Inland

Die EU-Wirtschafts- und -Finanzminister haben laut Angaben aus dem Rat bei ihrem Treffen heute in Brüssel die „nationale Ausweichklausel“ für Verteidigungsausgaben für Österreich aktiviert. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hatte das im Dezember „zur Erhaltung von Budgetspielräumen“ beantragt.

Die Klausel erlaubt, mehr Schulden für Aufrüstung zu machen, ohne dafür von der EU sanktioniert zu werden. Marterbauer betonte, dass Österreich beim Budget im Plan sei.

Österreich sei im Moment dabei, seine Verteidigungsausgaben sehr, sehr maßvoll auszuweiten, hatte der Finanzminister vor dem Treffen gesagt. Es gehe um ein paar hundert Millionen Euro pro Jahr.

Die Aktivierung der Klausel bringe „etwas mehr Flexibilität, und die wollen wir uns einfach eröffnen“, so Marterbauer. Das sei aber nicht so zu interpretieren, dass „wir Schwierigkeiten hätten, die Fiskalkriterien zu erfüllen“. Die Klausel gilt für einen Zeitraum von vier Jahren ab 2025 und bietet einen Spielraum von maximal 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) begrüßte die Entscheidung: „Investitionen ins Bundesheer und dessen Ausstattung sind Investitionen in die Sicherheit unseres Landes“, hieß es in einer Aussendung. „Wenn wir das Bundesheer in den nächsten Jahren verteidigungsfähig machen wollen, dann sind diese Investitionen unbedingt notwendig.“

Die Gleichbehandlungskommission des Bundes hat in einer aktuellen Entscheidung eine wichtige Stellenbesetzung im damals von der ehemaligen Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) geführten Umweltministerium scharf kritisiert. Statt einer langjährigen Führungskraft erhielt eine Kabinettsmitarbeiterin von Gewessler den Posten.

Dabei seien „sachfremde Motive“ in „hohem Maß“ ausschlaggebend gewesen, zitierte die Tageszeitung „Die Presse“ (Onlineausgabe) heute aus dem Gutachten.

Die langjährige Führungskraft hatte sich vergeblich um den Posten einer Abteilungsleiterin beworben, den Zuschlag erhielt die Kabinettsmitarbeiterin. Da sich die Unterlegene aufgrund ihres Alters und ihrer Weltanschauung diskriminiert fühlte, wandte sie sich an die Gleichbehandlungskommission.

„Unsachlich und nicht nachvollziehbar“

Für diese war „unsachlich und nicht nachvollziehbar“, dass beide Bewerberinnen als „im höchsten Ausmaß“ geeignet eingestuft wurden. Die Unterlegene verfüge „sowohl über mehr Personalkenntnis innerhalb des Ressorts und der gegenständlichen Abteilung als auch Führungserfahrung“.

Dem Umweltministerium sei es „nicht gelungen darzulegen, dass die politische Weltanschauung bei der Besetzung der Leiterin der Abteilung durch die Entscheidung der Bundesministerin keine Rolle gespielt hat“, heißt es laut APA im Gutachten. Die langjährige Führungserfahrung der Unterlegenen sei hingegen nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die Frau sei aufgrund ihres Alters und ihrer Weltanschauung diskriminiert worden.

Grüne verweisen auf „fachliche Qualifikation“

Die Grünen ließen in einer Stellungnahme gegenüber der Tageszeitung „Die Presse“ wissen, dass „bei allen Besetzungen im Klimaschutzministerium“ eine Grundregel gegolten habe: „Ausschlaggebend sind fachliche Qualifikation und Expertise der Bewerberinnen und Bewerber. Das trifft selbstverständlich auch auf den angesprochenen Fall zu.“

ÖVP verlangt Aufklärung

Die ÖVP forderte am Dienstag „lückenlose“ Aufklärung. Transparenz sei nun das Gebot der Stunde, so Generalsekretär Nico Marchetti. Von Grünen-Chefin Gewessler forderte er, „am Aufklärungsprozess vollumfänglich mitzuwirken und der Öffentlichkeit Rede und Antwort über die Beweggründe für ihre in einer äußerst schiefen Optik stehende Personalentscheidung zu stehen“.

