Krieg in Nahost

Nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens für ein Ende des Iran-Krieges haben heute mehrere Frachtschiffe die Straße von Hormus passiert. Bis zum frühen Abend hätten zumindest acht Frachter den Golf durch die Meerenge verlassen, teilte das Datenanalyseunternehmen Kpler, spezialisiert auf Rohstoff- und Schiffslogistik, mit.

Unter anderem passierten saudi-arabische Öltanker, die jeweils zwei Millionen Barrel Erdöl aus Saudi-Arabien transportierten, die Meerenge, teilte Kpler mit.

Die Zahl der Durchfahrten entsprach mit acht in etwa dem durchschnittlichen täglichen Verkehrsaufkommen der vergangenen Woche. Damit lag sie weiterhin deutlich unter den 120 Durchfahrten pro Tag, die vor Ausbruch des Krieges verzeichnet wurden, wie das Magazin „Lloyd’s List“, das über Schifffahrt und Seehandel berichtet, meldete.

Auch französisches Schiff durchfährt Meerenge

Nach Positionsangaben auf der Website MarineTraffic war unter den Frachtern auch das unter französischer Flagge fahrende, mit Flüssigerdgas (LNG) beladene Schiff „Mraikh“. Der Frachter gehört zur französischen Tochtergesellschaft des norwegischen Unternehmens Knutsen OAS Shipping und hat Kpler zufolge 76.535 Tonnen in Katar geladen. Diese sollten nach Pakistan transportiert werden.

Seit Kriegsbeginn am 28. Februar haben laut Kpler insgesamt nur 15 LNG-Transportschiffe den Persischen Golf mit einer Ladung verlassen. Alle hatten LNG aus Katar oder den Emiraten an Bord.

Israel weitet seine militärische Kontrolle im Libanon ungeachtet internationaler Kritik weiter aus. Wie eine heute veröffentlichte Karte des israelischen Militärs zeigte, sind die Truppen mehrere Kilometer tiefer in den Libanon vorgedrungen.

Sie operieren unter anderem nahe der Hisbollah-Hochburg Nabatija nördlich des Litani-Flusses. Im April hatte das Militär noch eine Karte mit einer kleineren Pufferzone veröffentlicht.

In Widerspruch zu Abkommen

Die Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schloss zudem Angriffe jenseits dieses Gebiets nicht aus. Das steht im Widerspruch zu den Bedingungen eines zuletzt geschlossenen Abkommens zwischen den USA und dem Iran, das die Achtung der Souveränität des Libanon fordert.

Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter erklärte, Israel führe zähe Verhandlungen mit der US-Regierung, um seine Truppen zehn Kilometer tief im Südlibanon stationiert zu lassen. Damit solle die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz bekämpft werden.

Die von den USA und dem Iran vereinbarte 60-tägige Frist für weitere Verhandlungen hat nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance heute offiziell begonnen. Der Stellvertreter von US-Präsident Donald Trump teilte das vor Journalisten und Journalistinnen in Washington mit.

„Wir gehen davon aus, dass diese technischen Verhandlungen im Laufe dieses Wochenendes beginnen. Das ist weiterhin der Plan, das könnte sich jedoch ändern“, so Vance.

In den Gesprächen soll es um die Zukunft der Straße von Hormus gehen. Die wichtige Versorgungsroute für Öl und Gas müsse mautfrei sein, bekräftigte Vance die US-Position. Inzwischen passierten wieder mehrere Frachtschiffe die Straße von Hormus.

In einer vorläufigen Absichtserklärung hatten sich Trump und die iranische Führung darauf verständigt, die schwierigsten Fragen auf eine spätere Verhandlungsphase zu verschieben.

Inland

Nach der am Vortag erfolgten Grundsatzeinigung zwischen Bund und Ländern über die Finanzierung der geplanten Senkung der Dienstgeberbeiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) um einen Prozentpunkt ab 2028 hat das Finanzministerium heute nun Details bekanntgegeben.

