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Freitag, 14. April 2017

Karfreitag 2017



Ein Datum, welches mich an meinen zu jung verstorbenen Cousin erinnert. Er ging mit Rückenbeschwerden ins Krankenhaus und die Diagnose lautete damals Krebs im Endstadium. Sechs Wochen später war er tot.
Die Beerdigung war nicht einfach. Sein Bruder hatte Lungenkrebs, ich selber ein Magniles Melanom und fiel durch alle Raster, weil man den Primärtumor verworfen hatte. Meine Mutter war ein Jahr zuvor gestorben, mein Mann hatte zwar seinen ersten Krebs gut überstanden, der aber wieder nach 10 Jahren ausgebrochen war, es folgten zwei Jahre eines Martyriums. Trotzdem: Dankbarkeit für die geschenkten zehn Jahre! Was für eine Zeit! Mein Cousin wurde nur 56 Jahre alt. Er wäre heute 71 Jahre alt geworden. Es folgte ein Schlag auf den anderen. . . Dabei hatte ich damals immer angenommen, dass meine Schale doch schon eigentlich genug gefüllt war mit Lebensstürmen. . . aber schwere Jahre setzten mein Schiffchen noch arg zu. Mit ganz kleinen Schritten, die mich lehrten das Glück in dem Makrobereich zu entdecken, schipperte ich durch das Meer des Lebens weiter.
Trotzdem, aus all dieser Zeit wurden die Sensoren verfeinert für das Wesentliche im Leben.

So wird so manches Lebensschiff heftigen Stürmen ausgesetzt. Man ist durchaus kein Einzelfall! In dieser Zeit habe ich Schicksale kennen gelernt, die mindestens ebenso oder gar noch trauriger waren, als ich selber erleben musste.

Erinnerungen hervorgerufen nach einem Beitrag im Deutschlandfunk heute Morgen über einen Jakobs-Pilger mit Namen Helge. Er musste durch ein anderes sehr tiefes Tal hindurch gehen für viele Jahre und fand die Kraft, sich aus dem Tal zu entfernen. Ich denke, jeder hat sein eigenes Tal im Leben zu durchschreiten. Es sind die Schleifsteine des Lebens . . .

Durch ein Schlüsselerlebnis nahm er seinen positiven Faden auf und die anstehenden Prüfungen, die ihm nicht erspart blieben, hat er bestanden. Heute ist er wieder auf einem Höhenweg und hat seinen Horizont stark erweitert und schaut mit anderen Augen in seine Zukunft. Hat wieder Zuversicht und Glauben gefunden.

Wenn die eigene Welt grau in grau erscheint und dann zwischendurch Sonnenstrahlen die Seele erwärmen bekommt man wieder Kraft und Zuversicht. Das geschieht immer wieder und so kann man sich durchaus getragen fühlen.

© Ingrid Horn


Freitag, 27. November 2015

Gestern - Heute - Morgen


Im fortgeschrittenem Alter kann man natürlich auf ein „Auf und Ab“ des Lebens zurück blicken. Es bringt nichts, in der Vergangenheit zu leben, denn alles fliesst. Sicher ist, dass ich durch sie geprägt wurde.
Aber: die Vergangenheit w a r!

Meine bisherige Lebenserfahrung lehrt mich täglich neu im Hier und Jetzt zu leben. Meine Sensoren sind sensibler geworden und das möchte ich mir erhalten. Große Gesten sind unbedeutsam geworden - die kleinen Dinge, die seitwärts an meinem Lebensweg liegen, haben eine größere Bedeutung gewonnen. So kann ich eher in mir ruhen und nehme viele Dinge wie durch eine große Lupe gesehen besser wahr.
In dieser so unruhigen und aufgerüttelten Zeit empfinde ich es als besonders wichtig, sich nicht in den Sog von den täglichen Grausamkeiten herunterziehen zu lassen, die man aus den Nachrichten erfährt. Kann für mich abwägen, was ich ändern kann und was nicht.
So bleibt mir bewusst, gemessen an vielen Millionen Menschen, dass ich ein privelegiertes Leben habe und dafür bin ich sehr sehr dankbar. Hieraus resultiert auch mein Impuls, gerne sinnvoll zu helfen, soweit es in meiner Macht steht. Soviel zum Heute.

Was die Zukunft mir noch bringen mag, ich werde nicht alles beeinflussen können. Sie kommt ohne mein Dazutun und zu gegebener Zeit werde ich mich ihr zu stellen haben (dann ist es bereits wieder ein Heute).
Heute ist dann bereits gestern.