„Mit diesem unsäglichen Postenschacher in Österreich muss endlich
Schluss sein“, heißt es in einer Aussendung von NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos: „Dass gerade die selbst ernannten Saubermänner und -frauen der Grünen bei diesen schmutzigen Spielchen mitmachen, ist beschämend.“

Mit dem Umgang von Medien mit Verbrechensopfern hat sich heute, am Tag der Kriminalitätsopfer, ein von der Opferhilfsorganisation Weisser Ring organisiertes Symposium mit dem Titel „Zwischen Schlagzeile und Schutz – Kriminalitätsopfer in den Medien“ auseinandergesetzt.

Zum Auftakt der Veranstaltung im Innenministerium warnte die Linzer Strafrechtsprofessorin Lyane Sautner vor einer „quartären Viktimisierung“ von Verbrechensopfern. Für die Opfer eines Verbrechens ende die Viktimisierung meistens nicht mit der Straftat, betonte Sautner.

Nach Fehlreaktionen im sozialen Umfeld oder seitens von Behörden – die sekundäre Viktimisierung – und eine Verfestigung der Opferidentität, die zu einem veränderten Selbstbild führt, können Medien eine weitere Viktimisierung bewirken.

Verweis auf Persönlichkeitsrechte

Bei Opfern und auch ihren Angehörigen würden mitunter „neue Wunden aufgerissen. Und alte, bestehende Wunden können nicht heilen“, sagte Sautner. Verbrechensopfer hätten jedoch „ein Recht auf Würde, Schutz und Selbstbestimmung“.

Ihre Interessen hätten Vorrang vor einer von Sensationslust und Emotionalisierung getriebenen medialen Berichterstattung, die auf Kosten der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen geht, so Sautner.

„Es ist die Verantwortung der gesamten Gesellschaft, wie sie mit Opfern umgeht“, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). In diesem Sinn hätten die Polizei- und Sicherheitsbehörden ihre Informationsverpflichtung professionalisiert. Allerdings würden immer wieder über soziale Netzwerke Fotos und Videos verbreitet, die nicht hätten publik werden dürfen.

Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) bekräftigte in diesem Zusammenhang in einer Videobotschaft seine Absicht, die Medienförderung zukünftig an „klare Qualitätskontrollen zu koppeln. So stärken wir den Opferschutz.“

„Verstörendes Bild“

„Journalistische Sorgfalt geht vor Clickbaiting“, mahnte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ). Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) kam konkret auf Schlagzeilen über jüngste Femizide zu sprechen, in denen von einem „Sexunfall“ oder einem „tödlichen Ausraster“ die Rede war.

„Ein verstörendes Bild“, befand Sporrer, „da wird ein Narrativ erzeugt, das aus Tätern tragische Helden macht und aus Opfern Mittäterinnen.“

Durch Kürzungen im Sozialbereich und die anstehende Reform der Sozialhilfe könnten hohe gesamtgesellschaftliche Folgekosten drohen.

Besonders vor Einschnitten, die Sehbehinderte und armuts- oder ausgrenzungsgefährdete Kinder betreffen, warnten heute in Aussendungen der Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ) sowie 43 Sozialorganisationen und Interessenvertretungen, darunter Caritas, Volkshilfe und der Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen.

Letztere wiesen darauf hin, dass die drohenden Einschnitte 344.000 Kinder und Jugendliche, die in Österreich am oder unter dem Existenzminimum leben, besonders hart treffen könnten. Die Gesamtausgaben für die Sozialhilfe beliefen sich 2024 auf 1,317 Milliarden Euro, was 0,27 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und somit einem geringen Anteil am Gesamtbudget entsprach.

OECD-Studie: Folgekosten von 17,2 Mrd.

