizieren mit Satelliten und sorgen vor allem für Internetempfang in Kreuzfahrtschiffen und Flugzeugen.
Von hier oben hat man außerdem einen wunderschönen Blick zurück nach Hammelburg.
Inzwischen laufen wir auf einem schmalen, sandigen Pfad in den Wald hinein, endlich kann man von einem Wanderweg sprechen. Die kleinen, überall herumliegenden Kiefernzapfen riechen nach Sommer. Hier blickt die Thüringer Königin Amalberga, die in der Gegend ein Schloss besessen haben soll, hinunter auf die Ebene.
Es geht jetzt hinab nach Feuerthal, wo aufgrund des Flohmarkts viel los ist. Wir kehren in eine Heckenwirtschaft ein und trinken beide eine herrlich erfrischende Sprudelflasche Johannisbeerschorle im Schatten des Hofes.
Anschließend bewegen wir uns in Richtung A7, die man erst auf dem Abstieg nach einem vorangehenden Anstieg auf einen Hügel richtig hören kann. Im Tunnel zähle ich 75 Schritte, die Autobahn dürfte rund 50 Meter breit sein.
Unser Zielort Elfershausen ist nicht mehr weit. Im Hofladen kaufen wir weitere Johannisbeerschorlen und Eisbecher und legen das Geld brav in die Kasse. Dass wir in einer historischen Weingegend sind, wird auch im Bildstock angedeutet.
Wir beziehen unser geräumiges Hotelzimmer bereits um 14 Uhr, nach dem Duschen und der Siesta chillen wir. Es stellt sich heraus, dass es weder im Hotel noch im Ort eine Einkehrmöglichkeit gibt. Bahntickets ins 10 km entfernte Hammelburg kosten unverschämte 32 Euro, macht 128 Euro hin und zurück zu zweit. Ein Taxi wäre auch nicht teurer. Wir lösen das Problem, in dem wir uns nebenan in den automatisierten 24 Stunden-Supermarkt Tante Enso einschmuggeln und uns über die Karte einer anderen Kundin anmelden und dann mit EC-Karte bezahlen. Es gibt Wiener Würstchen, ein Körnercroissant und Rahmjoghurt. Dazu ein Weißbier.
Danach – es sind um 19 Uhr immer noch 29 Grad – machen wir noch einen Verdauungsspaziergang die Straße runter über die Bahngleise Richtung Saale und spazieren 10 Runden im Kneippbecken. Die anschließende Aussicht von der Wellenliege auf die Trimberg, die uns morgen erwartet, ist auch nicht zu verachten.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Auf Watte gehen
Zurück in fernste Kindheit
Einem Traum folgen
[Daniel Lanois – Clinch von Player, Piano, 2022]
Nachdem wir am Vorabend per Bahn angereist waren – C. aus Niederhöchstadt, ich aus Berlin – genießen wir am nächsten Morgen ein fürstliches Frühstück in unserem 500 Jahre alten und seit 140 Jahren im Familienbesitz befindlichen Hotel in Gemünden am Main.
Wir sind erst 20 nach 9 auf unserem Weg, die Sonne scheint schon runter, es wird warm heute. Wir werden die nächsten drei Tage an der mäandernden fränkischen Saale nach Bad Kissingen wandern, wo der Hochrhöner beginnt, der uns nach Bad Salzungen führen wird. Der Weg hier schimpft sich „Weingenussweg“, es wird sich zumindest am ersten Tag herausstellen, dass es weder Weinreben, noch Genuss – wir werden hauptsächlich auf einem asphaltierten Radweg gehen – gibt. Zudem ist die Markierung mal wieder von Leuten designed worden, die in ihrem Leben noch nie gewandert sind, man kann sie meist erst aus ein paar Metern Entfernung sehen, so dünn sind die Schriftzüge und das Rebenlogo. Außerdem treffen wir heute zwar viele Dutzende Radfahrer, denen wir Platz machen müssen, aber nur eine knappe Handvoll Wanderer. Wir fühlen uns leicht verarscht.
Über den Marktplatz gehen wir aus dem Ort hinaus hoch zur Scherenburg. Hier steht eine Buntsandsteinmauer, die den Ronkarzgarten abgrenzt.
Auf dem Burggelände stehen Tische mit weißen Hussen, auf der Rückseite ist eine Tribüne und eine kleine Freilichtbühne. Hier wird offensichtlich bald Theater gespielt und gefeiert werden.