© Ingrid Horn Nov. 2015



Montag, 14. Juli 2014

Begegnung

Auf dem Wege zum Briefkasten begegnete ich einer alten Dame. Ich kenne sie schon viele Jahre. Sie kam mit einem Rollator daher und ich war erstaunt, denn bisher war sie für ihr Alter (die Mitte der 80iger hat sie bereits überschritten) immens rüstig. Sie genoss es, ihrer Familie auf dem Wochenmarkt zu helfen. Der Kontakt zu den Mitmenschen war ihr immer wichtig. Nun bedauert sie, dass es zur Zeit nicht mehr geht und arbeitet an sich mit Hilfe von Physiotherapeuten jeden Tag bis zur Schmerzgrenze, damit sie wieder schnell fit wird (so der Herrgott es zulässt).

Was war geschehen?  - Die Dame lebt allein in ihrer Wohnung. Sie war auf den Rücken gefallen und kam nicht mehr hoch. Niemand hörte ihr rufen. Sie robbte irgendwie Richtung Telefon und versuchte, es an sich heran zu ziehen. Dabei zog sie versehentlich das Kabel aus der Telefonsteckdose.
Was nun? Angst kroch in ihr hoch. Sie lag bereits seit zwei Stunden auf dem Boden. In ihrer Verzweiflung robbte sie in ein anderes Zimmer, um sich dort an einem Bord hochziehen zu können. Fehlanzeige! Nun überlegte sie, wo sich ihr noch eine Gelegenheit bot, wieder auf die Füße zu kommen und robbte weiter ins Bad.
Ihr gelang es einfach nicht, wieder hochzukommen und die Schmerzen und die Angst machten ihr arg zu schaffen. Nach einer langen Zeit sah sie Jemand vorbei gehen und schrie um Hilfe.
Endlich wurde sie von den Nachbarn gehört, die jedoch keinen Zugang zu der Wohnung hatten. Diese benachrichtigten ihre Tochter, die alles stehen ließ und sofort kam. Inzwischen hatten die Nachbarn den Krankenwagen gerufen. Welch ein Glück – so wurde Zeit gespart. Mit Blaulicht kam sie ins nächste Krankenhaus, wurde dann in ein anderes verlegt zwecks Untersuchungen (MRT) und anschließend kam sie noch in ein drittes Krankenhaus.  – Was für eine Odyssee! Dabei hatte sie noch so viel Glück im Unglück!
 
Nun bekommt sie einen Notrufanschluss, den sie in Form eines roten Knopfes um den Hals tragen kann. Viele ältere Leute fallen hin und brechen sich das Becken, Oberschenkelhalsbruch, Schulter oder die Gelenke.

Welch ein Segen, dass es diese Einrichtungen der Notrufe gibt, damit alleinstehende ältere Leute schnelle Hilfe bekommen können.

©by Ingrid Horn

Samstag, 12. Juli 2014

Kleine Melodie einer Lebensphilosophie

Wir alle wissen, jede vergangene Sekunde, Stunde, ist unwiederbringlich vorbei. Zählt man seine Zeit in diesen Zeiteinheiten, fühlt sich die uns verbleibende Lebenszeit noch sehr lang an.

Doch die Uhr tickt unbeirrt weiter. Von Jetzt auf Gleich kann alles anders sein oder gar nicht mehr existieren.

Ist es nicht weiser, sich dieses Umstands öfters bewusst zu werden? Mehr Leben in unser Leben zu packen? Sich freuen zu können am Sein?
Loslassen von eingefahrenen unsinnigen Zöpfen und sich zu fragen, für welche Werte ich stehe? Haben sich die Werte nicht mit den Jahren verändert? Ich meine nicht die materiellen Werte, denn sie sind nicht so wichtig. Das letzte Hemd hat keine Taschen und um mit seinem Leben glücklich sein zu können, bedarf es eigentlich nur sehr wenig.

Stille ist nicht gleich Einsamkeit. Stille ist Einkehr zu sich selbst, in sich hinein hören. Diese Möglichkeit ist überall gegeben, ob in der Natur, wo auch immer oder aber im eigenen Kämmerlein. Einfach für einen Moment meditieren, sich von diesem kostbaren Moment tragen lassen, die Stille hören können, dankbar sein, dass man ist und man wird mit etwas Übung den Weg zu sich selber finden.