Dem standen einer OECD-Studie aus dem Jahr 2023 zufolge Folgekosten von rund 17,2 Milliarden Euro jährlich gegenüber, ein Anteil von 3,6 Prozent des BIP, die die sozioökonomische Benachteiligung von Kindern verursacht. Dazu zählen etwa höhere Gesundheitsausgaben, geringere Steuereinnahmen und Arbeitslosigkeit, wie die Organisationen beanstandeten.

Notwendig sei daher „eine finanzielle Absicherung für Kinder und Jugendliche, die armutsfest ist“, genauso wie der „Ausbau kindbezogener Sozialleistungen“. Der BSVÖ warnte vor Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen durch Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand im Bundesbudget für 2025 und 2026.

Die Hilfsorganisationen Caritas, Hilfswerk und Malteser Care haben heute im Vorfeld der am Freitag stattfindenden Sitzung der Pflegeentwicklungskommission ihre Reformwünsche bei der 24-Stunden-Betreuung Pflegebedürftiger daheim deponiert. Konkret wird mit Verweis auf die enormen Inflationsverluste eine Verdoppelung der Förderhöhe von derzeit 800 auf 1.600 Euro gefordert, ebenso eine Erhöhung der Einkommensgrenze von derzeit 2.500 Euro auf 4.055 Euro.

Auch volkswirtschaftlich würde eine solche Erhöhung Sinn haben, sagte etwa Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm. Denn die Kosten der öffentlichen Hand für die Betreuung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen seien viel teurer als jene in den eigenen vier Wänden mit Hilfe von u. a. 24-Stunden-Betreuungskräften.

Organisationen nicht bei Treffen

Die Trägervereine hoffen, dass das Thema bei der Sitzung der Pflegeentwicklungskommission behandelt wird. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hatte im November angekündigt, dass bei dieser Sitzung die im Regierungsprogramm festgeschriebene Qualitätssicherung bei der 24-Stunden-Betreuung auf den Weg gebracht werden soll. Dem Gremium gehören Bund, Länder und Gemeinden an. Die Träger sind nicht dabei.

Mehr dazu in religion.ORF.at

Krankenpflegeverband zu mehr Kompetenzen

Unterdessen forderte der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) mehr Tempo bei der Umsetzung der geplanten Kompetenzerweiterung für Pflegefachkräfte. Konkret geht es um die Möglichkeit der „Verschreibung“ von (einfachen) Medikamenten durch Pflegekräfte. Dazu brauche es eine neue Arzneimittelverordnung, für die bereits im Herbst 2025 eine neue Medikamentenliste für diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) angekündigt worden war.

Der ÖGKV zeigte sich nun in einer Aussendung „zunehmend irritiert“ über die „anhaltende Verzögerung“ und forderte zumindest eine rasche Freigabe der klar definierten „Over the counter“-Liste (OTC).

Bereits im November des Vorjahres hatte ÖGKV-Vizepräsidentin Inge Köberl-Hiebler kritisiert, dass die schon im Juli des Vorjahres beschlossene Kompetenzerweiterung für diplomierte Pflegekräfte noch nicht umgesetzt wurde. Bereits damals spießte es sich an der via Verordnung durch das Gesundheitsministerium festzulegenden Medikamentenliste.

Ukraine-Krieg

Unter dem Eindruck schwerer gegenseitiger Luftangriffe haben Russland und die Ukraine unter US-Vermittlung heute in der Schweiz ihre zweitägigen Verhandlungen über ein Ende des Krieges aufgenommen. „Auf der Tagesordnung stehen Sicherheits- und humanitäre Fragen“, teilte der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow auf Telegram mit. Die Gespräche, an denen US-Vermittler Steve Witkoff und der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, teilnehmen, laufen hinter verschlossenen Türen in einem Hotel in Genf.

Kreml dämpft Erwartungen

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, dass zunächst noch keine Neuigkeiten zu erwarten seien, weil die Gespräche bis Mittwoch angesetzt seien. Leiter der russischen Delegation ist der Kreml-Beamte Wladimir Medinski, der seit Beginn des Moskauer Angriffskrieges immer wieder mit ukrainischen Verhandlungsteams zusammengetroffen ist.