Bekannt war bereits, dass die Länder ein Drittel der entstehenden Lücke im FLAF übernehmen (200 Mio.). Diese erhalten die lange geforderten Mittel aus dem EU-Wiederaufbau- und Resilienzplan (RRF) (166 Mio.). Die Einigung sei gestern „in mehrstündigen Gesprächen“ zwischen Vertretern von Bund, Ländern und Gemeinden erfolgt, hieß es heute in einer Aussendung aus dem Finanzressort.

Die ab 2028 geplante Senkung der Lohnnebenkosten umfasse ein Volumen von zwei Mrd. Euro, diese führe zu einem Minus im Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) in Höhe von etwa 600 Mio. Euro. In den Gesprächen einigte man sich darauf, dieses Minus gemeinsam zwischen Bund, Ländern und Gemeinden auszugleichen.

Finanzministerium: Mehreinnahmen für Gemeinden

Wie schon am Vortag verkündet, beteiligen sich die Länder und Gemeinden mit 200 Mio. Euro pro Jahr an der Finanzierung. Der Bund übernimmt zwei Drittel der Kosten. Bestätigt wurde, dass die Finanzierung nur bis zum Ende der laufenden Finanzausgleichsperiode gilt – also befristet für das Jahr 2028. Eine Weiterführung der Regelung darüber hinaus soll Teil der Verhandlungen zum nächsten Finanzausgleich (ab 2029) sein.

Festgehalten wurde seitens des Finanzministeriums, dass den Ländern und Gemeinden durch die Maßnahmen im Doppelbudget 2027/2028 Mehreinnahmen zugutekommen. Zudem stellt der Bund den Ländern einen Investitionszweckzuschuss in der Höhe von 166,86 Mio. Euro zur Verfügung. Zur Stärkung der Gemeinden wird noch im Jahr 2026 ein Infrastruktur-Investitionspaket in der Höhe von 30 Mio. Euro auf den Weg gebracht.

„Schulterschluss zwischen Bund und Ländern“

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sprach von einem „fairen Modell zur Aufteilung der Finanzierung“ der „größten Senkung der Lohnnebenkosten, die es in Österreich je gegeben hat“. Von einem „Schulterschluss zwischen Bund und Ländern“ und einem „wichtigen Signal für den Standort“ sprach Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) betonte, man ziehe „an einem Strang“, diesen „gesamtstaatlichen Reformgeist“ brauche es jetzt auch in der „Reformpartnerschaft“.

Landeshauptleute-Konferenz-Vorsitzender und Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) freute sich über einen „erfolgreichen Abschluss“ der Verhandlungen. Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl (ÖVP) betonte, dass es angesichts der Finanzlage vieler Gemeinden „kein leichter Schritt“ gewesen sei, dass sich auch die Gemeinden beteiligen müssen.

Bei der Ausstellung österreichischer Reisepässe hat die Botschaft in London Unregelmäßigkeiten festgestellt. Das Außenministerium leitete daraufhin „umgehend“ weitere Überprüfungen ein und erstattete Anzeige beim Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK), wie die Behörde heute mitteilte. Betroffen seien Passausstellungen in den Jahren 2022 bis 2024.

Die Unregelmäßigkeiten seien im Zuge einer außerordentlichen Überprüfung entdeckt worden. Frühere Überprüfungen hätten keinerlei Hinweise auf weitere unrechtmäßige Passausstellungen ergeben. Kontrollen an weiteren österreichischen Vertretungsbehörden förderten laut Außenministerium bisher ebenso keine weiteren Verdachtsfälle zutage.

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz forderte per Aussendung von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) „umgehende Aufklärung“.

Im Pilnacek-Untersuchungsausschuss ist heute der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, befragt worden. Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Justizsektionschefs Christian Pilnacek in der Donau bei Rossatz habe er ans Kabinett des Innenministeriums weitergegeben.

Die folgenden Ermittlungen liefen aus seiner Sicht „ordnungsgemäß“ ab, sagte Ruf. Auch der niederösterreichische Polizeichef Franz Popp verteidigte zuvor seine Beamten. Aufregung gab es neuerlich um Schulungen des Ministeriums.