Über eine Forstpiste geht es im Buchenwald nach Schönau, wo die Klosterkirche der Zisterzienser geöffnet ist. Es handelt sich um eine Barockkirche, in der mir die vielen – ich zähle 3 – Beichstühle mit je 2 Beichtkammern im Chorbereich auffallen. C. erzählt mir davon, wie sie früher als Kind notdürftig erfundene „Sünden“ beichten musste, die den Pfarrer jedoch meist nicht befriedigt haben. Eine absurde Veranstaltung einer Institution, die sich bis heute bei der Beichte der eigenen, oft ganze Leben zerstörenden Verfehlungen vor allem durch Verschweigen und Ableugnen ausgezeichnet hat.
In einem kleinen Raum am Kopf der Kirche ist eine Krippe aufgebaut mit der von den Einheimischen gestalteten Hochzeit von Kanaan.
Ein volksnahes Gesicht der hiesigen Kirche zeigt ein Prospekt mit einem lachenden Bruder, der dem Biergenuss nicht abgeneigt zu sein scheint.
Hinter dem Ort überqueren erstmals die Saale, vorher rasten wir noch im Schatten an einer Steinbank.
Irgendwo hier in der Nähe verläuft die Grenze zwischen den Zulassungsbezirken Main-Spessart (MSP) und Bad Kissingen (KG). Am Straßenrand sehen wir mehrmals vom Dachs ausgeschiedene Kirschkerne.
Ein Bushaltestellenhäuschen mit Herrnhuter Stern am Straßenrand fällt mir ins Auge. Man müsste mal einen Bildband zusammenstellen mit originellen Häuschen an Bushaltestellen. Da käme so einiges zusammen.
Über uns kreist ein roter Milan, den ich mit der Handykamera bei 30er Zoom nur schwer einfangen kann.
Der Himmel weist einzelne Wolkenschlieren auf, es ist leicht windig bei Temperaturen an die 30 Grad. Gerade noch erträglich uum Wandern, unser Motto heute <<Ça pourrait être pire>>.
Das Café in Schonderfeld öffnet leider erst um15 Uhr, wir versuchen es vergeblich beim Forellenhof, leider wurden die geräucherten Forellen am Vormittag schon abverkauft. In Gräfendorf halten wir eine kleine Siesta im Baumschatten auf einer Rundbank. So gewinnen wir etwas Zeit, weil wir um 15 Uhr in Michelau sein wollen. Hinter Gräfendorf stoßen wir auf ein seltsames Bauwerk, das heute vom Alpenverein zum Klettern genutzt wird. Es ist der Pfeiler einer Brücke – Strecke 46 – die 1937 die Saale überspannen sollte. Ein Teilstück einer unvollendeten Autobahn zwischen Bad Hersfeld und Würzburg, einem Vorläufer der A7.
In Michelau laufen die Vorbereitungen für das Volksmusikfest auf Hochtouren. Für die Bratwürste ist es noch zu früh, aber wir stärken uns hier im Schatten weißer Zeltplanen bei Pommes, Johannisbeerschorle, einem sehr süßen Radler sowie Eiskaffee und Kuchen.
Auf der Saale hört man immer wieder Stimmen, es sind ganze Paddelbootgruppen unterwegs, die sich dort bei der Hitze sehr wohl zu fühlen scheinen.
In Morlesau ist noch ein gut besuchter portugiesischer Biergarten direkt am Fluss, den wir links liegen lassen.
Wir kommen jetzt so langsam zu unserem etwas abseits des Weges gelegenen Etappenziel Diebach. Die Landschaft erinnert mit ihren sanften Anstiegen und den allerdings hier noch bewaldeten Kuppen bereits an die Rhön.
Unser mittelalter Gastwirt erwartet uns schon auf der Treppe des Gasthauses. Er serviert uns sofort ein kühles Würzburger Hofbräu Festbier, sicherlich das leckerste Helle, was ich jemals getrunken habe, sehr würzig und extrem süffig. Anschließend duschen wir – mein schwarzes Unterhend ist voller weißer Salzflecken – und essen abends auf der langsam abkühlenden Terrasse einen leichten fränkischen Salat und verquatschen den Abend bis zum Einbruch der Dämmerung mit dem Wirt, der den trockenen, fränkischen Humor mit einem ironischen Unterton hat und selber in 3 Wochen von München über die Alpen nach Venedig gewandert ist.
Hier ist die Übersicht über unsere Wanderung bis zu und auf dem Hochrhöner im Juli 2026.