„Wir danken der amerikanischen Seite für ihre Beteiligung und konsequente Arbeit im Verhandlungsprozess“, sagte Umjerow. „Wir sind der Schweiz für die Organisation und die bereitgestellten Bedingungen für die Durchführung der Treffen dankbar.“ Präsident Wolodymyr Selenskyj habe klare Aufgaben ausgegeben für die Gespräche. Selenskyj hofft vor allem auf Sicherheitsgarantien der USA, die nach einem Waffenstillstand die Ukraine vor künftigen russischen Angriffen schützen sollen.

Friedenslösung bisher nicht in Sicht

„Wir arbeiten konstruktiv, konzentriert und ohne überzogene Erwartungen. Unsere Aufgabe ist es, die Entscheidungen, die einen dauerhaften Frieden fördern können, so weit wie möglich voranzutreiben“, sagte Umjerow.

Russland will nach Kreml-Angaben über die strittigen Gebietsfragen mit der Ukraine sprechen. Eine Lösung im Ukraine-Krieg ist bisher nicht in Sicht.

Zum vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat eine Gruppe von Abgeordneten aus ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen heute im Nationalrat Bilanz gezogen.

Der Chef der Ukraine-Flüchtlingskoordination, Andreas Achrainer, forderte von Bund und Ländern Änderungen von Regeln für in Österreich lebende Flüchtlinge aus der Ukraine.

Dazu gehören Erleichterungen bei der Nostrifizierung und eine Verlängerung des Vertriebenenstatus, der immer nur für ein Jahr erteilt wird. „Eine ukrainische Pflegefachkraft mit vierjähriger Ausbildung darf hier nicht länger als Hilfskraft eingesetzt werden“, so Achrainer.

Bereits 30.000 Ukrainerinnen und Ukrainer seien auf dem österreichischen Arbeitsmarkt integriert worden. Aber 29.400 aus der Ukraine Geflüchtete seien noch immer in der Grundversorgung, darunter 15.000 Pensionisten und Kinder. Bundesländer würden Pensionisten ukrainische Bezüge, die sie oft gar nicht erhalten, abziehen.

Die bis Ende Juni befristete Familienbeihilfe könnte gestrichen werden, was dazu führen würde, „dass betroffene Flüchtlinge wieder in organisierten Quartieren landen“, warnte Achrainer.

Die ukrainische Armee hat laut einer Datenauswertung von Mittwoch bis Sonntag 201 Quadratkilometer eigenes Staatsgebiet von der russischen Armee zurückerobert. Hinter den Angaben stehen laut Agenturberichten von heute vom Washingtoner Thinktank Institute for the Study of War (ISW) bereitgestellte Daten. Es handle sich um die größten Rückeroberungen seit der Auswertung.

Der Auswertung zufolge hätten die ukrainischen Streitkräfte zuletzt in einer Gegenoffensive im Juni 2023 in so kurzer Zeit ähnliche Geländegewinne erzielt. Die jüngst eroberte Fläche entspricht den Angaben zufolge fast den russischen Eroberungen des gesamten Monats Dezember(244 Quadratkilometer).

Zusammenhang mit Starlink-Blockade?

„Diese ukrainischen Gegenangriffe nutzen wahrscheinlich die Blockierung des Zugangs der russischen Streitkräfte zum Satellitensystem Starlink aus, die laut russischen Militärbloggern die Kommunikation und die Führung beeinträchtigt“, erklärte das ISW.

Russische Militärbeobachter hatten die Unterbrechung am 5. Februar festgestellt, nachdem der US-Tech-Unternehmer Elon Musk „Maßnahmen“ angekündigt hatte, um der Nutzung dieser Technologie durch den Kreml ein Ende zu setzen. Laut Kiew umgingen russische Drohnen mit Hilfe von Starlink elektronische Störsysteme und konnten so ihre Ziele präzise treffen.

Neue russische Angriffe mit 400 Drohnen

Russland greift die Ukraine auch abseits der Front weiter mit Drohnen und Raketen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland heute in sozialen Netzwerken einen erneuten Angriff auf die Energieversorgung der Ukraine vor. Ihm zufolge setzte Moskaus Militär in der Nacht fast 400 Drohnen und 29 Raketen und Marschflugkörper ein.