Aus der Politik habe er sonst niemanden informiert und auch selbst keine Aufträge erteilt, sagte Ruf. Politischen Einfluss auf ihn bzw. die Ermittlung hat er nicht wahrgenommen. Die umstrittenen Schulungen für Beamte vor dem U-Ausschuss wollte Ruf nicht überbewerten. „Es war so nichts Ungewöhnliches.“ Aus Fürsorge für Mitarbeitende sei das Vorgehen vertretbar, Ähnliches gebe es auch bei anderen Fällen.

Kritik an Schulungen vor U-Ausschuss

Immer wieder wurde zuletzt Kritik am Innenministerium laut, nämlich dass die zahlreichen geladenen Polizisten auf den U-Ausschuss vorbereitet wurden. SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer zeigte sich bestürzt, dass der U-Ausschuss anscheinend in diesen Schulungen als „politisches Tribunal“ dargestellt wurde.

Auch der Vorsitzende Walter Rosenkranz (FPÖ) meinte sinngemäß, dass die Bezeichnung des U-Ausschusses als Tribunal noch Kreise ziehen könnte. Zum Abschluss seiner Befragung von FPÖ-Abgeordneten Gernot Darmann danach gefragt, fühlte sich Popp nicht an ein Tribunal erinnert.

Der Freiheitliche ortete in den Schilderungen des Landespolizeidirektors einen Skandal. Der U-Ausschuss sei nicht nur bei den Schulungen als „politisches Tribunal“ dargestellt worden, sondern auch in den Unterlagen als solches bezeichnet worden. Dabei handle es sich um das Wording von ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger, kritisierte Darmann am Rande der Sitzung vor Journalisten und Journalistinnen.

Deshalb habe man die Schulungsunterlagen vom Innenministerium angefordert, „Innenminister Karner (Gerhard, ÖVP, Anm.) ist diesem Ansuchen aber nicht nachgekommen.“ Sollte Karner dem Ansuchen nicht nachkommen, werde man notfalls bis vor den VfGH ziehen.

Ausschuss kurz vor Sommerpause

Popp betonte am Vormittag, dass er sich für die Schulungen eingesetzt habe. Allgemein habe die Polizei zudem an Ort und Stelle ihre Aufgaben erfüllt und ordentlich gearbeitet, meinte Popp. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft sei offensichtlich zufrieden gewesen und habe die Ermittlungen eingestellt.

Der U-Ausschuss wird die Befragung von Auskunftspersonen auch im Herbst fortsetzen. Darauf haben sich die fünf Fraktionen verständigt. Insgesamt wurden zwischen 16. September und 3. November sieben weitere Sitzungstermine vereinbart. Nach weiteren Befragungen nächste Woche geht der Ausschuss in die Sommerpause.

Ukraine-Krieg

Bei einem schweren ukrainischen Drohnenangriff ist heute zum zweiten Mal binnen einer Woche eine Raffinerie in Moskau in Brand geraten. Videos in Onlinediensten zeigten große schwarze Rauchsäulen über der Stadt. Die Flugabwehr der russischen Hauptstadt habe mehr als 180 Drohnen abgefangen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin mit.

Reuters/Social Media

„Mehreren Drohnen ist es gelungen, die Moskauer Ölverarbeitungsanlage zu erreichen“, räumte er zugleich auf seinem Telegram-Kanal ein. Laut dem unabhängigen Internetportal Astra gibt es mindestens fünf Brandherde in der Raffinerie. Auf in sozialen Netzwerken geteilten Videos sind eine starke Explosion und mehrere Feuer zu sehen.

Den offiziellen Angaben zufolge wurden auch ein Wohnhaus und ein großer Gartenfachmarkt in Moskau getroffen. Im Umland sei ein Hochhaus beschädigt worden, teilte der Gouverneur der Region, Andrej Worobjow, mit. Über Verletzte in Moskau und Umgebung ist nichts bekannt.

