Erste Station auf der Lesereise für ihr neues Buch: Wien Hauptbücherei. So voll, dass viele nur über einen Bildschirm dabei sein können.
Alice Schwarzer liest aus ihrer Autobiografie mit dem schlichten Titel *Lebenslauf*.
Ehrlich gesagt, ich habe kein Talent zum Groupie - nie gehabt - aber es gibt Menschen, die schlicht und einfach meine Hochachtung verdienen. Intelligenz, Mut, Durchhaltevermögen, Wortwitz und eine bewundernswerte Schlagfertigkeit können wohl auch diejenigen Schwarzer nicht absprechen, denen sie immer wieder in die Quere kommt.
Allein das, was bei der Lesung zu hören war, ist dazu angetan, ihr Buch uneingeschränkt zu empfehlen. Alice Schwarzer erzählt und liest aus ihrem Leben, viel Persönliches kommt zur Sprache und macht ihren Weg und Werdegang plastisch und nachvollziehbar. Dazwischen gibt es immer wieder Momente, wo ihre politische Seite sichtbar wird. Anliegen, die mit fortschreitendem Alter nicht weniger wichtig scheinen. Sie arbeitet immer noch mit großem Einsatz, ganz besonders auch für ihre "Sechslinge" EMMA. Seit 34 Jahren gibt es diese, von ihr gegründete Zeitschrift für die Emanzipation der Frau. Da schimmert doch ein wenig Stolz durch bei einer Frau, die so unprätentiös und natürlich mit ihren Erfolgen umgeht.
Die Begeisterung bei den mehrheitlich weiblichen ZuhörerInnen ist groß und Alice Schwarzer ist "ganz gerührt". Die Freude ist ganz unsererseits: Schön, sie einmal so hautnah erlebt zu haben!
Viel Inhaltliches ist sowieso in den Medien zu hören und zu sehen. Eines möchte ich jedoch hier vom gestrigen Abend aufgreifen: In einem der wenigen wirklich ernsten Momente ( Alice Schwarzer versteht es sehr schön, auch schwierige Geschichten mit einem abgeklärten Charme rüberzubringen), spricht sie darüber, dass schon im Jahr 1977 in EMMA erstmals der sexuelle Missbrauch von Kindern thematisiert worden war, damals ein absolutes Tabuthema. Wie außerordentlich wichtig und wegweisend das war, wissen wir heute. Auch andere Formen der Gewalt, die uns auch heute noch betreffen, kommen zur Sprache.
Dafür, dass sie nicht wegschaut und den unbequemen Weg geht, liebe ich sie.
Es gibt nur insgesamt 6 Termine auf dieser Lesereise. Schwarzer begründet das so: "Es soll ja Spaß machen und außerdem wartet schon die Arbeit für EMMA auf mich". Wer also die Gelegenheit nicht verpassen möchte, heute Abend in Graz, weiters in Köln, Zürich, Hamburg und München gibt es in Kürze Gelegenheit dazu. Hier, auf der Webseite von Alice Schwarzer findet ihr mehr Infos.