Jeder von uns, so glaube ich, hat so seine Stolpersteine auf seinem Lebensweg gehabt, jeder
manchen Schicksalsschlag hinnehmen müssen, waren traurig, verzweifelt, wütend, fühlten Unrecht – aber auch: Fröhlichkeit, Glück, Seligkeit. Manchmal musste man das Lachen erst wieder erlernen, manchmal versagte die Stimme. Wie auch immer gelebtes Leben für jeden war: hinfallen ist nur dann schlimm, wenn wir nicht wieder aufstehen und unsere Lehren daraus ziehen


Wie wertvoll ist heute dein (unser Lachen), welches aus tiefem Herzen kommt. Das Licht in deinen (unseren) Augen, welches ausstrahlt auf deinen Nächsten? Es strahlt meistens zurück – ganz bestimmt.

©by Ingrid Horn

Donnerstag, 10. Juli 2014

D U


DU ist nicht das schüttere Haar
Nicht die Gesichtsfalten
Nicht der langsam welkende Körper
Nicht die Optik der menschlichen Hülle
DU ist das Zentrum des Seins – des Herzens
Es spiegelt sich wieder in den Augen
In den Gedanken, Worten und im Handeln

© Ingrid HornornHorn



Mittwoch, 11. Juni 2014

Morgenrot


Nach einer dunklen Nacht
beginnt der neue Tag.

Die blutrot aufgehende Sonne
anzuschauen ist eine Wonne.

Positiv geht's in den Tag hinein.
Kann der Beginn eines Tages
schöner sein?


© by Ingrid Horn

Montag, 9. Juni 2014

Schlaflos

In der Nacht, wenn ohne Schlaf,
Kommt oft das große Ach.
 
Ach, wenn dies und das nicht wär’,
Wär’ das Leben gar nicht schwer.

Man würde über Wiesen laufen
Und sich nicht die Haare raufen.

Würde singen wie ein Vogel
Ganz hoch oben auf dem Kogel.

Würde schwimmen wie ein Fisch.
Mancher glaubt es sicher nicht.

Gib’ dem Ach nur keinen Raum,
Lebe lieber deinen Traum.



© by Ingrid Horn 

Samstag, 15. Februar 2014

Trauer

Trauer:  gefühlte innere Leere, Gefühl des Verlassenseins, Frage nach dem Sinn, trauern um die verloren  gegangene gemeinsame Zukunft im Herbst des Lebens.  Beerdigt man mit dem geliebten Partner doch eine ganze Menge mehr.
Dagegen stehen die täglichen Anforderungen des Lebens – schaffe ich alles?  Alles muss irgendwie weiterlaufen. Was ist, falls Kinder vorhanden sind und sie noch  in der Ausbildung sind? Schafft man alles bei den heutigen Kosten eines etwaigen Studiums? Die evtl. große finanzielle Sorge – Hauptsache die Kinder können ihren Weg gehen.
In dem Moment fragt man sich – wo bleibt man selber? Man fühlt sich wie ein Blatt im Wind und weiß nicht wohin  es fliegen wird,  wo es landen wird.
Neuanfang


Trauer. Jeder trauert auf seine Weise. Jeder fühlt anders.  Alles ist gut so und auch notwendig. Nur vor einem muss man sich bewahren: einfach im Loch liegen bleiben in das man gefallen ist.  Wieder aufzustehen ist nicht immer leicht.  Oft  ist es ein langwieriger Prozess. 

Denkt man an die Zeit zurück, schaut Fotos an aus der gehabten gemeinsamen Zeit,  wird vieles wieder lebendig. In der Erinnerung wird man dankbar für ein bewusstes und reiches Leben. Dieses Wissen kann ganz entscheidend über die Trauer hinweg helfen.  Es ist ein großes Glück, eine wundervolle Partnerschaft gehabt zu haben.

Ein Gang in die Natur beruhigt ungemein. Wenn man genauer hinschaut und sich an Fauna und Flora erfreuen kann, ist dies Balsam für die wunde Seele.

N i c h t   in der Vergangenheit leben ist wichtig.

Seinen Weg zu erkennen, frei zu sein für Neues, was man auch immer darunter verstehen möchte und herauszufinden, welches Ziel erstrebenswert sein könnte.

Jedes Ende beinhaltet auch einen neuen Anfang.


© by Ingrid Horn 

Sonntag, 2. Februar 2014

Rückkehr nach Deutschland

Einige Jahre lebten wir in Südafrika, mein Mann und ich. Irgendwann zog es uns zurück in die alte Heimat.