Russland droht Ukraine mit „massiven Angriffen“

Die Ölraffinerie im Südosten Moskaus gehört zu Gaspromneft und ist eine der größten Anlagen in Russland mit einer Verarbeitungskapazität von elf Millionen Tonnen im Jahr. Sie deckt einen bedeutenden Teil der Treibstoffversorgung Moskaus ab.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte in Moskau, Kreml-Chef Wladimir Putin habe bereits angekündigt, dass Russland weitere „massive Angriffe“ gegen die Ukraine ausführen werde. Die russische Armee „setzt das um und wird das auch weiterhin tun“.

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die von Kreml-Chef Wladimir Putin befohlene Invasion des Landes. Dabei greift sie in den vergangenen Monaten vermehrt Raffinerien im russischen Hinterland an. Das soll den angreifenden russischen Truppen die Treibstoffversorgung und Moskau die Kriegsfinanzierung erschweren.

Ukraine und Russland tauschen erneut Leichen aus

Trotz der andauernden Kämpfe tauschten die Ukraine und Russland erneut Soldatenleichen aus. Kiew habe 522 Gefallene zurückerhalten, teilte der ukrainische Koordinationsstab für Kriegsgefangenenbelange mit. Der russischen Seite wurden laut Meldungen staatlicher Agenturen 33 Leichname überstellt.

Großbritannien will der Ukraine bis Ende des Jahres 150.000 Drohnen liefern – hinzukommen 350 Luftabwehrraketen und Radarsysteme. Das kündigte der britische Verteidigungsminister Dan Jarvis bei einem Treffen der NATO-Ministerinnen und -Minister heute in Brüssel an. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm teil.

Finanziert wird das gut 750 Millionen Pfund (rund 865 Mio. Euro) schwere Paket durch den Erlös aus eingefrorenen russischen Vermögen. „Dieses Paket von Drohnen, Luftabwehrraketen und Radarsystemen wird dabei helfen, unschuldige Menschen in der Ukraine vor Putins Sperrfeuer aus Drohnen und Raketen zu schützen“, sagte Jarvis einer Mitteilung zufolge.

Die Ukraine konnte mit Hilfe von Drohnen zuletzt erhebliche Erfolge im Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg verzeichnen. Die westlichen Unterstützer des Landes wollen Russland nun zusätzlich unter Druck setzen, in der Hoffnung, dass sich der russische Präsident Wladimir Putin auf Verhandlungen über ein Ende des Krieges einlässt.

Vereinbarung zwischen Ukraine und Deutschland

Auch die Ukraine und Deutschland unterzeichneten eine Vereinbarung über Fähigkeiten zur Abwehr ballistischer Raketen, wie Selenskyj mitteilte. Er rief außerdem andere westliche Verbündete auf, sich der Initiative anzuschließen und bis zum Winter Ergebnisse zu erzielen.

Er betonte, sein Land benötige dringend weitreichende Artillerie und unbemannte Fahrzeuge. Zudem forderte er die Entwicklung zusätzlicher Finanzinstrumente zur langfristigen Unterstützung der ukrainischen Armee.

EU

Die EU-Staats- und Regierungsspitzen, darunter Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), beraten auf einem Gipfel heute und morgen in Brüssel über das umstrittene, rund zwei Billionen Euro schwere EU-Mehrjahresbudget (MFR/MFF) für 2028 bis 2034.

Stocker bekräftigte in einem Pressegespräch in Brüssel vor dem Gipfel die kritische Haltung Österreichs zu den von der EU-Kommission geforderten Erhöhungen. Österreich fordert ein deutlich kleineres Budget, als die zypriotische EU-Ratspräsidentschaft zuletzt vorgeschlagen hat.

Die Grenze soll bei rund einem Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, so der Kanzler. Eine Einigung soll es erst zu Jahresende geben. Der Vorschlag der EU-Kommission und auch die diese Woche von der zypriotischen EU-Ratspräsidentschaft vorgelegte erste Verhandlungsbox, die nur zwei Prozent Kürzungen am ursprünglichen Entwurf macht, würden von sehr vielen Staaten zu hoch beurteilt, so der Bundeskanzler.