Schwalben in Schwärmen
Mauerseglerschwarm
Über den Fachwerkhäusern
Im Tiefflug kreischend
Deine Erdenzeit
War viel zu kurz bemessen
Danke fürs Konzert
[Sparklehorse – Saturday von Vivadixiesubmarinetransmissionplot, 1995]
Lyrics durchgeknallt
Tieftraurige Melodie
Passend zum Leben
[Vic Chesnutt – Sad Peter Pan von Is the Actor Happy?, 1995]
Schlange an Kasse
Kassierer ziemlich langsam
Hilfe statt Kritik
Es passiert wirklich
Zuhaus kann ich nicht bleiben
Muss raus in die Nacht
[Mark Eitzel – Then It Really Happens von West, 1997]
Motocrossdüfte
Fahrradtraining 2. Platz
Flirrender Asphalt
Offene Fernen
Waldlose Vulkankuppen
Mitten in Deutschland
Love lost, replaced by
Yellow glowing forsythia,
Glittering raindrops
Da vermählen sich
Rhythmus und Melodie zu
etwas größerem
[Yo La Tengo – Autumn Sweater von I Can Hear the Heart Beating As One, 1997]
Die Augen öffnen
Eine friedliche Landschaft
Lasst uns verweilen
[Marion Brown – Bismillahi ‚Rrahmani‘ Rrahim von Vista, 1975]
Rechts und links Flügel
Übermenschliche Kräfte
Ich flieg dann mal weg
[The War On Drugs – Under the Pressure, 2014]
Blättergeraschel
Ringeltaubengeturtel
Hoch im Apfelbaum
Wir tasten uns vor
Da hinten am Horizont
Es gibt noch Hoffnung
[Pat Metheny – America the Beautiful / The People United Will Never Be Defeated]
Beck, allein zu zweit
Wenn die pedal steel jammert
Wieder in der Spur
[Beck, Sierra Ferrell – Ride Lonesome]
Andalusien
Von Frühbarock zu Impro
Kammerjazz, lyrisch
[Wolfgang Muthspiel, Collin Vallon, Mario Rom – Atlas]
Sich beim Durchrechnen
Immer wieder verheddern
Phantomfiguren
[Ellis Schatztruhe: Die drei Kardinalfehler]
Im Nachbarsgarten
Zwei Elstern verfolgen sich
Schäckern und zetern
Vom kühlen Keller
Über EG, 1. Stock
Hinauf zur Hölle
Zweiunddreißig Grad
Um acht am Kühlsten bei uns
Unterm Apfelbaum
Aus dem Backofen
Glühendheißer Wind kommt auf
Kurz vor 20 Uhr
Am frühen Abend
Ventilatoren entdeckt
Im Schrank im Keller
Mutter sagt, Vater
würde viel stärker unter
der Hitze leiden
Keine Bewegung
Auf Ledersofa liegen
Der Hitze trotzen
Den Vinho Verde
Schluck für Schluck apprezihiert
Das Wasser auf ex
Haaland, der Hüne
Exakt so groß wie ich, nur
Vier Kilo leichter!
Leipziger setzt sich
neben mich im vollen Zug
Hat nicht ganz unrecht
Reservierung weg
Klimaanlage fällt aus
Verspätung. Normal
Bedrückte Stimmung
Streicher verheißen Zukunft
Hör ich da Möwen?
[Shearwater – Aqaba von The Great Awakening, 2022]
Achtundzwanzig Grad
Mitternacht, Vordertaunus
Fenster auf, Luft rein
Jemand anrufen
Durch Summen der Töne der
Einzelnen Ziffern
Im aktiven Teil
der Altersteilzeit zu sein
Sehr gutes Gefühl
Diese Stimme, die
Dem Überirdischen so
Unglaublich nah kommt
[Shearwater – Xenarthran von The Great Awakening, 2022]
Es ist Sommer, wenn
Mir nachts beim Nacktrumlaufen
Immer noch warm ist
Starke Talk Talk Vibes
Am seidenen Faden hängt
Die Musik im Raum
[Shearwater – Detritivore von The Great Awakening, 2022]
Slowly sinking in
His voice an acquired taste
This is an album!