Ende November 1969 gingen wir in Durban an der Ostküste Südafrikas an Bord der KALAHARI. Ein Frachtschiff, das maximal nur 12 Passagiere mitnehmen durfte. Vorweg: Was wir nicht wussten: der Kapitän war nur vertretungsweise an Bord, war mit Passagieren keinen Umgang gewohnt. Der Koch hatte gerade geheiratet und seine junge Frau war auf „Hochzeitsreise“ mit an Bord.
Dies sollte sich während der Fahrt auch bemerkbar machen. Wir bekamen so viele Varianten von Mirabellen im Hauptmenü sowie als Dessert und in Saucen serviert, dass sie uns buchstäblich aus den Ohren heraus hingen. Noch viele Jahre danach mochten wir keine mehr essen. Blumenkohl z. B. gab es fast jeden 2ten oder 3ten Tag über einen Zeitraum von 6 Wochen.  Deshalb verhungerten wir zwar nicht, aber etwas abwechslungsreicher hatten wir uns die Speisekarte schon vorgestellt.
 


Nun zurück zur Reise von Südafrika nach Bremerhaven. Wir umschifften das südliche Afrika und legten in Port Elizabeth, East London und in Kapstadt an. In Kapstadt lag die KALAHARI für einige Tage im Hafen und wir feierten an Bord auch Weihnachten. Danach ging es weiter nach Walvis Bay, eine Stadt, in der die Fischindustrie zu Hause ist. Unter dieser infernalischen „Fischgeruchsglocke“ mussten wir das Neue Jahr beginnen! Dieser qualvolle Aufenthalt währte vier ganze Tage lang. Um diesem wenigstens zeitweise zu entgehen, beschlossen wir in dieser Zeit per Autostopp nach Swakopmund zu fahren.
 
Die Crew  der KALAHARI hatte Ausgehverbot, sie wurden gebraucht. Die Mannschaft wollte am Silvesterabend auf dem Achterdeck grillen, ihnen fehlte aber die Grillkohle. In Walvis Bay war damals keine zu haben. So erboten wir uns, diese von Swakopmund mitzubringen.

Bis nach Swakopmund klappte es gut mit dem Autostopp. Wir hatten dadurch die Möglichkeit, uns das kleine aber gemütliche Städtchen anzuschauen. 
Swakopmund war seinerzeit der beliebteste Badeort von Namibia, dem damaligen Südwestafrika.
  
Mit einem Sack Grillkohle machten wir uns per Pedes auf den Rückweg. Wir hofften, dass uns ein Autofahrer auf der Strecke mitnehmen würde. Diese Hoffnung war leider vergeblich, weit und breit ließ sich niemand sehen.
 
Wir versuchten im gleichmäßigen Schritt auf dem mit einer dicken Salzschicht bedeckten Sandweg unter der sengenden Sonne zurück nach Walvis Bay zu wandern. Nach ca. drei Stunden hatten wir dann doch noch Glück und wir wurden „aufgegabelt“. Der Fahrer war sehr freundlich und brachte uns bis an unser Schiff. Wir waren aber auch total k.o. , durchgeschwitzt und durstig.
 
Dafür war das Silvestergrillen auf dem Achterdeck gesichert. Mein Mann und ich wurden großzügiger Weise von der Çrew eingeladen mit ihnen zu feiern. Das war schon ein uriges Event.
 
Ich  erinnere mich gern daran, dass wir in einer fröhlichen Runde beisammen saßen. Unter anderem sangen wir ein Lied, zu dem sich jeder schnell den passenden Text ausdenken musste. Wer an der Reihe war musste dann vorsingen und der Refrain wurde von allen mitgesungen. Da kamen natürlich auch sehr lustige Texte zusammen.
 
Die Überquerung des Äquators wurde traditionsgemäß mit einer Taufe gefeiert. Das Schwimmbassin des Schiffes war defekt, so wurden Wassereimer als Ersatz genommen ... Es war sehr nass und es gab viel Gelächter und Gekreische.
 

Ich liebte es, an der Reling zu stehen und die Fische im Meer zu beobachten. Delphingruppen, die mit ihren lustigen Sprüngen begeisterten oder ein Manta (Rochen), der eine zeitlang ruhig neben dem Frachter her schwamm oder auch nur, wenn sich eine Möwe von ihrem Flug an Deck ausruhte.
 
Es war eine schöne und ruhige Zeit, nicht zu vergleichen mit den großen Passagierdampfern, auf denen jede Menge Animation geboten wird.