Österreich wird sich daher auch im Rahmen dieses Gipfels wieder mit der Gruppe der Nettozahler treffen. Konkrete Papiere legten Österreich, Deutschland, die Niederlande, Schweden, Finnland und Dänemark dazu bisher noch nicht vor.

Stocker sieht China als „systemischen Rivalen“

Der Gipfel führt auch eine Aussprache zu Chinas aggressiver Handels- und Wirtschaftspolitik und möglichen EU-Gegenmaßnahmen. Stocker sieht China mittlerweile als „systemischen Rivalen“ und fordert eine neue EU-Strategie im Umgang mit Peking.

Mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wollen die EU-Spitzen zur Lage der Ukraine reden – insbesondere zu den gerade gestarteten EU-Beitrittsverhandlungen, zur Situation im Krieg und etwaigen Friedensverhandlungen mit Russland.

Stocker forderte die EU auf, die Dynamik in der Ukraine für Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu nutzen. „Kriege enden nicht mit Waffen, sondern mit erfolgreicher Diplomatie“, so Stocker in einem Interview der Zeitung „Financial Times“. Damit Diplomatie erfolgreich sein könne, brauche es Gespräche und Verhandlungen.

Ausland

Nach den tödlichen Schüssen auf einen exilierten russischen Künstler in Polen ist nach Angaben von Ministerpräsident Donald Tusk ein Verdächtiger festgenommen worden. Der Mann mit einem georgischen Pass sei möglicherweise an der Tat beteiligt gewesen, sagte Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge heute in Warschau.

APA/AFP/Slowo Podlasia/Piotr Pyrkosz

Der russische Aktionskünstler und Karikaturist mit dem Pseudonym Semjon Skrepezki war am Montag in der ostpolnischen Kleinstadt Biala Podlaska auf offener Straße mit fünf Schüssen getötet worden. Tusk sprach gestern davon, dass vieles auf einen politischen Mord hindeute, selbst wenn man noch auf nähere Beweise warten müsse. Sollte Russland seine Hand im Spiel gehabt haben, sei das ein Fall von Staatsterrorismus, sagte er.

Zwei Männer aus Belarus waren wegen der Tat vorübergehend festgenommen worden. Sie wurden aber wieder freigelassen, weil es keine Beweise für eine Beteiligung gab.

Vor den Augen von Passagieren und Passagierinnen ist auf dem zweitgrößten Flughafen von Ecuador ein Drogenboss von Angreifern erschossen worden. Bei dem Getöteten auf dem Airport von Guayaquil handle es sich um Carlos Suastegui, den Anführer der Gang Las Aguilas, erklärte Innenminister John Reimberg gestern Abend (Ortszeit).

Online verbreitete Videos zeigten einen jungen Mann, der einen anderen Mann in den Armen hält und ruft: „Hilfe, Hilfe! Mein Vater!“, während in der Nähe ein weiterer Mensch auf dem Boden liegt. Die Polizei nahm nach Angaben des Innenministers zwei verdächtige Jugendliche fest, zwei Schusswaffen wurden beschlagnahmt. Der Flughafen wurde zeitweise geräumt.

Ausnahmezustand in mehreren Provinzen

Gegen Suastegui wurde wegen Mordes, illegalen Waffenbesitzes und Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Nur einen Tag vor dem tödlichen Angriff auf den Drogenboss hatte der ecuadorianische Präsident Daniel Noboa wegen eines starken Anstiegs der Gewalt den Ausnahmezustand in zehn der 24 Provinzen des Landes verhängt.

Erbitterte Kämpfe zwischen Drogenbanden haben Ecuador zum gewalttätigsten Land Südamerikas gemacht. Im vergangenen Jahr lag die Mordrate nach Angaben des Innenministeriums bei 51 pro 100.000 Einwohnern und Einwohnerinnen, das entspricht einem Mord pro Stunde.