Letztes Spargelmahl
Johannisbeeren gepflückt
Im Rosenschatten
Brushed by a feather
British duo’s first, shy steps
Bossa nova charm
[Everything but the Girl – Night and Day (Cole Porter), 1982]
Netz voll Heringe
Panda jagt Islandpferde
Die Rache des Hahns
[Hlynur Pálmason – The Love that Remains, 2 aus 5]
Feine Mondsichel
Westlicher Abendhimmel
Fünfundzwanzig Grad
Rickenbacker mimes
Coltrane’s modal jazz sax play:
Psychedelic rock
[The Byrds – Eight Miles High, 1966]
Um acht Uhr morgens
Am Himmel Schäfchenwolken
Sonne brennt runter
6 feet under ground
Da ist es angenehm kühl,
feucht, dunkel und still
[Chris Cacavas – Disappear von Anonymous, 1997]
Die schwarze Nacht hat sich über mich gesenkt
Wie eine warme Decke, die alle Probleme zudeckt
In meinen Ohren rauscht es, ein kosmisches Hintergrundrauschen, das niemals aufhört
Manchmal denke ich, dass ich schreibe, um das Geschriebene sofort zu vergessen
Wie Gewölle, von dem man sich trennen muss
Wie kommt es, dass wir so einsam sind und im Laufe des Lebens noch einsamer werden? Dass es mit den Freundschaften bei mir nicht so hinhaut?
Ein Blog zu haben, in das man etwas schreiben kann, lindert die Einsamkeit ungemein
Mein kindlicher, unkaputtbarer Enthusiasmus, der aber irgendwie keinen Widerhall findet
Könnte es sein, dass ich den Menschen zu viel zumute?
Ich kann tausendmal auf die Schnauze fliegen, ich rappele mich aber immer wieder auf
Ansonsten freue ich mich auf den Hochrhöner, die Rhön habe ich wirklich liebgewonnen in den letzten 2 Jahren
Sie ist abgelegen und in der Mitte (von Deutschland)
Sie bietet herrliche Aussichten und die Kuppen haben so etwas Weiches, Rundes, Liebliches
Und doch kann es sehr kalt sein im Winter
Ich bin sehr gespannt. Wir starten im Süden in Unterfranken in Gemünden am Main, das Ziel ist Bad Salzungen in Thüringen im Norden, 2 Wochen ab Mitte Juli sind angesetzt
Wir werden sowohl die Kuppenrhön im Westen als auch die Lange Rhön im Osten, die übrigens kürzer ist, bewandern
Nach oben steigen
Alles Gewicht abwerfen
Aufgesaugt werden
[Seefeel – Moodswing, 1993]
Kimbas Wendepunkt
Negativ korreliert mit
Lufttemperatur
Lieder von früher
Zeitmaschinen in Jugend
Ich höre mich jung
[The Smiths – Oscillate Wildly von The World Won’t Listen, 1987 (2011 Remaster)]
Säufst du so weiter,
wird über dich entschieden
und nicht umgekehrt
[W. zu mir, 1988]
ins wasser springen
sich ins meer tragen lassen
von dem wellenkamm
[experimental aircraft – symphony, 2002]
Sakrale Klänge
Die Himmelsleiter hinauf
Tanz auf Lichtstrahlen
[Boards of Canada – You Retreat in Time and Space von Inferno (s.a.)]
Absturz auf Party
Alleinsein in der Menge
Nur noch heimwollen
[Ryan Adams – Anybody Wanna Take Me Home von Love Is Hell, 2004]
Sonntagnachmittag
Sich jedem Ton hingeben
Auf dem Weg zum Glück
[Steve Swallow – Two von Winter Songs]
Unterm Blätterdach
Im Hängesessel schaukelnd
Immer im Kreis rum
Zum Freistundenhof
Ohne Handy, Perso, Geld
Zur Freiheit verdammt
[Caligula, Inferno (Camus/Dante) Premiere vom aufBruch-Theater in der JVA Tegel]
Sofort aus dem Stand
Melodie mitten ins Herz
Das können nur sie
[Teenage Fanclub – Going Places von Grand Prix, 1995, cf. ]
Aus Fesseln befreit
Gitarre zeigt Gefühle
Frisst sich ins Gehirn
[Funkadelic – Maggot Brain, 1971]
Gut durchgekommen
Alle Staus und Unfälle
Auf Gegenfahrbahn
Eigentlich wollten
Wir ja beim Konzert sein, doch
Es war ausverkauft
[Element of Crime – Weißes Papier, 1993]
Die Saison vorbei
Englische Badeorte
So herrlich schön tot
[Morrissey – Everyday Is Like Sunday von Viva Hate, 1988]