Er sprach von Zehntausenden, die in Odessa ohne Wärme- und Wasserversorgung seien. Russland habe zwölf Regionen angegriffen.

Feuer in Ölraffinerie in Russland

Das ukrainische Militär nahm seinerseits Ziele in Russland ins Visier. Nach Angaben des Zivilschutzstabs der Region Krasnodar in Südrussland kam es infolge eines Drohnenangriffs in Ilski zu einem Brand auf einer Fläche von rund 700 Quadratmetern in einer Ölraffinerie. Verletzte gebe es nicht.

Ausland

Nach der zweiten Verhandlungsrunde mit den USA rechnet der Iran nicht mit einer raschen Einigung. „Der Weg zu einer Einigung hat begonnen, wir sind bereit“, sagte der iranische Außenminister Abbas Araktschi heute dem iranischen Staatsfernsehen nach dem mehr als dreistündigen Treffen in Genf.

Man habe sich auf grundlegende „Leitprinzipien“ verständigt, so der Außenminister. „Aber das bedeutet nicht, dass wir eine Einigung erzielt haben.“ Die Ausarbeitung werde Zeit in Anspruch nehmen. Einen Termin für eine neue Verhandlungsrunde gibt es ihm zufolge noch nicht.

Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um das iranische Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass die Führung in Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Die iranische Regierung zeigt sich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug jedoch die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Andere Themen wie das Raketenprogramm oder die Unterstützung militanter Gruppen schloss Teheran vorab aus.

Iran schließt Straße von Hormus

Die iranische Revolutionsgarde feuerte parallel zu den neuen Verhandlungen mit den USA bei einem Marinemanöver Raketen auf Ziele im Meer. Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen mobiler Raketenwerfer auf dem Land, die Ziele in der Straße von Hormus an der Südküste trafen.

IMAGO/ZUMA Press Wire/Sepahnews

Bei der Militärübung seien auch Schnellboote mit Raketenwerfern im Einsatz, hieß es in einer Mitteilung. „Die Raketen trafen ihre Ziele in der Straße von Hormus aus dem Landesinneren, von den Küsten und von den iranischen Inseln im Persischen Golf.“

Teile der Meerenge seien aus Sicherheitsgründen mehrere Stunden lang für den Schiffsverkehr gesperrt, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Die Meerenge ist Teil der weltweit wichtigsten Ölexportroute, die die größten ölfördernden Golfstaaten wie Saudi-Arabien, den Iran, den Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer verbindet.

Eineinhalb Jahre nach dem Fall der Ministerpräsidentin Sheikh Hasina Wajed hat Bangladesch wieder einen gewählten Regierungschef. Der langjährige Oppositionspolitiker und Vorsitzende der rechtskonservativen Nationalistischen Partei Bangladeschs (BNP), Tarique Rahman, wurde heute in Dhaka als neuer Ministerpräsident vereidigt.

Seine Partei hatte vergangene Woche die Parlamentswahl deutlich vor der größten islamistischen Partei des Landes, Bangladesh Jamaat-e-Islami, gewonnen. Die vorgezogene Wahl galt auch als Test für einen geordneten demokratischen Übergang in dem Land. Fast 128 Millionen Menschen waren wahlberechtigt.

BNP-Chef Rahman war erst im Dezember nach 17 Jahren im Exil aus London in seine Heimat zurückgekehrt. Der 60-Jährige übernimmt die Amtsgeschäfte von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der nach den Unruhen im Sommer 2024 als Interimsregierungschef eingesetzt wurde. Außerdem nahm Bangladeschs Präsident Mohammed Shahabuddin 25 neuen Ministern den Amtseid ab.