Das Land liegt zwischen den beiden weltgrößten Kokainproduzenten Kolumbien und Peru und hat sich zu einem wichtigen Transitland für den Drogenschmuggel Richtung USA und Europa entwickelt.

Wirtschaft

Die Halbierung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel sorgt unter Bäckern kurz vor Einführung der Steuersenkung weiter für Aufruhr. Je nach Gehalt an Fett und Zucker gelten unterschiedliche Steuersätze.

Enthalten Brot und Gebäck mehr als fünf Prozent Fett in der Trockenmasse, sind zehn Prozent zu versteuern. Bei weniger Fett sinkt der Satz auf 4,9 Prozent. „Das ist das Gegenteil von Entbürokratisierung“, so Wirtschaftskammer-Spartenobmann Peter Storfer laut „Kronen Zeitung“.

Wer beim Bäcker künftig ein Buttersemmerl kauft, zahlt zehn Prozent Steuer – wer Semmel und Butter separat bestellt, nur die Hälfte. Handsemmeln und Mohnweckerln könnten wegen des höheren Fettgehalts höher besteuert werden als industriell gefertigte Ware. Belegte Weckerln fallen unter einen anderen Steuersatz als unbelegte.

FPÖ mit Kritik

„Der Bäcker soll plötzlich zum Steuerexperten werden und entscheiden, wann ein Gebäck noch begünstigt ist und wann nicht“, kritisierte der freiheitliche KMU-Sprecher Michael Fürtbauer heute.

Christof Kastner, Vizeobmann des Lebensmittelhandels, sprach laut „Standard“ von einem Bürokratiemonster, das Tausende kleine Betriebe nicht rechtzeitig bewältigen könnten. Er riet Kaufleuten dazu, im Zweifel beim bisherigen Steuersatz zu bleiben, um bei Testkäufen kein Delikt zu begehen.

Das Finanzministerium veröffentlichte zuletzt eine Vielzahl an Auslegungshilfen. Laut diesen macht es künftig steuerlich auch einen Unterschied, ob man sich beim Bäcker bedienen lässt oder nicht.

In einer Stellungnahme gegenüber der APA erklärte das Finanzministerium, es stehe „in ständigem Austausch mit den Interessenvertretungen, um allfällige offene Fragen zu klären und praxistaugliche Lösungen zu erarbeiten und anzubieten“.

Gesundheit

Die Zahl der bestätigten Ebola-Toten in der Demokratischen Republik (DR) Kongo ist nach Angaben der Gesundheitsbehörde Africa CDC auf mehr als 200 gestiegen.

Zusammen mit den beiden im Nachbarland Uganda verstorbenen Patienten und Patientinnen seien es nun 204 Tote, sagte Wessam Mankoula, ein Vertreter der Behörde, heute. Inzwischen gebe es 894 bestätigte Fälle, davon 875 im Kongo. Insgesamt 74 Menschen gelten als genesen.

IMAGO/Anadolu Agency

In keinem anderen Ebola-Ausbruch auf dem Kontinent sei die Zahl der bestätigten Fälle im ersten Monat so hoch gewesen, sagte Mankoula. Das seien dreimal so viele wie beim zweithöchsten Ausbruch. Besondere Sorge bereite den Fachleuten die geringe Zahl der nachverfolgten Kontakte.

Nur 4.112 Kontakte bestätigter Ebola-Patienten und -Patientinnen würden derzeit aktiv nachverfolgt. Es sei jedoch von etwa 35.000 bestehenden Kontakten auszugehen. „Wir sind sehr weit davon entfernt, die Situation unter Kontrolle zu haben“, warnte Mankoula.

IT

Die Bürgerservice-App ID Austria hat neue Funktionen erhalten: So wird ab sofort die mobile Nutzung von Vollmachten unterstützt. Nutzerinnen und Nutzer können sich damit erstmals mobil in Vertretung einer anderen Person bei digitalen Services anmelden.

Auch die digitale Ausweisplattform eAusweise ist mit dem neuesten Update nun direkt vom Startbildschirm der App erreichbar. Ab Ende Juli 2026 steht zudem mit ida ein KI-basierter Chatbot zur Verfügung.

