Nach einer zweiten Runde indirekter Verhandlungen im Atomstreit mit dem Iran hält die US-Regierung ihre Drohungen aufrecht: Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte gestern in Washington, es gebe „viele Gründe und Argumente“ für einen Angriff auf den Iran. „Der Iran wäre sehr gut beraten, ein Abkommen zu schließen“, fügte Leavitt hinzu.
Die USA und der Iran hatten Anfang Februar unter Vermittlung von Oman die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm wieder aufgenommen. Eine zweite Runde indirekter Gespräche hatte am Dienstag in Genf stattgefunden.
Grossi ortet Fortschritte
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, bezeichnete die jüngste Verhandlungsrunde als „Schritt nach vorn“. Man habe Fortschritte gemacht, „aber es gibt noch viel zu tun, und das Problem ist, dass wir nicht viel Zeit haben“, sagte Grossi dem französischen Fernsehsender LCI.
US-Präsident Donald Trump drohte indes erneut mit einem Angriff, sollte es nicht zu einer Einigung kommen. Um den militärischen Druck zu erhöhen, entsandte er unter anderem zwei Flugzeugträgerverbände in die Region.
Medien: US-Militär zu Angriff bereit
Laut US-Medien wie CBS, CNN und „New York Times“ stehe das Militär in der Region für Angriffe auf den Iran bereit. Trump habe aber noch keine endgültige Entscheidung über einen Angriff getroffen. Das Weiße Haus wäge derzeit die „Risiken einer Eskalation und die politischen und militärischen Folgen einer Zurückhaltung“ ab, berichtete etwa CBS.
Das US-Nachrichtenportal Axios zitierte ebenfalls namentlich nicht genannte Quellen, wonach die US-Regierung näher vor einem großen Krieg stehe, als den meisten Amerikanern bewusst sei. Er könne schon „sehr bald“ beginnen und würde „dramatische Auswirkungen“ auf die gesamte Region haben, hieß es. Bereits am Wochenende könnten die USA angreifen, so CBS und CNN.
Vorwürfe Teherans
Nach dem zwölftägigen Krieg Israels gegen den Iran im Juni, in dem die USA iranische Atomanlagen bombardiert hatten, hatte der Iran die Zusammenarbeit mit der IAEA zunächst eingestellt und den Zugang der IAEA-Inspektoren zu den betroffenen Anlagen eingeschränkt. Teheran warf der IAEA vor, die Angriffe nicht verurteilt zu haben.
Die UNO-Organisation mit Sitz in Wien ist damit beauftragt zu prüfen, ob das iranische Atomprogramm friedlicher Natur ist. Israel und weitere Staaten werfen Teheran vor, eine Atombombe anzustreben. Teheran streitet das ab, beharrt jedoch auf seinem Recht, den Atomsektor für zivile Zwecke auszubauen.