Rahman stammt aus einer politischen Dynastie. Er ist ein Sohn der früheren Ministerpräsidentin Khaleda Zia und des ehemaligen Präsidenten Ziaur Rahman. Die Rivalität Zias mit Hasina hatte die Politik des armen Landes jahrzehntelang geprägt und wichtige Reformen blockiert. Nach seiner Wahl hatte Rahman als ein vorrangiges Ziel erklärt, „Recht und Ordnung“ aufrechtzuerhalten.

In Pakistan sind bei einem Anschlag mit einer Autobombe mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Wie das pakistanische Militär erst heute bekanntgab, rammten Angreifer tags zuvor ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in die Sicherheitsmauer eines Checkpoints im Distrikt Bajaur.

Reuters/Pakistan Red Crescent Merged Areas

Infolge der Explosion seien auch angrenzende Wohnhäuser schwer beschädigt worden. Unter den Toten seien elf Soldaten und ein junges Mädchen, hieß es vom Militär. Der Anschlag ereignete sich Militärangaben zufolge in der Unruheregion Khyber Pakhtunkhwa, die an Afghanistan grenzt.

Nach der Attacke seien zwölf Terroristen getötet worden. Bei weiteren Anschlägen in der Region kamen zudem mindestens fünf weitere Menschen ums Leben.

Große Spannungen zwischen Afghanistan und Pakistan

Bisher bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag. In der Vergangenheit hatten sowohl die Terrormiliz Islamischer Staat als auch die Pakistanischen Taliban (TTP) Attacken im Grenzgebiet verübt. Die UNO hatte die TTP in einem kürzlich veröffentlichten Bericht als eine der größten Terrorgruppen Afghanistans bezeichnet.

Die Angriffe der Gruppe auf pakistanische Sicherheitskräfte und staatliche Einrichtungen führen zu großen Spannungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan. Im Herbst vergangenen Jahres kam es zu kurzzeitigen militärischen Auseinandersetzungen an der Grenze. Pakistan flog auch Luftangriffe auf Afghanistan.

Dutzende Tote bei Anschlag Anfang Februar

Die Sicherheitslage in Pakistan verschlechtert sich seit einigen Jahren. Erst Anfang Februar waren bei einem Anschlag auf ein schiitisches Gemeindehaus nahe Islamabad 36 Menschen ums Leben gekommen und rund 170 weitere verletzt worden. Die Terrormiliz Islamischer Staat hatte den Anschlag für sich reklamiert. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700.

Die AfD im deutschen Bundesland Niedersachsen wird vom Landesverfassungsschutz als extremistische Bestrebung eingestuft. „Die Bewertung des Verfassungsschutzes ist eindeutig: Die größte Gefahr für unsere Gesellschaft geht vom Rechtsextremismus aus, und die AfD Niedersachsen ist nach der Einstufung eindeutig diesem Phänomenbereich zuzuordnen“, sagte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD).

Mittlerweile bilde eine rechtsextremistische Ideologie den Konsens innerhalb der Gesamtpartei und auch des Landesverbandes.

AfD wehrt sich gerichtlich

In vier weiteren deutschen Bundesländern wird die AfD auf Landesebene als gesichert rechtsextremistisch bewertet: in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland hatte der Verfassungsschutz die AfD zur „gesichert rechtsextremistischen Bestrebung“ hochgestuft – weil die Partei dagegen klagte, wird sie bis zu einer Entscheidung jedoch nur als Verdachtsfall geführt.

Ähnlich ist die Situation im Bund: Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im Mai 2025 mitgeteilt, dass es die gesamte AfD als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen werde. Wegen einer Klage der AfD legte das Bundesamt die Einstufung aber bis zur gerichtlichen Klärung auf Eis.

Israel will mutmaßliche Teilnehmer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 vor ein spezielles Militärgericht stellen. Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara teilte laut Medienberichten heute mit, die Militärstaatsanwaltschaft solle für die Verfahren zuständig sein und nicht die zivile Staatsanwaltschaft.

Sie verwies dabei auf einen Gesetzesentwurf, der im israelischen Parlament bereits in erster Lesung gebilligt wurde. Einer der Initiatoren des Gesetzesentwurfs, Simcha Rothman, verglich die geplanten Verfahren mit den Nürnberger Prozessen 1945.