Der „Relaunch“, den der zuständige Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) heute in einer Pressekonferenz präsentierte, erleichtere Verwaltungswege für Familien, Angehörige, Unternehmen und berufliche Vertretungen. So ermögliche zum Beispiel die mobile Vollmacht die Abholung von Medikamenten für Angehörige. Voraussetzung bleibt allerdings eine Registrierung beider Personen bei der ID Austria.

Pröll: Kein Wildwuchs bei Bürgerservice-Apps

Neu ist auch ein in der ID-Austria-App integrierter Link zu den digitalen Ausweisen, die sich aber nach wie vor separat öffnen. Beide Anwendungen bleiben also vorerst bestehen. Wildwuchs bei den Bürgerservice-Apps werde es aber nicht geben, betonte Pröll. Er verfolgt das langfristige Ziel, mehrere Apps künftig zu einer zu fusionieren.

Der Chatbot ida wiederum wird sowohl in der App, als auch auf Websites wie oesterreich.gv.at ab Ende Juli dieses Jahres vertreten sein. Die digitale Assistenz ist als erster Schritt für weitere KI-basierte Services in der Verwaltung vorgesehen. In künftigen Ausbaustufen soll ida Bürgerinnen und Bürger nicht nur informieren, sondern – auf ausdrücklichen Wunsch und mit klarer Freigabe – auch bei digitalen Behördenwegen unterstützen.

Medien

Rainer Nowak ist der neue Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Er wurde heute einstimmig gewählt und folgt in dieser Funktion auf „Salzburger Nachrichten“-Herausgeber Maximilian Dasch, der künftig als Vizepräsident agiert. Zudem werde Dasch die Präsidentschaft des Vereins MISCHA (Medien in Schule und Ausbildung) übernehmen, hieß es in einer Aussendung.

„Ich werde mich mit allen Kräften bemühen, dieser großen ehrenamtlichen Aufgabe gerecht zu werden und der Zeitungsbranche in einer anspruchsvollen Zeit etwas zurückzugeben. Wir werden über Kooperation nicht nur reden, wir werden sie auch leben“, wurde Nowak zitiert.

Die weiteren VÖZ-Vizepräsidenten sind Horst Pirker (VGN), Eugen A. Russ (Russmedia) und Gerhard Valeskini („Kronen Zeitung“). Markus Mair (Styria) wurde von Dasch abgelöst und ist nun Mitglied im VÖZ-Präsidium – ebenso wie Gert Bergmann („NÖN“), Richard Grasl („Kurier“) und Alexander Mitteräcker („Standard“).

Kultur

Nach rund 200 Jahren ist die Restaurierung des westlichen Giebels des Parthenon auf der Akropolis von Athen abgeschlossen. Zudem wurden die äußeren Gerüste an der Westseite des antiken Tempels endgültig entfernt. Damit ist die Westfassade erstmals seit mehr als zwei Jahrhunderten wieder vollständig sichtbar, wie die griechische Kulturministerin Lina Mendoni heute mitteilte.

Reuters/Louisa Gouliamaki

Der Westgiebel wurde durch den Einbau von zwei rekonstruierten Stützen und die Wiederherstellung einer Stützmauer architektonisch wieder zusammengeführt. Die Arbeiten waren Teil eines umfassenden Restaurierungsprogramms, das teilweise aus Mitteln des EU-Wiederaufbaufonds finanziert wurde. Die ersten Renovierungsarbeiten hatten auf der Akropolis Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen.

Mendoni sprach von einem „historischen Moment“ für das Monument und den weltweiten Kulturerbeschutz. Die Arbeiten seien technisch äußerst anspruchsvoll gewesen und hätten höchste Präzision erfordert. Ziel sei es gewesen, die architektonische Einheit des Giebels so weit wie möglich wiederherzustellen. Teile der erhaltenen antiken Elemente seien konserviert und wieder eingesetzt worden, fehlende Bestandteile habe man aus neuem Marmor ergänzt, so die Ministerin weiter.