So allmählich kamen wir dem europäischen Kontinent näher. Wir spürten, dass es kühler wurde. Wir kamen aus dem südlichen Hochsommer in den europäischen Winter hinein. Dann erreichte uns die Nachricht, dass im Ärmelkanal ein heftiger Sturm tobte und einige Schiffe in Seenot geraten waren. Es sollte auch ein Schiffsunglück geschehen sein, bei dem einige Seeleute vermisst wurden.
Unser Kapitän machte sich große Sorgen. Er hoffte, nicht ankern zu müssen. Die Nachrichten wurden emsig verfolgt, aber unsere Reise ging erst einmal weiter. 

Als die ersten Ausläufer der Dünung uns erreichten, wurde die verstellbare Verblendung an den Tischen hochgestellt und eine angefeuchtete Decke aufgelegt. Das Essgeschirr und die Gläser konnten so nicht ins Rutschen kommen.
Einer der älteren Passagiere, der sein Pensionärsdasein in seiner alten Heimat UK verbringen wollte, war ein ausgesprochener Pechvogel. Bei einer plötzlichen Schiffsbewegung verlor er im Bad sein Gleichgewicht und fiel mit seinem nackten Allerwertesten gegen eine Heizung. Die Folge war ein gemusterter schmerzhafter Po. Naturgemäß bekam er Sitzschwierigkeiten. 
Ein anderes Mal, die Dünung war schon ein bisschen höher, ging er auf den gedeckten Tisch zu. Gerade war er am Tisch angekommen als der Frachter sich zur anderen Seite legte. Er wollte sich noch festhalten und griff mit beiden Händen in das Hauptmenü. Vor lauter Schreck dann anschließend links und rechts in die Dessertschalen. Das Ergebnis war ein schallendes Gelächter aller Gäste und er hatte gar keine andere Çhance als mitzulachen. Seine Frau lief unfreiwillig durch die Messe, dabei schlug sie mit dem Kopf gegen die Vertäfelung. Eine leichte Gehirnerschütterung war die Folge.
Alles was nicht niet- und nagelfest war wurde nun festgeschnallt. Zum Beispiel schoss unser schwerer Überseekoffer quer durch die Kabine. Das war schon beeindruckend, aber es sollte noch schlimmer kommen!
 

Nach erreichen der Biscaya war der Sturm zwar abgeflaut, doch die Dünung war noch sehr hoch! Die 10 – 12m hohen Wellen schlugen über Bug und Deck. Die Passagiere durften nicht mehr an Deck gehen.

Das Hauptproblem war die Ladung, die nicht ins Rutschen kommen durfte. 
Zeitweise hatte die KALAHARI bis zu 34° Schlagseite. Bei 38° wären wir gekentert. Aufgrund der Art der Ladung wäre dann kaum eine Überlebenschance gewesen.
Das Schiff wäre sofort gesunken. Der Kapitän und auch der 1. Offizier hatten jedoch alles gut im Griff. Allerdings waren sie drei Tage und Nächte auf den Beinen. Die Anspannung war riesengroß. 

Damit wir nicht aus unseren Betten kullerten, stopften wir Handtücher und alle Schuhe, deren wir habhaft werden konnten, seitlich unter die Matratzen, so dass eine Art Wall entstand. Dadurch mussten wir buchstäblich in unsere schmaler gewordenen Betten klettern.
 

Ab jetzt gab es nur noch Schiffszwieback als Verpflegung. Kochen war unmöglich geworden.
 Der Seegang normalisierte sich erst langsam wieder, als wir den Englischen Kanal passiert hatten. Diesen letzten Abend an Bord verwöhnte uns der Koch sehr mit einem fürs Auge und Gaumen guten Dinner. 

In Bremerhaven angekommen, bekam der Frachter allerdings keinen eigenen Anlegeplatz. Er musste längsseits an ein anderes Schiff anlegen. das direkt an der Kaimauer lag. Es gab somit keine Gangway für uns, über die wir bequem von Bord hätten gehen können.

Die Seeleute heuerten ab und waren verschwunden, voran der Koch mit seiner frisch angetrauten Frau. Man verwies uns an die Schiffahrtsagentur. Zwei Stunden versuchten wir, einen kompetenten Ansprechpartner zu finden. Endlich gegen 10h erwischten wir jemanden. Leider wurden wir dann „im Regen“ stehen gelassen. Wir kamen in Bremerhaven bei -15°C an, hatten keine wirkliche Winterkleidung. Draußen war Eisglätte. Unsere schweren Koffer mussten wir über eine bessere Hühnerstiege über das andere Schiff hinweg an Land schleppen. Ein Handy gab es seinerzeit noch nicht. Ich blieb bei den Koffern und mein Mann suchte irgendwo im Hafen nach einem Telefon um ein Taxi zu rufen. Weil wir zuviel Gepäck hatten  erbarmte sich erst der vierte Taxifahrer und fuhr uns.