NS-Kriegsverbrecher waren damals vor ein Internationales Militärtribunal gestellt worden. Rothman ist Abgeordneter der Partei Religiöser Zionismus und Vorsitzender des parlamentarischen Justizausschusses.

Anklageschriften gegen 300 Mitglieder von Hamas-Eliteeinheit

Nach israelischen Informationen waren an dem Angriff der islamistischen Terrororganisation Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf das israelische Grenzgebiet am 7. Oktober 2023 mehr als 3.000 Terroristen beteiligt. Das Nachrichtenportal ynet berichtete, es würden nun Anklageschriften gegen mehr als 300 Mitglieder der Hamas-Eliteeinheit „Nuchba“ vorbereitet, die am 7. Oktober oder danach festgenommen wurden.

Die Anklagepunkte könnten laut dem Bericht „Völkermord, Verletzung der Souveränität oder der territorialen Unversehrtheit des Staates, Anzettelung eines Krieges, Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten, Straftaten nach dem Anti-Terror-Gesetz sowie Mord“ lauten. „In Fällen, in denen ein Todesurteil verhängt wird und der Angeklagte keine Berufung einlegt, gilt automatisch eine Berufung als eingelegt.“

Debatte über Todesstrafe

Israel hatte die Todesstrafe für Mord im Jahr 1954 abgeschafft. Das israelische Gesetz ermöglichte zwar weiter die Verhängung der Todesstrafe in bestimmten Fällen, etwa gegen NS-Verbrecher oder bei Verrat in Kriegszeiten.

Die Hinrichtung des deutschen NS-Verbrechers Adolf Eichmann im Jahre 1962 war aber das letzte Mal, dass eine von einem ordentlichen Gericht in Israel ausgesprochene Todesstrafe wirklich vollstreckt wurde. Im israelischen Parlament wird gegenwärtig ein umstrittener Vorschlag zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen beraten.

EU

Nach dem Skandal um den Verkauf von Sexpuppen mit kindlichem Aussehen leitet die EU-Kommission ein formelles Verfahren gegen den chinesischen Onlinehändler Shein ein. Das kündigte die Kommission heute an.

Die Brüsseler Behörde verdächtigt das Unternehmen, nicht genug gegen den Vertrieb illegaler Produkte auf seiner Plattform zu tun und den Verbraucherschutz zu vernachlässigen. Außerdem werde ein möglicherweise süchtig machendes Design der Plattform geprüft.

Man wolle prüfen, ob sich Shein an die Regeln des Digital Services Act (DSA) halte: „Der DSA schützt die Verbraucher, ihr Wohlergehen und gibt ihnen Informationen über die Algorithmen, mit denen sie interagieren“, sagte die für Digitales zuständige EU-Kommissarin Henna Virkkunen. „Wir werden prüfen, ob Shein diese Regeln einhält und seiner Verantwortung gerecht wird.“

Die Untersuchung folgt auch auf eine Forderung Frankreichs vom November, gegen den Verkauf von kinderähnlichen Sexpuppen auf der Plattform vorzugehen. Shein hat den Verkauf dieser Puppen seitdem nach eigenen Angaben weltweit eingestellt.

Das Unternehmen teilte mit, es werde weiter mit der EU-Behörde kooperieren. „Wir teilen das Ziel der Kommission, eine sichere und vertrauenswürdige Onlineumgebung zu gewährleisten, und werden uns weiterhin konstruktiv an diesem Verfahren beteiligen“, hieß es in einem Statement.

Chronik

Ein Brand im Zentrum in Neapel hat in der Nacht auf heute das traditionsreiche Teatro Sannazaro erfasst. „Die Schäden sind enorm, das Theater ist leider vollständig zerstört“, zitierte die Nachrichtenagentur ANSA dazu den Provinzkommandanten der Feuerwehr von Neapel, Giuseppe Paduano.

Vom Brand betroffen waren auch die umliegenden Gebäude. Sechs Personen seien mit Rauchgasvergiftung ins Spital eingeliefert worden. Dutzende mussten ihre Häuser verlassen. „Wir sind seit fünf Uhr morgens wach“, zitierte die Nachrichtenagentur ANSA einen vom Brand betroffenen Anrainer.

Kuppel eingestürzt

Die Brandursache ist laut Medienberichten bereits Gegenstand laufender Ermittlungen. Ersten Spekulationen zufolge könnte ein Kurzschluss das Feuer ausgelöst haben. „Es ist noch zu früh, um die Ursachen zu beurteilen, jetzt löschen wir erst einmal das Feuer, und dann werden wir sehen“, sagte Paduano am Vormittag. Vom Theater sei dem Feuerwehrkommandanten zufolge „nicht viel“ übrig geblieben. Unter anderem sei auch die über dem Zuschauerraum gelegene Kuppel eingestürzt.

Der Bürgermeister von Neapel, Gaetano Manfredi, bezeichnete den Verlust des historischen, im Dezember 1847 im Zentrum der Stadt eröffneten Theaters als großen Verlust für die Stadt. „Wir werden alles tun, damit es Neapel zurückgegeben wird und wieder die Funktion erfüllen kann, die es all die Jahre hatte“, fügte Manfredi hinzu.

Im Fall der im US-Bundesstaat Arizona vermissten 84-jährigen Nancy Guthrie hat der zuständige Sheriff klargestellt, dass deren Angehörige nicht von den Behörden verdächtigt werden.

„Die Guthrie-Familie – das schließt alle Geschwister und deren Ehepartner ein – sind als mögliche Verdächtige in dem Fall ausgeschlossen worden“, schrieb Sheriff Chris Nanos in Pima County heute auf der Plattform X. „Etwas anderes zu suggerieren ist nicht nur falsch, es ist grausam.“

Dem US-Sender CNN zufolge nahm Nanos mit seinen Aussagen Bezug auf Spekulationen, inwiefern Angehörige beim Verschwinden der seit gut zwei Wochen vermissten 84-Jährigen eine Rolle spielen könnten.

Mögliche Ermittlungsfortschritte

Die Familienmitglieder seien selbst Opfer des Geschehens, stellte Nanos klar – „so einfach ist das“. Laut einem Ermittlungsexperten des Senders spricht die Verdachtsfreisprechung der Familie für mögliche Fortschritte bei den Ermittlungen, da dafür erst einmal genügend Informationen zum Tatgeschehen selbst vorliegen müssten.

Die Seniorin ist die Mutter der aus dem US-Frühstücksfernsehen bekannten Moderatorin Savannah Guthrie. Die Tochter hat wiederholt in Videobotschaften eindringlich an den oder die mutmaßlichen Entführer appelliert, die herzkranke, auf Medikamente angewiesene Pensionistin freizulassen.

Kultur

Billy Steinberg, der legendäre Hits wie Madonnas „Like a Virgin“ und Cyndi Laupers „True Colors“ geschrieben hat, ist tot. Er starb gestern im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in seinem Zuhause im kalifornischen Brentwood. 2011 wurde er in die „Songwriters Hall of Fame“ aufgenommen.

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Zahlreiche Hits mitgeschaffen

Als Koautor schrieb er Ohrwürmer wie „Eternal Flame“ für die Band The Bangles, „I’ll Stand by You“ für The Pretenders und den Text von „I Drove All Night“, der von Celine Dion, Roy Orbison und Cyndi Lauper vertont wurde.

1997 erhielt Steinberg gemeinsam mit Dion den Grammy für das Album „Falling into You“. Im Laufe seiner Karriere schrieb Steinberg außerdem Songs für Künstler wie Whitney Houston, JoJo, Demi Lovato, Tina Turner und Rod Stewart.

Steinberg begann während seines Literaturstudiums in New York mit dem Schreiben von Liedern. Nach eigenen Darstellungen half es ihm dabei, über Panikattacken hinwegzukommen.

1981 begann er die Zusammenarbeit mit dem Songwriter Tom Kelly, mit dem er über Jahrzehnte hinweg mehr als 150 Songs schrieb.