Jetzt mussten wir noch durch den Zoll. Wir schwitzten Blut und Wasser, weil in einem Koffer Felle waren. Diese hatten wir im Laufe der Jahre zwar legal erworben  besaßen dafür jedoch keine Zertifikate. Sie wurden aber zur Ausfuhr benötigt.
Der erste Koffer wurde geöffnet, dann der zweite und immer noch fanden die Zöllner nichts. Der dritte Koffer kam an die Reihe - wieder nichts. Den vierten schenkten sie sich dann. Gott sei Dank! War noch einmal gut gegangen. 

Nach diesen ganzen Unbilligkeiten bei der Ankunft wäre ich am liebsten sofort wieder zurück geflogen. Als wir dann aber letztlich völlig g
eschafft  gegen 20h in Hamburg eintrafen kam doch  ein riesengroßes Glücksgefühl in uns auf.

Wir waren wieder in Deutschland!

© by Ingrid Horn

Donnerstag, 9. Januar 2014

Schwere Zeit


Die Macht der Liebe
Noch einmal gefunden
Mächte versuchen
Zu trennen
Was nicht zu trennen geht

Fazit ist:
Schwere Herzen auf allen Seiten
Hoffnung kämpft um den Frieden

Doch trennen kann man uns nie

© by Ingrid Horn



Dienstag, 29. Oktober 2013

Kinderseelen

Sie sind so zart und rein,
wollen stets behütet sein.                                          

Schenk ihnen doch Geborgenheit,
dazu zum Gedeihen Aufmerksamkeit.
Manches mit Kinderaugen sehn,
lässt vieles besser verstehn.

Ihre Talente sollst du entdecken,
sie fördern und Neugierde wecken
für alles Wichtige im Leben
und ihnen viel Liebe geben.


Die Kinderseele anzunehmen 
in ihrer Einzigartigkeit,
ihr Flügel mit zu geben,
zu einer gegebenen Zeit.

© by Ingrid Horn


Sonntag, 27. Oktober 2013

Gedanken zu den Jahreszeiten



Wir Menschen sind eingebettet in den Rhythmus der Natur, die wir auch in den Jahreszeiten finden.

Der Frühling für das neu erwachende Leben,
der Sommer für die Blüte des Lebens, +
der Herbst für die Ernte unseres Lebens,
der Winter für die Ruhe und Neige unseres Lebens.

In jeder Zeit finden wir glückliches,  harmonisches, fröhliches,  begeisterndes und hässliches, schweres und trauriges Auf und Ab.
Gäbe es nur ein Auf, würden wir verlernen es zu erkennen, gäbe es nur ein Ab würden wir verkümmern.

So hat alles Auf und Ab seine Zeit – die Kunst des Lebens besteht für mich darin, das eine vom anderen zu unterscheiden. Wichtig sind die oft auf den ersten Blick so unscheinbaren Momente, die Wunder der Natur, die  unsere Seele berühren. Im Getriebe des Alltags geht so manches wertvolle Attribut ohne Wahrnehmung an uns vorbei.

Die Natur lehrt uns, genauer hinzuschauen, und zwar 365 Tage im Jahr – verweilen und sich selber bewusst zu sein, Werte zu spüren und Dankbarkeit zu empfinden. Es schleicht sich dann ein Lächeln in unser Herz und wir begegnen uns freundlicher, verständlicher. Es entsteht eher ein Miteinander, Füreinander und ein freundlicheres Untereinander.

So wie das Meer seinen Kreislauf hat, die Jahreszeiten ihren Zyklus haben, so wird sich auch unser Lebenskreis eines Tages schließen.

Fazit: Ich wünsche jedem Menschen den Sinn seines Lebens zu finden, die Erdenzeit zu nutzen und Gutes zu säen, damit er gut ernten kann.  Jede negative Begebenheit beinhaltet auch eine positive Erkenntnis, aus der wir lernen können, mit unserem Leben leichter umzugehen.
Das Glück liegt schließlich in uns selbst.

Eine Jahreszeit macht mich nicht traurig, weil jede ihre Bestimmung und jede ihre schönen Seiten hat.


© by Ingrid Horn